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 [MSG] A game of thrones

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Grim
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BeitragThema: [MSG] A game of thrones   Mi 23 Mai 2012, 22:08

Seit nunmehr zwei Tagen regnete es ohne Unterbrechung und Harvengard versank im Schlamm. Dreckige Rinnsale bahnten sich ihren Weg zwischen den Pflastersteinen hindurch und wuschen die Straßenbetten aus, in den tieferen, ärmeren Vierteln, wo die Wege ungepflastert waren, hatte das Wasser die Straßen längst in rutschige Pisten aus Matsch und Lehm verwandelt. Die königlichen Banner mit dem silbernen Adler auf blauem Grund hingen schwer und vollgesogen von den Türmen und Torhäusern und folgten nur noch träge den Bewegungen des böigen Winds, der durch die Straßen peitschte. Wer konnte, der blieb im Trockenen und wärmte sich die Glieder am heißen Herdfeuer. Diejenigen, die es nicht vermeiden konnten auf die Straße zu müssen, hatten die Kragen hochgeschlagen und hasteten tief vornüber gebeugt durch die unerbittlichen Schauer. Die Wachen am Haupttor blickten entsprechend verdrießlich drein. Mit eng um die Schultern geschlungenen Umhängen drängten sie sich an die Mauer, in den zweifelhaften Schutz der Pechnasen, während das Regenwasser in Sturzbächen von den breiten Rändern ihrer Eisenhüte lief. Starre Blicke waren auf die Straße gerichtet, einzig unterbrochen durch gelegentliches Blinzeln wenn das Wasser sich wieder einen Weg durch die Wimpern gebahnt hatte und sich im Augenwinkel sammelte.
Im Grunde hatte man vom Tor aus einen herausragenden Blick über das Land und die sich träge hindurch windende Straße, doch an diesem Tag verschwamm alles hinter dem dichten grauen Regenschleier, der der Welt sämtliche Farben zu nehmen schien. Dennoch hätte man meinen sollen, dass der einsame Reiter – trotz seines schweren grauen Mantels – früher zu sehen hätte sein sollen. Er schien kaum zwanzig Schritt vom Tor entfernt aus dem Boden zu wachsen, schälte sich aus dem Regen, dessen tristes Grau zäh an ihm zu kleben schien. Den Wachmännern jedoch war keine Beunruhigung anzusehen: sie behielten den verdrießlich schlecht gelaunten Gesichtsausdruck, den sie schon seit dem frühen Morgen trugen als ihre Schicht begonnen hatte und versuchten weiter, sich so gut wie nur möglich vor dem Regen zu schützen, auch wenn sie bereits bis auf die haut durchnässt sein mussten. Der Fremde hingegen ging wesentlich ungezwungener mit dem Regen um, wahrscheinlich weil er eingesehen hatte, dass es keinen Unterschied mehr machte. Ohne jede Eile ließ er sein Pferd, ein müdes, braunes Tier mit vom regen strähniger Mähne, den sanften Anstieg hinauf traben, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Kapuze gegen das Wetter tief in die Stirn gezogen. Einen Schritt von den Wachmännern entfernt hielt der Fremde sein Pferd an.
„Darf ich passieren?“, fragte er mit ruhiger Stimme, die im Rauschen des Regens unterzugehen drohte. Normalerweise hätte er höchstes Misstrauen erregen sollen, denn noch immer hielt er sein Gesicht verhüllt und seinem Sattel hing deutlich sichtbar ein Langschwert, kein gewöhnlicher Anblick, wenngleich viele Wanderer sich in diesen Zeiten vor einer Reise bewaffneten. Vielleicht lag es wirklich nur am Regen, der die Männer zermürbt hatte, vielleicht war es auch irgendetwas, das der Fremde an sich hatte, doch keiner der Wächter machte auch nur Anstalten, ihm den Weg zu versperren.
„Passiert!“, erklärte der Wachmann mit den Abzeichen eines Feldwebels schließlich ohne den Fremden auch nur nach seinem Namen oder seinem Begehr gefragt zu haben und gab ihm mit einem Wink zu verstehen, dass die Stadt ihm offen stand. Der Reiter antwortete mit einem wohlwollenden Nicken und ließ sein Pferd wieder antraben. Er ließ die Wachmänner hinter sich und wandte sich dann zielstrebig in Richtung der Oberstadt. Obwohl er nicht so wirkte, als würde er nach Harvengard gehören, schien er sich bestens auszukennen. Der Schlag der Hufe auf dem festen Pflaster klang hart durch das Prasseln des Regens. Kein Mensch kreuzte den Weg des Wanderers, einzig ein paar Krähen saßen mit geplustertem Gefieder auf einem Giebel und ließen die klugen Blicke dem Reiter folgen. Das müde Pferd trabte gegen die sanfte Steigung der Straße an, der breiten Hauptstraße, die an anderen Tagen nur so vor Menschen überquellen musste. Der Wanderer lenkte es in Richtung des Palastes, der weit hin sichtbar am Ende der Straße über der Stadt thronte. Niemand hielt ihn aus als er sein Pferd in den Innenhof lenkte, es einem gehetzt wirkenden Stallburschen übergab, der es eilig ins Trockene brachte und als er selbst durch den Dienstboteneingang den Palast betrat. Es hätte merkwürdig erscheinen müssen, dass die niedrige Pforte für ihn offen stand, denn niemand erwartete ihn dort, kein Diener oder Page stand bereit um ihn zu führen, doch der Wanderer schien sich nicht daran zu stören. Mit der Sicherheit, die ein Mann im eigenen Heim an den Tag legen würde, suchte er sich seinen Weg durch die gewundenen Gänge des Schlosses, stieg Treppe um Treppe empor, dabei zielsicher die Korridore meidend, in denen die Dienerschaft ihren Verrichtungen nachging oder die Bewohner des Hofes wandelten. Erst, als er auf jene Tür zuschritt, hinter der das Schlafgemach des kranken Königs lag, hielt man ihn auf. Zwei Wachmänner, im Gegensatz zu den verdrießlichen Gestalten am Haupttor in beste Rüstungen und saubere Waffenröcke gekleidet und alles andere als unmotiviert, kreuzten die Hellebarden vor den Türflügeln.
„Kein Zutritt! Unser Herr ist zu krank, um Bittsteller zu empfangen“, bellte der Rechte der beiden Männer und warf dem Fremden einen Blick zu, der einen geringeren Mann zur augenblicklichen Umkehr bewogen hätte.
„Ich bringe wichtige Botschaft aus dem Norden. Es ist von äußerster Bedeutung, dass der König mich empfängt“, erklärte der Wanderer, ruhig, die Feindseligkeit im Auftreten der Wachmänner geflissentlich ignorierend. Fast schien es sogar, als lächle er, doch er trug noch immer seine Kapuze, sodass sein Gesicht im Schatten lag und das wenige, was von seinem Mund zu erkennen war, lag im buschigen, grauen Bart verborgen.
Derjenige der Wachmänner, der zuerst gesprochen hatte, machte Anstalten den Mund zu etwas zweifellos sehr Unflätigem zu öffnen, doch sein Kamerad kam ihm versöhnlicher zuvor. „Tragt eure Nachricht vor und wir werden sie dem König zukommen lassen sobald seine Kräfte es zulassen“, schlug er vor, wenngleich der Ton seiner Worte deutlich machte, das dem Fremden keine andere Wahl blieb. Doch entweder war dieser ein wenig schwer von Begriff, oder aber er dachte gar nicht, sich auf die Wachmänner einzulassen. Noch immer lächelnd zog er eine fein gearbeitete goldene Kette aus dem Inneren seines Umhangs und präsentierte den Männern den Anhänger.
„Dieses Siegel stammt von Prinz Norvas, an dessen Seite ich im Norden gekämpft habe“, erklärte er, „Ich werde die Worte, die für den König und niemanden sonst bestimmt sind, nicht an Lakaien ausrichten. Tretet beiseite!“
Die Bestimmtheit in den Worten des Wanderers schien die Wachmänner zu verunsichern, zu verärgern jedoch ebenso und letztere Empfindung schien, wie sich in den Gesichtern der beiden abzeichnete, schließlich die Überhand zu gewinnen. „Verschwinde, Greis, oder ich lasse dich hinaus in den Regen werfen“, fuhr der Rechte ihn an, „Ich habe gesagt ihr werdet diese Türe nicht passieren und es ist mir gleich, wer euch geschickt...“
„Ihr werdet zur Seite treten und mir den Weg frei geben! Ich habe es nicht nötig, mich mit Dienern zu streiten wenn ich mit Herren zu sprechen habe!“, fiel ihm der Alte mit einem mal ins Wort, donnernd und aufbrausend und mit einem mal ging eine fast greifbare Aura der Dominanz von ihm aus, eine alles andere als natürliche Macht, die über die Wachmänner hinweg brandete, ihnen bis tief in die Knochen fuhr. Er wartete nicht ab bis die schockierten Männer sich wieder fingen und stieß selbst die Türflügel auf, trat über die Schwelle ins Gemach des Königs. Ein halbes Dutzend älterer Höflinge, graubärtiger Männer, der engsten Vertrauten des greisen Königs, blickte ihm mit einer Mischung aus Verärgerung und Besorgnis entgegen. Der Wanderer jedoch zögerte keinen Moment, wartete gar nicht erst ab bis einer der Kammerherren ihm in den Weg hätte treten können. Mit raschen Schritten näherte er sich dem ausladenden Himmelbett, unter dessen Decken die ausgemergelte Gestalt des siechenden Herrschers zu verschhwinden drohte.
„König Thulir, Herrscher über Evo, hört mich an...“, begann er, auf jegliche Formen der Ehrerbietung einfach verzichtend, und hielt einen scheinbar zum Einschreiten bereiten Kammerherren mit der Hand auf Distanz, „Ich bringe euch traurige Kunde von der Front im Norden. Es wäre besser, wenn nur ihr allein sie zu hören bekommt...“
„Der König vertraut denen, die hier versammelt sind“, ereiferte einer der alten Männer sich, „Was für seine Ohren bestimmt ist, ist auch für die unseren bestimmt!“ Er sah wie um Bestätigung einzufordern zu seinem Herren und Thulir gab ihm diese mit einem schwachen Nicken. Daraufhin schnellte der Blick des Kammerherren herausfordernd zurück zu dem unangemeldeten Eindringling, ganz so als wolle er ihn zumindest dazu bringen, diesen Affront so kurz wie möglich zu gestalten.
Dem Wanderer war deutlich anzusehen, wie wenig diese Entscheidung ihm gefiel, doch nach kurzem Zögern schien er sich zu entschließen, den Willen des Königs zu respektieren.
„Was ich zu sagen habe sollte diesen Raum nicht verlassen“, erklärte er, nun wieder die Ruhe in Person und doch gebieterisch als wäre er selbst es, der hier die Krone trüge, „Nicht, jedenfalls, bevor die nötigen Vorkehrungen getroffen sind. Ein weiterer Bote wird in einem Tagen in Harvengard eintreffen und dann wird es sich nicht mehr verheimlichen lassen. Ich bin hier, um euch Zeit zu verschaffen. Zeit, die ihr brauchen werdet, Thulir von Evo, um euer Land vor Schlimmerem zu bewahren. Hört mich also an: euer Sohn, Prinz Norvas, der im Norden eure Grenzen verteidigt, ist in der Schlacht von Torrend gefallen.“
Erschrockenes Geraune ging durch den Raum als die Kammerherren nach Luft schnappten. Der König hingegen schien in seinen Kissen noch weiter zusammen zu sinken. Trotz seines kränklichen Äußeren war ihm deutlich anzusehen, wie sehr in die Botschaft traf. Seine Lippen formten ein Wort, doch kein Laut verließ seinen Mund.
„Wenn die Nachricht von Norvas' tragischem Ende bekannt wird werden die Mächtigen eures Reiches nach eurem Thron gieren, König Thulir“, fuhr der Wanderer ungerührt fort, zum zutiefst erschütterten Vater des gefallenen Prinzen keine Ruhe gönnend, „Ihr werdet eure Thronfolge regeln müssen, sonst werden Intrigen, Zwistigkeiten und Schlimmeres Evo spalten. Ihr müsst dies rasch tun, solange ihr noch die Kraft dazu habt. Und bevor die ersten Anwärter sich in Position bringen. Und für euch alle gilt:...!“ Er hob ruckartig den Zeigefinger, belehrend und mahnend gleichermaßen, „Haltet Verschwiegenheit! Vieles hängt für dieses Reich davon ab...“
Und so abrupt wie er gekommen war machte er auf der Stelle kehrt und verschwand aus dem Saal ehe einer der Kammerherren das Wort ergreifen konnte. Es dauerte eine ganze Weile bis die ersten der Höflinge sich vom Schock erholten. Doch schon am nächsten Morgen wusste jeder am Hof bescheid über den merkwürdigen Besucher und die Botschaft, die er überbracht hatte. Und über den schweren Schlag, den die Kunde vom Tod seines Sohns der ohnehin angeschlagenen Gesundheit König Thulirs verpasst hatte...

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Fr 25 Mai 2012, 22:33

Bald drei Tage hatte sie ihre Amtsstube nicht mehr verlassen und Stunde um Stunde im Licht der Kerzen über Berge, nein Gebirge, von Notizen, Berichten und Nachrichten gebrütet. Nicht das sie die ganze Arbeit selber hatte machen müssen, es gab genügend Bedienstete die sie mit kaum mehr als einem Wort in ihre Dienste stellen konnte und von denen die ganzen Worte erfassen lassen. Doch in ihrer Position konnte sie keine Mitwisser gebrauchen.

Seit Stunden stand sie schon am Fenster und starrte hinaus. Es war nur eine kleine Notiz gewesen, doch etwas sagte ihr dass diese kleine Begebenheit etwas großes einläuten würde. Es war kein Wissen, eher ein Gefühl. Ihr Gefühl. Hatte ihr schon oft den richtigen Weg gewiesen und war stets verlässlich gewesen. Ein seltsamer Besucher soll die Gemächer des kranken Königs betreten haben und sie in einer gewissen Unordnung hinterlassen haben. Nichts konkretes, nichts was ihr sagte was genau dieser Fremde dort getrieben hatte. Verflucht! Sie selber hatte den Gebieter seit Wochen nicht gesehen und ein Fremder wird einfach so vorgelassen?

Endlich riss sie sich von dem trüben Anblick dort draußen fort und riss die Tür zu ihrer Stube auf. "Bote!" rief sie nur und warf die Tür wieder zu.
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Fr 25 Mai 2012, 22:45

Fassungslos hatte Johann die Ankunft des Fremden verfolgt und seine Botschaft, der Prinz sei gefallen, aufgenommen. Das war eine absolute Katastrophe! Das durfte einfach nicht sein! Die beiden Alten hatten eigentlich vorgehabt, ihre Leben in Ehren ausklingen zu lassen, um anschließend das Reich in die zuverlässigen Hände des Jünglings zu legen, aber nun war dies ein Ding der Unmöglichkeit. Nun würde der Dreck, der Abschaum der Welt seine gierigen Klauen nach dem Thron ausstrecken, der, so sah es im Moment aus, bald leer werden würde. Das Johann sich selbst zum König machte, kam nicht in Frage. Dies wäre der größte Vertrauensbruch, den er seinem alten Freund überhaupt antun konnte, abgesehen davon würde er eh höchstens fünf, mit großem Glück allerhöchstens zehn Jahre regieren können und dann würde die Brut wiederkommen und sich die Herrschaft sichern. Und Johann kannte genügend Persönlichkeiten, die mit sicherheit keine guten Regenten wären und mit Sicherheit das Reich innerhalb eines einzigen Jahrzehnts vor die Hunde gehen lassen würden.
Und was sollte er bloß von diesem mysteriösen Mann halten, der die Kunde überbracht hatte? Wer war der Kerl überhaupt und was wollte er eigentlich von ihnen? Johann brachte ihm absolut keine Sympathie entgegen, geschweige dann dass er ihm vertrauen würde. Der machte das sicher nicht ohne einen Hintergedanken. Der wollte sicher auch den Thron haben und um dies zu erreichen, würde er Zwietracht säen, um alle gegeneinander aufzubringen und das Reich zu spalten. Und wenn das geschah, dann war im Grunde alles verloren. Möglicherweise hatte der Fremde sogar gelogen, um den König möglichst schnell tot zu kriegen. Denn Johann hatte am eigenen Leib erfahren, dass Thulir die Information vom Tode seines Sohnes nicht verkraften konnte. Er hatte lange Johann sein Leid geklagt und der Kanzler war nicht im Stande gewesen, den aufgewühlten Herrscher zu beruhigen. Herrgott nochmal, was sollte werden, wenn es wirklich die Wahrheit war? Das ganze Geschmeiß würde aus seinen Rattenlöchern kriechen.
Doch jegliche Bestrebungen, die Information geheim zu halten, war erfolglos gewesen. Manche Leute waren einfach zu geschwätzig. Verflucht nochmal, gewissen Leuten würde Johann am Liebsten eigenhändig den Hals umdrehen aufgrund ihrer offensichtlichen und unsäglichen Torheit!
Aber nun half alles Toben und Fluchen nichts, er musste seine alten Knochen bewegen, um den Schaden zu begrenzen, er musste Schritte einleiten und schnell handeln. Er musste sich einen Überblick über alle Personen machen, die im Palast ein und ausgingen. Gewisse Leute musste er ganz genau im Auge behalten, auf Schritt und Tritt beobachten. Und er durfte nichts, was ihm gesagt wurde, für bare Münze nehmen.
So schlich Johann am nächsten Morgen wie ein Hund durch die Gänge des Palastes. Er grüßte jeden höflich, der ihm über den Weg lief, behielt seine Maske an, doch er versuchte, irgendetwas aus den Gesichtern der Leute herauszulesen, ob sie spöttisch waren, verschlagen oder doch eher ehrlich. Er versuchte alles, um so viele Informationen wie möglich zu sammeln und sich über so viele Meinungen wie möglich zu informieren. Und es war verdammt schwierig, alle Details ständig im Blick zu behalten. Hach, diese verfluchte Alterung und all ihre elenden Beschwerden!
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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Fr 25 Mai 2012, 23:50

Der Prinz war tot. Das war ein Geheimnis und wie alle Geheimnisse in Boros' Arbeitsbereich machte es verdammt schnell die Runde. Der Prinz war tot. Die beiden Wachen, die den Fremden durchgelassen hatten, hatte Hauptmann Maxwell Boros ordentlich zur Sau gemacht. Da es keinen Hofmagier in dem Sinne gab, hatte ihre verzweifelte Erklärung, dass Magie im Spiel gewesen sei auf Boros keinen großen Eindruck gemacht. Er bildete hier keine Wachen aus, damit diese vor einem Magier in die Knie gingen. Sie waren die Königswachen, verdammt. Wenn sie den König nicht in Sicherheit halten konnten, wer sollte es dann tun? Die liebe Frau Geheimrätin, der Boros ebenso weit traute, wie er sie werfen konnte - etwa sechs Meter, geschätzt - oder aber der Kanzler, der sich mit den Zähnen am Leben festhielt und nur noch lebte, weil er zu stur war den Löffel abzugeben? Hah! Die wären in etwa so effektiv wie ein Speer aus Schokolade. Für Boros stand fest, dass es nur die Königswachen sein konnten, die den König am Leben hielten.
Während sein Hirn sich sorgenfrei und mit reichlich Zynismus um diese Dinge kümmerte, spürte Maxwell Sorge, wenn schon nicht im Hirn, dann doch in jenem kleinen Organ, das Blut durch seinen Körper pumpte. Der König war viel zu alt, um noch einen Nachfolger zu zeugen. Ganz zu schweigen davon, dass man erstmal eine Frau finden müsste, die willens wäre, so etwas... Hol deine Gedanken aus der Gosse, Boros. Es schüttelte den Hauptmann leicht. Die Frühschicht machte sich grade auf den Weg zu ihren Posten, während die Nachtschicht eintrudelte. Boros nickte den meisten zu. Viele erwiderten den Gruß, trotz den Belastungen, die er ihnen grade zumutete. Die Königswache musste Präsenz zeigen, jetzt mehr denn je.
"Korporal. Weisen sie die Wachen an ein Stück auf der Straße Ausschau zu halten. Fangen sie den Boten ab. Bringen sie ihn her."
"Ja, Hauptmann." Die Frau verschwand durch die Türe. Guter Wachmann, aus ihr würde was werden.
Der Hauptmann rieb sich über den Bart. Vermutlich sollte er ins Schluss. Mit einer für Wachmänner typischen Mischung aus Marschieren und Schlendern machte sich Hauptmann Maxwell Boros auf den Weg ins Schluss. Vielleicht lief er dem Kanzler über den Weg.

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Vicati
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Sa 26 Mai 2012, 01:53

Mareus lächelte. Gerade war ein Bote durch den strömenden Regen eingetroffen. Triefend nass war er in der geräumigen Eingangshalle gestanden und hatte verlangt, den Fürsten von Sevenseas zu sehen. Es ginge um eine wichtige Gelegenheit im Zusammenhang mit dem König. Dieser Grund hatte Mareus überzeugt und er hatte den Boten zu sich geholt. Während der Fürst sich an einer nächtlichen Speise gütlich tat, hatte der Bote ihm erzählt, was ihm sein Meister aufgetragen hatte. So hatte Mareus von dem Tod des Prinzen, seines Neffen erfahren. Wieder einmal hatten sich die Spenden und Geschenke am Hofe bezahlt gemacht.
Jetzt hatte der Bote sein Haus verlassen und Mareus sass in einem anderen Raum seines Stadthauses gleich beim Palast. Im gegenüber sass einer seiner jüngeren Söhne, Maredon. Der Zehnjährige blickte konzentriert auf das gemusterte Brett zwischen ihnen. Sein Vater lehnte währenddessen entspannt zurück und nippte an einem Glas Rotwein. Schliesslich machte der Junge einen Zug. Kaum hatte er seine Figur abgesetzt, griff Mareus schon nach der seinen und führte selbst einen Zug aus.
„Mein Junge, ich habe es dir schon oft gesagt: Auch wenn der Turm stark und standhaft wie eine Wache ist, er ist sehr gradlinig. Er eignet sich nicht so gut für versteckte Züge. Auch wenn Springer und Läufer schwächer sind, ihre Möglichkeiten, den Feind zu besiegen sind mehr als nur rohe Gewalt.“
Erschrocken blickte der Junge auf das Feld, plötzlich in Bedrängnis geraten.
„Immer nachdenken. Heimlichkeit und Taktik sind besser Waffen als der offene Kampf, auch wenn man manchmal auch zu diesem greifen muss. Nutze die Lücken deines Gegners aus und lass zu, dass er sich selbst im Wege steht.“
Auf den Zug des Jungen folgte blitzschnell der Zug seines Vaters und wieder war der Maredons Plan verhindert worden.
„Du musst verbergen, was du erreichen willst. Täuschung ist der Schlüssel zum Sieg. Biete etwas Verlockendes, um eine Lücke zu schaffen.“
Maredon runzelte die Stirn, wollte die Ratschläge seines Vaters aber befolgen und führte einen weiteren Zug aus.
„Ein guter Gedanke, mein Junge. Aber vergiss nicht, auch wenn etwas schwach ist, kann es jederzeit stärker werden. Und unterschätze nie die Stärke der Menge. Viele Bauern sind besser als ein Läufer. Wenn die grössere Zahl auf deiner Seite steht, hast du einen grossen Vorteil errungen.“
Wieder ein abgewehrter Vorstoss und wieder versuchte der Junge einen erneuten Zug,
„Aber das Wichtigste: Die Stärkste Figur in diesem Spiel nach dem König sind nicht die Türme, Springer oder Läufer. Die Stärkste Figur nach dem König ist die Dame.“
Mareus ergriff die Figur, die bisher die ganze Zeit auf demselben Feld gestanden hatte und zog sie nach vorne.
„Schach.“
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Grim
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Sa 26 Mai 2012, 13:46

Joleen war nervös. Wie hätte sie es auch nicht sein können? Sie hatte die Nachricht in aller Früh erhalten. Ihr Kammermädchen hatte ihr davon berichtet und dieses wiederum hatte es von einem Diener Markgraf Gorwalds erfahren, eines alten Kriegskameraden des Königs, der in der vorigen Nacht bei den Ereignissen anwesend gewesen zu sein schien. Am Hof von Harvengard, wo die Damen und Herren wenige Geheimnisse vor ihren Dienern hatten und die Diener es auch untereinander mit der Verschwiegenheit nicht allzu streng nahmen, war das so gut wie eine Nachricht aus erster Hand. Und selbst wenn etwas hinzu gedichtet sein sollte: der Kern der Botschaft war doch zweifellos war: Prinz Norvas war tot, gefallen gegen die Wilden des Nordens, die Bestien, die die Grenzen Evos unsicher machten und dem Reich nun einen fatalen Schlag verpasst hatten.
Joleen trauerte um Norvas, denn der Prinz war ein galanter Mann gewesen, wohlerzogen und charmant und sich stets der Würde bewusst, die seine Geburt ihm verlieh. Er war sehr nach seinem Vater geraten. Im Grunde der perfekte König, wie ihn sich das Reich nur wünschen konnte. Ihn zu verlieren war hart, für alle am Hof. Dennoch galten Joleens Gedanken in diesem Moment weniger dem verstorben Prinzen. Sie waren vielmehr bei dessen Vater, dem König. Die Nachricht musste Thulir schwer getroffen haben und es war unklar, ob er sich in seinem Zustand davon erholen würde. Es war nicht auszuschließen, dass Norvas' Ende seinem Vater den Todesstoß verpassen würde. Aber Thulir durfte nicht sterben! Nicht der König! Nicht er!
Joleen empfand mehr für den König als nur den Respekt und die Ergebenheit, die einer Hofdame gegenüber dem König eben gut zu Gesicht stand. Es wäre falsch gewesen von Liebe zu sprechen, dafür war der Altersunterschied zwischen ihnen zu groß. Der König könnte ihr Großvater sein! Thulir hatte das gewusst als er sie umgarnt hatte und sie war sich dessen ebenfalls bewusst geworden, als sie seinem Werben nachgegeben hatte. Ihre Beziehung hatte niemals auf Liebe basiert. Thulir hatte die Schönheit ihrer Jugend und ihre Wohlerzogenheit zu schätzen gewusst und sie hatte den König für seine Würde, die Weisheit seiner Worte, das Geschick seiner Äußerungen angebetet. Sie verehrte ihn noch immer. Es war wie eine Sucht. Nicht die Art Sucht, wie reiche Damen sie nach dem Körper eines jungen Höflings oder eines aufstrebenden Offiziers empfanden, den sie sich für ihr Amusement hielten. Es war die schiere Präsenz des Königs, die Größe dieses Mannes nach der sie sich verzehrte.
Joleen konnte sich nicht vorstellen, wie ein Leben am Hof ohne König Thulir sein sollte. Sie war von ihm abhängig, von seiner Gunst, seinem Wohlwollen. So sehr ihre Furcht vor seinem Tod ihren Gefühlen für den alten König entspringen mochten, so sehr war sie sich auch bewusst, dass sie und Norin es nach Thulirs Ende nicht leicht haben würden, zumal nun auch Norvas nicht mehr war. Ohne seine schirmende Hand würde sie in den aufkommenden Wirren heillos untergehen. Und mit ihr viele andere...
Es mochte Zufall sein, dass Joleen in eben diesem Moment der alte Johann Aedinburgh entgegen kam, ebenfalls ein Mann mit wenig Einfluss, der seine Stellung dem Wohlwollen des Königs verdankte. Joleen konnte nicht anders. Sie musste ihn einfach ansprechen, musste ihre nagenden Zweifel, die drückende Furcht mit ihm teilen. Sie hielt es nicht mehr mit sich allein aus. Und die Worte sprudelten nur so aus ihrem Mund. "Kanzler, ihr wart gestern Abend dabei als dieser schreckliche Bote gekommen ist!", bestürmte sie ihn verzweifelt und griff mit beiden Händen nach seiner knochigen Rechten, "Bitte, sagt mir: was wird jetzt? Was wird aus dem König? Wird er sich wieder erholen? Und was soll nur aus Norin und mir werden, wenn er einmal nicht mehr ist, jetzt, wo sein Sohn ihm nicht nachfolgen kann?"

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Mo 28 Mai 2012, 11:55

"Beruhigt Euch doch, Kind.", sagte Johann beschwichtigend, als Joleeen ihn mit Fragen bombardierte und ihn völlig überraschte. Er mochte dieses Mädchen, das einmal eine Affäre mit Thulir gehabt hatte. Er war einer der Wenigen gewesen, mit dem der König dieses Geheimnis geteilt hatte. Trotzdem... in Zeiten wie diesen war auch sie eine potentielle Thronräuberin. Es fiel ihm nicht leicht, diesem netten Mädchen zu misstrauen, doch Vorsicht war besser als Nachsicht. Was, wenn sie wirklich versuchen würde, ihren Sohn, ein Kind, zum König zu machen? Andererseits... war er ein uneheliches Kind des Königs und vielleicht wirklich ein geeigneter Kandidat... wenn er nur nicht so jung wäre!
"Ich weiß nicht, was mit dem König wird.", sagte Johann mit schwerer Stimme. "Jedenfalls hat er die Nachricht von Norvas' Tod nicht gut aufgenommen. Ich hoffe selbst, dass er noch ein bisschen weiterleben wird, um zumindest einen Nachfolger zu bestimmen... Doch das wird schwierig werden. Aber ich glaube, der König würde Euch und euren Sohn nicht auf die Straße setzen. Er würde für Eure Sicherheit garantieren. Der Thulir, den ich kenne, würde seine Kinder nicht im Stich lassen." Den letzten Satz hatte er leise gesprochen. Er wusste nicht, wie viele genau von diesem Geheimnis wussten, doch er wollte nicht derjenige sein, der es weiterverbreitete.
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Mi 30 Mai 2012, 23:31

"Hauptmann", grüßte die Wache am Eingangstor. Maxwell wusste, dass der Mann nicht allein war. Das Tor des Königsschlosses von nur einer Wache bewachen zu lassen wäre grob fahrlässig gewesen. Nein, es warteten noch weitere zehn Mann in einem Raum direkt hinter dem Tor. Sie waren wachsam als Maxwell eintrat und in die Runde grüßte. Wachen waren immer wachsam, direkt nachdem irgendetwas passiert war. Damit auch ja kein Verdacht auf sie fiel. Maxwell gab der Wachsamkeit zwei Wochen, dann würde man sie zu grabe tragen können.
"Weitermachen. Wo ist der Kanzler?"
"Die Frühschicht hat ihn mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter in den oberen Gängen gesehen", gab einer der Wachmänner Meldung. Maxwell nickte seinen Dank und machte sich auf die Suche nach dem Kanzler. Tatsächlich hatte er ihn in Kürze gefunden. Der alte Herr war in Begleitung von der Gräfin Joleen. Gerüchte besagten, dass sie eine Affäre mit dem König gehabt hatte. Im Gegensatz zu einigen anderen am Hof betrachtete Maxwell sie nicht mit Abscheu oder Mitleid. Es war ihm schlichtweg egal. Männer waren Männer. Männer mit Macht wirkten recht überzeugend auf Frauen. Der Rest ergab sich. Maxwell stellte sich etwas abseits und salutierte.

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 09:47

Als Johann mit seiner beschwichtigenden Rede geendet hatte, erschien Hauptmann Boros und salutierte. Der Hauptmann hatte schon viele Jahre dem König treu gedient, zwar nicht so lange wie der Kanzler selbst, doch lange genug, damit Johann ihn durchaus schätzte, mehr als einige andere. Dennoch, bedingungslos vertrauen würde er ihm nicht, immerhin konnte in so schlechten Zeiten der beste Ehrenmann sein wahres, hässliches Gesicht zeigen. So lange dies nicht geschah, würde Johann sein Misstrauen nicht zu offensichtlich heraushängen lassen, aber dennoch würde er Boros wie jeden anderen mit Argusaugen beobachten.
Davon ließ er sich freilich nichts anmerken, als er mit freundlichem Blick und höflicher Stimme sagte: "Guten Morgen, Hauptmann Boros. Wie kann ich Euch helfen?"
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 20:32

"Wir brauchen eine öffentliche, offizielle Erklärung zum Tod des Prinzen", stellte Maxwell mit neutraler Stimme fest, um dann weiter auszuholen: "So schlimm die Nachricht ist, so viel schlimmer sind die Gerüchte, die entstanden sind. Eine Erklärung würde dazu beitragen die Bürger etwas zu beruhigen. Andernfalls gerät die Situation vielleicht schneller außer Kontrolle als wir die Götter für den Tod des Prinzen verfluchen können."
Maxwell kannte diese Art Situation ziemlich gut. Man tötete in Selbstverteidigung einen Mann und über Nacht wurden daraus dreißig Männer und ein Hund. Und dann durfte man eine Woche in keine Taverne mehr gehen, außer man wollte, dass sie sich schnell leerte. Und eine Nachricht wie diese würde nicht annähernd so kurzlebig sein. Maxwell konnte die Verschwörungstheoretiker schon förmlich bei ihren Biergläsern sitzen sehen. Der Hauptmann nahm den Helm, eine seltene Geste der Ehrerbietung.
"Natürlich habt Ihr dafür nur das Wort eines Wachmanns."

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 21:00

Eigentlich hätte Joleen sich beim Auftritt des Hauptmanns empfehlen und zurück ziehen sollen. Es schickte sich nicht für eine Dame des Hofes, Gesprächen zwischen Männern beizuwohnen, zumal wenn es Gespräche über Politik waren. Doch Hauptmann Boros kam direkt zur Sache, bevor sie sich auch nur verabschieden, geschweige denn entfernen konnte und von diesem Zeitpunkt ab war es Joleen einfach nicht möglich, sich fortzureissen. In diesem Moment waren ihr die Etikette des Hofes gleich: diese beiden Männer bildeten das Zentrum der Macht in der Stadt und das, was sie besprachen, mochte auch sie unmittelbar betreffen. Sie musste es einfach hören, musste wissen, was die beiden entschieden.
Es hätte Joleen auch gedrängt, sich selbst in das Gespräch einzumischen, ihre eigene Meinung beizusteuern, doch das wäre nun wirklich ungehörig gewesen. Sie war eine Frau, sie hatte weder das politische Gespür noch die jahrelange Erfahrung mit der Materie, die diese beiden Männer besaßen. Eine unschuldige Frage hingegen würde ihr niemand übel nehmen können. Und immerhin war es nicht sie gewesen, die sich diesem Gespräch aufgedrängt hatte. "Denkt ihr denn, dass die Gerüchte es so einfach aus dem Palast in die Stadt hinunter schaffen werden?", fragte sie zögerlich und heftete ihren Blick dabei auf den Hauptmann. Im Stillen hoffte sie, dass Boros selbst nicht damit rechnete. Die Aussicht auf einen Aufruhr in der Stadt beunruhigte sie sehr.

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Basol
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 21:11

Johann seufzte schwer. Natürlich musste dem Volke die aktuelle Situation erklärt werden und natürlich würde er es sein, der in den sauren Apfel beißen wurde, schließlich war er nach dem König (der dies leider nicht tun konnte) der bestgeeignetste Mann für diese Aufgabe. Die Gemüter mussten beruhigt werden, sonst würde hier alles außer Kontrolle geraten. Und das würde allen Thronräubern Tür und Tor öffnen, die Macht an sich zu reißen.
Dann ergriff Joleen das Wort. Ihre Zweifel waren berechtigt. "Ich weiß nicht, ob dies der Fall ist, aber ich vermute es. Gewisse Leute haben einfach die Kontakte zu Leuten im Palast und halten sich auf dem Laufenden. Und der Schlag soll mich treffen, wenn da nicht einer dabei ist, der diese Information verbreitet, um das Volk gegen uns aufzubringen. Es ist besser, wenn sie es von uns statt aus zweiter Hand erfahren. Damit halten wir sie uns gewogen." Ein geübter Manipulator würde sicher bald schon die Gerüchte streuen, die schlimmer wären als die Wahrheit aus verlässlicher Quelle. "Die Stellungnahme muss bald erfolgen, am Besten noch heute."
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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 21:21

"Ich stimme dem Kanzler zu, Milady. Dass die Nachricht über den Tod des Prinzen nach draußen gelangt ist keine Frage des Ob, sondern das Wann", stellte Maxwell mit nüchterner Stimme fest. Manchmal verwunderte ihn die Realitätsferne der Adligen. Selbst der Kanzler schien mit seinem fortgeschrittenen Alter deutlich klarer im Kopf zu sein als so mancher Lamettaträger, der seinen breiten Hintern auf einen der Herrensitze pflanzte. Irgendwann würde sich irgendjemand in irgendeiner Taverne verquatschen. Das war ebenso sicher, wie dass am nächsten Morgen die Sonne wieder aufging.
"Es ist unmöglich alle Ausgänge und alle Diener, die das Gelände verlassen zu überwachen. Ich habe kaum genug Leute, um alle Schichten voll zu besetzen, von den anderweitigen Pflichten ganz zu schweigen." Das war ein wenig verborgener Seitenhieb auf das ihm zustehende Budget, das erst vor ein paar Monaten wieder einmal gekürzt worden war.
"Wenn die Bürger die Nachricht aus einer anderen Quelle als über die offiziele Stimme des Palastes erfahren, dann öffnen wir Verschwörungstheoretikern Tür und Tor."

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   Do 31 Mai 2012, 22:44

Wieder sass Mareus an einem Tisch vor sich ein wahres Buffet an essen, an dem er sich gütlich tat. An das Leben in der Hauptstadt könnte er sich gewöhnen, keine Regierungsgeschäfte, keine Bittsteller und auch keine lästigen Pflichten, bei Feiern und Zeremonien aufzutreten. Zumindest deutlich weniger. Ab und zu wurde ihm natürlich immer wieder etwas aus Sevenseas zugetragen, aber insgesamt machten sich seine Frau und sein ältester Sohn Marekk sehr gut in Sachen Regierunsgeschäften. aber wenn alles so lief, wie der Lord es sich das vorstellte, wäre wohl auch bald die Ruhe hier in Harvengard vorbei. Aber das wäre in dem Fall gar nicht so schlecht.
Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, während er den Schreiber zu sich winkte, der bisher an der Wand gestanden hatte, untertänig den Kopf nach vorne geneigt. Schnell trat er näher und auf ein weiteres Zeichen des Fürsten hin nahm er Pergament, feder und Tinte aus der Mappe, die er bei sich trug und bereitete sich schnell darauf vor, einen Brief zu verfassen.
"Schreib", Mareus trank sein Weinglas leer, "einen Brief. An Joleen Dingens. Die Hure des Königs. Sehr geehrte... du kennst das ja... Sie sei, zusammen mit ihrem Bastard, heute Abend eingeladen, hier mit mir zu speisen. Um wichtige Dinge, die Zukunft ihres Sohns und ihrer selbst betreffend, zu besprechen. Schön ausgeschmückt und dann meinen Namen drunter. Mitsamt den Titeln. Und dann gib mir das Ding, um es zu unterschreiben. Und bereite Wachs vor. das blaue."
Während der Schreiberling eilig schrieb, griff Mareus sich ein gebratenes Hühnchen und biss gierig hinein, Fett triefte auf den Tisch. Als er sich schon der nächsten Speise zuwandte, einem Kuchen, über und über mit Schokolade überhäuft, unterbrach ihn der Schreiber und hielt ihm den fertigen Brief zum Unterschreiben hin. Mit noch fettigen Fingern griff er die Feder und setzte seine Unterschrift darunter, wobei ein Fettfleck eben diesen zierte. Dann gab er dem Schreiber eienn Wink, der den Brief einmal faltete und in einen Umschlag schob. Dann liess er wachs darauf tropfen und Mareus drückte seinen Siegelring mit dem Wappen der Salveid, einem siebenköpfigen Fisch hinein.
"Fertig. Lass das einen Boten zu dieser Frau bringen und gib in der Küche Anweisung, sie sollen ein Festmahl vorbereiten. Und jemand soll Mareen sagen, dass sie sich für heute Abend hübsch machen soll."
Mit einem letzten Wink entliess er den Schreiber und wandte sich seinem Kuchen zu.
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   So 03 Jun 2012, 14:04

Wie ein gefangener Tiger zog die Priorin der himmlischen Kirche von Harvengard ihre Kreise durch das Arbeitszimmer. Die Kerzen warfen den Raum in ein düsteres Licht, die schweren Vorhänge hielten das Tageslicht draußen. Sie blieb vor dem Kamin stehen, in dem die Kohle nur noch vor sich hin glühte. Sie fühlte sich genau wie die Kohle – bereit, entfacht zu werden und doch ohne Antrieb, sie hatte all ihre großen Aufgaben erfüllt. Die Kathedrale war fertiggestellt. Das Vermögen der Kirche war so groß wie nie zuvor und die Massen folgten den Predigern. Die Ketzer und ihre Erdenmutterkulte, die Menschen opferten für eine gute Ernte und anderen Stuss, waren nur noch in weit entfernten Kuhdörfern zu finden. Bis diese zerschlagen wurden war es nur eine Frage der Zeit. Für sie selbst aber gab es einfach nichts mehr zu tun. Ihr Leben lang war sie wie ein Hamster im Rad gelaufen, immer ein Ziel vor Augen. Aber jetzt war die Karotte verschwunden, nichts trieb sie mehr an. Sie brauchte ein Zeichen des Herrn, damit er ihr ein Ziel setzte. Sie schloss die Augen, um ein Gebet zu beginnen, doch bevor sie auch nur Ruhe gefunden hatte, klopfte es an der Tür. Wer störte sie um diese Zeit? Es musste schon jemand gestorben sein, wenn sich jemand erdreistete, an ihre Türe zu klopfen. Sie wandte sich vom Kamin ab, ging auf die Tür zu und öffnete sie. Einer ihrer Boten stand dort, flankiert von zwei ihrer persönlichen Wachen. „Was gibt es so dringendes?“ Herrschte sie ihn an.
„Verzeiht, dass ich euch störe, Heilige Mutter, aber ich bringe wichtige Kunde aus dem Schloss. Man hat es noch nicht öffentlich bekannt gegeben, doch ich habe es von einem der Lords erfahren…“
„ Kommt zum Punkt!“
„Prinz Norvas ist gestorben.“
„Was?!“
„Ja, Heilige Mutter. Er starb im Norden, während der Schlacht von Torrend.“
„Sonst noch etwas?“
„Nein, das war alles, was ich in Erfahrung bringen konnte.“
„Gut, ihr könnt gehen.“
Mit einem Wink entließ sie den Boten – oder Spion, wie manche ihn nennen würden. Aber die Kirche musste wissen, was im Thronsaal vor sich ging. Wenn das kein Zeichen des Herrn war, wusste sie auch nicht weiter. Sie wandte sich von der Tür ab, die die Wachen hinter ihr schlossen. Der Prinz war tot. Das war die Gelegenheit, auf die sie gewartet hatte. Der König war alt und grau, einen anderen Nachfolger gab es nicht. Der Hof würde im Kleinkrieg um die Nachfolge versinken, wenn sich Lords und Schlimmeres um den Thron zankten. Aber das Volk stand hinter der Kirche wie es hinter Prinz Norvas gestanden hatte. Entweder würde sie sich einen schwachen Kandidaten suchen und diesen unterstützen, um ihn dann zu manipulieren. Oder sie könnte… Ja, sie könnte tatsächlich die Kirche zum Herrscher machen. Dadurch würde der Herr zum geistlichen und weltlichen Herrscher werden, etwas, das längst überfällig war. Und sie konnte seine Streiterin werden, die dies erreichte. Ein Reich des Herrn auf Erden…
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   So 03 Jun 2012, 21:50

Die Einschätzung der beiden Männer war, gelinde gesagt, ein Schock für Joleen. Sie führte ihr deutlich vor Augen, wie wenig sie doch vom Leben außerhalb des Hofes wusste und schlecht sie darin war, die wahre Brisanz dieser politischen Lage einzuschätzen. Wie es aussah war es noch viel schlimmer, als sie befürchtet hatte. War der neue König - wer auch immer es werden mochte - vielleicht gar nicht einmal die ärgste Sorge, die sie haben musste? Die Gedanken rasten durch Joleens Kopf. Immer mehr wurde sie sich ihrer eigenen Hilflosigkeit bewusst. Und es war kein angenehmes Gefühl. Das sorgenfreie Leben, das sie mehr als Hälfte ihrer Jahre hier geführt hatte, schien von einem Tag auf den anderen geendet zu haben. Und was Prinz Norvas' Tod darüber hinaus bedeuten mochte, das wollte sie sich gar nicht so genau vorstellen.
"Wird... wird das Volk die Waffen gegen den Adel erheben wenn die Mächtigen hier in Zwistigkeiten versinken?", wandte sie sich an den Kanzler. Angst flackerte nun ganz unverkennbar in ihren Augen auf und auch ihre Stimme brachte sie zum Beben. "Und ihr, Hauptmann", wandte sie sich an den Offizier, "Werdet ihr uns beschützen wenn ein Aufruhr ausbricht? Ihr könnt uns doch beschützen, oder?"

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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   So 03 Jun 2012, 22:00

"Wir wollen mal nicht den Teufel an die Wand malen.", sagte Johann beruhigend und lächelte wohlwollend. "Noch ist es nicht so weit. Wir müssen erst mal abwarten, wie das Volk die Nachricht überhaupt aufnimmt, erst dann ist die Zeit reif für Schlussfolgerungen. So lange müssen wir einfach abwarten und dürfen keine überstürzten Aktionen wagen. Damit würden wir dem Feind genau in die Hände spielen. Als erstes muss das Volk unterrichtet werden, so bald wie möglich."
Doch Johann machte sich mehr Sorgen, als er vor Joleen zugab. Es gab da einige Subjekte, die der Kanzler wirklich als 'brandgefährlich' einstufte, gierige, machthungrige Geschöpfe, die nur an das eigene Wohl dachten und nicht das Lande. Solche Kreaturen musste er unter allen Umständen vom Thron fernhalten. Nicht auszudenken, wenn eines von Diesen an die Macht kam. Das würde eine dunkle Zeit einläuten.
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Lias
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BeitragThema: Re: [MSG] A game of thrones   So 03 Jun 2012, 22:55

"Ich werde zumindest alles in meiner Macht stehende nicht unversucht lassen", versuchte Maxwell Joleen mit fester Stimme zu beruhigen. Es war nie seine Absicht gewesen die Adlige zu verängstigen. Über ihre Frage hingegen musste er eine Weile nachdenken. Mit ungewohntem Takt entschloss sich der Hauptmann der Adligen die Wahrheit zu verschweigen. Er hatte kaum dreihundert Mann unter seinem Kommando. Sollte die Stadtbevölkerung aufbegehren, so würde sie die Königswache hinwegfegen, wie ein Blatt von einem Wirbelsturm verweht wurde. Die Wache würde keinen halben Tag bestehen.
"Ich empfehle eine ruhige Rede, die die Fakten klar darlegt. Ihr dürft keinen Platz für Zweifel lassen, Kanzler", merkte Maxwell an, wobei er versuchte ausnahmsweise einmal keine versteinerte Miene zu zeigen, sondern ein freundliches Lächeln.

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