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 [MSG] Die Beobachter

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Vicati
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BeitragThema: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 01:19

Helles Licht. Licht existierte seit ewiger Zeit, es war gleich nach der Dunkelheit aufgetaucht. Und er war mit ihm erschienen. Viele waren nach ihm gefolgt, viele, die waren wie er. Aspekte. Hohe Geister. Alte. Oder wie sie sich sonst noch so nannten. Jeder war anders und doch hatten sie alle die gleiche Aufgabe. Dieselbe, eintönige, monotone Aufgabe. Das Gleichgewicht wahren, das Gleichgewicht musste um jeden Preis gewahrt bleiben. Das war der Auftrag der Aspektgeister und dieser Auftrag hatte sich tief in ihr Bewusstsein eingebrannt. Dann tauchten nach Jahrmilliarden die denkenden Völker auf und diese Wesen hatten auf manche Alten eine solche Wirkung, dass sie ihren Auftrag vergassen. Zuerst griffen die anderen Alten ein und vernichteten die Gefallenen, doch sie bemerkten, dass sie damit dem Gleichgewicht mehr schadeten, als ihm zu nützen. Die unbewachten Aspekte spielten verrückt und ein neuer Geist rückte nicht so schnell nach. So liess man die Beobachter gewähren, um des Gleichgewichts willen. Durch ihren Einfluss wuchsen Imperien heran, Kriege wurden geführt, Länder versanken. Immer wieder gefährdete ein Beobachter das Gleichgewicht, wofür er ausgelöscht wurde. So entstand ein weiteres Gleichgewicht, eines zwischen den höheren Gottheiten und den niederen Gottheiten. Die Alten hatten sich eine neue Aufgabe gesucht, mit Adleraugen beobachteten sie die Beobachter, um jeden von ihnen auszulöschen falls er die feinen Grenzen der ungeschriebenen Regeln brach, die dennoch jeder Beobachter kannte.
Lumiander war einer von ihnen gewesen. Ewige Zeiten hatte er seinen Aspekt, das Licht, beobachtet, später hatte er über die Beobachter gerichtet. Er war immer eine mässigende Stimme in den Verhandlungen über das Schicksal von gefährlichen Beobachtern gewesen. Dennoch, er hatte sie verachtet, dafür, dass sie ihren Auftrag vergessen hatten. Und nun war er selbst einer von ihnen. Nach Milliarden von Jahren war er der Eintönigkeit des Aspektwächterdaseins überdrüssig geworden. Er war herabgestiegen, hatte sich von seiner eigentlichen Aufgabe losgesagt und sich einen neue gesucht. Er war zu einem Gott geworden. Er hatte sich einem Volk offenbart, er hatte seine Macht verloren. Doch nun erhielt er Kraft aus seinen Dienern, die ihn mit ihrem Glauben stärkten. Dieses Dasein war so viel anders, so viel bewegter, so viel spannender als das Dasein eines Alten. Er hatte seine Geschöpfe hoch in die Berge geführt, dem Himmel nahe. Unter seiner Aufsicht waren sie Jahrhunderte lang gewachsen und hatten seinen Willen ausgeführt. Einst waren sie ein Volk von Humanoiden gewesen, die an Berghängen in Höhlen gehaust und sich gegenseitig abgeschlachtet hatte. Doch dann hatten einige von ihnen seine Stimme gehört, ihr Volk geeint und sie hoch hinauf auf die Gipfel der Nearaberge, über die Wolken, in den Himmel. Sie hatten sich entwickelt und zwar mit dem Ziel, einmal ein Imperium über die Welt zu errichten.
Und nun war es so weit. Die Cephaine würden vom Himmel herabsteigen und über die Völker dort unten herfallen. Das Licht würde sich zeigen, in all seinem Glanz und Lumiander würde mächtig werden.

Der Kleine flog gut. Obwohl es nicht lange her war, dass dieser Rock aus seinem Nest gekrochen war und jetzt trug er immerhin schon das Gewicht eines ziemlich kräftigen Cephaine. Und dabei flog er auch noch ziemlich schnell. Vielleicht konnte man ihn als Spähvogel einsetzen, von denen hatten sie sowieso noch zu wenig.
Sial war einer der Vogelzüchter. Er war auch für das Zureiten der Rock zuständig und dieser Jungvogel – Sial hatte ihm den Namen Ares gegeben – war wirklich ein vielversprechendes Exemplar. Für sein Alter war er schon sehr kräftig und gross gewachsen. Sial war das erste Mal mit ihm geflogen, ein Tagesflug durch die Wolken und er schien nicht einmal besonders erschöpft zu sein: Im Gegenteil, seine Flügelschläge waren regelmässig und das Pulsieren des Blutes zwischen Sials Beinen konnte er nur schwach spüren. Und Probleme mit seinem Reiter schien er nicht zu haben, im Gegenteil er schien es zu geniessen, jemanden durch den Himmel zu tragen. Aber vielleicht war es auch nur das Gefühl der Freiheit am weiten Himmel.
Sial zog an den Zügeln und liess sein junges Reittier wieder nach Süden fliegen. Eigentlich waren sie schon zu weit von den Nearabergen weg. Sial konnte die Spitzen mit den weissen Städten seines Volkes nur noch in der Ferne über den Wolken sehen. Es war Zeit, umzukehren, Ares hatte seine Stärke zu Genüge gezeigt.

Es war an der Zeit. Lumiander blickte in das Loch in den leuchtenden Wolken. Das Reich von Cephyn war bereit für den Krieg. Die Waffen waren geschmiedet, die Söhne und Töchter trainiert. Das Himmelsvolk hatte sich seit Jahrhunderten auf diesen Moment vorbereitet. Seit Lumiander sie auf die Berggipfel geführt hatte, in ihr neues Reich, wo sie sich nicht mehr vor Fremden und dem eigenen Volk fürchten mussten, wo sie nicht mehr bekämpften und stattdessen zusammen lebten. Aber nun war dieser Friede vorbei. Lumiander war auch diese Monotonie satt, der Alltag war langweilig. Er wollte Krieg, er wollte, dass seine Schützlinge sich mit anderen Völkern, mit den Völkern anderen Beobachter massen. Er wollte seine Macht zeigen.
Der Gott des Lichtes erhob sich und griff in das Loch in den Wolken. Helles Licht erstrahlte in seiner Hand. Seine Macht, die er durch den Glauben der Cephaine erhielt. Und nun wollte er noch mehr. Der Krieg liess sie näher zusammenrücken und würde ein Licht in ihnen entfachen, dass seine Stärke mehr nähren würde, als all ihre Gebete während des Friedens es je können würde. Helles Licht sollte ihnen den Weg weisen, hinab in die Gefilde anderer Beobachter.

Die Wolken rund um die Nearaberge begannen zu leuchten. Sie leuchteten hell, heller als sie es tun sollten, heller als wenn die Sonne mit aller Kraft auf sie herabscheinen würde. Jeder Cephaine auf den Berggipfeln sah dieses Spektakel. Sie wussten alle, was es bedeutete. Es war so weit, sie würden ihre Heimat verlassen und in die Länder der anderen Völker ziehen. Sie würden ihre Fähigkeiten im Kampf zeigen können und sie würden sich den Respekt ihres Gottes verdienen.

Auch Sial bemerkte das Licht der Wolken. Natürlich, er segelte gerade auf dem Rücken eines Rock knapp über sie hinweg. Ihn störte das Licht nicht weiter, er wusste was es bedeutete, aber es würde sich für ihn nichts verändern. Er würde zurückbleiben und sich um die jungen Rock kümmern. Er hatte nie etwas anderes getan und er wollte eigentlich auch nichts anderes tun. Doch im Gegensatz zu seinem Reiter wurde Ares von dem Licht geblendet. Erst nach einiger Zeit entwickelten Rock die Fähigkeit, sich nicht blenden zu lassen und der junge Vogel hatte diese noch nicht entwickelt. So stiess er nun ein lautes Kreischen aus und flatterte heftig mit den Flügeln und verlor an Höhe. Sial riss geistesgegenwärtig an den Zügeln, doch es war zu spät. Sein Reittier stürzte zusammen mit ihm in die Wolkendecke. Plötzlich von etwas eingehüllt das er nicht kannte, schaffte Ares es nicht, seine Flügelschläge unter Kontrolle zu bringen. Er stürzte immer weiter ab, immer wenn er versucht, wieder nach oben zu kommen, wurden seine Flügel von den Fallwinden hochgerissen. Seine geringe Flugerfahrung wurde ihm zum Verhängnis. Schliesslich erreichten sie das untere Ende der Wolkendecke und verliessen diese. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Sial auf die Welt unter ihm. Sie war so… anders als die, die er bisher gekannt hatte. Er sah Berge, unzählige Bäume, weisse Flächen, grüne Flächen, in der Ferne irgendetwas riesiges Blaues. Was war das? Wieso hatten ihnen die Späher nie erzählt, wie wundervoll es hier unten aussah. Während er staunt, bemerkte der Cephaine gar nicht mehr, wie sie immer weiter nach unten trudelten. Doch schliesslich fiel es ihm doch auf, er zog an den Zügeln, um Ares wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, nach oben. Doch dann überlegte er es sich anders. Wenn er schon hier unten war, konnte er sich doch gleich ein wenig umsehen. Ares schaffte es einigermassen. Seine Flügel wieder unter Kontrolle zu bringen. Er zog Kreise, Sial lenkte ihn nach vorne… direkt in eine starke Luftströmung hinein. Von dieser erfasst, sauste der junge Rock weiter schräg hinab, auf die Berge zu. Sial riss wie wild an den Zügeln, doch er konnte das Tier nicht wieder unter Kontrolle bringen. Sie trudelten weiter nach unten, immer näher zu den Bergen. Was war hier los, die Luft war ganz anders als über den Wolken!
Immer näher flogen Reiter und Reittier zu den Bergen. Sie entkamen der, nur um in die nächste hineinzugeraten. Sie wurden nach vorne gerissen und da passierte es: Ares‘ Flügel streifte die Felswand, der Rock stiess einen ohrenbetäubenden Schrei aus und sie segelten nach unten. Glücklicherweise lag nicht weit unter ihnen ein schmales Tal. Ares schaffte es mit dem verbliebenen Flügel einigermassen glimpflich zu landen. Dennoch schrie der Vogel wie am Spiess. Die Verletzung musste schlimm sein. Falls sich in diesen Bergen ein anderes Volk herumtrieb, konnte das ziemlich gefährlich werden.

Während die beiden durch die Wolken stürzten, passierte mit eben diesen etwas Seltsames. Wie von Geister- oder besser Götterhand geschoben, öffnete sich in ihnen ein Loch. Es bot den Anblick eines Landes mit Feldern, Wäldern und Flüssen. Im Herzen dieses Landes war eine gewaltige, kristalline Säule zu sehen.
„Mystra. Das Land des Gottes der Illusionen. Das wird euer Ziel sein, meine Diener. Das wird das Land sein, das die Cephaine angreifen werden. Mimik nimm dich in Acht. Der Himmel hat sich gegen dich verschworen.“
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 11:11

Es schien ein Tag wie jeder andere zu werden für die Skizz in der Metropole Kattlor. Inmitten der großen Höhle ragte der gewaltige Stadtstalagmit in die Höhe und das Leben ging dort seinen Lauf. Kinder spielten auf den Straßen, Rattenmenschen feilschten auf dem Markt um leuchtende Pilze, Moos oder Fleisch von Tieren, die Oberflächenbewohner noch nie gesehen hatten. Marktschreier priesen ihre Ware an, Erfinder präsentierten ihre neuesten Werke und Ingenieure kauften Werkzeuge und Rohstoffe für ihre Arbeiten. Die ganze Szenerie war beleuchtet von dem grünlichen Licht von Moosen, die wie als Laternen in kristallenen Schüsseln wuchsen, die nach unten hin durchsichtig waren und an Pfosten hingen. Und von den Rändern der Ebenen her leuchteten die Feuer der Schmiede von ganz unten herauf. Auch die Luft war in Bewegung, Flaschenzüge zischten nach unten und nach oben, transportierten Waren, Nachrichten oder sogar freche Skizzkinder, die die Gefahr schlicht ignorierten. Und hin und wieder konnte man sogar das Flügelschlagen der riesigen Fledermäuse hören, die wichtige Botschaften überbrachten. Doch heute war es keine Fledermaus, die die wichtigste Nachricht überbrachte. Auch kein Flaschenzug. Es war einer der Höhlenkrabbler. Eine überskizzgroße Spinne, geritten von Boten der Skizz. Sie überbrachten Nachrichten von Stadt zu Stadt oder von weit entfernten Handelsposten. Doch dieser Bote brachte eine andere Art von Nachricht. Die Spinne war am Fuße Kattlors angekommen und machte sich auf den Weg nach Oben. Der Bote war durch ein Gurtesystem gesichert, denn bei den wilden Ritten auf den Krabblern war ein bloßes Festhalten beinahe unmöglich. Vor allem dann, wenn es senkrecht voranging, manchmal auch kopfüber. Angehende Reiterrekruten beginnen ihre Ausbildung damit, ihren Würgereflex zu unterdrücken. Was ihnen zu Beginn natürlich überhaupt nicht gelingt. Zur Freude der Ausbilder. So erklomm der Krabbler schnell den nach oben geschraubten Stalagmiten und erreichte das Ratsgebäude, neben dem großen Tempel der Zark das prächtigste Bauwerk der Stadt. Der Bote stieg ab, ein Bediensteter brachte das Reittier in einen Stall und verschwand. Froh, wieder festen Boden unter den Pfoten zu spüren, blieb er kurz stehen. Jeder Ritt war ein Abenteuer. Aber nun kam der unangenehme Teil, das Überbringen der Botschaft. Er war kein großer Redner.

„Verehrter Rat, die Expedition hat weitere Gänge gefunden. Vom Aufbau her ähneln sie sehr stark denen, die wir bereits gefunden haben. Alt, verlassen, unbenutzt. Dieselbe Bauweise. Bis auf eine Ausnahme.“„Ausnahme? Komm endlich zum Punkt, Bote.“ Ratsmitglied Kazzir, der oberste von Kattlor, konnte es nicht leiden, wenn seine Zeit verschwendet wurde. Er könnte so viel Nützliches damit anstellen. „Also: Ein Gang unterscheidet sich stark von allen anderen. Nicht in der Bauweise. Aber er ist beleuchtet.“ Er ließ die Worte im auf die Ratsmitglieder wirken, doch die erwünschte Wirkung trat nicht ein. „Das deutet darauf hin, dass dieser Gang noch benutzt wird. Wir haben noch nicht herausfinden können, wer oder was diese Gänge errichtet hat, aber nun ist es nur eine Frage der Zeit. Und ich habe noch das hier mitgebracht.“ Er griff in die Seitentasche seiner Weste und zog einen leuchtenden Kristall heraus. Rufe des Erstaunens hallten durch die Ratsversammlung. Nicht dass sie noch nie einen Kristall gesehen hätten. Alle Ratsmitglieder waren Erfinder, die vor ihrer Wahl selbst mit Edelsteinen gearbeitet hatten. Doch noch nie hatte ein Skizz einen Stein gesehen, der von sich aus leuchtete. Moose, Pflanzen, Tiere – aber noch keinen Stein. Das hier war etwas völlig neues, es könnte die Beleuchtungstechnik revolutionieren. Man würde kein Wasser mehr benötigen um für Licht zu sorgen. Das wäre ein großer Segen. Und jeder der Räte erkannte das. Kazzir fasste sich als erster wieder. „Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage: Gut gemacht. Kehre zur Expedition zurück. Der Rat wird euch bewilligen, was auch immer ihr benötigt. Aber lasst Vorsicht walten. Falls diese Gänge wirklich von einem anderen Volk errichtet worden sind, sind sie vielleicht nicht erfreut darüber, wenn wir ihre Lampen mitnehmen. Sie könnten feindselig reagieren, ihr seid also nicht nur Entdecker, sondern auch Diplomaten. Was auch immer ihr dort unten tut, kann gewaltige Auswirkungen haben, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Lass den Lichtkristall hier und kehre so bald wie möglich zurück zur Fundstelle. Ich will nicht, dass ihr dort unten mit dem Abbau dieser Steine beginnt. Sucht nach den Erbauern, aber seid vorsichtig. Ignoriert die verlassenen Gänge und legt Pläne an. Was rede ich da, ich weiß ja, dass ihr das tut. Aber seid vorsichtig. Wer weiß, was das für Wesen sind. Du kannst gehen.“ Mit einer Verbeugung verlies der Bote die Ratsversammlung. Er freute sich schon auf den Ritt – eigentlich hatte er ja Hunger, aber er wollte seinen Magen nicht provozieren. Mit gefüllten Satteltaschen und zwei weiteren Krabblern beladen mit Vorräten für die Expedition im Schlepptau machte er sich wieder auf den Weg zurück in die Tiefen der Erde.

„Ah, Fezzil, da bist du ja wieder. Und? Sag schon, was haben sie zu unserer Entdeckung gesagt?“ Razz umarmte seinen Sohn, der gar nicht zu Wort kam. Razz war der Leiter der Expedition, ein leidenschaftlicher Forscher. Aber an seinen Sohn war diese Eigenschaft offensichtlich nicht weitergegangen, der ritt lieber auf den Höhlenkrabblern. Nicht, dass das verkehrt war, Boten waren durchaus wichtig, aber die Forschung war doch der Sinn des Lebens, oder nicht? Das würde dem Jungen eines Tages schon noch aufgehen. „Ist ja gut, du kannst mich wieder loslassen. Danke.“ Fezzil wand sich aus der Umarmung seines Vaters und strich sich seinen Pelz glatt. „Der Rat war begeistert! Aber er rät zur Vorsicht. Was wir hier tun, kann ungeahnte Konsequenzen haben.“ „Das ist mir bewusst. Aber stell dir das doch mal vor, dein alter Vater knüpft Kontakt zu einem bisher unbekannten Volk! Ungeahnte Möglichkeiten, was wir von ihnen lernen könnten…“ „Und wenn wir etwas falsches machen, könnte es zu einem Krieg auf unserem eigenen Territorium führen. Könntest du das verantworten, Vater? Wenn unzählige Skizz wegen ein paar guten Aussichten sterben müssen?“ „Was?! Nein, aber… Du hast Recht, Junge. Wir müssen realistisch bleiben und uns auf alles vorbereiten. Wer weiß, was das für Wesen sind.“ Fezzil lachte auf. „Genau das hat der Rat Kazzir auch gesagt.“ „Tja, mein Bruder ist mir manchmal doch ähnlicher, als ich es gerne hätte.“ Razz stimmte in das Lachen mit ein.

Die fünf Skizz folgten dem Gang nun schon seit etwa einer Stunde. Einer zählte stumm die Schritte die er machte, als Längenangabe für die Karte. Bei jeder Abzweigung fing er wieder von vorne an. Ein anderer führte den Höhlenkrabbler mit Vorräten hinter sich her. Zwei trugen Kampfmontur, einer vor der Truppe, einer auf dem Rücken des Krabblers, den Blick nach hinten gerichtet. Und Razz, der Leiter der ganzen Expedition, prägte sich die Besonderheiten ein mit seinem fotografischen Gedächtnis. Nicht, dass es viele Besonderheiten gegeben hätte. Ab und zu fanden sie leuchtendes Moos, das ihnen nicht bekannt vorkam. Sie nahmen Proben und markierten die Fundstellen auf der Karte, die sie erstellten. Nizzar, die vordere Wache, hob die Hand und reckte den Kopf in die Höhe. Die anderen blieben sofort stehen. Er witterte etwas. Etwas, das er bis jetzt nicht gerochen hatte. Und er war stolz auf seine feine Nase. Er schnüffelte, seine Barthaare zuckten. Er hörte plötzlich Schritte, ein leises Pochen. Langsam ging er zu Boden und legte ein Ohr auf die Erde. Die anderen hielten angespannt die Luft an und rührten sich nicht. Er erhob sich wieder und deutete auf einen Seitengang, der in etwa fünfzig Schritt Entfernung vor ihnen lag. Dort musste etwas sein. Oder jemand. Langsam setzte er sich in Bewegung und bedeutete den anderen mit einem Handzeichen, ihm zu folgen. Vielleicht war dies der erste Kontakt mit einem fremden Volk.
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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 15:23

Einhundert Jahre. Einhundert Jahre hatte es gedauert bis aus hirnlosen Wesen, die das Licht scheuten, ein Volk zu machen, eine Zivilisation. Ob es das Warten wert gewesen war, musste erst noch festgestellt werden. Die größten Tests standen der jungen Nation erst noch bevor. Kontaktaufnahme mit den anderen Völkern. Mellysaes Blick reichte weit. Sie hatte die anderen Völker studiert. Ihre Bräuche und ihre Vorgehensweisen. Bald wäre es an der Zeit, dass ihre Kinder sich den anderen offenbarten. Nicht mehr als die wilden Bestien, die sie gewesen waren, sondern als Botschafter einer Göttin. Und wer wäre besser dafür geeignet als das Rattenvolk? Sie teilten den Lebensraum der Kor'Drakka. Die Ähnlichkeiten waren bedeutend höher als bei den anderen Völkern. Es würde ein leichter Einstieg werden. Wie unheimlich praktisch, dass die Skizz eine Expedition in die verlassenen Gänge der Kor'Drakka geschickt hatten. Dann musste sie nicht einmal eine Gesandtschaft losschicken.

Das Weltenherz quoll förmlich über vor Kor'Drakka. Die dunkelhäutigen Gestalten waren überall in der kugelförmigen Stadt aus weißem Marmor. Kinder hockten auf Balustraden. Männer und Frauen drängten sich auf den Brücken eng aneinander, um auch ja kein Wort zu verpassen. Dies war der Tag, auf den sie seit einhundert Jahren gewartet hatten. Der Tag an dem sie sich der Welt offenbaren würden, erdunkelt. Denn nur wer die absolute Finsternis gesehen hatte, konnte das Licht würdigen. Die kakophonische Unruhe legte sich prompt als die Hohen Priester im Herztempel sichtbar wurden. Die drei obersten Diamanten, Augen, Ohren und Stimme Mellysaes, hatten sich für diesen Anlass in ihre Festgewänder gekleidet. Sie alle trugen ein funkelndes Gewand aus lebendigem Diamant. Zusammen hoben sie ihre Stimme, die hallend quer durch die Stadt hörbar war.
"Unsere Neuerung ist abgeschlossen. Wir haben uns in den Augen Mellysaes als würdig erwiesen." Jubel schwoll an. Es war nicht leicht gewesen. Einige Kor'Drakka hatten sich geweigert sich der neuen Gesellschaft anzuschließen. Man hatte sie gejagt und schließlich hingerichtet. Andersweitige Strömungen im Volk selbst wurden rasch von den Priestern unterdrückt. Aber jetzt waren die Kor'Drakka eins, ein Volk, vereint unter dem Willen seiner Göttin.
"Es ist an der Zeit wieder an die Oberfläche zu gehen. Viele werden erschrecken. Wir müssen die Geschichten über die Herzkinder als Räuber und Bestien widerlegen. Es wird Zeit brauchen. Aber schlussendlich werden wir unser Ziel erreichen. Mit Mellysaes Segen werden wir in die Welt hinausgehen und die Glorie der Kor'Drakka bis in den letzten Winkel tragen!"
Der Jubel wurde zu einem Orkan tausender Stimmen, die ihre Begeisterung hinausbrüllten. Die drei Priester im Herztempel zogen sich zurück. Sie würden auf ein Zeichen warten. Mellysae hatte ihnen in einer Vision mitgeteilt, dass die erste Kontaktaufnahme nicht lange auf sich warten lassen würde.

"Diese Gänge wurden seit mindestens zwanzig Jahren nicht mehr benutzt", murrte An'Ker. Der hochgewachsene Rubin war stark wie ein Ochse, aber offenbarte manchmal auch die Weitsicht eines eben solchen. Beruhigend legte ihm Mel'Ino eine Hand auf die gepanzerte Schulter. Die Saphir war zehn Jahre älter als der Rubin und offenbarte schon einige Zeichen des Alters. Zum Glück konnte sie sagen, dass die Mehrzahl der Falten in ihrem Gesicht Freude zuzuschreiben waren. Wären diese Gänge benutzt, könnten sich die Rattenmenschen nicht solange unbemerkt bewegen.
"Ruhe", befahl Kor'Deren. Der Erdformer hatte eine Hand auf die Tunnelwand gelegt. Den Erdformern war es möglich feinste Vibrationen im Erdreich zu spüren. Sie auseinander zu halten war eine Kunst. Der alte Kor'Drakka allerdings war ein Meister.
"Sie sind in die Richtung", stellte Kor'Deren fest. Niemand widersprach. Die drei Kor'Drakka schritten weiter den Gang entlang. An'Ker hielt eine Kristallfackel in der Hand und leuchtete ihnen den Weg. Mel'Ino vermutete, dass einer der Onyxe in der Nähe war, aber die zeigten sich selten.
"Wie sollen wir sie überhaupt verstehen?", murrte An'Ker schon wieder los. Mel'Ino seufzte. "Mellysae wird mir ihren Segen geben. Ich werde mit ihnen sprechen können."
"Ruhe." Das kam wieder von Kor'Deren: "Sie kommen." Die Rattenmenschen bogen in den Gang ein, in dem auch die Kor'Drakka waren. An'Ker streckte seine beiden Hände vor. Die Kristallfackel hatte er vorher weggesteckt, sodass seine Hände leer waren. Die universelle Geste für "Ich tu dir nichts."
Mel'Ino wartete ab, bis ihre Gegenüber das Wort erhoben. Erst dann würde es ihr möglich sein die Sprache der Rattenmenschen zu entschlüsseln.

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Grim
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 15:56

Es wäre falsch gewesen zu behaupten, dass Wehegrim an einem Schachbrett saß, denn ein Brett, wie die Sterblichen es nutzten um ihre Spielsteine darauf zu platzieren gab es nicht. Lediglich die Steine. Sie schienen in der Luft zu hängen, doch Wehegrim störte sich nicht daran. Es wäre - streng genommen - auch bereits falsch gewesen, dass Wehegrim saß. Nicht nur, dass er an einem Schachbrett saß, sondern dass er überhaupt saß. Einen Stuhl, eine Bank, nichts in der Art war da, worauf man hätte Platz nehmen können. Aber wo hätte ein Stuhl auch stehen sollen? Es gab schließlich auch keinen Boden. Und doch saß Wehegrim. So man von einer Gestalt, die keine Beine besitzt, von 'sitzen' reden kann. Es war in jedem Fall die Haltung, die bei den Sterblichen der Haltung des Sitzens entsprochen hätte, in der Wehegrim sich nun über sein Schachbrett - pardon, seine Spielsteine - beugte. An sich ein Ding der Unmöglichkeit, doch dies hier war seine Sphäre. Hier konnte der Beobachter tun und lassen was er wollte. Er formte sie nach seinem Willen. Hier war nur, was er hier haben wollte. Abgesehen vom Fluss der Seelen natürlich. Den Fluss konnte er nicht entfernen, nicht einmal formen. Der Fluss war da. Er war etwas Höheres, etwas, womit Wehegrim eine Symbiose eingegangen war, vor unendlich langer Zeit. Damals, als das Leben entstanden war. Nein!, korrigierte er sich in Gedanken. Der Tod, nicht das Leben. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte es Leben ohne den Tod gegeben. Winzige Organismen, die sich teilten, immer weiter und weiter und so nie starben. Den Tod hatte es erst später gegeben. Unendlich viel später. Aber was machten Jahrmillionen schon aus, wenn man so unglaublich lange schon existierte? Was für eine Bedeutung spielten Jahrmillionen schon für einen Gott. Für Wehegrim war Zeit nie etwas gewesen, das er mit mehr als mildem Desinteresse behandelt hatte. Es gab - das war die höhere Wahrheit - nur die Ewigkeit.

Nun mag sich mancher fragen, was es mit dem Fluss der Seelen auf sich haben mag, warum er sich der Macht des Herrn der Sphäre entzieht. Die Antwort ist ganz simpel. Es ist nicht der Fluss, der Teil der Sphäre ist, es ist die Spähre, die Teil des Flusses ist. Der Fluss der Seelen ist etwas größeres und Wehegrims Sphäre nicht mehr als ein hinein ragendes Pier, ein Ankerplatz, ein Leuchtturm vielleicht, wo jene, die auf dem Fluss reisen, an Land gehen können. Doch es ist schwer den Fluss zu beschreiben. Kein Wasser fließt in ihm und auch sonst nichts, das man hätte greifen können. Auch lässt sich dem Fluss kein Ort auf oder außerhalb der Welt zuweisen. Einzig jene, die ihn bereisen - die Seelen der Verstorbenen - kennzeichnen seinen Lauf. Der einzige Ankerpunkt des Flusses - so ironisch das auch scheinen mag - ist die Sphäre des Seelenpfeifers, vor Urzeiten mit der unfassbaren Macht eines Alten in den Lauf des Flusses gepresst. Dies war der Moment, in dem aus jenem Hohen Gott, der an einen Namen trug, den nicht einmal er selbst noch kennt, der Beobachter wurde, welcher sich später den Namen Wehegrim wählte. Der Moment, in dem er sich seine Gemeinde in der Welt der Sterblichen suchte. Doch es ist kein Volk, das Wehegrim sich wählte. Es sind die Seelen der Toten. Gewissermaßen sind sie es, die ihn verehren, denn er ist ihr Hirte und wie die Schafe dem Schäfer folgen weil sie insgeheim wissen, dass er ihnen Gutes will, so beugen die Seelen sich Wehegrim. Das ist das Geheimnis des Todesgottes.

Die rot behandschuhte Hand schwebte über dem Spielfeld - den Spielsteinen, besser gesagt - ausgestreckt als wolle der Beobachter jederzeit einen der Steine greifen, doch Wehegrim verharrte. Er verharrte schon lange so. Reglos. Wie lange, das wusste er nicht zu sagen. Zeit hatte ihn nie wirklich gekümmert. Ab und an schoss ein flirrender Schatten vorbei, links, rechts oder auch mitten zwischen den Figuren hindurch. Eine Seele. Sie waren das einzige Anzeichen dafür, dass Zeit verging. Sonst hätte man meinen können, die Sphäre des Beobachters wäre in der Zeit eingefroren. Die Geste der Hand, erstarrt wie sie schien, hatte etwas Beschwörendes. Und tatsächlich schien eine Macht von ihr auszugehen, denn obwohl Wehegrim keinen der Steine auch nur touchierte bewegten diese sich langsam durch den Raum. Wehegrims strahlend grüne Augen folgten ihnen wachsam. Die Figuren spiegelten den Lauf der Welt der Sterblichen, doch es war nicht ganz einfach, sie zu deuten. Nicht einmal für einen Beobachter. Doch Wehegrim war geduldig. Und in diesem Moment war es nicht schwer, zumindest die generelle Botschaft der Figuren zu deuten. Die Welt geriet in Bewegung. Doch um zu ahnen, wie diese Bewegung aussehen würde wäre es nötig gewesen, die Zukunft zu lesen. Und Zukunft, das war nun einmal Zeit. Aber Zeit war etwas, das Wehegrim noch nie sonderlich interessiert hatte...

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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 16:51

Gedanken rasten in Razz Kopf, als er die Geschöpfe dort stehen sah. Tiefschwarz, Edelsteine auf der Stirn. Hufe statt Füßen, Zähne aus Kristall und ein Schwanz. Wenigstens etwas schienen sie gemein zu haben. Wie erbaulich. Aber viel besser war die Tatsache, dass sie sich nicht sofort auf die fünf Skizz stürzten. Einer reckte ihnen die leeren Hände entgegen und Nizzar entspannte sich kaum merklich, die Hände jedoch weiterhin auf den Griffen seiner Äxte, die an seinem Gürtel baumelten. Die Wache auf dem Höhlenkrabbler hielt die geladene Armbrust weiterhin in den Händen und warf Blicke in die beiden Gänge hinter ihnen. Razz atmete tief durch, trat an Nizzar vorbei und verbeugte sich. Der braune Skizz war aufgeregt wie noch nie zuvor in seinem Leben. Das hier war der erste Kontakt. Er durfte nichts falsch machen. Sollten diese Wesen irgendetwas falsch verstehen, konnte das ganze schrecklich ausgehen. Falls sie überhaupt sprechen konnten. Sie ähnelten in keinster Weise einem der ihm bekannten Völker. Seine Barthaare zuckten nervös. Er deutete auf sich und sagte: „Razz“. Er machte eine ausholende Geste, die die fünf Skizz einschloss und sagte: „Skizz“. Seine Kommunikationsversuche waren mehr als dürftig, aber was sollte er sonst tun? Für sie musste es sich wie willkürliches Quiken anhören. Ob sie ihn überhaupt hören konnten? Bestimmt, sie sahen nicht aus wie Fledermäuse oder dergleichen.
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 17:15

Ein leises Rauschen eines Baches in der Nähe, ein warmes Gefühl auf der Haut, das unrhythmische Zwitschern der Vögel im Geäst... so lies es sich doch Leben. Lars lag gemütlich schunkelnd auf einem einfachen Heuwagen, ein Hut über dem Gesicht, und die Gedanken schweifen lassend. Er war ein freier Magier, und als ein solcher standen ihm zwar nicht direkt Privilegien zu, aber an sich hatte man es als reisender Illusionist nie schwer. Momentan reiste er mit einer kleinen Karawane von Vogelfreien, eigentlich weit unter seinem Stand, und genoss die Atmosphäre unter den ständig übenden Gauklern. Sie waren gerade auf dem Weg in eine kleine Siedlung in den Grenzlanden um Mystra herum um ihre Vorräte aufzufüllen, und dort würden sie auch direkt eine kleine Nummer vorführen, natürlich um auf Wohlwollen zu treffen. Lars selbst brauchte keine Vorräte, er hatte noch genug für einige Woche der Reise, und bis dahin würde er ganz einfach noch auf neue Treffen, aber die Grenzdörfer bekamen viel zu selten Besuch von reisenden Magiern, also würde auch er dort die Botschaft Mimik’s verteilen.
Der junge Magier war quasi gerade erst von seinem Meister getrennt worden, und reiste nun wie jeder Adept durch die Lande um mehr Erfahrung zu sammeln, Lars jedoch hatte es schon lange aufgegeben jemals ein Erzmagier zu werden. Eigentlich mit dem Tag, an dem er seinen Meister verlassen hatte. Diesem hatte er es auch erzählt, was nicht wirklich Zuspruch beim Alten Mann hervorgerufen hatte. Er hob seinen Oberkörper, nahm den Hut ab, und versuchte sich einige Strohreste aus dem halblangen braunen Haar zu wuscheln, mit eher mäßigem Erfolg. Agil wie ein junger Krieger hüpfte er vom Wagen, schulterte seinen Proviant und marschierte zur Spitze der Karawane, wo er sich kurz mit dem Karawanenführer unterhielt.

Das Dorf noch außerhalb direkter Sichtweite setzte sich Lars ein wenig von der Karawane ab, indem er eilenden Schrittes vor ging. Das Was nun folgen sollte brauchte etwas Vorbereitung, und nach kurzer Absprache hatte der Karawanenführer, bekannt als „Rotauge“, zugestimmt den Tross ein wenig zu verlangsamen, um dem Illusionisten genug Zeit zu lassen. Keine hundert Meter vom Dorf entfernt positionierte sich Lars nun am Wegesrand, und begann einige Zauberformeln zu rezitieren, die zwar an sich keine Bedeutung hatten, ihm jedoch ungemein halfen sich zu konzentrieren. Lars war ein begabter Magier, das mussten selbst die neidischsten Mitmagier zugeben. Er war so gut, dass er eigentlich sogar ein Favorit für die nachkommende Generation von Erzmagiern gewesen wäre, aber er war zu sehr ein Lebemann, als das er hätte Erzmagier werden wollen.
Aber Zaubern tat er mit Leib und Seele, und während die Luft um ihn herum leicht zu flimmern begann schob sich ein riesiges Marmornes Tor, mit gusseisernen vergoldeten Torflügeln in den Himmel, kunstvoll verzierte Türme schossen in die Höhe, und wie aus dem Nichts erklangen ohrenbetäubende Fanfaren, und spätestens mit diesem Lärm war die Aufmerksamkeit des Dorfes auf sich gezogen, die nun allesamt aus dem Dorf strömten, um sich dieses neue Tor anzusehen. Und nachdem die Fanfaren geendet hatten schoben sich mit stilistisch metallischem Quietschen die gigantischen Torflügel auf, und gaben den Blick preis auf die Karawane, die sich nun mit langsamen Schritten näherten.
Alles in allem eine sehr beeindruckende Szenerie, und auch wenn sich Lars sehr stark konzentrieren musste um die Illusion aufrecht zu erhalten, er fand jedes mal, dass es sich lohnen würde. Es gab keinen besseren Weg Mimik zu huldigen, und außerdem hatte auch er seinen Spaß dabei.

Während der junge Magier seinen Trick vorführte lag Mimik mit aufgestütztem Ellbogen auf einem Hochseil, welches über dem gesamten Marktplatz aufgespannt war, und schaute durch die Augen des Menschen auf die Dorfbewohner. Ein wohliger Schauer der Macht durchzuckte seinen Körper und mündete in einem Lachanfall. Er mochte diesen jungen Kerl, er war genau nach seinem Geschmack. Ein mehr als königlicher Empfang für eine Gruppe vogelfreier Bastarde. Köstlich! Er kugelte auf dem Seil ein wenig umher, fasste sich aber schnell wieder, und strich sich seine momentan blau-orange Kleidung glatt. Kurzerhand stellte er sich einbeinig auf dem Seil auf, und tänzelte ein wenig umher, unter den begeisterten Rufen nicht wirklich existenter Menschen. Aber ein wenig langweilig war ihm schon, so lange wie ihm nun nichts mehr passiert war. Oder eher seinem Volk. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht, so konnte man sagen. Ein beständiger Machtzufluss hatte ihn über die Zeit mächtig werden lassen, und auch jetzt kamen immer neue Wogen der Macht auf ihn eingeströmt. Er war zwar keiner der alten mehr, aber er fühlte sich dennoch unglaublich mächtig.
Der Gott beendete seine Vorstellung, indem er einen Salto aus dem Stand machte, und auf Zehenspitzen auf dem Seil landete. Eine tiefe Verbeugung, und die Show war vorbei. Er würde demnächst mal wieder irgendwen besuchen müssen.


Zuletzt von Brokk am Do 05 Jan 2012, 19:12 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 18:29

Unter lauten Schnaufen eilte Ruyi ihren Lehrmeister nach und hielt sich mit verzerrten Gesicht die Seite. Meister Culo'co war alt, aber keineswegs außer Form und ein Gang durch den Tempel mit ihm, konnte anstrengender als ein Hürdenlauf sein. Sie war kaum in der Lage, mit ihm Schritt zu halten und gleichzeitig den anderen Traumsängern und Novizen in den Gängen rechtzeitig auszuweichen, während er sich mit einer Leichtigkeit bewegte und noch ein "Beweg dich, Kind" drauf legte.

Es wurde ihr bereits schwarz vor Augen und Ruyi war sich sicher, dass sie nicht mehr weit von der Ohnmacht entfernt war, als ihr Lehrmeister endlich vor einer der Türen stehen blieb. "Denk daran, was für eine Ehre es ist, am Gesang teilzunehmen und vergiss nicht, was wir besprochen haben. Ich dulde keinen Novizen, der mir Schande bereitet und sich einen Fehler erlaubt." Ruyi gab ihren Lehrmeister nur ein kurzes Keuchen zur Antwort und versuchte, schnell etwas Luft zu holen. Natürlich wusste sie, was für eine Ehre es war, am Gesang teilzunehmen, was dachte sich der Dummkopf. Sie kannte jede Einzelheit des Rituals und wusste, wie sie sich verhalten musste. Sie hatte es schon lange gewusst, als ihr Lehrmeister mit ihr darüber das erste Mal sprach. Nicht ohne Grund, hatte man sie aus der Klasse genommen und einem der besten Traumsänger zugeteilt, wie es sonst erst nach einigen Jahren des Studiums der Fall ist. Sie war die beste Novizin ihres Jahrganges und ihr Talent und Wissen war unabstreitbar. Die meisten Beschwörungen bis zur vierten Stufe bereiten ihr kaum mehr Schwierigkeiten und sie war in der Lage, die meisten Gesänge bereits auf dem Niveau eines wahren Traumsängers zu singen. Doch es blieb ihr nicht die Zeit, sich gedanklich weiter über ihren Lehrmeister aufzuregen, als sie bereits von seinem festen Griff durch die geöffnete Tür gedrückt wurde und sich in einer runden Säulenhalle wiederfand. Hastig folgte Ruyi den Beispiel ihres Lehrmeisters und schob sich die Kapuze ihrer einfachen Leinenrobe über den Kopf und kniete sich zu den anderen. Traumsänger und ihre Novizen - alle bereits um Jahre älter als sie - hatten sich bereits zwischen den Säulen versammelt und hielten den Blick auf die Mitte der Halle gerichtet und es vergingen noch einige Minuten, in welchen Ruyi wieder zu Atem kommen konnte, bis die Stille von einem Glockenschlag, welcher von der Ankunft des Orakels, dem obersten Diener des Traumwebers, kündete, durchbrochen wurde.

Ruyi wusste von den Geschichten, die von den unglaublichen Kräften des Orakels berichteten. So waren nur wenige Mandal in der Lage, auch mit ihren Körper den Traum zu betreten und wenn, dann nur für wenige Minuten während das Orakel sogar mehrere Tage in diesen Zustand verbringen sollte. Außerdem sind seine Fähigkeiten in der Beschwörung berüchtig. Es heißt sogar, dass vor allem diese Gabe, welche Sica in den Bürgerkriegen unter Beweis stellte, das damalige Orakel davon überzeugte, ihn zu seinen Nachfolger zu bestimmen. Diese und weitere Gedanken gingen der Novizin durch den Kopf, als endlich die größte Tür des Raums geöffnet wurde und das Orakel eintrat und der erste Traumsänger mit dem Gesang begann, während in die anderen Traumsänger und Novizen seinen Beispiel nach und nach folgten.

In diesen Moment löste sich Phidas aus dem Geist seines Schützlings und ließ sich wieder zurück in seine Spähre treiben. Er wusste, dass Sica ihm bemerken würde und es lag ihm wenig daran, seinen alten Freund zu beunruhigen. Er war sehr zufrieden damit, wie er seine Aufgabe als Orakel erfüllte und konnte nichts daran aussetzen. Aber es tat gut, langsam einen Nachfolger zu bestimmen und Phidas hatte seine Wahl getroffen.


Zuletzt von Phidas am Do 05 Jan 2012, 21:54 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 21:20

Die Rattenmenschen hießen also Skizz. Und der vorderste hieß Razz. Oder vielleicht war Skizz ein Familienname? So viel, was sie nicht wussten. Mel'Ino trat ihrerseits vor die anderen zwei und deutete auf sich selbst. "Mel'Ino." Danach deutete aus auf An'Ker und sprach seinen Namen und wiederholte die Prozedur bei Kor'Deren. Danach vollführte sie eine einnehmende Geste zu ihrer ganzen Gruppe und sagte: "Kor'Drakka." Mel'Ino musste sich zusammenreißen, um ihren Widerwillen zu verbergen. Die Rattenmenschen ähnelten zu sehr den Ratten, die den Kor'Drakka das Leben schwermachten. Aber die Saphire trainierten sich nicht umsonst in der Diplomatie. So zeigte sich nichts auf dem Gesicht der Diplomatin. Stattdessen deutete sie einmal den Kristall auf ihrer Stirn und danach auf die Rattenmenschen.
"Redet. Bitte. Ansonsten wird das unserem Gespräch deutlich hinderlich sein." Mel'Ino lächelte ermutigend.

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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 22:01

In den obersten Ebenen von Cassus stand einer der Hohepriester von Veranus und sein Blick richtete sich gegen den Horizont. Dort hinten lag der Sumpf und dieser wurde von diesen Schlangenwesen bewohnt. Eine herrliche Beute, denn ihr Fleisch und Blut waren köstlich, zumindest in den Augen von ihm und seiner Gruppe. Auf Odiums Lippen bildete sich ein finsteres grinsen, während ein Blick so in der Ferne lag. Seine Hand lag auf dem Knauf seines Kurzschwertes, welches an seinen Gürtel hing. Er trug einen Brustpanzer, welcher zu Teilen aus Leder und Eisenplatten bestand, diese waren durch Blutrote Fäden miteinander verbunden, seine Hose bestand aus einen festen Stoff, auf welcher im Bereich der Oberschenkel kleine Stahlplatten angebracht waren. Seine Lederarmschienen war aus einen geschwärzten Leder hergestellt und hatte einige Stahlnieten eingearbeitet.
In letzter Zeit beherbergte die Stadt immer mehr Vecors und es kam immer öfters zu kämpfen unter den Gruppen. Odium drehte sich um und machte sich auf in die unteren Ebenen. Er würde seine Gruppe in den Kampf führen und fremdes Blut vergießen und Chaos unter den Völkern verbreiten.
Auf seinen Weg nach unten, kam er durch ein Gebiet das von einer anderen Gruppe beherrscht wurde. Man sah in den Augen der Vecors deutlich die Blutlust und Odiums griff um den Schwertknauf verstärkte sich. Sein Blick glitt unruhig von einer Person zur nächsten, während er die Straße lang ging. Seine Paranoia war groß, doch es schien als wäre seine Aufgabe von seinen Gott gesegnet, denn keiner seiner Brüder und Schwestern kam ihm zu nahe oder behinderte ihm.
Also Odium endlich bei seinen Leuten angekommen war, befanden die sich gerade in einen kleinen Scharmützel mit einer anderen kleinen Gruppe. So stürzte er sich ebenfalls in den Kampf und schwang seine Klinge, welche bereits nach Blut dürstete. Mit einigen geschickten Schlägen brachte er die ersten Vecors zu Fall, während sich um seine freie Hand ein eisiger Nebel legte. Als er seine Hand nach vorne Ausstreckte schoss ein Eisbrocken nach vor und traf einen seiner eigenen Leute und tötet ihm damit. Nicht das einer der Vecors sich daran störte, das sein Kamerad fiel, doch die kleinere Gruppe schreckte etwas zurück und ein Teil dieser Gruppe zog sich nun tiefer in die Stadt zurück, während einige der Gruppe entschlossener Kämpften und man hätte schwören können, das in diesen Vecors der Wahnsinn stärker brannte als in den anderen.
Der Kampf dauerte nicht all zu lange, bis die letzten feindlichen Vecors dahin geschlachtet waren und einige Leichen bereits in dunkle Gassen geschleppt wurden. Die Blutgier einiger Vecors war mit diesen Kampf etwas gestillt, dennoch waren die Vecors zu gereizt in letzter Zeit, als das es so weiter gehen konnte. Deswegen würde Odium seine Gruppe aus der Stadt führen und in Richtung des Sumpfes. Dort würde er den Wahnsinn sähen und so vielleicht eine neue Stadt des Wahnsinns gründen.

Vesanus lächelte leicht, während er seinen Blick von der Stadt Cassus abwandte. Sein Volk hatte sich prächtig entwickelt und bald würden wieder die ersten Gruppen von der Stadt aus ziehen und versuchen neues Land in Anspruch zu nehmen. Seine Kinder konnten nicht friedlich zusammen auf so engen Raum leben und vermehrten sich einfach zu schnell. Sie würden den Wahnsinn hinaus in die Welt tragen, bisher hatten immer nur die Randgebiete der Einöde des Wahnsinns von den Taten der Vecors leiden müssen.
Vesanus wandte sich zu einen der Monolithen und schien ihm zu mussten, bevor sein Grinsen breiter wurde. Dieser Monolith erinnerte ihm an einige der Schlachten seine Kindern. Das einzige was er nicht mehr wusste war, ob es diese Völker noch gab oder ob ihre Götter noch aktiv waren. Zu sehr war er damit beschäftigt seinen Kindern zu zu sehen und den Wahnsinn zu verbreiten. War es schon immer seinen Aufgabe gewesen den Wahnsinn in die Herzen und Gedanken der Sterblichen zu pflanzen und dabei zu zu sehen wie dieser Wahnsinn wurzeln fand und wuchs. Er wusste es nicht mehr und würde sich wohl nie mehr daran erinnern. Seine Aufzeichnungen auf den Monolithen waren lückenhaft und er wusste auch nicht ob ihr ihnen trauen konnte. Vielleicht manipulierten sie auch sein Verhalten? Ein Streich der Großen? Oder war er zu sehr mit seiner Aufgabe eins geworden?
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Mali
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Do 05 Jan 2012, 23:05

Die Sonne erhob sich über der Savanne und die Bewohner Chataras erwachten aus ihrem Schlaf. Asha, die älteste Clanmutter war als Erste wach und hatte begonnen, die Morgenmahlzeit für ihren Gefährten und ihre Familie zu kochen. Ruhig blickte sie zur Sonne hinauf und lächelte. Es war Zeit für die Versammlung. Nach und nach wachten auch die anderen auf. Ihr Sohn Darim bewohnte mit seiner Familie ein eigenes Zelt. Drei Kinder wohnten bei ihm und seiner Frau. Der älteste Sohn Castiel und seine zwei Schwestern. Sanft lächelte sie. Die Männer begannen das Lager abzubauen und einige Kinder trieben bereits das Vieh zusammen. Essen konnten sie unterwegs.

Emrys blickte in seine Kugel und lächelte. Sein Volk war gesund und munter und bald würden sie wieder Feiern, um ihn zu ehren. Sie würden ihn bitten ihre Kinder zu segnen und Zeuge der Verbindungen zu werden. Hin und wieder schaute er auch zu den Grenzen seines Landes. Da war zum einen der Dschungel im Süden, mehrere Gebirge und im Osten ein Sumpf, der mit dem Grenzsee zusammenlief. Aber er wusste nicht, wer dort lebte und ob diese auch Beobachter hatten.

Darim blickte sich um und stellte fest das alle da waren und das das Lager komplett abgebaut war. Einige der Rinder dienten als Lasttiere, da es stets schwer war, Material für die Hütten zu finden. Seine drei Kinder standen bei ihrer Mutter und würden wohl während der Wanderung bei ihr in der Nähe bleiben. Aber wenigstens musste er die Rinder und Ziegen nicht alleine treiben. Einige Momente verweilte sein Blick auf seinem eigenartigen Sohn. Er hatte sich damit abgefunden, das er mit Said zusammen war. Darims Mutter Asha hatte sogar vermutet, dass die beiden sich miteinander verbinden wollten. Das konnte noch was werden.


Zuletzt von Mali am Sa 07 Jan 2012, 00:19 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Fr 06 Jan 2012, 01:29

Razz Augen weiteten sich vor Erstaunen. Er verstand das Wesen! Aber wie war das möglich? Sie konnten unmöglich dieselbe Sprache sprechen! Er warf einen kurzen Blick über die Schulter, die anderen waren nicht minder verwirrt. Schockiert. Seine Gedanken rasten. Wenn die Verständigung möglich war… Ungeahnte Möglichkeiten. Er hatte bereits überlegt, wie man am besten eine Sprache entschlüsseln könnte. Aber das war scheinbar gar nicht nötig. Vielleicht war es irgendein Trick, Magie, Technik, Gedankenübertragung? Nein. Letzteres auf keinen Fall. Sie nannten sich Kor’Krakka. Der Skizz zwang sich zur Ruhe, ordnete seine Gedanken, sein Atem ging wieder langsamer. Er würde das schon hinbekommen. „Verzeiht mir, aber ihr habt mich überrascht. Ich hätte nie vermutet, dass ihr uns versteht. Außer uns Skizz spricht vielleicht eine Hand voll Oberflächenbewohner unsere Sprache. Wie könnt ihr mit uns sprechen? Ihr habt doch wahrscheinlich noch nie einen von uns gesehen, geschweige denn mit einem gesprochen. Aber was rede ich denn da…“ Er musste endlich die Kurve kriegen. Das war der erste Kontakt, verdammt noch mal, und er führte sich auf wie ein Idiot! „Mein Name ist Razz. Wir sind auf verlassene Tunnel gestoßen. Ich bin der Leiter der Forschungsexpedition.“ Mittlerweile hatte der Armbrustschütze seine Waffe gesenkt, blieb aber weiterhin wachsam. „Die Skizz hegen keine feindseligen Absichten gegenüber eurem Volk. Wir suchen viel mehr nach Wissen. Und sind bereit, unseres mit euch zu teilen, versteht sich. Wir sind fasziniert von euren leuchtenden Kristallen, die die Wege erhellen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Könnten wir euch ein paar abkaufen? Da fällt mir ein… Ich habe aus dem Randgebiet eurer Tunnel ein paar mitgenommen, um sie zu untersuchen. Natürlich werde ich sie euch zurückerstatten lassen.“ Diebstahl war in der Gesellschaft der Skizz nicht bekannt. Das höchste Ziel war es, die gesamte Gesellschaft voranzubringen. Wenn man etwas erreicht hatte, teilte man es mit den anderen, damit diese es weiterentwickeln konnten. Allerdings konnten die Händler an den Ausläufer des Nearagebirges ein Lied davon singen, dass die Skizz die einzigen mit dieser Lebenseinstellung zu sein schienen. Karawanen wurden von Räubern überfallen und unvorsichtige Händler betrogen und getötet. Was in den Tiefen undenkbar schien, war an der Oberfläche an der Tagesordnung. So kam es jedenfalls den Skizz vor.

Die Maschinen ratterten, dampften, pfiffen und quietschten, doch im Moment ignorierte Zark das alles vollkommen. Die Bögen voll Pergament lagen neben ihm, doch die Feder lag irgendwo begraben. Er verfolgte gespannt den ersten Kontakt seines Volkes mit den Kor’Drakka. Hatte dieses Volk einen Beobachter? Gab es einen Alten, der sich ihrer angenommen hatte? Er wusste von einigen, die daraus kein Geheimnis machten, er selbst gehörte dazu. Er war sicher, dass viele Beobachter im Verborgenen blieben. Sich nicht zeigen wollten. Da hatte er selbst einen Geistesblitz. Mellysae, die Steinmutter. Dass er nicht gleich darauf gekommen war! Erde war ihr Bereich. Wie konnte er das nur vergessen. Aber er war ja auch ein vielbeschäftigter Gott. Manche Sachen konnte selbst er vergessen. Aber er sollte es nicht. Er war ja kein Sterblicher. Konnte es Mellysae sein, die sich dieser Wesen angenommen hatte? Wäre das wirklich möglich? Ja, natürlich war es möglich, aber es konnte auch jeder andere sein. Aber es wollte ihm niemand einfallen, der sich solch ein Volk aussuchen würde. Er versuchte sich an Mellysae zu erinnern, aber hatte er sie überhaupt schon ein Mal gesehen? Unwichtig. Er musste nicht wissen, wie sie aussah. Er sah, wie ihre Kreaturen aussahen. Und sie sahen ziviliert aus. Also profitierte er von ihren Ideen, ihrem Fortschritt. Er sollte sich bei ihr bedanken. Er hatte sich doch gerade an sie erinnert! Also warum nicht gleich? Der erste Kontakt zwischen den beiden Völkern war bis jetzt problemlos abgelaufen. Und seine Skizz waren schlaue Kerlchen, die würden das schon schaukeln. Auf zu Mellysaes Sphäre! Er verließ seine eigene, kündigte sich bei ihr an. Er verzichtete auf irgendwelche optischen Effekte, er übermittelte lediglich seine Stimme. „Mellysae, darf ich eintreten? Ich bin es, Zark. Kennen wir uns schon? Oder kannst du dich noch an mich erinnern?“
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Fr 06 Jan 2012, 02:36

Die Unbeholfenheit ihres Gegenüber brachte Mel'Ino zum Schmunzeln. Die Skizz bildeten anscheinend keine Diplomaten aus. Natürlich war auch ihre Erfahrung in dem Gebiet bestenfalls oberflächlich, aber was sollte mit dem Segen der Göttin schon schiefgehen? Ermöglichte es ihr doch, sofort mit anderen Völkern in Kontakt zu treten. Zudem schien der Skizz deutlich bemüht zu sein, sich mit den Kor'Drakka gut zu stellen. Diese Wesen waren nicht wie die kleinen Nager, die die Ernte vernichteten, musste Mel'Ino anerkennen.
"Verstehst du sie?", hakte An'Ker nach. Mel'Ino drehte sich halb um und deutete auf den Kristall auf ihrer Stirn, der sanft von innen heraus glomm. Danach wandte sie sich wieder an Razz, der anscheinend die Rolle des Sprechers für die Expedition übernommen hatte: "Nur eines der vielen Geschenke unserer Göttin. Die Saphire sprechen alle Sprachen."
Die Diplomatin wurde wieder ernster. "Die Tunnel, die ihr fandet, stammen aus der Zeit vor unserer Erdunklung. Ein paar fehlende Kristalle werden uns nicht schaden. Nehmt sie als ein Geschenk unseres guten Willens. Was den Prozess ihrer Herstellung anbelangt, so fürchte ich, dass ich nicht viel darüber weiß. Dafür müsstet ihr mit einem Amethyst sprechen."
Mel'Ino wandte sich an ihre zwei Begleiter und übersetzte: "Sie nennen sich Skizz. Die Suche nach Wissen hat sie hergeführt." Die Kor'Drakka lächelte sanft. "Scheinen ganz aufgeweckte Wesen zu sein. Wir sollten sie zum Außenposten bringen, sofern sie denn wollen."
Der Erdformer Kor'Deren brummte nur etwas, während An'Ker nickte. Mel'Ino wandte sich wieder an Razz.
"Es wäre uns eine Ehre euch zu einem unserer Außenposten zu geleiten. Dieser verlassene Tunnel ist kein Ort für Gespräche."


Licht funkelte in Mellysaes Edelsteinaugen. Die Beobachterin verfolgte gebannt die erste Kontaktaufnahme ihrer Kinder. So gebannt, dass sie fast die Stimme überhört hätte. Diese Stimme war nicht in der Flamme, durch die sie die Kor'Drakka und Skizz beobachtete. Diese Stimme war vor ihrer Sphäre.
„Mellysae, darf ich eintreten? Ich bin es, Zark. Kennen wir uns schon? Oder kannst du dich noch an mich erinnern?“
Mellysae lachte leise. Der andere Beobachter schien etwas verwirrt zu sein. Sie hatte sich noch keinem von ihnen jemals gezeigt. Vermutlich war sie mit einhundert Jahren die jüngste der Beobachterriege. Ihr Aspekt hingegen war älter. Aber dieses Volk war den Machtverlust wert gewesen. Es bereitete Mellysae eine unsagbare Freude ihre Kinder gedeihen zu sehen. Und dazu gehörte Handel. Es gab Dinge, die selbst die kunstfertigsten Erdformer nicht herstellen konnten.
Die Göttin erhob sich von ihrer Liege und ließ den anderen Beobachter ein.
"Seid mir gegrüßt. Ich fürchte, Ihr seid mir gegenüber im Vorteil. Ihr scheint mich zu kennen, während Ihr mir fremd seid." Nicht, dass sie sich nicht denken konnte, zu welchem Volk dieser Beobachter gehörte.

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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Fr 06 Jan 2012, 13:25

Kein Lüftchen wehte über die weiten Gewässer zu seinen Füßen, die im Lichte des Mondes über ihm glitzerten. Mare selbst stand auf eben jenem Wasser, als wäre es solider Boden, doch war dies sein Reich, seine Sphäre in der sein Wille absolute Macht war. Seine Gedanken jedoch kreisten wo anders. Regungslos blickte der Gott der Meere auf das Wasser zu seinen Füßen, denn dort, in einem kleinen Teil des spiegelglatten Meeres, zeigte sich nicht etwa ebenfalls das Glitzern des Mondes über ihm, sondern das Bild zweier Wesen, die schon mehr als einmal seinen Blick auf sich gezogen hatten. Das Wasser selbst um diese Wesen war seine Augen, und er folgte ihren heutigen Ausflügen mit einer gewissen Neugierde.

Der große Rochen, sein Name war schlicht Kar, peitschte durch die tiefe See. Zwischen Riffen und Bodenspalten hindurch eilte er zu einem unbekanntem Ziel hin. Er war schnell, selbst unter seinen Artgenossen gab es wenige die mit ihm mithalten konnten, doch er würde seinem Verfolger wohl, mal wieder, nicht entkommen. Schließlich musste er sich, wie er erwartet hatte, geschlagen geben. Er hatte verloren.
Das Gefühl überschwinglicher Freude durchflutete ihn, doch es war nicht seine eigene. Er spürte wie zarte Hände über seinen Rücken streichten, und ein neuer Gedanke entfaltete sich in seinem Verstand. "Hab ich dich, Kar." Sanft rieb die Senderin dieses Gedankens ihre Wange an den Rochen. "Aber du hast dich sehr gut geschlagen, mein Großer."
Ob der Zärtlichkeit konnte der Rochen seiner Partnerin es nicht übel nehmen, ihn mal wieder geschlagen zu haben. Sie war eben eine Yanuti, und noch dazu eine der schnellsten. Aber was Shari wirklich auf den ersten Blick hervorhob, waren die wunderschönen roten Schuppen. Sowohl in ihrer Sippe, wie auch in allen anderen in der Umgebung, gab es keinen Yanuti der so tiefrote Schuppen hatte. Aber das war nicht der einzige Grund, weshalb Kar sehr stolz auf seine Partnerin war. Sie galt als wahrhaft von Mare gesegnet. Nicht nur wegen ihrem wunderschönen Äußeren und ihrer Schnelligkeit, sie hatte außerdem eine Stimme, die selbst in den Chören der Yanuti herrausstach.

Lächelnd flitzte Shari auch schon wieder etwas davon. "Na komm schon Kar, schauen wir uns hier noch ein bisschen um, hier haben wir noch nie gespielt." schoss dem Rochen durch den Kopf, und schon machte er sich daran, seiner Partnerin hinterher zu schwimmen. Sie war, trotz ihres Alters von immerhin 19 Jahren, noch immer so sorglos und verspielt wie ein kleines Kind. Das die Tiefsee auch gefährliche Tiere beheimate wusste sie zwar, doch es schien als würde Mare selbst seine schützende Hand über sie halten...

Doch gab es nur einen, der wusste wie sehr das stimmte, und das war Mare selbst. Mit einem stolzen Lächeln folgte er Sharis kleiner Tour noch eine Weile, bevor er sich wieder anderen Belangen seiner Schützlinge zuwandte.
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Fr 06 Jan 2012, 14:42

„Ihr habt Recht, verehrte Mel’Ino.“ Razz drehte sich zu den anderen Skizz. „Nizzar, geh zurück zu den anderen und sag ihnen, dass wir noch eine Weile weg sein werden und dass sie sich keine Sorgen machen müssen.“ „Aber Razz…“, entgegnete dieser, wurde jedoch sogleich unterbrochen. „Kein aber. Ich denke, du findest den Weg zurück ins Lager. Und wir werden ihn auch finden. Und schick meinen Sohn los, er soll dem Rat von unserer Entdeckung berichten. Los jetzt!“ Er wandte sich wieder den Kor’Drakka zu. „Habt ihr etwas dagegen, wenn wir unseren Weg weiterhin kartographieren? Wenn ja, lassen wir es einfach. Aber nun würde ich euch gerne zu eurem Außenposten folgen.“

Zark erschien in Mellysaes Sphäre, er selbst in Gestalt eines rotbraunen Skizz, gekleidet mit lederner Arbeitskleidung eines Schmieds. Er befand sich in einem Tempel, es sah gar nicht mal so schlecht aus. Er verbeugte sich vor der Beobachterin, die aus Marmor und Edelsteinen zu bestehen schien. „Ich hatte nur eine vage Erinnerung an euch und euren Namen. Vielleicht aus meiner Zeit als Alter. Ich weiß es nicht.“ Er kratzte sich am Kopf. Warum war er nochmal hier erschienen? Ach ja. „Ich wollte mich bei euch bedanken. Ich bin Zark und ich beziehe meine Macht aus eurem Volk. Also indirekt. Nicht, dass ich euch ausnutze. Meine Kraft stammt nicht von Gebeten, wie die von anderen Beobachtern. Sie stammt aus dem Fortschritt, aus Ideen, Geistesblitzen. Und da ihr euch einem Volk zugewandt habt, habt ihr meine Macht gemehrt. Ich danke euch dafür.“
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Fr 06 Jan 2012, 20:54

Anxa war zufrieden. Nicht begeistert, aber zufrieden. Für die Mashá liefen die Dinge zwar nicht hervorragend, aber gut genug. Der Wald lebte wie eh und je – was sollte er auch sonst tun, in der Domäne des Lebensfürsten selbst – und versorgte sein Volk ohne Probleme, aber natürlich brauchten die Affenmenschen mehr als nur Nahrung. Um zu überleben reichte es, natürlich. Auch für einen gewissen Luxus, immerhin waren sie selbst keine schlechten Künstler. Aber vieles mussten sie auch importieren, und die Handelslinien waren in letzter Zeit nicht im besten Zustand.
Lange schon handelten sie mit Mystra, seit, aus Anxas Sicht, kurzer Zeit aber auch mit den Chamianern. Nahrung und Holzwaren, wie sie sonst kein anderes Volk herstellen konnte, gegen Stoffe, Metallwaren und ähnliche Dinge, zu denen widerum die Mashá keinen Zugang hatten. Aber in letzter Zeit war der Handel ein wenig erstorben. Die Wege durch die Lande von Mystra waren für die Mashá nicht so einfach zugänglich – in der Reiserichtung lagen zwar zwei Flüsse, aber die Mashá verstanden nichts von Schiffahrt, und Straßen gab es vom Wald aus kaum. Ganz davon abgesehen dass die Karawanen der Mashá alles andere als effizient waren, wenn sie erst einmal aus dem großen wald heraus waren.
Er würde sich darüber mit Mimik unterhalten. Bisher hatte er noch auf einem Ast in seinem persönlichen kleinen Wald in seiner Sphäre gesessen, beinahe regungslos, aber jetzt sprang er mit einem plötzlichen, unvorhersehbaren Satz rückwärts auf, prallte auf seinen Schwanz, federte mit diesem wie mit einer Sprungfeder und stand auf seinen Füßen, bevor er mit einem grünen Aufblitzen und erhobenen Händen verschwand. In Mimiks Sphäre dagegen fegte auf einmal ein Windstoß grüne Blätter herein – kein gewöhnlicher Windstoß natürlich. Und keine gewöhnlichen Blätter. Jeder Beobachter wusste, dass das Anxas Zeichen war.


Zuletzt von Warmonger am Sa 07 Jan 2012, 14:18 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 00:01

Mel'Ino zuckte einigermaßen ratlos mit den Schultern. Sie hatten eigentlich keinen Grund den Skizz das Kartographieren zu verbieten.
"Kartographiert, wenn ihr möchtet. Aber ich muss euch darauf hinweisen, dass eure Karten in spätestens einem Zyklus keinen Nutzen mehr haben werden. Wir nähern uns dem Kernreich, das ständigen Wandels unterliegt. Die Tunnel, die wir nehmen, mag es in ein paar Tagen schon nicht mehr geben. Gehen wir."
Mel'Ino bedeutete An'Ker vorzugehen, der sogleich seine Kristallfackel zur Hand nahm und den Weg leuchtete. Kor'Deren hob die Hände und summte leise vor sich hin. Ein Rumpeln erklang, als würde die Erde sich räuspern. Eine sichtbare Wirkung trat allerdings nicht ein. An'Ker führte die Gruppe eine Zeit lang durch Tunnel, die sich verzweigten. Hier war alles beleuchtet. An einer Tunnelbewegung trafen sie auf vier Wachen der Rubinkaste, die zum Gruß ihre Hämmer auf ihre Schilde schlugen. Hinter den Wachen eröffnete sich eine Höhle, kreisrund, in der ein marmoner Turm bis zur Decke ragte. Hier waren noch mehr Rubine anwesend. Die allermeisten trainierten sich im Umgang mit ihren erwählten Waffen oder traten in Übungskämpfen gegeneinander an.
"Wir hatten in letzter Zeit Probleme mit den Tunnelräubern, daher haben wir die Wachen hier verstärkt", erklärte Mel'Ino und deutete zum Turm, wo eine Kor'Drakka mit einem Diamant in der Stirn sich mit zweien unterhielt, die keinen Kristall zu haben schienen: "Die Priesterin wird mit euch sprechen wollen."

Wenn dieser Beobachter, Zark, seine Macht aus dem Fortschritt bezog, dann hatten die Kor'Drakka ihm in ihrem bisherigen Werdegang gut gedient. Die Entwicklung ihrer Kinder war rasant gewesen. In nur einhundert Jahren hatte Mellysae aus Tieren eine Nation gemacht. Die Beobachterin bedeutete Zark mit der Hand sich doch zu setzen.
"Setzt euch, setzt euch." Sie selbst drapierte sich auf einer der beiden Liegen. Ein Tischchen erschien zwischen den beiden Liegen mit zwei Gläsern und einer Wasserkaraffe darauf. Alle drei waren aus reinstem Kristall.
"Es freut mich, wenn ich Euch irgendwie behilflich sein konnte. Grade jetzt nehmen unsere Völker, wie Ihr sicher wisst, ersten Kontak auf. Ich hoffe, dass meine Kor'Drakka sich bewähren werden. Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen?"

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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 02:29

Unruhig ging Adanos in seiner Sphäre auf und ab, wobei er immer wieder Blicke auf einige seiner Stundengläser warf, in denen er einige schwarze Körner entdecken konnte, die eindeutig nicht dort hineingehörten. Er wusste, dass das nur bedeuten konnte, dass einige Gleichgewichte gestört wurden. Zwar noch nicht stark, aber das konnte sich jeden Moment ändern. Manchmal konnte er die anderen Beobachter - und er war sich sicher, dass es einer von ihnen gewesen sein musste - nicht verstehen, die nur ihre eigene Macht stärken wollten und dabei die natürlichen Gleichgewichte missachteten. Er konnte nicht sagen, wer irgendetwas verändern wollte, dazu war der Wandel zu klein. Dennoch hatte er, als er ihn bemerkt hatte, seine Seldarin angewiesen, sind für den Kampf vorzubereiten. Mit eiligem Schritt ging er zu einem Steintisch, der in der Mitte seines Tempels stand und beugte sich über eine flache Steinschale, in der sich Wasser befand.

Leise schlängelte sich Kischam mit seinem Trupp durch das etwas trockenere Randgebiet der Seldarinsümpfe. Er freute sich darauf, seine Fähigkeiten beweisen zu drüfen, sobald Adanos den Befehl zum Aufbruch geben würde. In letzter Zeit war dieser viel öfter in Kontakt mit ihnen getreten, sodass er vermutete, dass sie bald ihre Heimat verlassen würden. Außerdem hoffte er, dass sie ihren Nachbarn im Westen einen Besuch abstatten würden, gegen die sie sich immer wieder verteidigen mussten. Als er mit einem zischenden Geräusch Züngelte, konnte er den Geruch des Wahnsinns wahrnehmen, der von der Salzebene zu ihnen hinübersickerte, aber da war noch ein anderer Geruch, kaum erkennbar, aber eindeutig vorhanden. In rascher Folge drehte er seinen Kopf nach links und rechts, um den Ursprung dieses Dufts wahrzunehmen, bis er in die Einöde hinausblickte. Dank der Gabe, die er bei seiner Geburt bekommen hatte und ihn zu einem ihrer Späher machte, konnte er die Wärmeabstrahlung der Gruppe von Vecors sehen, die sich auf die Grenze zubewegten. "Warnt die anderen Posssten. Esss kann zu einen Angriff kommen." teilte er den anderen Seldarin mit, die sich sofort auf den Weg machten. Er selbst blieb noch etwas stehen und beobachtete ihre vermeindlichen Feinde, bevor auch er sich zu einem der Posten aufmachte, die sie, wie ihre übrige Behausungen, in den Wipfeln der Mangroven errichtet hatten.
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 04:41

Es war etwas Einfaches gewesen, das sie erweckte und ihre Existenz als Aspekt beginnen ließ. So simpel und doch so wunderbares, wie ein Gedanke gewesen. Die Idee, etwas nicht einfach nur zu erledigen, sondern es mit dem Ziel es auf der Best mögliche Weise zu tun. Für sie war dieser Gedanke das wundervollste Überhaupt, aber schließlich hatte dieser sie zu Aspekt der Perfektion gemacht. Ein hoher Geist unter vielen.

Sie war jünger, als die meisten anderen Alten. Entsprechend stellte sie Vieles in Frage was in den Jahrmilliarden vor ihrer Existenz schon als gegeben galt. Aber das war nun mal ihr Wesen, als Aspekt der Perfektion, das Bestehende zu hierfragen. Auch das die Welt nur im Gleichgewicht gehalten wird durch die Alten, wo es ihr erschien das die Welt sich selbst im Gleichgewicht hielt. Was so mancher der Alter verärgert, offensichtlich macht sie nicht, dass man an ihren Status der Unverzichtbarkeit ratzte.
Auch die Notwendigkeit der Regeln für die Beobachter. Besonders die scheinbare Willkür was betraft wurde und was erlaubt war. So wurde ein Beobachte der dauerhaften Frieden zwischen zwei Völker schaffen wollte, in dem er seine Glaube von dem eine noch auf das andere ausweiten wollte, bestraft. Anderseits ließ man eine andere Beobachterin gewähren, die ihrem Volk anstachelte und in einen Feldzug schickte, der einen großen Teil der Bevölkerung eines Kontinents Ihre Leben gekostet hatte.
Vermutlich waren viele der Alten ziemlich froh, als sie zu Beobachterin wurde.

Ihr Weg zu Beobachterin unterschied sich von dem der Meisten anderen. Sie hatte sich kein Volk gesucht und um es nach ihren Wünschen umgeformt. Sie hatte es nicht das nicht nötig gehabt. Die Chamianer, ein Volk das der Rasse der Luchsmensch angehörte, waren schon perfekt für sie gewesen. Die Chamianer hatten ohne ihr zu tun eine Lebensart entwickelt, bei es das Streben nach Perfektion als Ideal zur Vervollkommnung galt.
Als Aspekt der Perfektion empfand sie Faszination für die Lebensweisen und ihr Streben ihre Werke und Tun zu vervollkommnen. Es war interessant das Volk und seine Entwicklung zu beobachten. Ihre normalen Pflichten und Verantwortung als hoher Geist im Vergleich dazu eintönig und langweilig.
Ihr wurde klar, dass wenn sich selbst auch vervollkommnen wollte, musste sie etwas was verändern und ihr die Möglichkeit geben sich zu entwickeln. So gab sie ohne Reue ihren Status als Alte auf und nahm Kontakt mir den Chamianer auf.

Schon wenige Jahre als Beobachterin brachten für sie mehr Veränderungen und Erfahrungen, als sie in den Hunderttausenden von Jahren als Hoher Geist erfahren hatte. Sie bekam von ihren Gläubigen einen Namen, wählte ein Geschlecht und nahm eine pseudophysische Form an. Und das war nur der Anfang gewesen.
Zwar war ihre Existenz nun von der Verehrung und dem Handel Sterblichen abhängig, aber so einfach wird ihre neue Form der Existent nicht aufgeben. So entwickelte sie wie ihre Schützlinge eine gute Portion Misstrauen. Und was eine ihrer auserwählten Geistlichen an der Grenze um Nation der Chamianier erblickte schürte diese ohne Zweifel.

Nördwesten chamianisches Territorium
Garnison Noawek
Im Westen der chamianischen Nation liegt das bergige und bewaldete Grenzland. Es ist wild und ungezähmt wie die dort lebenden Bergstämme. Die meisten Bewohner dieser Gegend waren definitiv nicht interessiert Untertanen von Chamian oder Perfekta-Gläubige zu werden, allerdings war die Feindseligkeiten zwischen den Stämmen oder sogar einzeln Sippen größer, als die gegen die Chamianer.
Trotzdem waren die dort befindlichen Bodenschätzen und Handlesrouten in die Seldarinsümpfe und nach Mystra zu wichtig um sie ungesichert zu lassen. So gibt es Garnisonen für die Truppen der chamianischen Armee und befestigte Gaststätten als Rastplätze für die Handelskarawanen. Noawek ist der nördlichste Stützpunkt der Route bewachte, die am Fuß der Nearaberge entlang nach Mystra führte. Sie war den Bergen nah genug um das Lichtspiel in der Wolken zu sehen, die Lumiander veranstalte.
Der Kommandant des Standorts kratze sich am Kopf und brummte: „Als so was ich noch nie gesehen.“
„Ich glaube nicht das ich über ein ähnliches Ereignis gehört oder gelesen hätte“, ergänzende eine sanfte, wohlklingende Stimme neben dem Offizier. Dieser blickte die schwarzfellige Geistliche an und sagte: „Ich werden die Truppen in Alarmbereitschaft versetzen. Botenvögel und Kuriere zu dem benachbarten Garnisonen und nach Chamian schicken um mit Warnungen beziehungsweise mit der Bitte um Verstärkung.“
„Ich werde auch höhere Stellen informieren und um Beistand ersuchen.“
„Das ist ohne Zweifel angeraten“, sagte der Offizier, bevor er sich auf machte um zu erledigen, was er angekündigt hatte.
Die Geistliche blieb zurück und richtet ein Gebet an ihre Göttin.

Das Refugium
In ihrer Sphäre ruhte Perfekta auf einer edel gefertigten Liege und blickte in einen Spiegel mit einem kunstvollen gearbeiteten, juwelenbesetzten Rahmen. Im Hintergrund spielte ein Orchester ein wunderschönes Lied. Doch der Spiegel warf nicht das Abbild der Göttin zurück, sondern zeigte was ihre Geistliche nahe der Nearaberge gesehen hatte.
Perfekta wusste nicht sicher was es genau war, doch hatte sie eine gute Ahnung um was es sich handeln konnte. Und es hatte ihr Misstrauen erregt. Es musste das Wirken eine anderen Beobachter sein, sie kannte kein natürliches Phänomen das dahinter stecken konnte. Kein Beobachter wendet so viel Kraft auf, wenn er sich nicht einen großen Glaubensanstieg davon versprach.
Doch wusste sie von keinen Volk, das dort leben, wo die Vorführung den größten Effekt haben müsste. Das wäre wohl direkt auf den Nearabergen. Und entsprechenden auch von keinem Beobachter.
Vielleicht gab es aber eine unorthodoxe Möglichkeit der Informationsgewinnung. Dafür müsste sie aber einen anderen Beobachter besuchen.
Perfekta erhob sich von der Liege. Ein kurzes Klatschen der Beobacherin brachte das Orchester zum Verstummen.
„Setzen wir dies eine anderes Mal fort“, entließ sie die Seelen der teilweise schon lange verstorbener Musiker.
So verließ sie ihre Sphäre um eine anderen Beobachter auf zu suchen, den man als Wehegrim, der Seelenpfeifer kannte.

Wehegrims Sphäre
Perfekta erschien mit eine kurzer Fanfare und schwebte herab. Obwohl es kein Boden gab, setzten ihre Füße der gleichen fiktiven Ebene auf, auf der sich auch der Beobachter des Todes befand.
„Seit gegrüßt Seelenpfeifer. Gestatten ihr mir etwas eurer Zeit zu beanspruchen?“

Jankargebirge
Nördlicher der Nearaberge
Die Chamianer hatten noch keine Ansprüche auf dieses Gebiet erhoben, aber sie hat doch ihre Interessen daran. Einerseits um direkt mit den Skizz Handel zu treiben. Anderseits bildete die Route über Stillwasser, einen chamianische Handelshafen an der Küste vor dem Gebirge, die schnellste Verbindung für Handelskarawanen nach Mystra und zu den Wäldern der Mashá dahinter.
Baelrii Mynka begleitet eine dieser Karawanen in das Land des Beobachters der Illusionen, als man einen großen Vogel in nahes Tal stürzen sah. Die Geistliche war auch der Grund, warum neben den üblichen Söldner auch eine Truppe reguläre Reitersoldaten den Handelszug begleiteten.
Fünf dieser Reiter erschienen nun im Tal wo Sial mit dem Roc abgestürzt war und nähert sich ihnen schnell.


Zuletzt von Dart Gryphon am Sa 07 Jan 2012, 16:10 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 13:49

Seine Gruppe davon zu überzeugen die Stadt zu verlassen war nicht schwer gewesen, schließlich war Odium einer der Hohepriester. Schnell hatten sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen gesucht und hatten sich auf den Weg nach Osten gemacht. Er selbst lief an der Spitze seiner Gruppe, welche wenn er schätzen musst so um die 70 bis 80 Mitglieder zählte. Frauen und Männer würden in den folgenden Schlachten zusammen kämpfen und auch zusammen den Wahnsinn verbreiten. Kinder der Vecors lebten im Normalfall ein Leben ohne die Erwachsenen, sie waren schon von Geburt an in der Lage sich selbst zu versorgen. Sie waren wahre kleine Monster, doch das mussten sie sein um unter den Vecors zu überleben.
Odium lief mit großen Schritten durch die Salzeinöde, während es ihm die anderen Vecors ihm gleich taten. Sie waren die Hitze dieser Einöde gewöhnt und wenn Odium sich nicht irrte, dann würden sie gegen Abend auf die erste Felsenformation treffen und dort dann Rast machen. Von dort aus wären es nur noch zwei Tagesreisen bis sie beim Sumpf wären.
Odium selbst hatte schon öfters Raubzüge angeführt, was nicht unüblich für einen Hohepriester war, besonders gegen die Schlangenwesen hatte er etliche Kämpfe geführt. In einen dieser Schlachten hatte er seine gesamte Gruppe verloren, doch hatte er überlebt. Doch diesmal wusste er das es kein zurück mehr gab, in wenigen Tagen wäre das Gebiet seiner Gruppe von einer anderen Gruppe besetzt und sie hätten keinen Ort mehr an dem sie sich zurück ziehen konnte. Ihnen blieb nichts als ihr Glück in der Fremde zu suchen.

In seiner Sphäre betrachtete Vesanus wie eine kleine Gruppe seiner Kinder in Richtung der Sümpfe und damit zur Heimat der Seldarin zog. Er versuchte sich zu erinnern ob diese Volk einen Beobachter hatte. Natürlich dieser Gott der sich ums Gleichgewicht kümmerte, doch wie war sein Name? „Aber natürlich Adanos“, kam es Vesanus und ließ seinen Blick in Richtung der Sümpfe wandern, er war sich fast schon sicher das die Seldarin bereit waren für einen Kampf. „Nein, er hat sicher nichts, schließlich gehört der Kampf genauso zum Gleichgewicht wie der Frieden“, meinte Vesanus zu sich selbst und lächelte schwach, „Wie es ihm wohl geht? Sicher so wie immer, besorgt ums Gleichgewicht...sollte ich ihm einmal auf suchen?“ Dabei wandte er sich zu einen der Monolithen und betrachtete diesen, doch schüttelte dann den Kopf. Vesanus war sich nicht sicher ob er den anderen Beobachter aufsuchen sollte, vielleicht würde dieser auch ihm aufsuchen oder hatte zu tun. Wer konnte das schon wissen?
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 15:42

Das Zeichnen der Karte hatte Razz abgebrochen, als er von dem ständigen Wandel der Erde erfuhr. Fasziniert bestaunten die Skizz das helle Gebäude, als sie die Höhle des Außenpostens betraten. Die Gebäude der Skizz waren in der Regel aus den verholzten Stielen der großen Pilze gefertigt, Gebäude aus Stein waren nur selten vorhanden, wenn man von den Tempeln oder Gebäuden, die direkt in Wände hinein gebaut waren, einmal absah. Doch eines irritierte Razz: „Kann diese Priesterin uns auch verstehen? Und was haben diese Kristalle auf eurer Stirn damit zu tun?“ Fasziniert betrachtete er nun einmal genau die Stirn der Kor’Drakka vor ihm, es war ein großer Saphir. Solche Edelsteine wurden bei den Skizz nur für Linsen und kleine Gläser verwendet, es war aufwendig, diese herzustellen. Und noch aufwendiger, die Edelsteine zu finden, denn die Skizz waren eher Forscher als Mienenarbeiter. So bauten sie auch die Tunnel nicht selbst, sie entstanden als Resultat der gigantischen Würmer im Nearagebirge. Sie ernährten sich von dem Gebirge selbst, konnten aber die massiven Edelsteine nicht verdauen, sondern schieden sie wieder aus. So fand man in neuen Gräben eben des Öfteren solche Edelsteine. Aber die meisten Kor’Drakka trugen Saphire, Rubine und wie Mel’ino erwähnt hatte, auch Amethyste auf dem Kopf. Und diese Priesterin schien tatsächlich einen Diamant auf der Stirn zu tragen. Unglaublich. Was würde geschehen, wenn die Oberflächler jemals von den Kor’Drakka erfuhren? Würden sie sie abschlachten, um an diese Steine zu gelangen? Razz konnte es sich jedenfalls gut vorstellen. Aber was wusste er schon von den Kor’Drakka? Vielleicht hatten sie gar kein Interesse an der Oberfläche? Oder hatten schon lange Kontakt mit ihr? Und was er nicht vergessen durfte: Was waren diese Tunnelräuber für Geschöpfe? Eben jene Oberflächler, die einen Zugang entdeckt hatten? Rivalisierende Kor’Drakka? Oder wilde Raubtiere? Fragen über Fragen…

Dankbar nickte Zark Mellysae zu und machte es sich auf der Liege bequem. „Ja, ich weiß davon. Ich war selbst überrascht, als sie auf eure Tunnel stießen. Ich hatte nicht mit einem anderen unterirdischen Volk gerechnet. Die Erde hat mein Volk lange Zeit schon geschützt. Ich bin zuversichtlich, dass euer Volk sich bewähren wird. Ich hege keine bösartigen Absichten euch gegenüber. Aber ich bin vorsichtig geworden. Die Oberfläche ist voll von Bosheit. Das musste ich leider feststellen. Meine Skizz pflegen Kontakte mit anderen Völkern. Es gibt Händler, die mit anderen Nationen verkehren. Natürlich weiß ich nicht viel über diese. Woher auch. Die Menschen in Mystra. Die Luchse auf der Chamianischen Halbinsel. Vereinzelt auch die Schlangen, die Seldarin. Aber immer wieder werden Händler überfallen, ihre Ware geplündert und meine Schützlinge getötet. Es ist wirklich traurig. Aber ich bin sicher, ihr habt eure eigenen Probleme. Zerbrecht euch über meine nicht den Kopf. Ich wäre euch liebend gern eine Hilfe. Ich muss mich ja irgendwie revanchieren. Denn euer Volk hat mir sehr geholfen. Durch seine Entwicklung. Wie kann ich euch zu diensten sein?“
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   Sa 07 Jan 2012, 16:15

Gemütlich lag Mimik auf einem aufgestellten Zahnstocher, und blickte in die Sonne, als ihn der Wunsch nach Einlass in Form eines unerwarteten Windstoßes erreichte. „Huch, na nu?, Wer kann das sein? Ist’s etwa das Anxa’lein? Komm mein lieber, komm herein, und lass Freude kehren ein!“ zitierte Mimik feixend ein Zitat, welches er wohl schon unzählige Male vorgetragen hatte, wenn Anxa seine Sphäre aufsuchen wollte, und begann gackernd zu lachen. „Und das du mir ja keine Parasiten einschleppst!“ In einer fließenden Bewegung kreiselte sich Mimik in die Aufrechte, und blickte in die Richtung, aus der Zuvor der Wind gekommen war.

Während dessen wurde in Zal’phal, eine der größten Städte um Mystra herum, auf einem Übungsplatz jungen Rekruten der einfache Schwertkampf beigebracht. Zwar waren viele Bürger der Ländereien um Mystra einfache Bauern, ein ausgeprägtes Militär gab es jedoch trotzdem, denn egal wie leicht zu schützen die Ländereien um Mystra dank der beiden einzigen möglichen Eingänge im Norden und Westen waren, es gab auch hier immer wieder Angriffe über die Jahrhunderte. Und außerdem war Soldat quasi der einzige Ausweg aus dem Bauern-Dasein, und wurde gerade deswegen sehr stark von Jugendlichen wahrgenommen, die vom Tristen Alltag fliehen wollten. Außerdem war der letzte große Angriffe schon sehr lange her, und wirklich Sorgen darüber machte sich keiner, dass bald wieder einer stattfinden würde.
Ein kleiner Malus als Soldat war, dass man seinem Lehnsherren blinden Gehorsam schwören musste, bei Zuwiderhandlung gab es sehr harsche Strafen, aber wenigstens gab es Spaß mit den Kameraden. Lord De’ark blickte sich das Training vom Turm seiner Villa aus an. Er mochte es, seinen Leibeigenen beim Training zuzusehen. Nicht aus Häme, er selbst trainierte sich mindestens genauso sehr, aber sie alle waren wie seine kleinen Schützlinge, die für ihn das kämpfen lernten. Und dank dem gut laufenden Handel in den letzten Jahren hatte er auch genug Geld um sich sogar ein doppelt so großes Heer leisten zu können, als er es sowieso schon hatte, und dieses Heer wäre sogar noch stehend, was eine schnelle Mobilisierung vereinfachte. Mit der Anschaffung eines stehenden Heeres folgte er einem Trend, der sich in den letzten paar Jahren durchgesetzt hatte beim Hochadel, und es brachte zwar enorme Verpflegungsproblematiken mit sich, die Vorteile waren jedoch unverkennbar, gerade wenn dann doch mal wieder eine Barbarenhorde vor den Klüften im Westen oder Norden stand. Er wandte sich ab, und schlenderte gemütlich eine Wendeltreppe hinab. Er würde erst ein mal frühstücken, und dann ein paar der Übermütigen zu einem Fechtduell einladen.
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   So 08 Jan 2012, 17:51

"Wenn ich es nicht gestatten würde hättet ihr es nicht hier herein geschafft...", erwiderte Wehegrim mit süffisantem Unterton. Er blickte nicht von den Spielsteinen auf, doch mit einer eleganten, ausholenden Bewegung der Linken und einem höflichen "Nehmt doch Platz, Perfekta!" lud er die Göttin ein, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Die Geste endete indem er auf den designierten Platz für seine Besucherin wies, eine steinerne Bank, deren spröder Oberfläche und den feinen Sprüngen, die den Stein durchzogen, man ihr Alter und die Unerbittlichkeit der Vergänglichkeit ansah. Selbstverständlich war die Bank einen Herzschlag zuvor noch nicht hier gewesen. Ebenso wenig wie der breite, verwitterte Grabstein, auf deren Oberkante der Seelenpfeifer selbst nun saß, wie der kleine, runde Tisch mit dem zisellierten Sockel, über dem die Spielsteine schwebten und das weitläufige Friedhofsareal, das sich in der Sphäre ausgebreitet hatte. Tote Bäume reckten ihre kahlen Äste in den Himmel, Grabsteine staken schief aus dem gräulichen Boden empor, ein dunkler, gußeiserner Zaun umgab das Gelände. Finstere Wolken bedeckten den Himmel. Es war kein Zufall, dass Wehegrim für seine Besucherin diese Gestaltung seiner Sphäre gewählt hatte. Alles hier wirkte alt, trist und verfallen. Der Zahn der Zeit hatte an allem hier genagt und verlieh dem Friedhof den Anschein des Makelhaften. Die unerbittliche Zeit ließ alles vergehen. Auch das Perfekte. Nichts hatte vor ihr Bestand. Es war eine subtile Botschaft an die Göttin der Perfektion. Eine Warnung vor dem Hochmut.
"Ich nehme nicht an, dass es der Zufall oder die Lust nach meiner Gesellschaft sind, die euch in meine Sphäre geführt haben", fuhr Wehegrim fort, noch immer ohne die Göttin anzusehen. Die Spielsteine sanken nun langsam, einer nach dem anderen auf den Tisch herab und verharrten dort still. Das Gesicht des Seelenpfeifers hingegen wanderte zum Friedhofszaun hinüber. Ein tiefschwarzer Bach floss dort rasch und munter plätscherd entlang. Ab und zu blitzte etwas ätherisches in gleißendem Grün oder Blau darin auf. Er konnte den Fluss der Seelen maskieren, aber er konnte ihn nicht verleugnen. Ganz gleich, welche Gestalt er seiner Sphäre gab.
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   So 08 Jan 2012, 19:00

Gemütlich kam Anxa aus dem Nichts spaziert, aus dem auch die Blätter geflattert waren. Er ließ die Roben flattern und winkte Mimik fröhlich zu, während er selbst etwas deklamierte.
"Anxa kommt, und bringt dir Leben -
willst du ihm nicht auch was geben?
Wuchsen hier nicht einmal Reben:
Komm schon, lass uns einen heben!"
Ohne große Höflichkeitsfloskeln kam Anxa näher. Er setzte sich nicht. So akrobatisch begabt er in seiner Gestalt auch sein mochte, auf einem Zahnstocher zu sitzen war ihm nicht gegeben. Verletzen würde es ihn nicht, und echte Schmerzen konnte er als Beobachter gar nicht erst empfinden - nicht durch so etwas - aber der Anblick wäre ohne einen Trick wie den von Mimik einfach allzu lächerlich gewesen. Also ging er einfach in einem großen Kreis um seinen Nachbarn herum, während sein Schwanz locker von links nach rechts schlug und sich ein gewitztes Lächeln auf seinem Gesicht breitmachte.
"Apropos Reben: Die Mashá mögen Wein. Aber, oh Schande, oh Schande, sie kommen nicht daran! Wie sollten sie auch, wenn dein Volk seine Straßen nicht ausbaut? Und wie soll mein Volk bloß seine Waren aus dem Wald schaffen? Mimik, ich weiß keinen anderen Rat - sie werden Wege bauen müssen! Und du weiß doch selbst: Es wird, hm, ihr Schaden nicht sein ..."
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   So 08 Jan 2012, 19:44

In seiner eigenen Sphäre beobachtete Adanos interessiert, wie sich die Meldung unter den Seldarin wie ein Lauffeuer verbreitete und Alarmbereitschaft hervorrief. Er wandte seinen Blick von der Grenze seines Reiches ab, an der bereits seine Krieger langsam Stellung bezogen und fokusierte die Gruppe von Vecors, die in Richtung der Seldarinsümpfe reiste. Einige Zeit lang dachte er gelassen darüber nach, ob Vesanus von diesem Angriff wusste oder nicht. Da er einen der Vecors als Hohepriester erkannte, war die Wahrscheinlichkeit dafür ziemlich groß. Gemächlich erhob er sich von seinem Stuhl und richtete seinen Blick nun auf den Steintisch, auf dem nun statt der Wasserschale ein Go-Brett stand und lächelte leicht, während er seine eigene Armee in Form von weisen Steinen darauf platzierte. Die schwarzen würde er für den Trupp des Gott des Wahnsinns aufheben. "Wird ihm sicher mehr gefallen als weise Steine." murmelte er zu sich selbst, bevor er in Gedanken an Vesanus Sphäre klopfte. "Vesanus, ich bin es, Adanos. Hast du kurz Zeit mich zu empfangen?"
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BeitragThema: Re: [MSG] Die Beobachter   So 08 Jan 2012, 20:14

Wehegrims Sphäre
Wehegrims subtil Drohung in der Gestaltung der Umgebung zeigte seine Wirkung auf Perfekta, doch nicht die vom Seelenpfeifer erwünschte. Die Beobachterin machte eine elegante Drehung auf ihren Weg zu der angeboten Sitzgelegenheit um sich Alles anzusehen. Als sie sich anmutig auf die Bank setzte, lächelte sie dem Seelenpfeifer freundlich zu.
„Den Symbolismus der Vergänglichkeit habt ihr durch diese Arrangement nah zu perfekt zu Ausdruck bringen können“, kommentierte Perfekta erfreut die Bemühungen des Seelenpfeifers, „Das ist das wundervolle an meinen Aspekt, man kann sich an immer neuen und wunderbaren Bemühungen zu wahren und doch unerreichbaren Perfektion erfreuen.“
Das Schachspiel als unausgesprochene Einladung verstehend ergriff sie eine Bauernfigur, um dieses hinter ihren Rücken verborgen durch ihre Hände zu tauschen.
„Und auch wenn sich mein Besuche schon jetzt wundervoller gestallt hat, als ich es erwartet habe, so ist wahrlich nicht der Zufall oder die Suche nach Gesellschaft was mich her geführt hat.“
Sie streckte dem anderen Beobachter ihre geschlossenen Hände hin.

Südliche Küste von Sidalai
Kaedrii Luksar
Fünf Schiffe der Chamianer segelten die Küste der Insel Sidalai entlang auf der Suche nach möglichen Spuren der Besiedlungen oder einen geeigneten Ankerplatz.
Kaedrii Luksar der Expeditionsleiter und Kapitän des Flaggschiffs, der Windfänger, suchte persönlich mit seinem kunstvoll verzierten Fernrohr die Küste ab.
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[MSG] Die Beobachter
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