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 [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten

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Grim
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BeitragThema: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   So 14 Feb 2016, 09:42

Der Tod kam zu einem Zeitpunkt nach Ubersreik, als man am wenigsten damit rechnete und denkbar schlechtest darauf vorbereitet war. Seit einigen Monaten herrschte Unruhe an der Nordgrenze des Imperiums. Horden von Chaosanhängern suchten das Land heim, der nördliche Nachbar Kislev – so sagte man zumindest – war bereits gefallen und die Aurische Bastion, jene gewaltige magische Barriere, die Balthasar Gelt und der Goldene Orden errichtet hatten, geriet zunehmend unter Druck. Karl Franz, der Imperator, hatte alles an Truppen zusammen gezogen, was die reichen Provinzen Reikland, Middenland und Talabecland aufbringen konnten und ein gewaltiges Heer zum Gegenschlag nach Ostland geführt, damit jedoch die eigenen imperialen Herzlande gefährlich entblößend.
In dieser dunklen Stunde des Imperiums trat ein Feind, den die meisten Menschen für nicht mehr als Schauermärchen, für Geschichten, mit denen man unartige Kinder ängstigte, auf den Plan und fiel aus einer Richtung über die Städte des Imperiums, Bretonias und der südlichen Nachbarn Tilea und Estalia her, aus der man einen Angriff am wenigsten erwartete: von unten, aus den Tiefen unterhalb der Welt, wo niemand außer vielleicht den Zwergen des Weltrandgebirges – ihrerseits selbst zu diesem Zeitpunkt bereits hart in Bedrängnis – auch nur etwas anderes als Meilen um Meilen soliden Felses vermutet hätte. Und selbstverständlich erfolgte der Angriff bei Nacht.
Die Stadt Ubersreik an den Ufern des Flusses Teufel war eine der ersten, über die der Feind her fiel. Binnen einer einzigen Nacht übernahmen die dämonischen Kreaturen aus der Tiefe zwei Drittel der Stadt, schalteten fast die gesamte verbliebene Rumpfgarnison aus und töteten mehr als die Hälfte der Einwohner. Dass Ubersreik nicht wie die Städte Tileas und Estalias im Handstreich genommen und ausgelöscht wurden ist allein dem Heldenmut einzelner Inidivuen zu verdanken, die den ersten Ansturm überlebten und, organisiert in kleinen Zellen des Widerstands, zurück kämpften. Hätte es in späteren Zeiten noch Chronisten gegeben, sie hätten voller Stolz erwähnen müssen, wie diese tapferen Seelen todesverachtend den ersten Ansturm der rattengesichtigen Flut zurück schlugen. Doch bis dorthin war es ein mühseliger und hoffnungsloser Weg und jenen Helden des Imperiums – sie alles andere zu nennen würde ihnen schlicht nicht gerecht werden – standen Tage und Wochen der Hölle auf Erden bevor...

Der Mond Morrslieb stand fahl-grünlich im vollen Rund über Ubersreik. Ein schlechtes Omen seit jeher und zumindest für den abergläubigen Teil der Bevölkerung ein sicheres Indiz für schlimme Dinge, die da nahten. Gunther Uhlmann schlief schlecht in dieser Nacht und er wusste ganz genau, dass es an dem dreimal verdammten Chaosmond lag, dass er keinen wirklichen Schlaf finden konnte. Dabei hatte er ihn so nötig. Er hatte einen anstrengenden Tag gehabt. Seit die Gerüchte aus Ostland, Kislev sei gefallen und Kriegsherr der Chaosgötter führe eine Streitmacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hätte, nach Süden, die Runde machten, schien wirklich jeder Bürger der Stadt das dringende Bedürfnis zu verspüren, seine Flinten und Büchsen wieder in einen halbwegs wehrfähigen Zustand zu bringen. Gunther hatte an diesem Tag ein halbes Dutzend verzogener Läufe gerade gezogen, die Schlösser eines Paars vollkommen verrosteter Duellpistolen ausgetauscht und für einen exzentrischen Kaufmann eine Bündelmuskete, der es offenbar eine Kugel in einem der Läufe zerrissen hatte, wieder hergerichtet. Er war den ganzen Tag über an Esse und Werkbank gestanden, er spürte jeden Muskel seines Körpers und auch wenn es zweifelsohne gut fürs Geschäft war: er fühlte sich einfach nur noch zerschlagen und wollte nichts weiter als einen tiefen, erholsamen Schlaf. Aber den gönnte ihm der verfluchte Chaosmond über der Stadt nun nicht!
Während er im Halbschlaf dahin dämmerte konnte er deutlich spüren, wie Margaret an seiner Seite sich ebenfalls unruhig hin und her wälzte. Morrslieb schien auch ihr einen ruhigen Schlaf zu verwehren. Aber im Gegensatz zu gewöhnlichen Nächten konnte Gunther keine Beruhigung aus ihrer Präsenz ziehen. Beinahe war sie ihm unangenehm, wie sie so unruhig neben ihm lag, an dem dünnen Laken zog, das ihnen als gemeinsame Decke diente. Und dann fing unten in der Stube auch noch ein herzerweichendes, aber Gunther auch noch den letzten Rest Schlaf raubendes Gewimmer an. Karls Krippe stand nicht in der Schlafkammer der Eltern im Obergeschoss des Hauses, dafür war dieses schlicht zu klein. Stattdessen hatte Margaret sie neben dem Herd in der Stube, jenseits der Werkstatt platziert. Eine gute Lösung, an und für sich. Außer natürlich, wenn der Kleine in der Nacht schrie.
„Gunther...“, kam es leise von Gunthers Seite her.
„Geh' du. Es ist dein Sohn“, entgegnete Gunther schlaftrunken, ohne auch nur die Augen zu öffnen. Nicht, dass Karl nich auch sein eigener Abkömmling gewesen wäre. Aber in Augenblicken wie diesem zog er es dann doch vor, ihn allein zu Margarets Sohn zu erklären. Und dankenswerterweise verschonte sie ihn mit nächtlichen Diskussionen. Im Dahindämmern konnte er hören, wie sie sich aus dem Bett erhob, in ihre Holzpantoffeln schlüfte und hastig die Stiege zur Werkstatt hinab trippelte. Endlich hatte er die Decke für sich allein! Mit ein wenig Glück war er weggedämmert, bis Margaret Karl beruhigt hatte und zurück kam. Dann sollte sie von ihm aus auch das verdammte Laken haben, dann bekam er es ja nicht mehr mit...
Und dann war da plötzlich dieser Schrei. Ein Schrei voller Panik, voller Todesangst. Margarets Schrei! Sofort saß Gunther kerzengerade im Bett. Was war hier los? Was ging hier vor sich? Durch das kleine Butzenglasfenster fiel fahlgrünes Licht ins Zimmer und tauchte das Bett in gespenstisches Licht. Ein weiterer Schrei ertönte, dann plötzlich Lärm aus der Stube. Gunther verschwendete keinen weiteren Herzschlag daran, sich Gedanken über die Ursachen zu machen. Seine Familie war in Gefahr! Wie eine Kugel aus dem Lauf schoss er aus dem Bett, stürmte barfuß die Stiege hinab. In der Werkstatt glomm noch immer die Esse, spendete schummriges Licht. Und in diesem Licht sah Gunther Margaret. Sie lag reglos auf dem Boden, rücklings die drei Stufen, die von der Stube in die Werkstatt hinab führten, gestürzt, die Füße in den Holzpantoffeln noch im Türrahmen. Ein gewaltiger, im schwachen Licht schwarz wirkender Fleck hatte sich über die Brust ihres Nachthemds ausgebreitet. Und über ihr kniete diese Kreatur: einen Kopf kleiner als Gunther, hager, mit dem Kopf und Schwanz einer Ratte, über und über von Fell bedeckt. Und in der Hand eine blutige Klinge.
Etwas in Gunther zerbrach bei diesem Anblick. Seine Frau, tot! Sein ganzes Leben, mit einem Streich zerschlagen. Für einen Augenblick wurde ihm schummrig, die Welt schien sich um ihn zu drehen und schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Dann brachen die Reflexe aus der Zeit bei den Truppen in ihm durch. Da war noch mehr! Da war ein Schatten in der Ecke hinter ihm, eine huschende Bewegung! Instinktiv riss er den Ellbogen nach hinten, fühlte, wie Knochen auf Knochen trag, wie etwas aufplatzte, hörte den unterdrückten Schrei in seinem Rücken, gewahrte die trippelnd zurück taumelnden Schritte. Ohne weiter darüber nachzudenken griff er zum ersten Gegenstand in seiner Reichweite. Glücklicherweise war es das Beil, das er gemeinhin nutzte um das Holz für den Ofen zu spalten. In einer fließenden Bewegung fuhr er herum und erkannte für einen Herzschlag einen weiteren Rattenmann, wankend und mit wild aus der Schnauze spritzendem Blut. Ohne zu zögern vergrub er das Beil in dessen Schädel.
Erneut waren es seine Reflexe, die ihn retteten, als Margarets Mörder mit erschreckender Agilität durch den Raum hinweg auf ihn zu setzte. Ein hastiger Sprung zurück brachte ihn aus der Reichweite der Klinge, dann tat das Beil erneut sein Werk. Es zerschmetterte die Waffenhand des Rattenmanns und dann, als dieser zurück zu weichen versuchte, sein Kinn. Es kostete Gunther zwei weitere Schläge, ehe er den zuckenden Körper zur Ruhe brachte. Dann sank er, blutverschmiert und heftig schnaufend, auf die Knie. Auf allen vieren – obwohl er unverletzt war – zog er sich durch die Werkstatt zu Margaret, schloss ihren Kopf in seine Arme.
„Nein, nein...“, gab er schluchzend von sich, kämpfte gegen die Tränen, doch es half nichts. Margaret war tot. Eine ganze Weile kauerte er so, bis er wieder zur Besinnung kam. Seine Frau war tot, aber es half alles nichts. Er konnte es nicht mehr ändern. Er musste jetzt nach vorne blicken. Irgendetwas ging hier vor sich!
Gunther wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, kam zitternd wieder auf die Beine. Trat über Margaret hinweg in die Stube. Blieb seltsam kalt, als er in Karls Krippe blickte und seinen Sohn dort als blutiges, lebloses Bündel liegen sah. Er hatte es bereits erwartet. Es bereits gewusst. Es konnte ihn nicht mehr schocken. Was nun also? Wieder gewann militärische Räson die Oberhand. Zusehen, dass es ihn nicht auch selbst nich erwischte. Wo zwei dieser Biester waren, da konnten auch mehr von ihnen sein. Und hier war er nicht sicher. Er musste Hilfe holen. Jemanden alarmieren. Herausfinden, was hier vor sich ging. Zwei Straßen weiter stand ein Schrein des Sigmar. Wenn ihm jemand jetzt helfen konnte, dann der Schutzgott des Imperiums. Der Entschloss war rasch gefasst. Zum Schrein, also! Aber kaum im Nachthemd. Kalt, wie betäubt stieg Gunther erneut die Stiege hinauf, schlüpfte in Hose, Wams und Stiefel. Legte den Gürtel um. Und griff sich dann, zurück in der Werkstatt, das Beil, seinen alten Nulner Karabiner und die heute erst reparierte Bündelmuskete. Die brauchte er jetzt dringender, als deren Besitzer. Dann noch eine Tasche mit einer Pulverflasche und einer Handvoll Kugeln. Kurz überprüfte er noch sämtliche Läufe seiner Waffen, ob diese auch geladen waren. Dann trat er hinaus auf die Straße. Zum Sigmar-Schrein! Mochte der Gott seine Hand über ihn halten, dass er durch kam!

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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   So 14 Feb 2016, 17:50

Die letzten paar Tage waren friedvoll gewesen. Der Tempel der Shallya in Ubersreik war ein kleiner Bau, der zu dem Zeitpunkt hauptsächlich Krankenbetten enthalten hatte. Die Kämpfe an der Front hatten bereits eine ganze Menge Opfer gefordert. Und die Möglichkeiten zur Versorgung auf dem Schlachtfeld waren begrenzt. Es war einfacher die schwer verwundeten einfach tiefer in das Reich zu karren als sie alle in hastig errichteten Lazaretten zu versorgen. Zumal einige von ihnen nie wieder kampftauglich werden würden. Da gab es zum Beispiel Heinrich, der neben seinem Bein auch noch ein Auge verloren hatte. Der Mann hoffte sich trotzdem weiter in der Armee nützlich machen zu können. Als Mitglied der Versorgungstrupps. Er hatte sonst nichts. Hatte nie ein Handwerk erlernt, nie geheiratet und kein Erbe, auf das er hätte zurückkkommen können.
Von Cassius' eigener Einheit waren nur zwei Soldaten mit nach Ubersreik gebracht worden. Mehr war nicht übrig. Sie gaben Cassius keine Schuld an dem Tod des Rests. Stattdessen hatten sie sich ein paar Mal mit ihm betrunken, bis die Medicae es ihnen verboten hatten. Das war nett von den beiden. Cassius selbst schätzte sich als unglaublich glücklich ein. Ein Pfeil hatte seine alte Maske, die ihm als gelerntem Mitglied des Ordens des Golds zustand, beinahe zerstört. Aber wenigstens hatte sie den Pfeil abgelenkt, sodass er an Cassius' Kopf vorbei geflogen war anstatt hinein. Ein paar Zentimeter weiter rechts und man hätte ihn ebenfalls in ein flaches Grab werfen können. Im Feldlazarett hatten sich die Wunden in seinen Wangen entzündet und ihn für ein paar Tage in ein tiefes Fieber versetzt. Von der Reise nach Ubersreik hatte er fast nichts mitbekommen. Nur ein paar wache Momente, in denen er in einem schaukelnden Wagen gelegen hatte, die leeren Gesichter der beiden anderen Soldaten vor sich und das besorgte Gesicht einer Medica über sich.
Im Tempel selbst hatte er sich langsam erholt. Das Fieber war zurückgegangen und die Wunden verheilt. Irgendwie hatten die Priester es sogar geschafft dass sich wieder Fleisch über die Löcher zog. Die Narben würden allerdings bleiben. Das war nicht weiter schlimm. Er hatte sich ohnehin nie große Chancen ausgerechnet jemals eine Frau zu finden. Ein paar Wochen wollte er noch in Ubersreik bleiben und dann wieder zurück an die Front gehen. Dort war konnte er nützlich sein.

Der Priesterin wuchs eine stählerne, tropfende Zunge. Krallen kratzten über Stein, aber niemand schrie. Cassius starrte ungläubig auf den Skaven. Es musste ein Skaven sein. Genau so wurden sie immer beschrieben. Eine Kreatur aus den finstersten Tiefen, mit roten Augen, aufrechtem Gang und dem Kopf einer Ratte. Das kurze Fell der Kreatur war struppig und der Schwanz nackt. Dieser hatte sich den Helm von einer der Stadtwachen aufgesetzt, von dem noch der Nackenschutz aus Kettengeflecht herunter hing. Es hatte dem armen Mann anscheinend nichts genutzt, denn auch die Kettenringe glänzten feucht. In dem Tempel war niemand gewesen außer verletzten Soldaten und jenen freundlichen Seelen, die diese versorgt hatten. Der Skaven stieß ein schnatterndes Geräusch aus und zeigte auf Cassius.
Mit einem Mal wurde sich der Magier der Gefahr bewusst, in der er schwebte. Wenn man es recht bedachte, hatte er auf seinem kleinen Spaziergang viel zu wenig Wachen gesehen. Allerdings wurde ihm das viel zu spät bewusst. Warum war er so blind gewesen? Weil niemand mit einem Angriff der Skaven gerechnet hatte. Sie waren ein Märchen. Schreckgestalten, mit denen man Kindern drohte. Zu behaupten dass sie echt waren, erntete einem nur seltsame Blicke.
Cassius hob eine Hand und deutete auf den Skaven. Ein Schauer aus silbernen Splittern zerfetzte das Monster regelrecht. Aber für die Medica war es zu spät. Genau wie für jeden im Tempel. Außerdem ertönte das Kratzen weiterer Klauen aus den hinteren Räumen und quietschende Stimmen näherten sich. Vom Schreck beflügelt setzte sich Cassius in Bewegung, die Straße hinunter. Morrsleib stand hoch am Himmel. Die Winde der Magie wehten so stark wie noch nie zuvor. Wenigstens darum musste er sich keine Sorgen machen. Trotzdem kroch ihm die Angst ins Genick und setzte sich dort fest wie ein schleimiger, feuchter Affe. Es waren keine Wachen auf den Straßen! Die Stadt war wie ausgestorben. Nein, das stimmte nicht. Gestalten huschten durch die Gassen zwischen den windschiefen Häusern. Schatten krochen über die Dächer, machten Ausbuchtungen dort wo keine sein sollten. Dies war nicht einfach nur irgendein verirrter Trupp Skaven. Es war eine Invasion!

Den Trupps der Skaven aus dem Weg zu gehen gestaltete sich als schwierig. Ubersreik verfügte über ein gewaltiges Abwassersystem, das das Ungeziefer anscheinend nur zu gerne nutzte um aus jedem Kanaldeckel zu strömen wie eine übelriechende Masse an Fell und rudimentären Waffen. Cassius hetzte weiter, vermied inzwischen die breiten Straßen. Wenn er hier auf Skaven traf, dann waren diese genau so überrascht wie er selbst. Die letzten beiden hatten eine ordentliche Ladung Silber direkt in ihre hässlichen Fratzen bekommen. Aber trotzdem traute sich Cassius nicht zu schreien oder Warnungen auszurufen. Die Biester waren überall. Zwei oder drei mochte er alleine erledigen, aber er war alleine und hatte keine Augen im Rücken. Außerdem waren hier so viele, dass zwei oder drei Tote nicht einmal eine Verschnaufpause einbrachten. Keuchend stützte sich der Magier an einer Säule des Schreins für Sigmar ab. Der Schutzpatron des Reichs schien seine Kinder heute vergessen zu haben. Blieb nur zu hoffen, dass die Garnison nicht bereits überrannt war. Aber Cassius machte sich keine Hoffnungen. Wegen der neueren Konflikte war nicht mehr als das Minimum an Soldaten hier. Außerdem ertönte kein Alarm. Keine Glocken, die verhängnisvoll Warnung gaben. Ubersreik war verloren, in einer einzigen Nacht.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mo 15 Feb 2016, 08:18

Gunther hatte in seinem Leben viermal auf Schlachtfeldern gestanden. Er hatte die Hölle von Volganov gesehen. Er hatte gegen die grausam mutierten, blutrünstigen Diener des Chaos gekämpft. Eine Angst wie in dieser Nacht hatte er dabei jedoch nie empfunden. Er hatte immer Trost, Zuversicht aus der Anwesenheit seiner Kameraden ziehen können. Und egal wie die Zahlen stehen mochten: es war immer ein offener Kampf auf Augenhöhe gewesen. Das hier war anders. Er war allein. Und ihm war sehr wohl bewusst, dass er hier die Beute einer ihm bekannten Zahl von Jägern war.
Nervös huschte er vorwärts, geduckt, die Bündelmuskete lose im Arm. Immer wieder blieb er stehen, drückte sich an Hauswände, blickte über seine Schulter, suchte die Gasse und auch die Dächer nach verdächtigen Bewegungen ab. In diesem Moment war er dankbar für Morrsliebs Größe, die die Nacht beinahe zum Tag machte. Zweimal konnte er huschende Rattenkreaturen auf den Dächern erkennen, doch auf sie anzulegen wagte er nicht. Wenn er jetzt feuerte, dann zog der Lärm sicher nur die Aufmerksamkeit von noch mehren von ihnen auf ihn. Und solange sie ihn nicht sahen war es nicht nötig, sie zu töten, auch wenn der nur mühsam von der Furcht in Zaum gehaltene Zorn in seiner Brust genau danach schrie.
Erschreckend viele Türen und Fenster in der Straße standen offen, die Schlösser geknackt oder aufgebrochen. Gunther war sich nur zu bewusst, dass die Leute sie nicht einfach offen hatten stehen lassen. Und ihm graute vor dem Anblick dessen, was sich dort drinnen sicherlich abgespielt hatte. Eine dünne Stimme flüsterte ihn seinem Kopf, dass er hinein gehen musste, sehen musste, ob er den Leuten helfen konnte, doch dafür war er schlichtweg nicht Held genug. Im Moment wollte er einfach nur seine eigene Haut retten.
Nach einer gefühlten Ewigkeit – es konnten in Wirklichkeit nicht mehr als ein paar Minuten gewesen sein – erreichte er schließlich den Schrein des Sigmar. Nervös, aber auch wachsam, wie er nun war, gewahrte er die Gestalt, die sich an dessen Mauer drückte, sofort. Und er hätte sie im Halbdunkel der Nacht wohl für einen Rattenmenschen gehalten und geschossen, hätte sie nicht derart auffällige Gewandung getragen: weite, golddurchwirkte Roben und eine metallene Maske auf dem Kopf. Ein Mensch. Und ein Magier. Das erkannte Gunther, auch wenn er in seinem Leben mit nicht vielen von diesen zu tun gehabt hatte. Und es schien ihm nicht gut zu gehen. Mit hastigen Schritten überquerte Gunther den Platz vor dem Schrein und warf sich neben dem Magier an die Mauer, mit der Muskete nach hinten absichernd. Aber kein Rattenmann war ihm gefolgt.
"Seid ihr in Ordnung, Freund?", wandte er sich anstelle einer Begrüßung an den Magier, "Seid ihr verletzt?"

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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 17 Feb 2016, 12:08

"Nur außer Atem. Die Wunde macht mir noch zu schaffen", antwortete Cassius mechanisch, bevor er realisierte, was soeben passiert war. Der Magier hob den Blick und sah einen Menschen. Einen lebenden Menschen, mit Blutspritzern auf der Kleidung. Aber die schienen nicht seine eigenen zu sein. Dafür war es einfach zu viel Blut und der Mann wirkte noch recht lebendig.
"Bei Sigmar, Ihr ahnt nicht, wie froh ich bin Euch zu sehen. Ubersreik ist verloren. Die Skaven haben in einer Nacht geschafft, was die Jahrhunderte nicht vermochten."
Mit kratzendem Geräusch zog er sein Langschwert aus der Scheide. Das hatte er eigentlich nur mitgenommen, weil ihn das Gefühl beruhigte. In einer Nacht wie dieser, wenn die Winde so stark wehten, war es beinahe nutzlos verglichen mit seiner Magie. Der Magier wandte den Blick ab, die breite Straße hinunter. Auch dort bewegten sich die Schatten. Warum hatte noch niemand den Alarm ertönen lassen? Wahrscheinlich weil sie tot waren. Oder den Turm nicht erreichen konnte.
"Wir müssen den Alarm auslösen. Die Feuerglocken oder etwas ähnliches. Ich bin erst seit ein paar Tagen hier und habe die meisten davon im Fiebertraum verbracht. Aber hier muss es so etwas geben."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 17 Feb 2016, 13:10

Übelkeit: Zu stark. Alkohol: Zu schwach. Zu wenig.
Er schien ihr in letzter Zeit immer zu wenig zu sein. Ihre Kehle juckte immer nach einem Tropfen mehr, einem weiterem klitzekleinen Schluck. Und wenn dazu ihre Würfel über den Tisch purzelten oder die Karten beim Mischen flüsterten, dann war alles ein bisschen besser. Dann sah die Welt rosig aus und ihr Bein schmerzte nicht und sie vergaß, dass sie den Tag über nur an einem Brot genagt hatte. Seit mehreren Wochen nahm sie ihr Brot hauptsächlich flüssig zu sich. Gerade hatte sie es aber übertrieben. Musste am Chaosmond liegen. Der brachte ihr Bein zum Pochen. Verdammtes Bein. Wenn sie es sich so recht überlegte, brachte so ziemlich alles ihr Bein zum Schmerzen. Außer der Schnaps in ihrer Hand. Der war gut. Heilig, fast. Irgendwo in der Nähe befand sich ein Schrein eines Gottes, den sie eigentlich kannte, aber gerade betete sie lieber zu ihrer Flasche.
Mit wankenden Schritten schlurfte sie, sich an ihrem Speer festhaltend wie eine alte Vettel mit Wanderstock oder ein geschlagener Fahnenträger – beides übertraf sie wohl in Würde – durch die dunklen Straßen der Stadt. Ihr Gang war seit dem verdammtem Pfeil immer wankend und stockend, aber heute wurde ihr Auftritt von etwas Hochprozentigem gesponsort, das sie in der freien Hand hielt und deren Inneres herumschlackerte. Irgendwo in einer Nebengasse prallte sie gegen die Wand, lehnte den Speer neben sich. Das Gleichgewicht des Universums befand die Fülle ihres Magens ungerecht im Vergleich zur Sauberkeit der Hauswand, und so erbrach sie sich geräuschvoll auf den Boden. Es roch plötzlich scharf nach Alkohol und Kotze. Mit dem Ärmel wischte sie sich den Mund ab. Jetzt war sie ein bisschen klarer. Aber verdammt, schade um den Fusel. Auch wenn er schwach war und schmeckte, als hätte der Gastwirt hineingepinkelt, bevor er ihr die Flasche überreicht hatte. Vielleicht hatte er das? Was interessierte es sie?
Etwas schabte über den Boden. Wachen, die sie ausnüchtern wollten? Lethargisch drückte sich Ingrid von der Mauer weg und schaute in die Dunkelheit vor ihr. In ihrem Rücken war eine Wand. Aber da war nichts. Huh? Sie war bisher noch nicht in der Stadt ausgeraubt worden, aber das wäre doch der krönende Abschluss eines Scheißtages. Eines Scheißlebens. Irgendwie sprang ihr Speer in ihre Hand und wirbelte einmal durch die Luft, eine Bewegung, die ihr eingewachsen war. Sie konnte ihn so oft sie wollte wegwerfen und sich besaufen, aber er kam immer wieder und selbst der härteste Schnaps konnte den Instinkt nicht auslöschen, der ihr sagte, dass sie auf der Hut sein sollte. Die Kette auf ihrer Waffe klirrte, als sie als einzigen Angriffspunkt die Luft anvisierte, und das nicht eine Sekunde zu spät. Absolut lautlos stürzte sich etwas vom Hausdach auf sie und regnete dabei Stroh und Schindeln auf den Boden, die sie vorwarnten. Immernoch die Flasche in der Hand, riss sie ihren Speer nach oben und spießte das Ding auf, das sich auf sie gestürzt hatte. Es war zu schwer, um es mit einem Arm hochzuhalten und da sie die Waffe nicht senken wollte, stieß sie einen Fluch aus und warf den Schnaps in die Ecke. Er landete wahrscheinlich in ihrer Kotze, wo er hingehörte. Wieder vereint mit seinen Verlusten. Das Blut und Geifer röchelnde Wesen auf ihrer Speerspitze wurde, als sie die zweite Hand dranbekam, durch die Luft gewirbelt und an die Hauswand gedroschen, was ein hässliches Knacken ergab. Mit dem Gesichtsausdruck eines toten Fisches schlug sie es auf dem Boden und trat darauf, um ihre Speerspitze aus dessen Brust zu entfernen. Huh. Ein Rattendings. Wie hießen sie? War das nicht Märchenstoff? Wie besoffen war sie? Blut spritzte in alle Richtungen, als sie die Waffe noch einmal durch die Luft wirbeln ließ, die Augen auf die Häuserdächer gerichtet, dann beschleunigte sie ihren Schritt. Adrenalin und Erfahrung trieben sie hinkend vorwärts. Ein Angriff auf die Stadt! Plündernde Ratten! Als sie auf die offene Straße hinaustrat, fiel ihr auf, dass viele der Haustüren aufgebrochen und Fenster eingeschlagen waren. An entfernten Stellen konnte sie Schreie hören. Das war ihr auf dem Heimweg vom Gasthaus gar nicht aufgefallen … Aber jetzt war sie mittendrin. Auf den Dächern um sie herum konnte sie Schatten huschen sehen, kleine Wesen mit tödlichen Klingen und giftigem Biss. Sie hob den Speer. Es entfiel ihr, wo sie sich zurückziehen konnte, und so war ihr erster Instinkt, gegen die Ratten hier zu kämpfen. Zum Glück hatte sie getrunken. Auch wenn es zu wenig war. Es war immer zu wenig.
Aber Blut vergießen war ein guter Ersatz.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Do 18 Feb 2016, 08:19

"Alarm? Aye...", antwortete Gunther lahm. So weit hatte er noch gar nicht gedacht. Dieser Magier war, wie er anerkennend feststellen musste, bereits deutlich weiter als er. "Und wir müssen die Wachen alarmieren. Vielleicht wissen sie noch gar nicht, was hier vor sich geht. Diese elenden Schleicher sind geschickt darin, unentdeckt zu bleiben." Er trat einen Schritt auf die Straße hinaus – fort von der Mauer des Schreins – um sich zu orientieren, sich den schnellsten Weg zum nächsten Wachhaus in Erinnerung zu rufen, da öffnete sich hinter ihm plötzlich eine Tür. In ihrem Rahmen stand ein breitschultriger Mann in bodenlanger Robe und Brustplatte, eine Laterne in der einen, einen langstieligen Kriegshammer in der anderen Hand. Sein kahl geschorener Schädel und der eiserne Ring um die Stirn zeichneten ihn als Kriegerpriester des Sigmar aus.
"Ha, noch mehr Überlebende? Dachte doch, dass ich was gehört habe", gab der Mann von sich, "Rasch, rein hier. Besser, zu dieser Zeit nicht auf der Straße zu sein." Die Worte waren freundlich vorgetragen, doch der Tonfall ließ keinen Widerspruch zu. Und wer wäre Gunther gewesen, einem heiligen Diener des Sigmar zu widersprechen? Zumal dessen Versprechen, einer zumindest halbwegs sicheren Unterkunft mehr als vielversprechend klang.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mo 22 Feb 2016, 01:29

Die Freude darüber mehr Überlebende gefunden zu haben wurde sehr rasch von der Identität des neuen Mitstreiters verdrängt. Zwischen Magiern und den Priestern bestand nicht wirklich Freundschaft. Manche mochten es als verblümte Feindschaft betrachten. Dazu kamen die Hexenjäger, die zwar eine durchaus verdienstvolle Arbeit durchführten, aber dabei manchmal ganz schön...eifrig zu Werke gingen. Aber dies war keine Zeit für Misstrauen zwischen den Menschen. Gegen diesen Feind würden sie jede Schwertarm brauchen, egal wer dahinter steckte. Und der Priester sah ihn immer noch auffordernd an.
Cassius setzte sich in Bewegung, dem Mann mit der Muskete hinterher. Oder war es eine Arkebuse? Er hatte die Dinger noch nie unterscheiden können. Für ihn waren das alles einfach nur Feuerstöcke. Trotz allem schleppte sich der Magier in das Haus. Blieb zu hoffen, dass der Priester das ähnlich sah wie er selbst.
"Habt Dank. Ist die Lage so schlimm, wie ich annehme?"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mo 22 Feb 2016, 08:17

Sie folgten dem Priester ins Innere des Schreins, schlossen die wuchtige Türe hinter sich und endlich begann soetwas wie Ruhe sich wieder in Gunther breit zu machen. Nicht mehr allein, nicht mehr im Freien. Sicher. Für den Augenblick. Er atmete tief durch und sah sich im Inneren des Gotteshauses um. Kerzenschein erhellte den Raum und tauchte ihn in ein unstetes, flackerndes Zwielicht. Dennoch: es war weit angenehmer als das harte, kalte Licht des Chaosmondes da draußen.
Als erstes vielen Gunther die Körper auf. Vielleicht ein halbes Dutzend kleiner, haariger, rattengesichtiger und samt und sonders übel zugerichteter Körper, die man mehr oder weniger achtlos gegen die Wände gelehnt hatte. Und dann all das Blut! Dunkle Flecken, überall auf dem Boden. Es war nicht schwer vorstellbar, was hier für ein Kampf getobt haben musste. Wäre der Schrein nicht so spärlich eingerichtet: alles müsste hier voller Trümmer liegen. Und dann sah Gunther den Körper, der auf dem Altar aufgebahrt war: ein junger Mann in langen Priesterroben, der Schädel kahl, die Hände über dem Kopf eines Hammers gefaltet, der auf seiner Brust lag. Merkwürdig gebahnt näherte Gunther sich langsamen Schrittes der wie schlafend daliegenden Gestalt.
"Ich kann im Moment wenig mehr über die Lage sagen, als ihr vermutlich ohnehin schon wisst", antwortete der Priester unterdessen dem Magier, "Aber dass diese Kreaturen in solchen Massen an die Oberfläche hervor brechen und uns in unseren Häusern ermorden heißt nichts Gutes. Das hier ist etwas Großes. Ich habe mich ein wenig in den umliegenden Häusern umgesehen, aber keine Überlebenden gefunden. Und kein Wort von der Stadtwache. Schwer zu sagen, wie es ansonsten so in der Stadt aussieht..."
In diesem Moment ertönte von draußen ein ferner Hornstoß, ließ den Priester in seiner Rede und Gunther in seinem Weg zum Altar innehalten. "Keines von unseren", erklärte der Priester mit harter Stimme, "Das sind sie. Sieht so aus, als würden sie nun auf alle Heimlichkeit verzichten. Jetzt fällt die Horde offen über die Stadt her."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mo 22 Feb 2016, 12:44

"Was machen wir denn dann? Ich hatte den Alarm erklingen lassen wollen, aber das ist jetzt unnötig. Möglichst viele Überlebende sammeln und aus der Stadt fliehen? Wenn wir noch keine Nachricht von der Stadtwache haben, dann sind sie wohl tot. Kein Wunder. Hier kann nicht mehr als das Minimum an Soldaten postiert gewesen sein. Gegen die Horden der Skaven hatten sie wohl kaum eine Chance. Eine Schande."
Dem Blut und den toten Skaven keinerlei Beachtung schenkend, wanderte Cassius im Inneren des Schreins einen kleinen Kreis in den Boden. Dies war eine wahrhaft verzweifelte Lage, in der sie sich da grade befanden. Vorsichtig schob Cassius die Maske nach oben, um dem Priester ins Gesicht sehen zu können, und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Derzeit versuchte er vor allem das spärliche Wissen zu den Skaven zusammenzukratzen. Gerüchte und Märchen. Welchen Nutzen hatten die schon.
"Ich habe keine Zweifel an der Kampfkraft von Euch, aber gegen eine Horde an Skaven können wir uns nicht verschanzen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, aber dort draußen sind mehr Skaven als Chaoskrieger in einer von deren verfluchten Armeen."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mo 22 Feb 2016, 18:04

"Ich kann nicht glauben, dass die Stadt verloren ist", schaltete Gunther sich in das Gespräch ein. Inzwischen hatte er den Altar erreicht und blickte auf den darauf Aufgebahrten hinab. Ein erschreckend junges Gesicht, fast noch das eines Knaben. Im Tod wirkte es fast friedlich. Fast, als würde der Junge nur schlafen. Aber dann waren da auch die blutigen Flecken, die sich deutlich durch die Gewänder drückten, zeigten, wo scharfer Stahl das unschuldige Fleisch des Priesters zerschnitten hatte. Auch wenn er den jungen Kleriker noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte, fühlte Gunther Trauer über seinen Tod. Und Mitleid. Er erinnerte ihn nur zu sehr an Margaret, wie sie niedergestochen auf der Stiege lag. Was für ein sinnloser Verlust jungen Lebens!
"Ich kann es nicht glauben!", wiederholte er, aufbrausend diesmal, es wie einen Fluch ausstoßend und dabei zu den anderen beiden herum fahrend. Seine Stimme wurde schneller, überschlug sich beinahe, als er fort fuhr. "Diese Rattenmenschen sind doch auch nur Bestien des Chaos'! Sicher, sie sind heimlich und geschickt und vielleicht haben sie ein ganzes Stadtviertel überrennen können. Aber mit Sicherheit nicht die ganze Stadt! Sie können unmöglich koordiniert überall zugleich hervor gebrochen sein. Sie können nicht jeden hier überrascht haben. So schlimm kann es einfach nicht sein! Wir müssen gegen sie kämpfen. Müssen sie zurück drängen. Die Stadt kann nicht gefallen sein! Wir können sie zurück schlagen. Wenn wir nur genug tapfere Männer finden, die zu den Waffen greifen. Aber Ubersreik aufgeben, fliehen... niemals!"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 24 Feb 2016, 14:04

"Vielleicht habt Ihr recht", gab Cassius bei. Es war Wunschdenken, sicher. Aber sowas war wichtig, um die Hoffnung zu behalten. Und vielleicht hatte ja wirklich jemand überlebt, in einem der anderen Viertel. Außerdem wäre es eine Schande für das Imperium eine Stadt wie Ubersreik an die dreckigen Horden des Chaos zu verlieren! Der Ehrverlust wäre nicht wieder wett zu machen. Und Cassius würde nicht zu jenen gehören, die klein beigegeben hatten im Angesicht der Niederlage. Und damit war es eigentlich schon beschlossen, nicht wahr? Der Magier straffte seine Gestalt und setzte die Maske wieder auf.
"Ihr habt Recht. Aber wir brauchen mehr Männer. Und eine Position, die sich besser verteidigen lässt. Zugegebenermaßen weiß ich nicht, wo man auch nur eines dieser beiden Dinge finden könnte. Ich wollte zur Garnison, überprüfen ob die Soldaten dort dem Angriff standhalten konnten."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 24 Feb 2016, 18:33

Thaggoraki! Die Straßen schwärmten vor Thaggoraki, vor widerlichen, huschenden, geifernden, schnüffelnden Ratten. Es war das Letzte, womit Skardi gerechnet hatte. Er hatte früher bereits gegen die Raki gekämpft, in seinem früheren Leben, als Bergwerker. In den endlosen Tunneln des Ungrim Angkor, die schändlicherweise schon so lange nicht mehr unter der Kontrolle seines Volkes standen, geriet man immer wieder einmal mit diesem oder anderen Übeln aneinander. Am häufigsten aber tatsächlich mit den Raki. Damals hatte er jedes mal geflucht und zu den Ahngöttern gebetet, ihn nie wieder auf sie treffen zu lassen. Aber nun? Nun war es Skardi nur zu recht, auf die Thaggoraki zu treffen. Sicher, er hatte es nicht erwartet. Er war nur in diese Stadt der Menschen gekommen, um Vorräte einzukaufen. Brot. Fleisch. Talg für seine Frisur. Dass er dort die Gelegenheit für einen Kampf finden würde, damit hatte er im Traum nicht gerechnet. Und besser noch: das hier würde ein Kampf werden, über den man singen und Geschichten erzählen konnte. Und wenn er darin das Ende fände, dann wäre es ein gutes Ende. Eben das, was er suchte!
Von seiner Deckung in der schmalen Gasse zwischen zwei turmhohen Menschenhäusern aus beobachtete Skardi, wie die Raki auf einen fernen Hornstoß hin in eine nahe Gasse hasteten. Es waren viele von ihnen, anderthalb Dutzend vielleicht. Räudige, kleine Raki. Sklaven. Kaum größer als Skardi selbst, in Fetzen gekleidet und mit Dingen bewaffnet, die man nur mit viel gutem Willen als Waffen durchgehen lassen konnte. Und als Mitglied eines Volkes, das großen Wert auf die Schmiedekunst legte besaß Skardi diesen Willen nicht. Ein paar Handvoll unbewaffneter Thaggoraki also. Nicht unbedingt das Gleiche wie der Riese, gegen den er eigentlich hatte kämpfen wollen. Aber es waren Raki und Skardi hasste Raki, so wie jeder anständige Dawi. Und er wollte wissen, was sie gefunden hatten, dass sie alle in diese Gasse eilten. Es brauchte nicht mehr als ein paar Herzschläge um einen Entschluss zu fassen. Skardi griff seine Axt fester und folgte den Raki so rasch ihn seine kurzen Beine trugen.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Do 25 Feb 2016, 08:20

"Dieser Tempel ist sicher!", verkündete der Priester im Tonfall vollster Überzeugung, eine Aussage, die Gunther angesichts der Tatsache, dass etliche tote Skaven über den Boden verteilt und ein erschlagener Novize auf dem Altar lagen, mehr als gewagt erschien, "Sigmar wird nichts zulassen, dass sein heiliger Grund an diese Monster fällt. Und solange ich Wacht halte wird kein weiterer Rattenmann diese Schwelle übertreten. Aber was die Männer angeht, so gebe ich euch recht, Zauberer. Da solltet ihr die Garnison aufsuchen und sehen, wie viele Wachmänner sich dort zusammen trommeln lassen um diese Kreaturen zurück zu treiben, wo sie her gekommen sind."
"Ihr wollt nicht mit uns kommen, Priester?", hakte Gunther nach. Dessen Entschlossenheit, diesen Schrein zu verteidigen, hatte in ihm nicht den Eindruck erweckt, als hätten sie in ihm einen Begleiter gewonnen.
"Ich muss hier bleiben", erklärte der heilige Mann Sigmars kopfschüttelnd, "Ihr werdet nicht die Letzten sein, die Schutz bei Sigmar suchen werden. Ich muss sie hier aufnehmen, wie ich euch aufgenommen habe. Muss sie schützen. Dieser Ort ist ein Refugium für die Schutzsuchenden. Ich könnte es mir nie verzeihen, sollten sie hier statt dem Schutz Sigmars den Tod durch die Klauen dieser Bestien finden."
"Ich weiß, wo das nächste Garnisonshaus steht", wandte Gunther sich dem Zauberer zu. Die Worte des Priesters hatten ihn überzeugt, dass dieser nicht mehr von seiner Position abzubringen war. "Wenn ihr möchtet, dann führe ich euch hin. Aber passt auf meinen Rücken auf. Ich hätte ungern einen ihrer Rattendolche dort."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Di 01 März 2016, 17:33

"Wenn ich Euch wirklich nicht überzeugen kann...", gab Cassius klein bei. So kannte er die Priester und Inquisitoren von Sigmar. Sturköpfiger als ein Zwerg und beharrlicher als eine Lawine. Wenigstens stellte dieser hier ihm keine unangenehmen Fragen. Hatte der Angriff der Skaven also vielleicht doch etwas gutes, schoss es ihm zynisch durch den Kopf. Der Magier drehte den Kopf um sich den Mann anzusehen, der angeboten hatte ihn zu führen. Das war ganz sicher kein Soldat. Aber wenn er es bis hier her geschafft hatte, musste er wenigstens ein brauchbarer Schütze sein. Langsam nickte Cassius und zog dann sein Langschwert, mit dem er auf die Tür deutete.
"Dann werde ich Euch folgen. Hoffen wir, dass wir in der Garnison noch ein paar waffenfähige Männer finden. Wobei ich derzeit jeden nehmen würde, der mir mit einem Schwert nicht in den Rücken sticht..."

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 02 März 2016, 18:38

Sie verließen den Tempel ohne ein weiteres Wort des Abschieds an den Priester zu richten, den sie nicht einmal nach seinem Namen gefragt hatten. Gunther hatte ein mulmiges Gefühl dabei. Der Mann wirkte, als könne er auf sich selbst aufpassen, aber würde das ausreichen, damit er noch am Leben war, wenn sie wieder zurück kamen. Falls sie zurück kamen! Wer hätte im Moment schließlich sagen können, wohin die Götter sie diese Nacht treiben würden?
"Ich bin übrigens Gunther", stellte Gunther sich seinem Begleiter in halblautem Ton vor, während sie sich zügig, aber vorsichtig ihren Weg durch die Straßen bahnten, "Wie ist euer Name, Magier?" Zumindest dafür musste Zeit sein. Es wäre doch sehr merkwürdig gewesen, wenn sie nicht einmal das voneinander gewusst hätten. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden sie zusammen kämpfen müssen und es war alles andere als unwahrscheinlich, dass sie zusammen fielen. Da sollte man doch zumindest den Namen des anderen kennen.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Fr 04 März 2016, 22:25

Schade eigentlich. Den Sigmarpriester hätten sie gut gebrauchen können. Aber natürlich konnte man nicht zulassen, dass der Schrein an die Ratten fiel. Das war heiliger Boden und er gehörte Sigmar, wo auch immer der in dieser dunklen Stunde war.
"...Cassius", stellte sich der Magier mit angespannter Stimme selbst vor. Das war eine freundliche Geste. Und er bevorzugte es die Namen jener zu kennen, die mit kämpften. Und in dieser Situation konnte man auf den vollen Namen doch verzichten.
"Wie weit ist es bis zur Garnison?"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Sa 05 März 2016, 10:43

"Nicht weit. Ein paar Straßen. Vielleicht zehn Minuten", gab Gunther in knappen Sätzen und doch wortreicher, als es im Grunde seine Art war, zur Antwort. Er fühlte sich angespannt. Nervös. Und diese Nervosität brach sich in seinem Redefluss bahn. "Man kann sie von hier aus schon erkennen. Oder zumindest erahnen. Seht ihr das Dach dieses schlanken, dreistöckigen Turms dort hinten?" Und er wies mit der Linken nach Nordwesten, wo sich das schwarz geschindelte Dach der Wachgarnison bereits als dunkler Schemen im Licht des Chaosmondes abzeichnete. "Das da ist die Garnison. Am besten, wir schlagen den Weg über den... oh verdammt!"
Gunther hielt abrupt inne als vielleicht zwanzig Meter die Straße weiter eine ganze Reihe von kleinen Gestalten – fünf oder sechs vielleicht – über einen Dachfirst krabbelten und mit unmenschlicher Eleganz in weiten Sprüngen über die Straße hinweg zum nächsten Dach übersetzten. Auch wenn nur ihre Silhouetten erkennbar waren verrieten die vorspringenden Schnauzen und nackten Schwänze eindeutig, mit wem sie es zu tun hatten. Gunther presste sich an die Wand zu seiner Rechten, griff die Bündelmuskete mit beiden Händen und hob den Lauf, nahm Ziel auf die Rattenmenschen. Und blickte dann fragend zu seinem Begleiter. Auch stumm war die Botschaft seines Blickes unverkennbar: angreifen oder versteckt bleiben?

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Di 08 März 2016, 13:23

Der Grund, wieso eine Handvoll Rattensklaven mit Mordlust im Blick in eine Gasse hechteten und sich auf etwas darin stürzten? Dreimal durfte man raten.
Erstens: Ein Langspeer, der in kreisenden, wenn auch wankenden Bewegungen und einem peitschendem Geräusch durch die stinkende Luft zischte. Er spießte, schnitt und hielt einige Ratten auf Entfernung.
Zweitens: Ein größer werdender Haufen von den Biestern, die schlecht bewaffnet und sogut wie hirnlos waren. Ihre Kadaver stanken grässlich und das Blut verströmte seinen metallischen Duft in der Gasse. Außerdem war da irgendwo noch mehr Erbrochenes. Der Fusel wollte sich vollends verabschieden. War vielleicht besser so.
Drittens: Alles zusammen! Jap. Das war die beste und eindeutigste Erklärung für die Kriegerin, welche sich gerade mit wachsender Anstrengung durch die Gasse pflügte. Ihr Blick war noch immer benebelt, ihre Schritte schwankten von einer Seite auf die andere und hauptsächlich ihre Reflexe und ihr Überlebenswille hielten sie davon ab, dass sie schon längst umgefallen war. An einigen Stellen hatten die ekligen Biester sie mit ihren fiesen Klingen geschnitten. Nicht alles Blut in dieser Straße war von ihren Feinden und der Stoff ihres Hemdes sog sich an einigen Flecken dunkelrot und nass mit ihrem Lebenssaft voll. Das war zu erwarten gewesen. Hätte sie eine andere Waffe geführt, wäre sie sicherlich bereits tot. Doch mit ihrem Speer konnte sie die Monster vorerst auf Distanz halten. Jede Frage, woher sie gekommen waren und was sie trieben, blieb hinter Hieben und Reaktionen, Finten und Konter zurück. Falls sie es jemals aus dieser dummen Scheißgasse schaffte, würde sie verdammt nochmal nie wieder einen Tropfen Alkohol zu sich nehmen, sowahr sie hier stand!
Nie wieder!
Ein ganzes Jahr nicht!
... Bis morgen nicht!

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Di 08 März 2016, 14:17

Für einen Moment war Cassius versucht die Skaven ziehen zu lassen. Die Muskete seine Begleiters würde einen gewaltigen Lärm machen, der in der unnatürlichen Stille dieser Nacht nur all zu weit zu hören war. Die Rattenkreaturen sprangen vom Dach in einer der Gassen neben dem Haus. Der Magier ließ den angehaltenen Atem entweichen. Es machte keinen Sinn ihre Deckung zu riskieren um grade einmal vier oder fünf dieser...Moment. Das waren die Geräusche eines Kampfes. Das Schnattern von Skaven und das Geräusch einer Klinge, die auf den Boden fiel. Fallen gelassen von kraftlosen Fingern.
"Da kämpft jemand. Los. Bleibt hinter mir."
Ein Skaven drehte sich zu ihnen um und wurde regelrecht zerfetzt von einem Schwarm silbriger Splitter. Gestank drang an Cassius' Nase. Blut und Erbrochenes. Die Gasse ähnelte einem Schlachtfeld in Miniaturformat. Ein paar tote Skaven lagen herum. Und weiter hinten blitzte eine Klinge in der flackernden Beleuchtung einer Fackel auf. Die Skaven drängten sich schnatternd in Richtung des Kämpfers. Über kurz oder lang würde der Mensch wohl überwältigt werden. Aber Chamon heulte grade wie ein Sturm. Aus einer Tasche förderte Cassius eine Kaisermünze zutage und zerrieb sie zwischen den Fingern. Die goldenen Funken legte sich auf die Rücken der anwesenden Menschen und umhüllten sie. Ein funkelnder Schuppenpanzer zeigte sich an jedem von ihnen.
Ein brutaler Schlag traf den hintersten Skaven in die Schulter als dieser sich grade umdrehte, um den beiden zusätzlichen Angreifern entgegen zu sehen.
"Reiben wir die Bastarde auf!

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 09 März 2016, 08:15

Schon von fern konnte Skardi den Lärm des Kampfes vernehmen. Ho, da hatten die Raki sich ein Opfer ausgesucht, das sich zu wehren wusste! Das nicht so leicht klein beigab! Aber es waren viele von ihnen. Und wen auch immer sie da gestellt hatten: er würde es Skardi schon nicht übel nehmen, wenn der auch einen Teil des ganzen Spaßes für sich wollte. Er wäre sicher bereit zu teilen. In einer Nacht wie dieser gab es genug Raki für alle!
So rasch seine kurzen Zwergenbeine ihn trugen sprintete Skardi den in einer Gasse verschwindenen Skaven hinterher, heftig schnaufend, sich gar keine Mühe mehr gebend, leise zu sein. Und da waren sie! Thaggoraki! Und nicht weniger als zwei Dutzend von ihnen. Ein guter Teil von ihnen lag bereits auf dem Boden, der Rest versuchte auf ein Langbein einzudringen und gleichzeitig dem in weiten Kreisen schwingenden Speer auszuweichen. Ein dicht gedrängter Haufen. So wie Skardi es am liebsten hatte. Wenn sie so dicht standen war es schlichtweg unmöglich, sie zu verfehlen!
"Bart-Ding!", quiekte einer der Rattenmänner sich umdrehend noch, dann nahm Skardis Axt seine Schnauze und einen Gutteil des Schädels mit. Den nächsten traf der Dorn am Armstumpf des Dawi in die Flanke ehe er sich auch nur voll umgedreht hatte. Blut spritzte in alle Richtungen als Skardi ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohlergeben über die Raki her fiel, wie ein Wahnsinniger um sich schlagend. "Durchhalten, Langbein!", brüllte er dabei in Richtung des Menschen mit dem Speer, "Jetzt nicht sterben, dann haben wir sie in der Zange!"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Fr 11 März 2016, 08:12

Gunther wurde merklich blasser als der Magier den Befehl zum Angriff gab und für einen Moment hielt er wie vom Schlag getroffen inne. Angreifen! Kämpfen! Ja, er fürchtete sich. Ihre Mission mochte schon jetzt, kaum, dass sie begonnen hatte, enden. Sie waren nur zu zweit und niemand konnte sagen, wie viele dieser Skaven in der Finsternis lauerten. Dann jedoch rief er sich Margarets Bild, wie sie tot auf der Stiege lag, vor Augen und Wut stieg in ihm auf, die die Furcht vertrieb. War es nicht besser, hier zu sterben, als Margaret und Karl ungerächt zu lassen? Und was hatte er noch zu verlieren? Warum hing er überhaupt noch an seinem Leben? Nein, diese Monster sollten bezahlen. Sollten bluten! Er hatte eine voll geladene Bündelmuskete in Enden und er wollte kein Nulner Schütze sein, wenn das nicht acht tote Rattenmenschen würden. Gunther riss sich zusammen und folgte dem Magier mit wieder ein wenig mehr Farbe im Gesicht in die Gasse.

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Mi 16 März 2016, 12:58

"Durchhalten Langbein", ertönte es vom anderen Ende der Gasse. Das war dann wohl Verstärkung. Ein Zwerg? Parade. Ein kleiner Metallsplitter-Zauber und dem Skaven wurde regelrecht das Gesicht zerfetzt. Blut und Hautfetzen regneten auf den Boden herab. Wenigstens blies Chamon grade stark. Obwohl, nein. Chamon verging in Sekundenschnelle zu einem flackernden Flämmchen, während Aqshi mit einem zornigen Brüllen die Oberhand erlangte. Was ihm grade überhaupt nicht half. In letzter Sekunde schlug Cassius die behelfsmäßige Klinge eines Skaven beiseite. Die goldenen Schuppenpanzer lösten sich zu goldenen Funken auf, die durch die Gasse trieben, bis sie schließlich verloschen.
"Keine Magie mehr, Gunther. Verdammt." Inzwischen fiel es ihm sogar schwer einen Schwarm Metallsplitter zu beschwören. Das war einer der einfachsten Zauber! Wieder einmal war Cassius froh, dass er ein passabler Schwertkämpfer war.
"Sterbt, ihr Mistviecher! HEY, HERR ZWERG! NEHMEN WIR SIE IN DIE ZANGE!"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Do 17 März 2016, 08:16

Noch mehr Langbeine? Das wurde ja beinahe schon langweilig! Da konnte man ja kaum noch von einer Herausforderung sprechen. Aber Skardi zog auch genug grimmige Befriedigung aus den Todesschreien dieser haarigen, kleinen Ausgeburten des Chaos. Und aus der Panik, die er jetzt in ihren Fratzen ausmachen konnten. Umstellt, gefangen in der schmalen Gasse, in der sie selbst das Langbein mit dem Speer hatten umstellen wollen, Fallensteller, die in der eigenen Falle festsaßen. Und keinen Ausweg mehr hatten. Einige versuchten ihr Heil in der Flucht, versuchten die Hauswände empor zu klettern, aber eines der Langbeine musste eine Muskete haben. Skardi konnte das wohlvertraute Donnergrollen vernehmen und sah, wie kletternde Skaven zurück in die Menge vielen, schlaff wie nasse Säcke. Keiner von ihnen würde hier entkommen! Wie ein Schnitter durchs Korn schritt Skardi vorwärts, schwächliche Schläge beiseite wischend, mit wuchtigen Axthieben konternd. Ja, ein paar Treffer steckte er ein. Eine Keule traf ihn schmerzhaft an der Schulter, ein Speer kratzte über seine Rippen. Aber was schadete es schon? Wenn es ihn hier erwischte, dann hatte er zumindest seinen Eid erfüllt.
"Noch da, Langbein?", rief er in die Nacht hinaus, den, dem er ursprünglich zur Hilfe hatte eilen wollen, komplett aus den Augen verloren, umringt von Raki wie er war, "Noch kurz durchhalten, gleich haben wir sie!"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   Fr 18 März 2016, 10:40

Die Antwort auf die Frage, ob sie noch da war, war eine durch die Luft fliegende Ratte, die an einer der Gassenwände in einem blutigem Platschen aufkam und zu Boden rutschte. Mittlerweile war sie so blutüberströmt, dass man sie kaum erkennen konnte. Es stürzten sich einfach zuviele von den pelzigen Mistviechern direkt von oben auf sie, wo sie diese wie ein Fischer aufspießte, der seine Beute aus einem Fluss piekte. Und dabei ergoss sich das stinkende Skavenblut über sie. Vor Schweiß glänzten ihre Haare und klebten ihr an der Stirn und ihr Bein schmerzte wie nie zuvor. Einen so langen Kampf mit einer solchen Überzahl hatte sie lange nicht mehr gekämpft - vielleicht noch nie. Immer, wenn sie zwei von ihnen niedermähte, kamen drei Neue hinzu, die gackerten und stichelten. Aber das ebbte langsam ab. Das Bellen einer Schusswaffe, das Schwirren von Metallsplittern und das kehlige Brüllen eines Zwerges trieben die Ratten in die Knie. Sie begannen zu fliehen und die Söldnerin hatte nichts dagegen. Ihre Knie waren schwach, ihr lahmes Bein pochte und sie war immernoch zu betrunken, um mit diesem Ochsenmist ordnungsgemäß umzugehen. Oder vielleicht nicht betrunken genug? Sie würde es erfahren, wenn sie hier draußen war. "Noch da, und noch am Speer. Wenn auch nicht mehr lange. Das Rattenwerfen macht meinen Schwungarm müde!"

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BeitragThema: Re: [MSG-Thread] Der Feind in den Schatten   So 20 März 2016, 13:19

Acht Schuss im Lauf, das klang an und für sich nach gar nicht so wenig. Vor allem für einen Mann wie Gunther, der es gewohnt war, mit Musketen zu schießen und nach jedem Schuss nachladen zu müssen. Und doch dauerte es nur erschreckend kurz, bis die Läufe der Bündelmuskete leer durchdrehten. Acht Schuss abgegeben. Acht tote Rattenmänner. Zumindest das. Aber was nun? Nicht mehr viel, vermutlich. Sie hatten gute Arbeit geleistet. Was von der Skavenhorde noch übrig war befand sich in heller Aufregung und panischer Flucht. Der Kampf war vorüber. Was blieb war nur noch Schlachten, eine Aufgabe, in der vor allem der Zwerg aufzugehen schien. "Lasst keinen entkommen!", grollte er vom anderen Ende der Gasse her und Gunther, die Nerven ohnehin aufs höchste gespannt, tat das, was er immer im Kampf getan hatte: er folgte den Befehlen, die man ihm gab. Er hätte nicht behaupten können, dass er ein Bedürfnis verspürte, diesen Monstern näher als nötig zu kommen, aber bis er die Bündelmuskete nachgeladen hätte wären sie fort. Also zog er das Beil aus seinem Gürtel und trat zögerlich weiter in die Gasse. Er würde tun, was nötig war.

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