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 Weinwärts[MSG]

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Ena
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BeitragThema: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 13:06

//Bevor wir loslegen: Das hier ist eine Geschichte ganz nach uralter Foren-RPG Manier. Keine Steckbriefe, keine übermäßigen Hintergründe und keine Vorgaben, was eure Charaktere angeht. Ich habe ein bisschen Plot vorbereitet (einfach damit nicht alles im Kreis läuft), aber ihr erfahrt nur, was auch euer Charakter weiß und habt absolute Handlungsgewalt. Wenn ihr die Mitschreiber kennen lernen wollt, dann achtet darauf, was sie schreiben - kein Spicken in irgendwelche Hintergründe oder Konzepte. Viel Spaß bei diesem Old-school Experiment!



Das Königreich Beaublanc, seit vielen Generationen vom Geschlecht der Aubespine mit strenger, aber wohlwollender Hand beherrscht, liegt zwischen der freien Nation Fremont und dem geheimnisvollen Land Ylbranas, aus dem man vor allen Dingen Schaudergeschichten von dunklen Höhlen, grauenvollen Monstern und menschenfressenden Drachen hört. Die Weißmäntel - eine ausgebildete Streitkraft mit charakterisisch weißer Attire - halten als zentrale militärische Macht den Frieden in den Ländereien aufrecht.
Aber manchmal schlüpft doch das ein oder andere Übel an ihren wachsamen Augen vorbei. Wenn man dunkle Kräfte lang genug unbeobachtet lässt, dann schlagen sie selbst in den beschaulichsten Gegenden schnell ihre Wurzeln ...

Diane schwenkte ihr Weinglas in einer Hand, während sie über die schneebedeckten Wipfel und das weiße Schloss de Aubespine in der Entfernung blickte. Das tat sie nicht, um außerordentlich wohlhabend und damenhaft auszusehen, sondern weil es in nur wenigen Gaststätten in Beaublanc etwas Anderes zu trinken gab als Wasser, Fruchtsäfte und Wein. Es gehörte zum Teil ihres kulturellen Erbes, dass sie Wein trank.
Die blonde Frau saß auf der zur Mittagssonne hin gewandten Veranda des Petit Poisson Inns auf einem der geflochtenen Korbsessel auf der linken Seite neben dem Eingang, aus dem es nach Gänsebraten, Brot und diversen Fischgerichten duftete. Auf der anderen Seite saßen an diesem sonnigem Tag vor allem ein paar ältere Herrschaften mit sonnegebräunter, knotiger Haut und tief in die Augen gezogenen Sonnenhüten. Sie schienen nur aus Bart und Grummeln zu bestehen und schafften sich irgendwie über ihre langen Pfeifen und gutturalen Laute über ihr Dominospiel einig zu werden.
Auf dem kleinem Tisch vor Diane lagen ein paar Pergamentstücke ausgebreitet, welche sie vor den Einflüssen der Gischt und des salzigen Klimas mehr schlecht als recht hatte bewahren können. Besonders um ihre Karte tat es ihr Leid, denn diese war besonders teuer gewesen. Sie studierte diese Schriftstücke, schaute aber in regelmäßigen Abständen mit blinzelnden Augen nach oben, um die wunderschöne Landschaft mit ihren sanft ansteigenden Weinhügeln und den bunt gestrichenen Bauernhöfen auf sich wirken zu lassen. Sie kam viel zu selten aus der Stadt heraus.
Das kleine Dörfchen am Rande des Lac Rein, welches in gleichen Stücken von Apfelplantagen, Weinbergen und der Fischerei lebte, bestand eigentlich nur aus einer Handvoll Häusern, die sich in der Kuhle des nierenförmigen Sees hineinkuschelten und war sonst eine weitläufige Landschaft an Weingütern und Gänsebauern. Ein malerisches Örtchen, dessen Häuser in himmelblau, mintgrün und sonnengelb bemalt waren und von deren kleinen Gärten der Geruch von Lavendel hervorströmte und einem blühende Sonnenblumen anlachten.
Schwer zu glauben, dass es in diesem Dorf Probleme geben sollte. Diane hatte unter ihrem leichtem, rosa gefärbten Leinenrock die Beine übereinandergeschlagen und nahm einen Schluck vom süßlichen Wein, während sie an der Sonne vorbei auf die hellbraunen Pflastersteine der Marktstraße blinzelte, auf der einige Kinder ein Spiel spielten, was die richtige Anordnung von Baumzweigen und das anschließende Drüberhüpfen involvierte. Ab und zu hustete eines der Kinder oder kratzte sich an Armen oder Beinen was ihren Spieltrieb allerdings nicht einschränkte.
Hm. Dabei waren Pestflüche eigentlich gefährlich.

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Lias
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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 13:45

"Und da sind wir", merkte die Halbling mit einem Grinsen an, in das ein ganzer Tross an Dungwagen gepasst hätte. Hatten die Wände mit Nasenlöchern tatsächlich Zweifel an ihr gehabt. Dabei waren sie nur auf ein paar Wölfe gestoßen, die einfach ein bisschen zu neugierig für ihr eigenes Wohl gewesen waren. Und für die hatte die Schleuder schon gereicht. Ein paar Steine in den räudigen Pelz zu brennen war schon genug gewesen, damit die Mistviecher sich dazu entschieden dass die Ochsen vor dem Karren des Händlers die Anstrengung schlicht nicht wert waren. Die Reise von Haute Colline war ausgesprochen ereignislos gewesen und hatte für Olympe hauptsächlich darin bestanden die Beine baumeln zu lassen, während der Ochsenkarren sich in gletscherhafter Geschwindigkeit durch die Landschaft bewegte. Beaublanc war meist ohnehin ein sicheres Land. Die gelegentlichen Banden an Banditen, die sich ab und an mal bildeten, wurden von den Königswachen meist rasch wieder zersprengt und ihrer gerechten Strafe zugeführt.
"Der Rest der Bezahlung, wenn ich bitte darf", forderte Olympe und hüpfte von dem Kutschbock des Karrens in Richtung Boden, wo sie schwer aufkam. Das war primär der Tatsache verschuldet, dass auf ihren Rücken eine Axt geschnallt war, die beinahe so groß war wie sie selbst. Die Waffe war ein schönes Stück, mit Gravuren auf dem zweiblättrigen Klingenblatt und einem schmucklosen aber gut gearbeiteten Schaft aus dunklem Holz. Der rotnasige Händler warf ihr einen Geldbeutel zu, den sie geschickt auffing und einen kurzen Blick hinein warf. Schien alles da zu sein.
"Danke nochmal, Mademoiselle Tristeban. Kann ich auf Euch zählen, wenn ich wieder zurück will?", erkundigte sich der Händler. Olympe strich sich eine Strähne ihres rostroten Haares aus der Stirn und fummelte einen Moment lang an ihrem Zopf herum, den sie sich über die Schulter nach vorne warf. Das war eine gute Frage. Eigentlich hielt sie nicht viel von solchen Verabredungen. Wer wusste schon, ob es nicht jemand anderen gab, der besser bezahlte?
"Wir werden sehen, Maitre de Gouge. Falls ich verfügbar sein sollte, dann begleite ich Euch gerne zurück", antwortete Olympe nach einem kurzen Moment des Zögerns und hielt die Stupsnase, die sich zwischen zwei sommersprossigen Wangen erhob, schnuppernd in die Luft. Das Resultat ließ ihr das Wasser im Munde zusammen laufen. Also immer der Nase nach in Richtung des Gasthauses.
"Au revoir, Monsieur. Ich werde mir etwas zu essen besorgen", verabschiedete sich Olympe von dem Mann, der entlassend winkte und sich daran machte seinen Verkaufsstand aufzubauen. Er kam öfter hier durch und bot allerlei Krimskrams von gewissem Nutzen für die Bewohner des Dorfes an. Während der Fahrt hatte er ihr anvertraut, dass vor allem die Gewürze aus der Hauptstadt reißenden Absatz fanden. Gewürzwein fand anscheinend einiges an Gefallen hier. Da konnte man schon mal ein bisschen Geld in die Hände nehmen.
Die Lederstiefel der Halbling trugen sie in Richtung des Gasthauses, die Herrschaften auf dessen Veranda ignorierend, denn von innen duftete es nach gebratenem Geflügel. Tatsächlich war der Gastwirt, ein Mann mit roter Nase und von prächtigen Ausmaßen, bereits damit beschäftigt eine wundervoll knusprig aussehende Gans anzuschneiden.
"Bon jour, Monsieur. Wenn es möglich ist, dann hätte ich gerne ein Stück von der Gans, zwei von den Schälchen da hinten, ein Brot und etwas zu trinken."
Es war möglich und resultierte darin, dass Olympe an einem Tisch saß, der überladen war mit mehr Essen als in eine so kleine Person passen sollte. Außerdem hatte der Wirt ein paar Kissen gefunden, sodass sie nicht aussah wie ein Kleinkind am Tisch ihrer Eltern. Oder vielleicht doch? Aber wen interessierte das schon? Mit beträchtlichem Appetit machte sich die Halbling über das Essen her, sorgsam darauf achtend dass nichts auf ihre Felle tropfte. Die sauber zu kriegen war nämlich immer ein kleiner Krieg gegen hartnäckigen Schmutz. Eigentlich war es ja sehr nett hier. Und wenn der Gastwirt öfter mal eine ganze Gans auftischte, war das Essen hier auch nach ihrem Geschmack. Olympe tätschelte ihre Axt. Vielleicht fand sich hier ja ein bisschen Arbeit bis Meister de Gouge weiter wollte?

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Ena
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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 14:33

Eine Weile lang konzentrierte sich Diane nur auf das Flüstern des Pergaments und das brummelige Gezanke der alten Männer, von denen es jetzt nach ihrem ausgiebigem Mittagsmahl nach würzigem Tabak herüberzuduften begann. Ihre Aufmerksamkeit wurde erst geweckt, als diese aufhörten sich gegenseitig der Trickserei zu beschimpfen und sie blickte nach oben, gerade rechtzeitig, um den Wagen zu sehen, der von kräftigen Ochsen gezogen in das Dörfchen hineinrollte. Zwei Personen verabschiedeten sich voneinander, ein Mann und ein weiblicher Halbling. Von denen gab es mehr in der Richtung der Berge, aber sie waren nicht unbedingt ein ungewöhnlicher Anblick, da ihre Wanderslust wohlbekannt und ihre Bergkräuter und Ziegenprodukte auch im Süden von Beaublanc beliebt waren. Diese Halbling sah allerdings nicht aus wie eine Magd oder eine Kräuterfrau, wofür die große Axt auf ihrem Rücken Zeugnis ablegte. Die alten Herrschaften betrachteten sie flüchtig, äußerten sich aber eher über die Ankunft des Händlers, der gerade farbigen Sonnenstoff über seine Bude aufspannte und seinen Ochsen erlaubte, auf der nahe gelegenen Wiese zu grasen. Zahme, buschige Bergtiere. Diane warf noch einmal einen Blick auf die Einwohnerliste der Stadt, die vom Stabhalter halbherzig geführt worden war. Es gab keine Halblingsfamilien hier und unter dem kurzen Absatz über häufige Besucher waren neben den Steuereintreibern der Aubespines nur Bauern und ein Meister de Gouge aufgelistet. Die junge Frau rieb sich nachdenklich das blasse Kinn und schob dann die Pergamente übereinander, so dass sie einen ordentlichen Stapel bildeten. Das Weinglas war mittlerweile leer. Entschlossen erhob sie sich von dem Sessel, der sie beinahe verschlungen hatte und strich ihr Kleid glatt, das an ihrem Kragen weiß begann und zum Saum hin immer tiefer rosa wurde. Die blonden Haare waren geflochten und bildeten goldene Schlingen an ihrem Nacken. Mit den Pergamenten ließ sie sich etwas Zeit, weil sie diese nicht noch mehr beschädigen wollte, aber letztlich ließen sich auch diese in ihrem kleinem Lederbeutel verstauen, den sie sich über eine Schulter hängte. Schließlich warf sie sich noch ihr Kopftuch wie ein Schal über die Schultern und betrat das Gasthaus. Der Wirt nahm ihr leeres Glas lächelnd in Empfang.
"Kann ich Ihnen noch ein Glas von unserer Fabienne anbieten, Inspecteur Chaussin?", fragte er sie mit einem warmen Lächeln und einem Zwinkern in Richtung ihrer angebrochenen Flasche.
"Ein wundervoller Wein, aber ich muss leider ablehnen. Die Pflicht ruft mich", erwiderte Diane mit sanfter Stimme, welche die Worte bedacht zu wählen schien. Als sie lächelte, machten ihre braunen Augen mit. Eine Hand auf ihrem Beutel und die andere eine Seite ihres Kopftuches aus ihrem Gesicht haltend, blickte sich Diane kurz im eher kleinem Schankraum um. Das Interesse der Anwesenden Fischer und Arbeiter galt vor allem ihrem Mittagsbraten, weswegen sie niemand ansprach, dennoch musste einige Essenseinladungen ablehnen. Die Leute hier waren von Natur aus höflich und gastfreundlich, insbesondere gegenüber denen vom Hof der Königin. Ob sie einfach freundlich waren oder sich Steuerminderungen erhofften, brauchte Diane glücklicherweise nicht zu beurteilen. Stattdessen näherte sie sich dem Tisch, an dem die Halbling von zuvor gerade eine beachtliche Mahlzeit vertilgte. Vom Appetitt dieses Völkchens hatte sie ebenfalls bereits gehört.
"Verzeiht meine Dreistigkeit, Mademoiselle", begann sie und deutete eine Verbeugung an, "mein Name ist Diane Chaussin." Sie drehte den Riemen ihrer Tasche so, dass die Halbling ihn sehen konnte. Etwa auf Höhe ihrer Schulter war eine Brosche aus Platin angesteckt, welche das Abzeichen der Aubespine zeigte: Einen weißen Hirsch mit weinrotem Geweih. "Inspecteur vom Hof der Aubespine. Ich konnte nicht umhin zu bemerken, dass Ihr keine Bewohnerin dieses Dorfes seid, sondern - so nehme ich an - eine Reisende. Vermöge ich es, Euch im Tausch gegen etwas Fabienne um ein paar Worte zu erleichtern?"

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 17:40

Die hatten hier sogar Besteck aus Metall. Eisen, wie Olympe vermutete. Bei ihr zuhause gab es so etwas nicht. Die Berge waren zwar relativ reich an Erz, aber das meiste davon waren Edelmetalle, die für gewöhnlich nicht für Werkzeuge taugten und zu Schmuck verarbeitet ohnehin profitabler waren. In jedem Fall schmeckte es hervorragend, vor allem angesichts der letzten Tage, wo das Essen primär aus dem furchtbaren Zeug bestanden hatte, das Meister de Gouge als Essen bezeichnete. Angesichts der Textur und des Geschmacks hatte Olympe es eher als Fugenmasse für den Hausbau eingestuft. Aber der Mann bezahlte recht gut und die Strecke war, abgesehen von einem Umweg durch den Wald wegen einer Brücke die die Gletscherschmelze mitgenommen hatte, tendenziell ungefährlich. Die Wölfe hatten im Grunde auch nicht wirklich eine Gefahr dargestellt, aber ihr Geruch hatte die Ochsen beunruhigt. Und bevor die Biester durchgingen und im Wagen alles durcheinander warfen, hatten leider die Wölfe dran glauben müssen.
"Ihr vermögt", wurde der Dame beschieden, die sich an den Tisch der Halbling gesellte. Olympe nahm sich die Zeit ihr Besteck fein säuberlich auf dem Teller abzulegen. Viele der Flachlandbewohner hielten die Halblinge ohnehin schon für etwas unkultiviert und diesem Stereotyp galt es entgegen zu arbeiten. Ein paar der Schälchen wurden verschoben, damit die Dame am anderen Ende des Tisches Platz hatte. So groß war der Tisch nämlich nicht und Olympe hatte sich erst einmal ordentlich ausgebreitet. Von dem Wein hatte sie schon gehört. Angeblich sollte der recht sanft sein, was genau ihren Geschmack traf.
"Bitte, setzt Euch doch, Madame. Und nehmt Euch, wenn Ihr etwas von dem Essen möchtet. Ich fürchte meine Augen waren etwas größer als mein Magen."
Inzwischen war am gegenüberliegenden Ende des Tisches eine angemessen große freie Fläche entstanden, in deren Richtung Olympe mit einer Hand gestikulierte, damit sich die andere Frau setzte. Die Hälfte des Brotes, auseinandergerissen in der Mitte, wurde auf die andere Hälfte des Tisches gelegt.
"Ich bin mir sicher, dass wir auch noch ein weiteres Set Besteck bekommen können. Aber sagt, wie kann ich Euch helfen, Madame? Oh, meine Manieren."
Die Halbling legte sich eine Hand auf die Brust und neigte respektvoll den Kopf: "Olympe Tristeban, sehr erfreut."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 18:12

Auf die freundliche Aufforderung hin hängte Diane ihre Tasche in eine dafür eingeschnittene Kuhle des Holzstuhles und drehte sich zum Wirt um. "Patron, deux autres verres de vin! De Fabienne! Und ein Set Besteck!" Nachdem der Betreiber der Gaststube ihren Wink bemerkt hatte und ihr mit einem knappen Nicken zu verstehen gab, dass er sie gehört hatte, setzte sich Diane gegenüber der Halbling an den Tisch und lächelte ihr zu. Mit einer Handbewegung zog sie sich ihr Kopftuch wieder von den Haaren, da scheinbar doch keine Wanderung durch die sommerliche Hitze des Dorfes anstand. Zumindest nicht bis auf Weiteres. "Freut mich ebenfalls, Eure Bekanntschaft zu machen. Der Gegenstand meines Anliegens ist leider weniger erfreulich als dieses Stück Braten." Der Wirt kam, seinen beträchtlichen Bauch vor sich her balancierend, an ihren Tisch und schenkte den beiden Frauen mit einem breitem Grinsen und fröhlichem Summen zwei Gläser des Bestellten ein. Neben Diane wurde ein Set Besteck und ein Teller abgestellt, den sie unter Dank und einem nicht minder strahlendem Lächeln annahm. Erst als der Gastgeber sich wieder von ihrem Tisch entfernt hatte und begann, die Arbeiter zurück an ihre Projekte zu scheuchen, fiel die glückliche Miene von der jungen Frau ab und machte geschäftsmäßigem Ernst Platz. Während sie damenhaft mit Messer und Gabel eine Scheibe Braten und gekochtes Grün auf ihren Teller nahm, legte sie sich auch ihre Worte zurecht. "Ich bin auf der Suche nach Berichten von außerhalb. Lac Rein ist ein bezauberndes Dorf mit vielen Facetten, die allesamt befähigt sind Langeweile und Trott zu vertreiben, doch bin ich der Pflicht wegen in die ländliche Idylle gekommen. Sagt, wo rührt Euer Weg her?" Die Bratensoße roch köstlich, als sich Diane etwas davon auf ihr Fleisch goss. Hoffentlich war die Gans schon etwas länger tot. "Die Leute hier sind von einer geradezu irritierenden Gemütlichkeit, die meinen Ermittlungen nicht zuträglich ist. Ich freue mich über jede Neuigkeit, die Ihr mir zu erzählen bereit seid."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 18:40

"Neuigkeiten? Falls es Euch an dem üblichen Klatsch und Tratsch interessiert, empfehle ich eine Konversation mit Meister de Gouge draußen. Er trägt die Nachrichten zwischen den Dörfern dieser Umgebung aus. Aber ich vermute, dass Euch das weniger interessiert. Einen Moment, wenn Ihr erlaubt", unterbrach sich Olympe und griff nach dem Glas Wein, um ein wenig davon zu trinken. Angesichts ihrer Größe brauchten Halblinge eigentlich weniger Alkohol, allerdings waren sie wegen der allgegenwärtigen Absinth-Keltereien doch relativ trinkfest. Einmal waren einer davon zwei ganze Kessel ausgelaufen und das Produkt in den Fluss gelaufen. Das hatte einige fröhliche Dörfer bergabwärts gegeben. Das hier war dagegen ausgesprochen lieblicher Wein. Der schmeckte ohnehin besser. Der Alkohol war aus Olympes Sicht kein Pluspunkt für ihre Heimat.
"Lasst mich überlegen. Die Wölfe in dem Wald hier, ich habe leider den Namen nicht im Kopf, waren zu neugierig. Normalerweise nehmen sie Reißaus, wenn sie einen Wagen kommen hören. Der Hunger muss sie dazu getrieben haben. Oder sie haben ihr Territorium erweitert oder verlegt. In den letzten Jahren sind sie uns nicht so nahe gekommen."
Die Erzählung musste mehrfach unterbrochen werden, da die Halbling ihr Essen nicht kalt werden lassen wollte. Dafür war es einfach zu schade. Und ehemals knusprige Haut von einem Braten schmeckte einfach nicht mehr so gut, wenn sie erst einmal weich geworden war. Und warme Bratensoße mit Brot auftunken war einfach fantastisch lecker. Auch wenn es sich hier vielleicht nicht gehörte. Einige Maneurismen legte man einfach ab, egal wo man war.
"Wir kommen von Norden, sind aber über die Dörfer gekommen. Roux Cerf haben wir vermieden. Der letzte Halt war Lac Jaune. Meister de Gouge wird weiterreisen, von hier nach Osten und dann wieder zurück in den Norden. Gänsebraten gab es letztes Jahr auch nicht. Überhaupt scheint Olivier reichlich aufgetischt zu haben. Hier ist Gänseleberpaté. Vielleicht waren einige von den Tieren zu alt?"
Die Halbling zuckte mit den Schultern. Im Grunde gingen die Geschäfte des Wirtes sie ja nichts an.
"Der Pass des Mont Cuivre ist nicht begehbar. Ein plötzliches Hochwasser hat die Brücke zerstört. Oh, noch etwas...ich hoffe Ihr verspottet mich deshalb nicht...der Wald hier ist zu still. Es ist Sommer, eigentlich sollten Vögel überall sein. Aber ich habe auf dem Weg hierher keine gehört. Hilft Euch das weiter?"

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 18:55

Dianes Aufmerksamkeit war zwar zwischen Olympe und ihrem eigenem Essen aufgeteilt, das tat ihrer Auffassungsgabe aber keinen wirklichen Abbruch. Beunruhigende Nachrichten kamen der Inspektorin zu Ohren. Dann war es also schlimmer geworden. Nachdenklich schob sie ihr letztes Stück Fleisch durch die Soße, so dass sie kurzzeitig das Weiß des Tellers sehen konnte, was jedoch sofort wieder von rostbraun eingenommen wurde. Igendetwas an diesem Fall entglitt Diane noch, doch sie spürte, dass sie kurz davor war, das entscheidende Puzzlestück zu finden. "Ich bedanke mich für diese Neuigkeiten. Und keine Sorge, ich gedenke nicht, Euch auszulachen. Wenn alles in bester Ordnung wäre, dann gäbe es wohl kaum einen Grund für meine Anwesenheit. Wenn ich Euch einen Hinweis geben darf, so solltet Ihr baldmöglichst weiterreisen." Sie legte die Besteckstücke auf ihren Teller und griff in ihre Tasche, aus der sie ein Goldstück mit dem Wappen der Aubespine hervorfischte, das sie mit zwei Fingern über den Tisch schob. Es war weitaus mehr als das gesamte Essen und der Wein kostete. "Für den Wein und die Informationen. Was für eine erfreuliche Kombination. Ich wünsche Euch noch einen angenehmen Tag und eine günstige Reise." Mit diesen Worten erhob sie sich vom Tisch und legte sich erneut ihr Kopftuch um. Bevor sie ihre Tasche ergriff, strich sie sich noch einmal den Rock glatt und nahm dann ihre Tasche auf die Schulter. Das einfallende Sonnenlicht brachte das Rot der königlichen Brosche einen Moment lang zum Funkeln. "Oh - und meidet es, Euch Wasser zu bestellen. An Eurer Stelle würde ich weiterhin auf Fabienne zählen."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 19:06

Einen Moment lang blieb Olympe wie erstarrt zwischen den Essensresten sitzen. Wovon sprach die Dame da? Warum sollte sie kein Wasser bestellen? Außerdem wollte sie sich ohnehin nicht waschen. Nachdenklich wischte sie sich mit der Stoffserviette den Mund ab. Auf dem Tisch lag ein Goldstück. Warum hatte die Dame sie ohnehin überhaupt erst für das bisschen Klatsch bezahlt? Dafür gab es keinen Grund. Vor allem nicht, da sie sowas wohl von jedem anderen auch umsonst hätte bekommen können. Gut, vielleicht abgesehen von der Sache mit den Wölfen, die war nun einmal nur Meister de Gouge und ihr selbst passiert. Die Worte der Frau waren hingegen ausgesprochen beunruhigend. Warum sollte sie möglichst schnell weiterreisen? Es sah hier nicht grade so aus als stünde hier eine Revolution oder sowas an. Ganz im Gegenteil lag das Dorf ausgesprochen ruhig und friedlich da, wie es sich für ein verschlafenes Dorf nun einmal gehörte. Eine schwielige Hand patschte auf die Goldmünze, die in einer Tasche verstaut wurde. Lederstiefel patschten auf den festgetretenen Erdboden als Olympe der Dame hinterher hastete.
"Madame. Entschuldigung. Madame?"
Mit den kürzeren Beinen war es schwierig mit Menschen aufzuholen, aber die Dame ging nicht besonders schnell. Mit gesenkter Stimme begann Olympe auf die Frau einzusprechen: "Besteht Gefahr für das Dorf? Dann werde ich sicherlich nicht abreisen. Diese Axt ist nicht nur zur Abschreckung gedacht. Und wenn Gefahr besteht, warum bringen Sie dann nicht die Bewohner in Sicherheit? Und wo bleiben dann die Weißmäntel? Besteht die Gefahr eines Angriffs? Von wem und aus welcher Richtung? Ich komme gut im Wald zurecht und biete mich freiwillig als Späher an."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 19:29

Diane blieb stehen, als sie hörte, dass die kurzen Beine der Halbling hinter ihr herliefen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Andererseits, sagte man Halblingen nicht auch ihre Loyalität nach oder waren das Zwerge? Nein, Zwerge waren ziemlich sicher Starrsinn. Allerdings konnte das manchmal ein und daselbe sein ... Als Olympe nahe genug war, dass Diane sie nicht im Staub zurückließ, ging die Inspektorin wieder weiter, diesmal jedoch langsam und ein weiteres Gespräch mit ihrer Verfolgerin nicht verhindernd. Als sie Meister de Gouge passierten, lüpfte dieser seinen Hut vor den beiden Damen, was Diane mit einem damenhaften Senken ihres Kopfes quittierte. Erst auf dem Marktplatz, der von einer für dieses verschlafenen Dörfchen ausgesprochen schönen Brunnenstatue einer schönen jungen Frau gekrönt wurde, blieb die junge Frau stehen und ließ ihren Blick nach Schaulustigen schweifen. Die meisten waren mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Spielende Kinder, Frauen, die ihre Wäsche zum Trocknen in die Sonne hingen und Fischer, die sich mit kugelrunden, gänsebratengefüllten Bäuchen auf ihre Boote wagten. Draußen auf dem See stromerten schon einige ihrer Kollegen herum. Der Markt war ganz gut besucht, was für eine Ortschaft dieser Größe etwa eine Handvoll einkaufender Hausfrauen, einen Metzger, einen Gemeinguthändler, dessen Sortiment hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Geräten, Kleidung und Gebrauchtwaren zusammengestellt war, und einer kleinen Schmiede bestand, die auch als Netzknüpferei diente. Die bunt bemalten Schilder wackelten fröhlich im sanften Wind, der von der See weiter im Osten bis hierher getragen wurde und salzig schmeckte. Scheinbar fasziniert betrachtete Diane, wie aus dem Krug, den die junge Frau vor ihrem Bauch hielt, klares Wasser in das Brunnenbecken lief und hörte sich die Sorgen Olympes an, wobei ihre Mimik der der Statue glich. "Nein, kein Angriff. Was die Weißmäntel angeht, so entscheide ich, wann sie gebraucht werden. Und ich fürchte, dass ich die Dörfler nicht bitten kann, diese Ortschaft zu verlassen. Ihr seid erst seit Kurzem hier, deshalb wollte ich bei Euch eine Ausnahme machen. Aber je länger Ihr hier verweilt, desto schwerer wird es für mich, Eure Durchreise zu erlauben." Sie betrachtete, wie das klare Wasser aufschäumte und sah viele glitzernde Kiesel auf dem Boden des Brunnens glitzern. Heute Morgen hatte sie ein Dutzend Frauen dabei beobachtet, wie sie das Wasser zum Putzen und zum Kochen abgeschöpft hatten. "Ich bin leider nicht befugt, Euch Genauigkeiten zu verraten, da Ihr damit eine Panik im Dorf auslösen könntet. In diesem Fall sind mir die Hände gebunden."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 19:39

"Ich brauche keine Genauigkeiten. Ich brauche etwas, bei dem ich helfen kann. Wenn ich das richtig verstanden habe, Madame, dann sind die Leute hier in Gefahr? Ich kenne von hier bis zu den Bergen die meisten Leute beim Namen. Das da hinten, das ist Monsieur Caravier. Die beiden Kinder dort drüben heißen Joaquin und Amelie", versuchte Olympe ihr Argument mit Fakten zu untermauern. Es war also kein Angriff. Das war schon einmal gut, aber die Worte der Dame halfen nicht grade dabei dass sich die Halbling beruhigte. Eher war das Gegenteil der Fall. Das klang nämlich ominös. Ein Angriff ließe sich schließlich abwehren. Warum durften die Bewohner nicht reisen? Da steckte doch irgendwas dahinter.
"Bei mir zuhause...da ist jeder dazu verpflichtet im Notfall zu helfen. Und meine Maman hat mich gut erzogen. Ich werde nicht einfach weiterreisen, wenn ich helfen kann. So etwas...das tut man einfach nicht."
Die Stimme der Halbling klang entrüstet, wie eine Königin, der grade jemand den blanken Hintern entgegen gereckt hat. Auch ihr Blick wanderte umher. Es gab nicht viele neue Gesichter und selbst die neuen hatten meistens bekannte Gesichtszüge. Olympe erkannte einen kleinen Jungen, der ganz klar Teil der Castellan Familie war. Darauf deuteten die hohen Wangenknochen und das breite Kinn hin.
"Ihr seid eine Inspekteurin, oder nicht? Ihr habt Bildung und so etwas. Ihr müsst doch etwas tun können."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 19:56

Ein tiefsitzendes Seufzen entrang sich Dianes Kehle. Natürlich. Eigentlich hatte sie schon viel früher mit jemandem wie Olympe gerechnet, sich aber eingeredet, dass es in diesem Dorf zur Abwechslung einmal niemanden geben würde, der diesen eigenartigen Heldenkomplex besaß, der zu Komplikationen führte. Die junge Frau setzte sich auf den Rand des Brunnens, der nicht von Wasser benetzt war und schlug erneut die Beine unter dem Rock übereinander. Die vornehm blassen Hände wurden zierlich auf den Oberschenkeln gefaltet und es wurde penibel darauf geachtet, dass die Tasche nicht mit dem Wasser in Berührung kam. Jetzt war sie der Augenhöhe zur Halbling ein bisschen näher. "Ganz recht, ich bin eine Inspektorin. Und ich würde außerordentlich gerne etwas tun, aber das ist nicht der Gegenstand meines Auftrages. Es tut mir wirklich sehr Leid, dass Ihr eine persönliche Beziehung zu den Leuten im Dorf besitzt, aber Comtesse Fouqué ist ein überaus wichtiger diplomatischer Partner unserer Durchlaucht de Aubespine. Davon wisst Ihr wohl zu wenig." Sie klang nicht überheblich, sondern eher resigniert, als sie das sagte. "Ich diene nicht den Leuten, sondern dem Königshaus. Und die Comtesse wünscht, dass aus Lac Rein ein Exempel statuiert wird. In Beaublanc bekommen Adelige für gewöhnlich, was sie sich wünschen." Diane wies mit einer Hand in die Richtung des weißen Märchenschlosses, das man in einiger Entfernung sehen konnte. Es überblickte malerisch die Ländereien um Lac Rein und wurde majestätisch von der Sonne angestrahlt. "Versteht Ihr? Ich bin nicht hier, um zu helfen. Ich bin hier, um sicherzustellen, dass alles im Rahmen verläuft."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Fr 02 März 2018, 20:30

"Im Rahmen...verläuft?", hakte Olympe nach. Ihre Augen folgten der Frau. Sie vermied das Wasser. Die Augen der Halbling verengten sich einen Moment lang, bevor sie sich neben der Frau auf dem Brunnenrand niederließ. Und die Dame hatte ihr empfohlen das Wasser nicht zu trinken. Also stimmte etwas mit dem Wasser nicht. Für eine Weile saßen die beiden schweigend nebeneinander. Olympes Augen folgten den herumlaufenden Leuten und blieben auf Meister de Gouge hängen. Wenn irgendwas mit dem Wasser hier nicht stimmte und es die Leute vielleicht sogar umbringen konnte...dann würde es auch den alten Mann erwischen. Und wie sollte sie das ihren Eltern erklären, wenn er nicht mehr kam? Dann hatte sie Schande über ihre Familie und sich selbst gebracht. Da brauchte sie sich zuhause gar nicht erst mehr blicken lassen. Die Halbling rang sich zu einer Entscheidung durch.
"Es tut mir leid", hauchte Olympe der Frau zu. Ihre Hand tauchte in das Wasser des Brunnens, formte eine Schüssel. Gleich darauf platschte das Wasser der Dame ins Gesicht. Die Halbling sah schuldbewusst zu der anderen Frau hoch. Sie hatte keine Ahnung von der Politik, die hinter dieser Entscheidung das Dorf nicht zu retten liegen mochte, aber sie wusste wie man mit Leuten umzugehen hatte. Und sie sich selbst zu überlassen in der Not, das war keine angemessene Art und Weise. Und das war auch nicht verhandelbar. Und die Frau hatte den Fehler gemacht zuzugeben, das keine Weißmäntel hier waren. Also bestand keine Chance, dass man sie verhaften könnte. Zumindest nicht so schnell.

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Sa 03 März 2018, 12:25

Diane spürte bereits, wie ihr Magen durch ein tiefes Loch fiel, doch die Enden ihres Verstandes verknüpften sich nicht schnell genug, als dass sie dem Wasserschwall hätte ausweichen können, der sich über ihr Gesicht ergoss. Tropfen ihres schwarzen Augenstriches rollten wie dunkle Tränen ihre Wangen hinab und sie schnappte reflexartig nach Luft. Ihr Kopftuch sog sich gierig, weil von der Sommersonne ausgetrocknet, mit der Flüssigkeit voll und gab ihr das Gefühl, als hätte sie sich eine vollgepinkelte Windel auf den Kopf gesetzt. Der blasse Farbschimmer auf ihren Lippen hielt der winzigen Flut stand, doch sie prustete dennoch, weil sie einen Teil davon ihre Nase hochgesogen hatte. Wenig damenhaft rotzte sie einmal kurz und hielt sich den Zeigefinger unter die Nasenlöcher. "Was in aller ..." Sie schüttelte den Kopf, sich das Tuch von den Haaren reißend und faltete es ärgerlich neben sich auf dem Stein, zumindest soweit man etwas erzürnt falten konnte. Mit bebender Stimme und tropfendem Pony begann sie dann zu sprechen: "Das war nicht nötig. Wenn das Wasser bereits kontaminiert wäre, dann hätten wir bereits Tote. Ich bin seit drei Tagen in diesem Nest. Ich könnte Euch wegen versuchter Verbreitung von Krankheit an einem Hofdiener festnehmen lassen ... aber ... denkt Ihr vielleicht es gefällt mir, diese Leute sterben zu sehen, hm?" Sie schüttelte sich erneut, als eiskalte Tropfen ihren Kragen hinabrannen und kalte Schauer über ihren Rücken laufen ließen. "Ich bin vertraglich dazu gebunden, den auf der Stadt liegenden Pestfluch seine Bahnen laufen zu lassen, aber ich glaube, dass etwas nicht mit richtigen Dingen zugeht. Das Durchmesser des Fluches ist zu groß. Brrr."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Sa 03 März 2018, 13:12

"Ihr könnt gerne versuchen mich festnehmen zu lassen, aber glaubt nicht einmal in Euren kühnsten Träumen, dass ich leise mitkommen werde. Ich habe eine verdammt kräftige Stimme und wenn Ihr das versucht, wird das ganze Dorf wissen, was hier los ist!", empörte sich Olympe ohne dabei auf ihre Lautstärke zu achten. Die Stimme der Halbling nahm dabei einen eher schrillen Ton an. Innerlich vor Wut kochend, nahm sie ein paar tiefe Atemzüge. Es lohnte sich nicht hier eine Dienerin vom Hof anzukeifen. Das würde niemandem nützen. Genau wie ihre Verhaftung ebenfalls niemandem nützen würde. Also...ruhig bleiben. So sehr das in dieser Situation ging. Olympe wischte sich die nasse Hand an einer ihrer ledernen Armschienen ab und nahm kurz das Symbol, das daran hing in die Hand.
"Ein Pestfluch, also. Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber es klingt nicht angenehm, Madame, ganz und gar nicht. Wer bei allen Helfürsten befiehlt den Tod eines ganzen Dorfes?! Diese Lady, von der Ihr vorher gesprochen habt? Und was soll das nutzen, hm?"
Die Halbling sprang vom Brunnenrand ab und baute sich zu ihrer nicht grade beeindruckenden vollen Größe auf, die Hände in die Hüften gestemmt, die Wangen vor Zorn gerötet.
"Seid Ihr also auch Schuld daran, dass es keine Vögel mehr gibt und dass die Wölfe aggressiv geworden sind? Herzlichen Glückwunsch. Ihr zerstört nicht nur ein Dorf, sondern einen ganzen Landstrich. Habt Ihr eine Ahnung, wie viele Wölfe es in diesen Wäldern gibt? Eine ganze Menge. Was meint Ihr, machen die, wenn sie kein Wild mehr finden? Dann verlegen sie ihr Revier. Und wahrscheinlich haben sich die Biester dann schon angesteckt. Und dann, wenn das passiert ist, dann sollte man einen davon in den Schoß Eurer Lady katapultieren!"
Ein anklagender Zeigefinger deutete auf die Dame, der an einer bebenden Hand befestigt war. Das konnte doch nicht wahr sein! Wie hirnrissig. Was wohl passieren würde, wenn so etwas an die Öffentlichkeit kam?

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Sa 03 März 2018, 20:45

Père Edric griff nach einem Lappen – einem schlichten, ehemals farblosem aber nach all den Jahren des Diensts bereits ganz braunem Stück Stoff – und wischte sich mit raschen, routinierten Bewegungen das Blut von den Händen, ehe er mit knappen Griffen sein Werk überprüfte und schließlich zufrieden nickte. Der frische Verband saß gut. Fest, aber nicht zu fest. Sicher und sauber wand er sich um den gesamten Oberschenkel des Mannes, welcher vor Edric auf dem Feldbett lag.
"Habt Dank, bon père", gab dieser, ein Knecht mit Namen Jean, von sich. Sie hatten ihn vorgestern zu Edric gebracht, das halbe Bein in Fetzen hängend. Eine Weinpresse war geborsten und die herum fliegenden Splitter hatten Jean den Oberschenkel aufgeschlitzt. Solche Unfälle waren tragisch, aber sie geschahen. Und Edric wusste, wie er damit umzugehen hatte. In den langen Jahren seines Lebens in Lac Rein war er Vieles für die Menschen hier geworden: ein Heilkundiger, der sich um jene kümmerte, die Unfälle erlitten oder Krankheiten zum Opfer fielen; eine Respektsperson, nicht allein seines Alters wegen, nun seit einigen Jahren schon Ältester und Vorsteher der Gemeinde; ein Gelehrter, einer, der lesen und schreiben konnte und tatsächlich einige Bücher besaß; und natürlich der Priester von Lac Rein, Diener der Göttin und Hüter des Schreins, Beichtvater und Seelsorger, Prediger und Wegweiser. Es war ein schlichtes Leben, ganz zweifelsohne. Es war nicht zu vergleichen mit dem Pomp und Prunk, den die Priester in den großen Städten genossen, welche in den Domen und Kathedralen Dienst an der Herrin taten, sich in Samt und Seide kleideten und Herzöge und Könige berieten. Die feinsten Wein tranken und ihr Leben lang nichts schwereres als die Seiten eines Buches mit ihren manikürten Fingern lüpften. Doch Père Edric hätte nicht mit ihnen tauschen wollen. Es war ein ehrliches Leben, hier in seinem kleinen, einfachen Schrein, unter einfachen Weinbauern und Gänsezüchtern. In den Städten konnte seinesgleichen von den Werken der Göttin predigen. Hier konnte er diese vollbringen, ihre Werte leben, anstatt von der Kanzel zu Menschen zu sprechen, von deren Leben man so weit entfernt war, wie das nur eben möglich war. Dafür machte er sich allemal gerne die Hände schmutzig.
"Danke nicht mir, danke der Göttin, mein Sohn, dass sie dich vor schlimmerem gewahrt hat", gab Edric Jean mit gütigem Lächeln zur Antwort, "Die Wunde wird wieder heilen. Es wird noch einigen Tage dauern, bis zu wieder gehen kannst, aber morgen wirst du wieder nach Hause können und dann werden es Ruhe und frische Verbände alle paar Tage wieder richten. Ich werde in einer Stunde wieder nach dir sehen. Sieh zu, dass du bis dahin ein wenig ausruhen kannst." Er drückte dem Verletzten auf dessen Krankenbett Zuversicht spendend die Schulter, dann verließ er dessen Raum neben der Kapelle und begab sich in sein eigenes Zimmer, das eigene kleine Reich, welches er sich in all den Jahren aufgebaut hatte. Nicht groß, aber nichtsdestotrotz gemütlich.
Wie so häufig in diesen Tagen fiel sein Blick schnurstracks auf das Bücherregal mit seinem guten Dutzend Werken, seinen ganzen Stolz; und seine Gedanken begannen erneut um jenes Buch zu kreisen, das ihm so viele Sorgen bereitete. Das Buch, das der Fremde ihm anvertraut hatte. Das böse Buch. Sollte er es lesen? Es den Autoritäten überlassen? Oder es doch besser direkt den Flammen überantworten?
Er kam jedoch nicht weit in seinen Gedanken. Kaum war er in seiner Kammer angekommen, da flog deren Türe auf und ein Junge, vielleicht elf oder zwölf Jahre alt, kam herein gestürmt. "Bon père!", rief er aufgeregt, "Bitte, kommt schnell! Es gibt Ärger beim Brunnen. Da sind Fremde, die laut werden und streiten. Und eine von ihnen hat eine Axt."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   So 04 März 2018, 19:08

"Jetzt beruhigt Euch doch bitte eine Sekunde", versuchte Diane die schrillen Anschuldigungen der kleinen Frau vor ihr zu beschwichtigen. Bei all dieser Tirade hatte sie gemischte Gefühle. Ein Teil von ihr wollte die Hände heben, weil die große Axt auf ihrem Rücken sie verunsicherte, ein anderer wiederum wollte ihr durch die Haare wuscheln, weil sie eine gewisse Ähnlichkeit zu einem wütendem, sich aufplusterndem Küken aufwies. Aber ihr Instinkt riet ihr, das besser zu lassen. Mittlerweile hatten die Einkaufenden ihre Geschäfte unterbrochen und nicht wenige Augenpaare blickten auf das ungleiche Paar am Brunnen. Diane konnte sogar sehen, dass sich einige besonders schamlose Bürger an ihre Gartenzäune begeben hatten, um zu gaffen. Verdenken konnte sie es ihnen nicht. Hier passierte wirklich nicht viel Spannendes.
"Wenn Ihr bitte kurz die Luft anhaltet und darüber nachdenkt, was ich soeben gesagt habe. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Pläne aus dem Königshof bei Euch auf verständnislose Ohren stoßen." Sie richtete eine ihrer immernoch tropfenden Haarsträhnen, indem sie diese hinter ihr eigenes Ohr strich. "Aber ... und nun hört mir zu. Etwas ist falsch gelaufen. Die Comtesse hat entweder einen Fehler gemacht oder ihr genehmigter Fluch ist das Sprungbrett für etwas viel Furchtbareres als ein einzelnes totes Dorf. Entweder Ihr keift weiter in aller Öffentlichkeit herum, oder - wenn Ihr Euch schon persönlich für die Leute hier verantwortlich fühlt - Ihr beruhigt Euer feuriges Gemüt und helft mir dabei, meine Arbeit zu machen."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Mo 05 März 2018, 09:58

"Allerdings läuft hier etwas falsch. Hier läuft einiges falsch, glaube ich", ereiferte sich Olympe noch einmal, wurde aber bereits etwas leiser. Verstand die Frau, sie war innerlich vom Rang einer Dame degradiert worden, nicht dass es Olympe nicht um darum ging wie viel von diesem Fluch betroffen wurde, sondern dass es überhaupt einen gab. Konnte oder wollte sie das nicht verstehen? Mit bebenden Nasenflügeln und einer Atmung wie ein kleiner Tornado begann die Gambling im Kreis zu schreiten. Dass das halbe Dorf damit beschäftigt war sie und die Frau anzustarren war ihr gleich. Wenn die Leute hier das alles wüssten. Die Frau Inspektorin würden sie wohl lynchen. Aber wenn Olympe ihr halt, dann fand sie vielleicht einen Weg den Fluch komplett wirkungslos zu machen. Eigentlich war das keine schlechte Idee. Wenn der Fluch öffentlich wurde, dann würde es eine Panik geben. Und vielleicht steckten sie die benachbarten Dörfer an, in denen sie auch fast alle Leute kannte.
Die Halbling brach ihr Laufen ab und richtete zwei zu Schlitzen zusammen gekniffene Augen auf die Frau, wobei sie kräftig durchatmete. Einmal. Zweimal.
"Nun gut. Wo sollen wir anfangen?"

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Mo 05 März 2018, 22:48

Es lag Diane auf der Zunge, die kleine Frau darüber zu belehren, dass sie nicht erst anfing - sie war bereits bis über beide Ohren in ihre Ermittlungen vertieft. Doch der Frieden zwischen ihnen war noch zu fragil. Am besten sie hielt sich fürs Erste mit schlagfertigen Bemerkungen noch etwas zurück. "Die Comtesse versteht nichts von Magie. Sie wird also jemanden angeheuert haben, um den Fluch auszusprechen." Diane seufzte und stand vom Brunnen auf, die Augen über das kleine Dorf schweifen lassend. Es war schwer, hier eine Hexe zu vermuten. Aber um einen Fluch zu sprechen, der eine ganze Ortschaft lahmlegen sollte, musste man einen Vertrag mit einem mächtigen Zauberwirker eingehen. Vielleicht sogar ein Kontraktdämon? Aber die hielten sich eigentlich eher an große Städte und hier gab es weder eine Spielhalle noch ein Bordell, zwei Etablissements, die diesen niederen Helkreaturen folgten wie Pilze, die aus feuchtem Waldboden sprossen. "Ihr, die ihr die Wälder so gut zu kennen scheint - gibt es hier eine Kräuterfrau? Vielleicht jemand, der viel mit Kindern zu tun hat?" Schon allein in Ehren an ihre eigene Stelle am Hof musste sie davon ausgehen, dass man die Comtesse betrogen hatte. Sicherlich hatte sie nicht versucht, Lac Rein auszulöschen. Es musste etwas Anderes schiefgegangen sein. Und das würde sie herausfinden und berichtigen.

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Di 06 März 2018, 08:22

Edric war nicht eben eine beeindruckende Gestalt. Ein hagerer, älterer Mann, eher klein als groß, mit weit zurück gewichenem Haupthaar und unrasierten Wangen, selten in etwas anderes gekleidet als eine lose, unscheinbare Robe in verwaschenem grau. Doch er besaß einen Amtsstab, der ihn als Priester auswies, ein hübsch gearbeitetes Stück aus dunklem Holz, fünf Fuß lang, mit einer silbernen Statuette einer geflügelten Jungfrau als Spitze. Diesen Stab griff Edric sich, ehe er dem Jungen mit langen, entschlossenen Schritten folgte, gleichwohl als Stütze wie als Zeichen seiner Autorität.
Lac Rein war nicht groß und der Schrein nicht weit vom Zentrum mit dem Brunnen entfernt und so erreichten sie die Streitenden rasch. Der Lärm war bereits abgeklungen, aber das ungleiche Paar stand sich noch immer gegenüber, funkelte sich an und eine Traube teils neugieriger, teils erschrocken wirkender Dorfbewohner hatte sich in respektvoller Entfernung gesammelt.
"Was geht hier vor?", verlangte Edric schon zehn Schritt entfernt zu wissen. Seine Stimme hatte im Lauf der Jahre ihre Stärke verloren, hatte etwas Raues, Krächzendes angenommen, aber sein Ton war noch immer gebieterisch, "Im Namen Unserer Herrin und der guten Leute von Lac Rein verlange ich zu wissen, was es mit diesem Aufruhr auf sich hat."
Erst im Näherkommen – und als sie sich im zu wandte – erkannte er die kleine Gestalt mit der geschulterten Axt, welche ihm bisher den Rücken zugewandt hatte. "Oh, Olympe", grüßte er sie, überrascht die Halblingsfrau hier zu sehen.

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Di 06 März 2018, 11:46

Dass die Schau, die die Frau und sie hier veranstalteten, Gaffer anzog hätte sich Olympe eigentlich denken können. In diesen Dörfern passierte ohnehin nie viel. Eine entlaufene Kuh war vermutlich die größte Aufregung des Jahres gewesen. Und wenn zwei Leute, die nicht Teil des Dorfes waren, sich in aller Öffentlichkeit mitten auf dem Marktplatz stritten, war das wohl Grund für Beunruhigung oder wenigstens kaum verhohlene Neugierde. Wohl eher Neugierde, wenn sie sich die Leute an ihren Gartenzäunen so betrachtete. Außerdem hatte man wohl den Dorfältesten geholt. Einen Mann namens Edric, zumindest glaubte sich Olympe zu erinnern, dass das sein Name war. Die Halbling verbeugte sich, versuchte mittendrin das ganze zu einem Knicks zu verändern und zog dann doch die Verbeugung vollständig durch. Mit nicht mehr vor Wut, sondern Scham geröteten Wangen kam ihr Gesicht wieder nach oben. Manche Dinge legte man schwer ab.
"Bon Père Edric. Ein kleine Meinungsverscheidenheit. Ich entschuldige mich für den entstandenen Aufruhr", begann Olympe und streckte die Hand in Richtung der Frau aus, um ihr Gesicht nach unten zu ziehen und dem alten Mann zuzulächeln: "Entschuldigt, wir klären das kurz."
Erst als Dianes Gesicht bei ihr unten war, begann Olympe zu flüstern: "Ich weiß, dass Ihr nicht unbedingt mehr Leute einweihen wollt, aber Edric ist ein guter Mann. Und wenn jemand weiß, wo es hier eine Kräuterfrau gibt, dann ist das er. Was meint Ihr, warum Ihr bisher von keiner erfahren habt. Die Kräuterfrauen und Einsiedler eines Dorfes werden entweder geschützt oder so geächtet, dass man nur im allergrößten Notfall zu ihnen geht. Kein Fremder, auch nicht ich, werden ohne große Not von ihnen erfahren, entweder weil es dem Dorf peinlich ist oder weil sie nicht wollen, dass ihrem Schutzgeist etwas passiert."
Die Halbling warf einen kurzen Blick zu Père Edric hinüber, bevor sie fortfuhr.
"Stellt Euch selbst als jemand dar, der helfen will, wenn Ihr das mit Eurem Gewissen vereinbaren könnt. Er wird uns helfen."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Do 08 März 2018, 00:15

Als Olypme sie nach unten zog und dabei ohne zu fragen angrabschte und dann auch noch sagte, dass Diane doch bitte so tun sollte als wolle sie helfen, musste sich die Inspektorin ziemlich zusammenreißen. Eine leicht hervortretende Ader an der Seite ihres Halses und ein vielleicht etwas zu gequetscht klingenden "Mhm" waren die einzigen Anzeichen dafür, wie sehr ihr diese kleine Frau gerade auf den Senkel ging. Im Versuch, ihre Würde zu bewahren, griff Diane hinter sich und nahm ihren Lederbeutel in die Hand, um dem Priester ihr königliches Abzeichen zu präsentieren. "Entschuldigt bitte diesen Zwist. Mein Name ist Inspecteur Diane Chaussin. Ich bin im Auftrag unserer Hochwohlgeboren hier, um eine brenzlige Angelegenheit zu klären. Ihr mögt genau der Mann sein, nach dem ich seit meiner Ankuft gesucht habe." Sie machte einen Schritt auf ihn zu, die Hand zum Gruße ausgestreckt, wobei sie Olympe sehr bewusst ignorierte. "Wenn Ihr erlaubt, würde ich mich gerne mit Euch an einer etwas privateren Stelle unterhalten. Wie Ihr sicher wisst, sendet der Königshof Leute nicht aus Jux und Tollerei in eine so friedliche Stadt wie Lac Rein." Sie senkte ihre Stimme, so dass nur die drei in unmittelbarer Nähe des Brunnes sie hören konnten. "Ich fürchte die Stadt schwebt in großer Gefahr."

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Do 08 März 2018, 17:23

Eine Inspektorin des Königshofs? Edric war nicht überrascht. Er mochte nur der Gemeindevorsteher eines kleinen Winzerdorfs sein, doch er war nicht so weltfremd, dass er etwas in der Art nicht bereits vermutet hätte. Das diese Dame keine Bäuerin oder Krämerin war, war offenkundig. Ihr ganzes selbstbewusstes Auftreten schrie "Edelfrau", etwas, das man hier auf dem Land wahrlich nicht alle Tage zu Gesicht bekam.
"Père Edric, ganz zu euren Diensten", erwiderte er auf ihren Gruß und verbeugte sich, sich ein wenig ungelenk auf seinen Stab stützend, als sie auf ihn zu trat, deutete einen Kuss auf ihre Hand an, als sie ihm diese reichte. Und fühlte sich alles andere als wohl dabei. Er war den Umgang mit derart hohen Würdenträgern nicht gewohnt und es wäre ihm durchaus recht gewesen, sich auch nicht daran gewöhnen zu müssen. Edric war ein einfacher Mann, ein Mann des Volkes. Dies hier war nicht sein Parkett.
Er lauschte den Ausführungen der Inspektorin und seine Miene wurde dabei mit jedem Wort ernster. Was sie zu verkünden hatte, klang alles andere als beruhigend. Wenn Lac Rein in Gefahr schwebte – und die bloße Präsenz der Inspektorin schien ihre Worte bereits zu belegen – dann würde er alles in seiner Macht stehende tun müssen, um denen zu helfen, die die Gefahr abwenden konnten. "Natürlich, Madame. Folgt mir bitte zum Schrein der Göttin, dort sollten wir ungestört sein", antwortete er dienstbeflissen und ging, nachdem er sich kurz zögernd vergewissert hatte, dass sie ihm folgen würde, voran.

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Di 13 März 2018, 12:36

Kurz zögerte Diane, bevor sie dem Priester folgte. Ihre Gedanken hingen an Olympe, die sie zwar beflissentlich ignorierte, weil ihre anmaßende und idealistische Art sie nervte, die aber zugleich eine Gefahr für ihren Auftrag darstellte. Zwar bezweifelte die Inspektorin, dass die kleine Halbling den Pestfluch ganz alleine vom Dorf heben konnte, doch das Risiko, dass sie die Gefahr in gutem Willen herausplärrte und damit für eine Panik sorgte, war immernoch gegeben. "Bitte, nehmt doch an dieser Besprechung teil", bat sie daher Olympe mit kaum verhohlenem Unwillen im Blick, ehe sie ihre Tasche um die Schulter warf, ihr nasses Kopftuch über einen ihrer weißen Ärmel warf und dem Priester an den bunten Häusern und Schaulustigen vorbei folgte. Die Menschen waren immernoch interessiert, doch da ihr Ältester eine Eskalation verhindert hatte, löste sich die Sensationsgeilheit des gemeinen Volkes langsam auf. Diane sah einige untereinander tuscheln und sie mit ihren Blicken verfolgen, doch das kümmerte sie nicht weiter. Sie war schließlich hier, um ihren Auftrag zu erledigen, nicht um sich Freunde zu machen.

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Mi 14 März 2018, 22:47

Ein Gemeindehaus gab es in Lac Rein nicht und der Petit Poisson Inn war wohl kaum das, was die edle Dame sich vorgestellt hatte, als sie nach ein privates Gespräch gebeten hatte, also führte Edric die Inspektorin und die kleine Halblingsdame in den Schrein der Göttin und von dort in seine private Kammer. Es war kein großer Raum, schmal und nur von einem einzigen Fensterchen erhellt. Ein Bett, ein Kamin, ein kleiner Tisch, eine Kommode mit all seinem Besitz darin und das Bücherregal, sein ganzer Stolz. Interessant, in wie wenig Platz man ein ganzes Leben quetschen konnte.
Es gab nur zwei Stühle im Raum, also nahm Edric auf der Kante des Betts Platz, seinen Stab zur Seite stellend und die Hände im Schoß faltend. "Verzeiht das schlichte Ambiente, Mesdames", entschuldigte er sich für die Wahl des Ortes, "Ich bin nur ein einfacher Mann und dies ist mein einziges Reich, aber zumindest sind wir ungestört. Darf ich euch etwas zu Trinken anbieten, ehe ihr mir von dieser Gefahr berichtet? Wein?"

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BeitragThema: Re: Weinwärts[MSG]   Do 15 März 2018, 13:53

"Gerne, Wein", bestätigte Olympe, während ihr Fuß dabei in einem raschen Takt auf den Boden tippte. Die geröteten Wangen der Halbling, deutlich erkennbar unter den Sommersprossen, nahmen einen noch röteren Unterton an, als sie einen gewaltigen Schluck von dem Wein nahm.
"Es liegt ein Pestfluch auf dem Dorf!", brach es aus ihr hervor. Olympe setzte das Weinglas etwas zu heftig ab, sodass es einen leichten Knall gab. Im Kreis schreitend, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, begann sie zu erzählen, was sie wusste: "Diese hier." Ein anklagender Finger traf erneut die Richtung, in der Diane stand.
"Diese hier sagt, dass ein Pestfluch auf dem Dorf liegt, aber...aber anscheinend will sie ihn nicht aufheben! Irgendeine Lady möchte dem Dorf eine Lektion erteilen. Aber der Fluch ist aus dem Ruder gelaufen und betrifft auch das Umland. Vermutlich hat es das Jagdwild bereits dahin gerafft. Deswegen sind die Wölfe aggressiver. Und wenn die auch bereits infiziert sind...dann bleibt es nicht bei diesem Dorf. Egal! IHR!"
Die Halbling baute sich zu ihrer vollen, nicht eben beeindruckenden Größe vor Diane auf: "Wie könnt Ihr es vor Euch selbst verantworten dieses Dorf sterben zu lassen?! Habt Ihr kein Herz?" Die Röte in den Wangen der Halbling war von dem schwachen Rot der Verlegenheit dem knalligen Rot nur wenig unterdrückten Zorns gewichen. Die kleinen Hände ballten sich zusammen und für einen Moment wirkte es so, als würde Olympe zu einem Schlag ausholen wollen, bevor sie sich selbst wieder unter Kontrolle brachte.
"Erklärt es dem Pére!"

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