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 Südwärts [MSG-Thread]

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Porphyrion
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BeitragThema: Südwärts [MSG-Thread]   Fr 03 Aug 2012, 16:12

((Nach langem Warten geht es endlich los! Viel Spass!))



Eine Seereise kann lange dauern, kurz dauern, oder auch auf dem Grund des Meeres enden. Manchmal kommt man am Schluss sogar pünktlich da an, wo man hin wollte.
Im vorliegenden Falle war das leider nicht so. Und während sich ein Teil der Reisegruppe, deren Geschick wir später verfolgen werden, vollkommen seekrank in den Hängematten wälzte, ein Teil von ihnen die Chance der rauen See wahrnahm und sich an Deck in die hinaufspritzende Gischt stellte, um den tropischen Temperaturen unter den Planken zu entkommen, und vielleicht eines Tages tatsächlich am Horizont den Zielhafen zu erkennen, und wieder andere ihre Zeit mit Spielen verbrachte, die nach einer gewissen Zeit nur langweilig werden konnten – Ja, da verging die Reise. Und eines Tages rief der Ausguck, und am Horizont zeichnete sich das Licht des Leuchtturms von Al-Adra Pagea ab. Es war später Abend, und so konnte man wenig außer dem hellen Leuchtfeuer und dem matten Glimmen am Horizont, das die Lichter der Stadt werden sollte, erkennen.

Das kümmerte Anton alles nicht. War er die ersten Tage noch seekrank gewesen, so verwandelte sich mit dem Verlauf der Reise seine Vorfreude in eine mächtigere Kraft als seine körperlichen Gebrechen. Bald stand er auf dem Deck, dehnte sich, übte Fechten, schade nur dass D'Lemanet unfähig war, seine Seekrankheit zu überwinden, sonst hätte er einen Partner gehabt. Aber das würde an Land schon werden. Und Schattenfechten hatte durchaus auch seinen Reiz.
Das alles also, was ihn zurückhielt, Gedanken an Zuhause, Pflichten, Ängste (Auch wenn er davon wenig hatte), fiel mehr und mehr von ihm ab, bis er nur in die Zukunft blickte – und sich auf die Reise freute. Die gesellige Runde unter Deck, die, sobald es dunkel wurde und auch kein Mond am Himmel stand, die im gespenstischen Sternenlicht wogende See zu erhellen, zusammenfand, um Geschichten und Hoffnungen auszutauschen, hatte ihn schon näher, wenn auch nicht perfekt nah an seine Mitreisenden herangebracht. Aber das war noch nicht so wichtig, das würde bestimmt noch werden. Seine Freunde hatte er mitgebracht, und die er noch nicht kannte, würde er kennenlernen.

Also – die Lichter der Stadt. Je näher dass Schiff im wogenden Gang, stampfend beinahe, an den Hafen herankam, desto offensichtlicher wurde, dass dies nicht eine der Städte war, wie man sie im Norden kannte. Wäre man auf dem Ausguck gestanden, hätte man an den hier und da von Fackeln, Leuchtkäferkäfigen, oder schlicht Feuerstellen erleuchteten Strassen und Gassen bereits den ersten Unterschied bemerkt. Während die Städte des Nordens quasi kreisförmig um eine Burg oder einen Hafen entstanden, so war diese Stadt wie am Reissbrett entworfen. Ein schachbrettförmiges Muster zeichnete sich gegen den Horizont ab und lag wie eine gleichförmige Masse im Flussdelta des Adra, der Lebensader dieses Landstriches.
Der zweite Unterschied bestand in der Architektur, die dieses Schachbrett wie Figuren bevölkerte. Lag der Leuchtturm auf einem vorgelagerten Damm noch relativ isoliert, standen hier die Häuser der Stadt eng zusammen, die der Reichen aus Kalkstein oder aber die der Armen und Mittelklasse aus Lehmziegeln, mit den paradigmatisch herausstehenden Holzstreben. All das hätte man sehr früh vom Ausguck erkennen können.
Vom Schiff aus zeichnete sich lediglich eine von ab und beleuchteten Türmen verschiedener Familien oder Göttertempel durchsetzte Silhouette der Häuser ab.

Mit großen Augen betrachtete Anton also, am Bug stehend, was sich da vor seinen Augen aufbaute. Dann hetzte er unter Deck, um die anderen aufzuwecken.
"Leute! Leute! Wir sind da!"
Die Spannung war seiner Stimme deutlich anmerkbar. Nun hatte sich nach guten drei Wochen des Wartens doch noch endlich das gute Ende eingestellt! Jetzt ging es richtig los!
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Grim
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 00:45

Es war nicht so, dass Martyn geschlafen hätte: Raphael war derjenige von ihnen, der seit kurz nach Beginn der Reise das Bett hütete - oder das, was man hier an Bord als Bett ansah - und sich nur bewegte um das wenige, was er unter Mühen hinunter gewürgt hatte, wieder lautstark von sich zu geben. Aber seit sie in die südliche See vorgedrungen waren und die unbarmherzige Sonne ihm innerhalb weniger Stunden an Deck die Nase in ungesundes Krebsrot verfärbt hatte, auf das der Koch auf Gut Hohenwalchen nur mit Neid hätte blicken können, zog Martyn es doch vor, sich im verhältnismäßig kühlen Halbdunkel des Schiffrumpfs herum zu treiben. Antons freudiger Ausruf, der ihnen glatt die Nachricht des Ausgucks ersetzte, freilich, ließ auch ihn hochfahren und so zügig, wie das eben mit seiner Würde vereinbar war, an Deck hasten. Gehüllt in die luftige Südländerkluft, die die Mannschaft des Schiffs ihm überlassen hatte und sich mit dem breitkrempigsten seiner Hüte so gut wie möglich vor der Sonne schützend schritt er zur Bugreling hin aus und tatsächlich: da lag sie. Al-Adra Pagea, die weiße Stadt, das Juwel an der spiegelnden See. Martyn hatte viel über diese Stadt gehört - von Händlern, von Reisenden, von Meister Al-Khalasi, dem Vertreter eines der zahlreichen Handelskartelle in Bernhaven - doch wie üblich konnten die Erzählungen der Realität nicht gerecht werden. Da lag sie vor ihm: ein Streifen weißen, im Licht der Abenddämmerung schimmernden Steins, fremdartig und verzaubert, voller Verlockungen, erfüllt vom Ruf des Abenteuers. Ein seliges Lächeln breitete sich auf Martyns Zügen aus. Da waren sie. Angekommen. Am Ziel!

Sie passierten den Leuchtturm und liefen in den Hafen ein. Seeleute in leichten Hosen und ärmellosen Hemden turnten heckisch durch die Takelage, refften die Segel, zerrten an einem Gewirr von Leinen, das zu überblicken Martyn längst aufgegeben hatte. Gemächlich, mehr und mehr an Fahrt verlierend, hielt die 'Wellentänzer' auf die breiten, steinernen Piers zu, die sich wie die Finger einer gewaltigen Hand in das Hafenbecken hinein streckten. Die Häuser, die den Hafen säumten, wirkten wie aus einem Märchen: die Wände hell und unverputzt, die Türen nur von dichten Perlenvorhängen verschlossen, die Dächer flach und ohne Schindeln, dafür jedoch vielfach von Ballustraden umgeben und hätte er von seinem Posten am Bug aus auf sie sehen können, Martyn war sicher, er hätte geschäftiges Treiben auf diesen beobachtet. Begierig sog er den Geruch des Hafens in sich ein. Da waren die Düfte von Salz und frischem Fisch im Wind, wie sie typisch für wohl jeden Hafen dieser Welt waren, doch da war noch mehr: eine Note von Zimt und Koriander, der süße Hauch von schon leicht fauligen Datteln und fein unter all dem jener schwer einzuordnende, aber jeder Stadt ganz eigene Duft nach Menschen. Ein jeder einzelner vertraut und doch in der Mischung so gänzlich fremd, so exotisch. Und erst die Geräusche! Da war das Rauschen der Wellen, die gemächlich gegen das Kai anrollten und sich am Stein der Hafenmauer brachen. Aber da war noch mehr! Ein Summen und Brummen wie von einem Bienenstock: das aus der Ferne undeutliche Geräusch des pulsierenden Lebens. Die Summe all dieser Sinneseindrücke war schlichtweg überwältigend.
Und dann legten sie an. Leinen flogen über die Reling, wurden am Pier von diensteifrigen Händen aufgefangen und festgemacht und die 'Wellentänzer' kam zum stehen. Planken wurden hinüber geschoben, zu einer träge im Takt der Wellen mit dem Schiff schaukelnden Brücke geformt. Der Kapitän, ein untersetzter, kleiner Mann mit eindrucksvollem Backenbart und Ringen an jedem einzelnen seiner Finger, baute sich neben dieser auf und bedeutete seinen zahlenden Passagieren mit ausgesuchter Höflichkeit und breitem Lächeln, an Land zu gehen, unzweifelhaft in der Hoffnung auf ein sattes Trinkgeld zum Ende der Reise. Doch selbst dieses speichelleckerische und leicht zu durchschauende Verhalten konnte Martyn in diesem Moment nicht die Laune verderben. Eine goldene Talermünze aus seinem Beutel hervor kramend trat Martyn auf ihn zu und drückte sie dem Mann in die Hand. "Empfehlt uns einen guten Gasthof, Herr Kapitän, und veranlasst, dass unser Gepäck dorthin gebracht und uns Zimmer gerichtet werden", ordnete an während die Finger des Seemanns sich reflexartig um das Geldstück schlossen.

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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 11:04

"Zuhause" war nicht das Wort, das Saadia al-Khalasi durch den Kopf schoss als sie die Küstenstadt am Horizont näher kommen sah. Von allen in der kleinen Gruppe Reisender, war sie diejenige, die hier wohl am meisten hingehörte und das doch am wenigsten wollte. Für jeden Menschen im Norden stand in ihrem Gesicht Kamele geschrieben und doch fühlte sie sich den kalten, regenverwaschenen Straßen und zerklüfteten Küsten Bernhavens mehr verbunden als der vor angestauter Hitze flirrenden, anscheinend makellos weißen Stadt über dem in der Abendsonne funkelnden Meer. Sicher, der Anblick war unvergleichlich schön und hätte wohl einen enthusiastischen Pinselschwinger zu einigen raschen Skizzen veranlasst, aber er war nicht Zuhause. Die Wellentänzer hatte Gischt und Wellen widerstanden, um sie an ihr Ziel zu bringen und Saadias erste Gedanken waren von einer gewissen Bitternis. Das Schiff hatte eigentlich besseres verdient. Die Abendsonne war kein Problem für Saadia, noch nie gewesen. Ihre Gewandung schützte nicht nur zuverlässig vor Blicken, sondern auch vor der Sonne.
Die letzten Wochen waren nicht grade ein guter Auftakt für die Reise gewesen. Trotz einer gewissen Erfahrung mit Seereisen hatte Saadia sich unwohl gefühlt. Ihre sonst haselnussbraune Haut hatte um die Nase eine ungesunde Blässe angenommen und dunkle Augenringe zeugte von zu vielen durchwachten Nächten, die sie hauptsächlich in ihrer Kabine mit dem Kopf über einem Schmutzeimer verbracht hatte. Selbst wenn der Magen leer war, ließ sich der Würgreiz nicht beirren, sondern vollführte weiter munter fröhlich seine Arbeit, zulasten von Saadia. Erst vor ein paar Tagen hatte sie sich das erste Mal an Deck sehen lassen und hätte doch beinahe sofort wieder über der Reling gehangen. Die Seeleute hatten gelacht und mit den Achseln gezuckt. Jeder war anders, was die Wellenkrankheit anging, wie sie sagten.

"Endlich", bestätigte Saadia mit einem dankbaren, leisen Murmeln Antons Meldung. Vorsichtig kam auch sie an den Bug herangeschritten. Es würde gut tun endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Martyn, ganz Geschäftsmann, unterhielt sich bereits mit dem Kapitän und veranlasste ihre Unterbringung. Saadia bedankte sich bei dem Kapitän mit einer Silbermünze und einer Verbeugung, wie sie es von ihrer Mutter beigebracht bekommen hatte. Der Kapitän erwiderte die Geste.

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Basol
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 13:50

Auch Theodor kam bei dem Ruf freudig herausgeschritten. Endlich konnten sie diesen grauenvollen Kahn verlassen. Zwar das Meer herrlich und hatte ihm einige wunderbare Eingebungen und Skizzen beschert, doch er hatte sich echt zusammennehmen müssen, sich nicht über das Papier zu erbrechen. Und die entsetzliche Seekrankheit hatte eine eigentlich schöne Reise in eine schreckliche Tortur verwandelt.
Naja, es konnte nur besser werden. Und das wurde es auch, denn der Anblick, der sich dem ehrgeizigen Künstler bot, war überwältigend. Sofort zog er seinen Zeichenblock und Bleistift und versuchte hastig, die Umgebung zu Papier zu bringen. Sicher, er konnte nicht alles aufzeichnen und für die Skizze würde er Geld bieten müssen, dass er sie loswurde, aber sie diente ja nur als Gedächtnisstütze und würde zu Hause zu einem fantastischen Gemälde werden.
"Welch famoser Anblick.", sagte Theodor, während er sich umsah, dann zeichnete er weiter. Er gab sich keine Mühe, dass alles gut aussah und es war derart detaillos, dass er zu Hause sicher einiges hinzufügen musste (wonach das Bild sicher ganz anders aussah als das Original), doch die Inspiration hatte er auf jeden Fall und damit hatten sich die Reise und alle damit verbundenen jetzt schon gelohnt, ganz zu schweigen von alldem, was noch auf sie warten würde.
Während Theodors Schwager dem Kapitän ein Trinkgeld schenkte und von einem Gasthof redete (wobei er dem Künstler automatisch Lust auf Alkohol induzierte) zeichnete der kleine Mann noch schnell etwas, dann packte er seinen Block wieder ein (er bedauerte es sehr, doch während dem Gehen war es doch reichlich umständlich und er würde noch genug Gelegenheit zum Zeichnen haben), dann gab er auch eine Münze mit den Worten und einem freundlichen Lächeln: "Ihr wisst doch sicher, was der beste Trophen dieser schönen Stadt ist, oder?"
Es würde sicher ein großartiger Abend werden, jetzt, wo sie sich endlich von der Seekrankheit verabschieden konnten.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 18:10

Wie Iakob feststellen musste, hatten Seereisen ihren ganz eigenen Charme. Es war nicht das Würgen und Stöhnen jener, die sich in Eimer erbrachen und sich nicht an Deck blicken ließen, nicht die salzige Seeluft, von der er mittlerweile trockene Lippen bekommen hatte, nicht einmal das Essen, das der Luft im Salzgehalt um nichts nachstand - die Tatsache, dass man sich dem Aufbruch nicht entziehen konnte, das reizte den jungen Mann. Auf Wanderschaft konnte man einfach irgendwo ein paar Tage nächtigen, war innerhalb kurzer Zeit wieder im alltäglichen Trott angelangt, doch auf einem Schiff konnte man nicht einfach weg. Man war auf den hölzernen Kahn begrenzt, fühlte immer und überall das sanfte Schuckeln der Wellen, welches manche Mägen verwirrte (seinen nicht, er dankte den Göttern dafür), die Erinnerung daran, dass man mittendrin war, mitten in der Reise, war allgegenwärtig. Und regte zum Träumen an. Oft lag er im Schatten gespannten Segels und schaute in den langsam vorbeiziehenden Himmel, gab den Wolken Formen, als wäre er ein Gelehrter, der genau verstand, was all das dort oben zu bedeuten hatte. Als Resultat der intensiven Bräunungskur hatte er einen dunkleren Teint angenommen, wohingegen die dunkelblonden Haare von der Sonne geblichen zu sein schienen. Das gab einen netten Kontrast, doch es interessierte ihn nicht wirklich - schon gar nicht an diesem Tag!

Antons Ausruf lockte den dösenden Mann hinter einem Fass hervor. Er brauchte einige Sekunden, bis er sich an die Sonne gewöhnt hatte und wieder in die Realität gelangt war - länger als er wirklich brauchte, denn für einen Augenblick hielt er die in der Ferne auftauchende Stadt ebenso für einen Traum wie die junge Frau, die mit ihnen reiste und in seinem Traum aufgetaucht war. Saadia. Iakob schmunzelte leicht, als er die Arme streckte, hielt jedoch in der Bewegung inne, da er nun endlich sah, was Anton zum Ausrufen bewegt hatte: Sie waren da! Mit einem Satz stand er auf dem Fass, stieß einen überschwänglichen Jubellaut aus und preschte dann vorwärts, um einen näheren Blick auf die Umgebung zu werfen. Sie war wunderschön. Perlenvorhänge, weiße Häuser, Wasser, das trotz Hafengeschäften so klar war, dass man den Grund zu sehen glaubte. Mit funkelnden Augen hing er am Anblick, an all den Sinneseindrücken, die sich mit einem Mal über ihn ergossen. Die Fahrt auf dem Schiff war wie ein Exil gewesen, das wurde ihm nun bewusst - und wie sehr hatte er sich danach gesehnt, wieder fremde Menschen zu sehen, dorthin gehen zu können, wo man wollte...Zu feiern und zu tanzen! Martyn bestellte ihr Gepäck in ein Gasthaus, was Iakob mit einem freundschaftlichen Schulterklopfer quittierte, dann drängte er sich vorbei, auf die Planke. Der Kapitän, der ihn mit feindseligem Blick bedachte, erhielt ein "Mein Bruder bezahlt!" - dann war er wieder eingefangen von all den Eindrücken, eingelullt wie in ein Spinnenetz. Verdammt, sie mussten gleich los! Es gab soviel zu sehen!
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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 18:53

http://www.youtube.com/watch?v=vCWZX6vhRWk

Anton war eine ganze Weile nur an der Reling gestanden, hatte die mit seltsamen Gewürzen, Teergeruch von den frisch kalfaterten Schiffen, und so vielen anderen Gerüchen angereicherte Luft tief eingesogen, um dann zu Martyn herüberzutreten, der mit dem Kapitän gerade das Trinkgeld abwickelte. Eine Nacht in der Stadt war unausweichlich, nur wie verbrachte man sie am besten? Er wollte noch nicht schlafen gehen. Nicht jetzt. Nicht, wo vor seinen Augen bärbeissige, säbeltragende Seemänner die Hafenmauer entlangliefen. Nein, er würde irgendwohin gehen. Die Schmieden der Stadt, so es welche gab - und es musste sie geben! - würde er morgen ansehen. Heute ging es darum, die Nacht auszunutzen. Also am besten mit Iacob irgendwohin. Und Theo mitnehmen.
"Martyn, Theo? Ich werde mit Iacob ein wenig die Stadt ansehen. Kommt ihr mit?" - Das hatte Eile, denn der Blondschopf war schon auf die Hafenmauer hinabgestiegen und drohte, allein im Gedränge zu verschwinden. Andererseits war er nicht schwer zu übersehen.
"Kapitän, was ist der Gasthof, den ihr empfehlt? Und seid ehrlich mit uns. Ich will nicht bei eurem Schwager landen, ausser er hat die weichsten Betten von Al-Adra."
In seiner Stimme schwang keine Bedrohung, nur ehrliche Ermahnung. Jemand wie Anton musste nicht drohen, er wirkte natürlich autoritätsvoll. Hoffte er zumindest. Hatte bisher immer geklappt.
"Die Herberge von Anwa der Löwin ist gut. Und ich verspreche euch, dass das kein Bordell ist, oder ich mir irgendetwas davon verspreche. Südliches Handwerkerviertel.", schnaubte der Kapitän, "Ich hoffe, ihr könnt Pagon, denn sonst kommt ihr nicht weit hier unten."
Pagon, das war die Sprache des Südens. Letztes Überbleibsel des Pagaenreiches, das vor einigen hundert Jahren gefallen war. Al-Adra Pagea war die Hauptstadt gewesen. Zumindest, wenn Anton seinen Büchern vertrauen konnte. Viel mehr wusste er aber nicht, er las nicht gern. Und ja, er hatte zuhause Pagon gelernt. Leidlich. Aber das würde er dem ohnehin schon gereizten Seefahrer nicht unter die Nase binden müssen, da es weder zu seiner Ehre noch zur Erbauung des Mannes zutragen würde - Manchmal hielt man besser die Klappe.
"Anwa die Löwin? Alles klar. Habt Dank." - Er zog seinen Geldbeutel und drückte dem Kapitän ein Silberstück in die Hand, und schon war er mit einem "Warte, Iacob!" in den Menschenmassen abgetaucht. Der Blondschopf war nur knapp fünfzig schritt vor ihm, aber um dorthin zu kommen, musste er durch den Hafenverkehr. Und er fiel schon so genug auf.
Sein Auftreten erntete allerdings kaum Blicke. Anscheinend war hier jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ein Nordländer wie er kaum auffiel. Um so besser, dachte der Schmied, als er den jungen Roldehn erreicht hatte. Er legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Wart mal, Giacomo. Theo will auch noch mitkommen. Vielleicht Martyn. Wo willst du überhaupt hin?"
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 04 Aug 2012, 22:46

Pagon? Nun, die Sprache würde das geringste Problem darstellen. Sie hatten Saadia dabei, die die Sprache aus ihrem Elternhaus her kannte, er selbst beherrschte sie leidlich - gut genug um durch zu kommen, wenngleich nicht fließend - und wenn er sich nicht ganz irrte, dann verstand auch Anton ein paar Brocken der Sprache der Südlande. Nein, solange sie sich in Al-Adra aufhielten würden sie sich keine Gedanken um die Sprache machen müssen. Doch wie das wohl weiter im Süden aussah? Martyn hatte keine Ahnung, wie die Menschen sich jenseits der Grenzen des alten Pagaenreichs unterhielten, doch er hatte aus Reiseberichten anderer Männer erfahren, dass es lediglich ein verhältnismäßig schmaler Streifen entlang der Küste war, in dem die Sprache der Pagaen vorherrschte. Nun, sie würden schon sehen. Für ein paar Tage würden sie in jedem Fall hier bleiben. Al-Adra hatte so viel zu bieten! Eine Handelsstadt, ein großer Umschlaghafen, in dem Menschen aus aller Welt aufeinander trafen und exotische Güter aus allen Ecken der Erde gehandelt wurden. Morgen mussten sie auf den Basar gehen! Und heute Abend? Nun, zuallererst mussten sie Raphael in dieses Gasthaus bringen. Der junge Adlige, da war Martyn sich sicher, würde heute nichts mehr anschauen. Und am besten würde Tori dann auch gleich dort bleiben. Was auch immer Anton vor hatte, Martyn bezweifelte, dass es weise wäre, wenn sein Mündel dabei wäre.
"Ich... Anton!" Ehe er auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte war der Waffenschmied davon gestürmt, warf sich in die Menge der Menschen, die den Kai auf und ab liefen, Iacob hinterher, der es scheinbar gar nicht erwarten konnte, endlich in das pulsierende Leben von Al-Adra zu stürzen. Die Augen verdrehend und mit einem entnervten Zucken um den Mund, der die geschundene Haut auf seiner Nase unangenehm ziehen ließ, folgte Martyn dem Saufkumpan seines Schwagers gemächlicher die Planken hinab, gab es dann jedoch rasch auf, ihm nacheilen zu wollen. "Ach verdammt...", brummte er vor sich hin, wandte sich dann wieder dem Schiff zu, "Tori! Hierher! Du bleibst erstmal bei mir..."

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 05 Aug 2012, 16:53

Die Gruppe um Anton und seinen Dunstkreis war beinahe sofort die Gangway hinunter und hatte sich ins Gedränge des Hafens gestürzt, wo sie unweigerlich zwischen den Menschen aus der Sicht verschwanden. Saadia seufzte. Nach allem, was sie gehört hatte, war dieses Verhalten nicht unbedingt untypisch für die jungen Männer. Immerhin war Martyn noch, der immerhin Sorge für die junge Tori trug. Sie waren also nicht alle hirnlos, was schonmal schön war.
"Lass sie gehen, Martyn", empfahl Saadia mit ruhiger Stimme. Die Frau sog die unbekannten Gerüche des Hafenviertels ein, Salz, Fische, zuviele Menschen auf einem Haufen und ein Hauch ihr nicht ganz unbekannter Gewürze. Ihre Mutter kochte mit einigen davon und zumindest Curry ließ sich herausriechen. In der gemischten Menge am Kai fielen weder der Nordener noch Saadia sonderlich auf.
"Wollen wir uns das Gasthaus ansehen? Dann können wir auch prüfen, ob unser Gepäck angekommen ist."

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 05 Aug 2012, 17:57

"Hum?" Mit einem leicht erschrockenem Zusammenzucken bemerkte Iakob, der völlig im Rausch der Menge unterzugehen drohte, Antons Hand auf seiner Schulter und wandte sich um. Als er jedoch sah, dass es nicht etwa ein Taschendieb war, der ihn beklauen wollte, sondern nur sein besorgter Freund, lächelte er breit. "Theo auch? Warum nicht? Ich weiß nicht, wo ich hinwill - hast du denn eine Idee?" Es war Abend - auf welche Ideen er abzielte war wohl in seinem Blick zu lesen, deshalb verzichtete er aus Diskretion darauf, dass er nichts mehr lieben würde als ein gutes Getränk, etwas fremde Musik und eine kecke Südländerin in einem weichen Bett. Wahrscheinlich hatte Anton gerade was das mit dem Trinken betraf ähnliche Vorstellungen, und Theo erschien auch recht lustig. Martyn..."Der soll sich mal nicht so haben." In seinem Blick war abzulesen, dass er es nicht böse meinte - er war einfach zu gespannt darauf, was nun kommen würde. Hatte Anton nicht etwas parat...?
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 05 Aug 2012, 18:44

Schliesslich tauchte auch Tori aus dem Bauch des Schiffes auf, in dem sie die ganze Schiffsfahrt verbracht hatte, hauptsächlich über einen Eimer gebeugt. Der Ruf, dass Land in Sicht war, hatte nicht ausgereicht, um sie an Deck zu holen. Das ewige Geschaukel war ihr nicht gut bekommen und wenn sie sich doch mal auf Deck getraut hatte, war weit und breit nur das Meer gewesen, nur Wasser und Wellen. Diese Endlosigkeit hatte sie so sehr eingeschüchterte, dass sie sich für die ganze restliche Reise nicht mehr an Deck getraut hatte. Was wäre, wenn der Kapitän sich irrte und sie nie wieder auf Land stiessen? Dann würden sie so lange auf dem Meer herumirren, bis sie ihnen die Vorräte ausgingen und sie verdursteten. Die Vorstellung war schrecklich. Deshalb war sie lieber in ihrer Kammer geblieben und hatte so viel wie möglich geschlafen oder versucht, mit ihren kümmerlichen Lesefähigkeiten ihr Wissen über die Sprache, die Leute und die Besonderheiten dieses Landes aufzubessern, was ihr aber alles nicht so recht hatte gelingen wollen.
Übermüdet, mit dunklen Ringen unter den Augen und mit etwas wirren Haaren stolperte sie mehr über Deck, als dass sie ging. So schnell wie möglich versuchte sie die Planke an Land zu erreichen, fiel dabei fast hin, konnte sich aber noch fallen. Als sie schliesslich mit beiden Füssen fest an Land stand, atmete Victoria erleichtert auf und fuhr sich durch die Haare. Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihre Frisur in vollkommener Unordnung war, ganz anders, als sie es im Haus ihres Vormundes und Cousins gelernt hatte. Sie schlug die Hand vor den Mund und hielt nach eben jenem Cousin Ausschau. Martyn stand fast neben ihr und winkte sie zu sich. Schnell tat sie einen Schritt und hakte sich bei ihm unter.
"Ich... ich glaube... ich denke, das Gasthaus wäre... wäre eine gute Wahl", stotterte sie mit gesenktem Blick, um Saadia, eine ihrer Reisegefährten und die einzige andere Frau, zu unterstützen. als sie kurz aufblickte, fiel ihr erst die sonderartige, fremde Architektur dieses Ortes auf. Überall Bögen und Statuen - vor allem Götter, soviel erkannte sie noch, bei einigen wusste sie sogar die Namen und für was sie standen. Haus an Haus reihten sich die Gebäude überall, manche prächtig andere weniger, doch der Anblick versetzte Tori, die eigentlich kaum aus Bernhaven herausgekommen war, in grosses Erstaunen. Sie hatte nicht gewusst, das jemand so kunstfertige Dinge anfertigen konnte.
Als hätte sie Martyn, Saadia und die Unterwürfigkeit, die sie eben noch an den Tag gelegt hatte, vollkommen vergessen, liess sie ihren Blick mit offenem Kiefer und funkelnden Augen durch die Gegend wandern. Ja selbst das Meer machte ihr von hier aus keine Angst mehr, es sah viel mehr wunderschön aus, wie die Sonne es in ein letztes rotes Licht tauchte. Nachdem Victoria sich einmal um sich selbst gedreht hatte, fiel ihr Blick wieder auf Martyn. Schlagartig war ihr Erstaunen weg und sie starrte wieder auf den Boden.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 05 Aug 2012, 21:44

"Ich denke, wir suchen uns einen Ort mit was zu trinken, und netter Gesellschaft. Die paar Münzen, die ich grade in meinem Beutel habe, reichen für einen angenehmen Abend auf meiner Seite.", lachte Anton, "Frage mich nur, ob wir das auch finden. Mein Pagon ist ... naja, nicht rostig. Das würde voraussetzen dass ich es mal konnte. Es ist mittelprächtig.", der Schmied kratzte sich am Hinterkopf.
Ihm war mindestens genau so sehr wie Iacob danach, die Nacht heute nicht alleine zu verbringen. Und es musste doch möglich sein, hier in der Stadt ein Gesellschaftshaus zu finden! Diese Dinger waren überall... Anton fiel sein Vater ein, der für derartige Eskapaden seines Sohnes keinerlei Verständnis hatte. Schliesslich würde der Ältere Sohn - das war er! - den Betrieb übernehmen... Aber das scherte ihn gerade gar nicht mal so sehr. Sein Vater hatte ihn mit Geld hierhergeschickt, und er hatte vor, es sowohl lernend als auch feiernd auszugeben. Er hatte beim alten Al-Khalasi wechseln lassen, und die Pagaenmünzen würden ihn ein gutes Stück weit bringen. War auch kein Nutzen darin, sich jetzt zu viele Gedanken zu machen. Wo immer eine Schmiede herumstand, konnte er sich ein Zubrot verdienen.
"Ich würde sagen, wir gehen in eine Kneipe, und fragen uns von dort durch. Und nach der Seereise einen ordentlichen Schluck in den Magen zu bekommen, kann auch nur gut tun." Ein Zwinkern folgte. Er kannte den Charakter seines Saufkumpanen wohl, und auf See hatte er lange kein Mädel gehabt. Diese Energie musste in Trunkenheit und Ekstase umgewandelt werden. Und wo konnte man das besser als in dieser Hafenstadt? Eine Erinnerung verwandelte sich in einen Gedanken. Das Palastviertel! Natürlich. Al-Adra hatte verschiedene Viertel. Eines davon war das Palastviertel. Wenn man da keine erlesene Gesellschaft bekam, wo dann? - Er setzte nach: "Lass uns nach einer Kneipe oder einem Gesellschaftshaus im Palastviertel fragen. Ich denke, dort wird man uns noch am freundlichsten empfangen."
Er winkte Theo zu. Der sollte mal hinne machen, sie hatten eine Nacht zu erleben!
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 06 Aug 2012, 15:41

"Klar komm ich mit, Anton.", lächelte Theodor und folgte zögerlich seinem Kumpel, der schon echt ungeduldig war. Typisch Anton... Der Schmied war voller überschüssiger Energie und ihm mangelte es an sexuellen Abenteuern. Sicher würde er wieder in Bordell gehen. Theodor selbst hatte noch nie eines aufgesucht, das war doch total unsittlich! Eine Kneipe zu suchen und gute Alkoholika zu trinken sagte ihm hingegen wesentlich mehr zu. Allerdings trübte es seine Stimmung, als das Gespräch auf die hiesige Landessprache überging. Theodor konnte nicht so super Pagon sprechen, ein ein paar Sätze vielleicht, wohl konnte er 'Guten Tag' und 'Auf Wiedersehen' sagen oder auch einige andere Sachen, aber alleine in einem Gebiet, wo die Leute nur Pagon sprechen konnten, das würde er sich nicht trauen. Aber sie hatten ja gewissermaßen eine 'Einheimische' dabei, die dolmetschen konnte und der ein oder andere konnte auch ein paar Worte. Naja, Theodor glaubte nicht, dass sie in große Schwierigkeiten kämen.
So folgte Theodor Anton, er hatte mit seinem kleinen, untrainierten Körper wie immer Schwierigkeiten, dem trainierten und größeren Mann zu folgen, doch er ließ sich wie üblich nichts anmerken und legte einen zügigen und hastigen Gang ein, der ihn mit dem vor Ungeduld strotzenden Schmied mithalten ließ.
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Grim
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 06 Aug 2012, 22:17

"Zieh dir einen Hut auf. Oder binde dir ein Kopftuch um...", wandte Martyn sich an Tori als diese erschien, nicht unfreundlich, aber dennoch so bestimmt, dass deutlich wurde, dass er keine Widerrede dulden würde. "Es ziemt sich nicht für jemanden deines Stands, so unordentlich herum zu laufen. Außerdem sollst du dir keinen Sonnenstich holen. Und die Pageaner sehen es nicht gerne, wenn eine Frau unbedeckt herum läuft, auch nicht, wenn es eine Fremde ist..." Auch wenn Tori keine Frucht seiner Lenden sondern denen seines Onkels war sah er sie als seine Tochter an. Er hatte die Verantwortung für das Mädchen und er dachte gar nicht daran, zuzulassen, dass sie sich selbst oder sonst jemandem Schande machte. Vor allem nicht hier im Süden. Im Hafen von Al-Adra mochten sie noch gut in der Menge untertauchen, doch wenn sie erst einmal weiter im Süden waren würden sie als Nordländer auffallen wie bunte Hunde.
"Wir sehen uns das Gasthaus besser schon an bevor die Mannschaft unser Gepäck dorthin verfrachtet hat. Ich will Raphael so rasch wie möglich in ein Bett verbracht sehen. In ein Bett auf festem Boden...", ging er anschließend auf Saadias Vorschlag ein, "Am besten, wir besorgen uns eine Kutsche oder eine Sänfte oder was auch immer sie hier haben für ihn. Willst du vor zur Straße gehen und sehen, ob du etwas auftreiben kannst?"

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Vicati
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 06 Aug 2012, 23:10

Ein Kopftuch, natürlich! Wie hatte sie den Hut vergessen sollen, wenn Saadia hier in einem Vollkörperschleier herumlief? Sie hatte welche in ihrem Gepäck, aber dieses war, wie Martyn gerade erwähnte, bereits in der Verladung und vielleicht schon auf dem Weg ins Gasthaus. Und sie konnte jetzt nicht zurück auf das Schiff stürmen und ihre Koffer vor der Mannschaft durchwühlen! Nein, das gebührte sich nicht für jemanden ihres Standes, wie ihr Vormund es ausdrückte. Fahrig nickte sie und knickste sogar unterwürfig.
"Ich...ich werde mich im Gasthaus sofort umziehen", sagte sie. "Die Koffer sind sicher schon unterwegs und... und in einer Kutsche oder... Sänfte werde ich die Einheimischen bestimmt nicht verstören."
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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Di 07 Aug 2012, 01:43

"Natürlich. Bin gleich wieder da", bestätigte Saadia Martyns Bitte und bahnte sich ihren Weg durch die Menge. Die Menschen hier wirkten entweder unglaublich beschäftigt und hasteten zielstrebig und mit pflichterfüllter Miene durch die Menge oder aber sie priesen lautstark ihre Waren an. Das hier war natürlich nicht der Basar, von dem ihr Vater erzählt hatte, aber das hinderte einige Leute anscheinend nicht daran, direkt am Hafen Waren zu verkaufen. Ein verhutzelter Mann huschte vorbei, der sich eine gewaltige, silberne Teekanne auf den Rücken geschnallt hatte. Schläuche führten nach vorne, wo er ein Tablett trug, auf dem Teetassen standen. Saadia sah dem Mann einen Moment lang erstaunt nach, besann sich dann aber wieder auf ihren Auftrag.
Als sich die Menge auszudünnen und auf die angrenzenden Straßen zu verteilen begann, ließen sich auch auch endlich einige Kutschen und Sänftenträger finden. Saadia wählte eine Kutsche aus, deren Pferde etwas besser gepflegt aussahen als die der anderen. Der Kutscher grüßte mit einer knappen Verbeugung des Oberkörpers, was Saadia mehr reflexartig erwiderte.
"Was kann ich für Euch tun?", brummte der Mann, der wie Saadia bemerkte Bartstoppeln im Gesicht hatte. Saadia erklärte, dass sie mit vier Personen zu dem Gasthaus wollten.
"Nimm keine Sänfte, Mädel. Die sind viel zu teuer. Ein Silberling, für vier Personen und euer Gepäck, Vorzugspreis für Landsleute." Saadias nicht unbedingt freundliches Lächeln blieb zum Glück hinter ihrem Schleier verborgen.
Zufrieden kehrte sie zu Martyn zurück und verkündete stolz: "Ich habe eine Kutsche. Der Kutscher kennt den Weg und nimmt uns vier mit. Die anderen werden sich schon irgendwie zurecht finden. Selbst schuld, wenn sie sofort davoneilen."

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mi 08 Aug 2012, 22:25

"Gut, gut...", brummte Martyn zustimmend als Saadia wieder zurück kehrte und Report erstattete, "Bring Tori schon mal in die Kutsche, ich kümmere mich um Raphael. Die anderen werden den Weg schon finden..." Er legte seinem Mündel die Hand auf den Rücken und bedeutete ihr mit sanftem Druck, zu Saadia hinüber und mit dieser mit zu gehen ehe er wieder zurück an Bord ging. Er wich einigen beschäftigt herum eilenden Matrosen aus, wartete am oberen Ende der Treppe in den Schiffsbauch bis ein ihm entgegenkommender Junge eine schwere Ledertasche, von der er glaubte, dass sie Anton gehörte, hinauf geschafft hatte und stieg dann in die schummrigen Tiefe zu den Kabinen hinab. Er fand Raphael in dessen Bett, das Gesicht ungesund bleich, die Haare noch zerzauster als die Frisur, mit der Tori sich an die Öffentlichkeit gewagt hatte.
"Komm Junge, wir haben es überstanden...", forderte ihn auf, half dem jungen Mann seine Hose und Stiefel anzuziehen und stützte ihn dann auf dem Weg an Deck. Hier im Hafen lag das Schiff so still, dass man meinen könnte, man befände sich bereits auf festem Land, dennoch bewegte Raphael sich unsicher und Martyn betete inständig, dass er ihm nicht auf die Jacke brechen würde. Es dauerte eine Weile, doch schließlich hatte er den Maladen vom Schiff hinab, den Pier entlang und in die Kutsche zu den beiden Frauen bugsiert.
"Fahren sie!", wies er den Kutscher in akzentbeladenem Pagean an.

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mi 08 Aug 2012, 23:33

Zögerlich stolperte Tori hinter Saadia her, die sie zu der Kutsche führte. Unterwegs versuchte sie, ihre Haare notdürftig zu glätten und hätte man ihr ins Gesicht geschaut, hätte man bemerkt, dass sie errötet war. Erst jetzt fiel ihr wirklich auf, wie schlimm ihre Frisur aussah. Einen Hut oder ein Kopftuch anziehen, das hätte ihr doch eigentlich selbst einfallen können, selbst in ihrem Zustand. Sie machte ihrem Cousin, der sie aufgenommen und sich wirklich gut um sie kümmerte, nur Schande, und das, obwohl er sie nciht wie ihr Vater mit reserviertem Auftreten und kalten Blicken strafte. Sie wagte es kaum, Saadia oder den Kutscher anzusehen, während sie einstieg und sich in Fahrtrichtung hinsetzte.
Unwohl blickte sie sich im Inneren des Gefährtes um. Die Kutsche war keine so edle, wie die, die sie damals nach Bernhaven gefahren hatte oder die, die man sonst in der Stadt antraf. Das innere war kahl, die Wände grau gefärbt und die Polster abgenutzt. Auch die Vorhänge vor den Türen waren ziemlich fadenscheinig, aber etwas Besseres hatte Saadia in der kurzen Zeit wohl nicht auftreiben können. Während sie auf Martyn und Raphael warteten, wanderte Toris Blick wieder umher, diesmal in Sorge. Bereits bei ihrer letzten Fahrt war ihr von dem Geschaukel schlecht geworden, doch jetzt, nach dieser ewigen Schiffsfahrt war sie nicht sicher, ob sie das aushalten würde...
Als Martyn und Anhang schliesslich zu ihnen stiessen und er dem Kutscher befahl, loszufahren, verkrallte Victoria in den Polster, biss sich auf die Lippen und hoffte.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Fr 10 Aug 2012, 19:17

Gesellschaftshäuser? Palastviertel? Musik in Iakobs Ohren! Natürlich war es unsittlich, ja geradezu vulgär, sich zu einer Hure zu legen, doch was sollte er machen? Er hatte genug Geld, dass diese sauber waren und keine Krankheiten besaßen, die ihn unrühmlich dahinraffen würden. Im Grunde genommen waren sie nichts Anderes als die reichen Mädchen in seiner Heimat, die er vernaschte - ob er ihnen Bargeld direkt in die Hand drückte oder eine hübsche Kette kaufte war da ja wohl egal. Für den schönsten Spaß der Welt griff man eben in die Tasche. Oder auch nicht, wenn man die hübsche Saadia betrunken machen könnte. Aber das glaubte er nicht. Vorerst. Er konnte ihr nicht einfach irgendein südländisches Bier anleiern, dafür brauchte er einen perfide ausgetüftelten Plan. Und wo machte man am besten Pläne? Richtig! Beim Feiern! "Bin dabei, Freund", meinte er also mit einem breiten Lächeln im Gesicht, dessen Zähne der Abendsonne rege Konkurrenz machten, und eilte hinter ihm her, darauf bedacht, in der Menge nicht unterzugehen, auch wenn das als Ausländer natürlich fast unmöglich war.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 11 Aug 2012, 13:52

http://youtu.be/9cyKS0tcVl0

"Dann mal los.", brummte Anton, und setzte sich in Bewegung. Damit war auch alles gesagt. Menschenmengen die sich wie eine weiss-beige Flüssigkeit in die vor ihr ausgebreitete Stadt ergoss. Die Typen Menschen, die ihnen entgegenkamen, die an ihnen vorbeiliefen, die sie selbst passierten, waren so unterschiedlich wie nur möglich. Der bärbeissige Seemann der nördlichen See, der Anton an der Schulter streifte, begierig, seine Heuer in einer der Kneipen der Stadt durchzubringen, der feingliedrige Jüngling, der am Strassenrand mit seiner Gebetskette aus Bernstein spielte - Anton wollte auch so ein Ding! -, die tiefschwarze Frau, die einen Packen Teigfladen in einer Schale auf dem Kopf trug.
Irgendwo ertönte eine Trommel, und es schien Anton, als ob er in einen ganz und gar verdrehten Tanz eingegangen war, mitsamt seiner Freunde. Die Gesichterflut wollte und wollte nicht abnehmen. Er wusste, der Hafen war im Norden der Stadt, und das Palastviertel auf einer der Erhebungen im Süden. Mehr nicht. Ob das reichte?
Beizeiten hielt er an, fragte in gebrochenem Pagon nach dem Palast ... Viertel, er kannte das Wort nicht. Palast also. Der Südländer lachte nur und deutete mit dem Finger in eine vage Richtung. "Nicht verpassen" konnte Anton heraushören. Na also. Sie konnten es nicht verpassen.
Weiter ging es, durch weite Strassen, und schliesslich zeichnete sich gegen den Sonnenuntergang das Profil der Kuppel des Palastes ab. Feinster, in der Sonne glänzender Marmorstein. Das war einen Moment innehalten wert. Er wandte sich zu seinen Mitreisenden.
"Sieht so aus, als wären wir im Palastviertel. Hier hängen bestimmt irgendwo Schilder aus. Aber die besten Läden sind die, die keine Schilder brauchen. Fragen wir uns in einer Kneipe durch."
Einhundert Meter weiter ging es unter einem runden Bogen in eine Souterrain-Kneipe. Anton trat als erster durch die Tür. Ihm bot sich ein höchst interessantes Bild dar. Um eine kreisrunde Bar in der Mitte war eine Sitzkissenlandschaft samt Wasserpfeifen und bereits betüdelten Stammgästen ausgelegt.
"La'ach Waschib.", das war soviel wie guten Abend, der Schmied trat näher, "Eine Karaffe ... Wein für mich und meine Freunde."
Der Schankwirt, ein dicker, dunkelhäutiger Mann in einer weiten Robe, dessen Augen mit schwarzem Kajalstift verziert waren, nickte nur.
"Mit Wasserpfeife?" - Anton verstand ihn nicht ganz. - "Was?" - "Wasserpfeife.", der Dicke machte ein paar blubbernde Geräusche und zeigte auf eine der umstehenden Wasserpfeifen.
"Ah! Ja!", nickte der Schmied, Nicken musste doch allgemein gültig sein...
"Soll sein. Setzt euch." Eine ausladende Handbewegung folgte, und Anton war der erste bei den Polstern, legte sein Rapier ab und fläzte sich in die weichen, mit Stickereien verzierten Kissen, während der Wirt eine glühende Kohle aus einem Ofen auf die Wasserpfeife legte.
"Wein kommt gleich."
"Kommt gleich, kommt gleich...", murmelte der junge Mann auf Pagon nach, und äugte zu seinen Kumpanen herüber, wechselte wieder in die Muttersprache, "Ich freu mich. Das wird bestimmt ein toller Abend."
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 11 Aug 2012, 14:22

Theodor konnte es nicht fassen. Die Schönheit des Palastes war überwältigend. Doch er konnte es sich jetzt nicht erlauben, den Mund runterklappen zu lassen, eilig zog er seinen Zeichenblock und kritzelte eine Skizze hin, die fast schon als Beleidigung für das prachtvolle Bauwerk gelten konnte. Es durchdrang ihn in jeder Faser seines Körpers wie prächtig dieser Ort war. Ja, deswegen war er hier! Schon am ersten Tag überflutete ihn ein Feuerwerk der Inspiration. Herrlich.
Das war auch der Laden, den er und Anton betraten. Entspannt ließ Theodor sich auf den Sitzkissen neben seinem Kameraden nieder, dieser hatte bereits alles mit dem Schankwirt geklärt. Gleich würde es eine Wasserpfeife geben, auf die war der Maler schon echt gespannt. Von dem hiesigen Wein ganz zu schweigen. Das würde ein wahrer Genuss werden. Hoffentlich jedenfalls.
Er zog es diesmal vor, den Block in der Tasche zu lassen, man musste sich auch mal entspannen können und Inspiration würde es auf der Reise noch mehr als genug geben, wenn es so weiterging wie bisher. "Richtig gemütlich hier, nicht wahr?", sagte Theodor und unterdrückte ein Gähnen. Selbst bei einer so entspannten Situation empfand er es als zu unhöflich, sogar wenn er die Hand vor den hielt, in so einem edlen Etablissement ziemte es sich nicht.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 11 Aug 2012, 14:51

"Von hier aus planen wir unsere weiteren Schritte.", grinste Anton freudig. Ja, so ließ es sich leben! Das würde schon werden. Er nahm einen tiefen Zug an der Wasserpfeife, und der heisse Rauch füllte seine Lungen. Zuhause hatte er zwar schon Tabak geraucht, aber das hier war kein Tabak! Das war ... Würzig und intensiv. Irgendwie komisch. Die Ohnehin schon demütig leise Musik der Kneipe, ein Saitenzupfer, trat noch weiter in den Hintergrund. Eine Hand wanderte vor seine Augen - Seine? Egal. Vor seinen Augen verschwamm die Welt ein wenig und begann zu wabern. Nein, Tabak war das nicht. Er nahm noch einen Zug und reichte an Theo weiter.
"Aber gib ... gibbacht... Das ist bisschen starker Tobak."
Langsam gewöhnte er sich an den Zustand, und die Musik trat langsam wieder in sein Hörfeld. Schön. Von hier aus also ... Wollten sie ihre weiteren Schritte planen. Moment, das hatte er doch schonmal gesagt. Egal.
"Ih ... Ich werd den Wirt fragen ob ... nnaaa. Was ....", er schüttelte den Kopf, um klar zu werden, "Um ihn zu fragen ... Na, was es hier für Gesellschaftshäuser gibt."
Seine Hand wanderte zu einem Becher Wein, der plötzlich auf dem Tisch stand. Hatte der Kerl schon serviert? Verrückt. Echt schnell war der für seine Körpermasse. Und unauffällig. Und die Kneipe war plötzlich irgendwie auch voller. Verrückt...
Der Wein war saftig und süss, wohl mit Honig versetzt. Dattelwein, schoss es ihm durch den Kopf. Klar. Die wuchsen im Norden nicht.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 11 Aug 2012, 20:56

Die Straßen von Al-Adra Pagea waren staubig und voller Menschen, aber im Inneren der Kutsche bekamen sie wenig davon mit. Kein Dreck, der ihnen die Beinkleider bis zu den Knien bedeckte, keine Bettler, die jedem, der halbwegs wohlhabend aussah, ihren Hut hinreckten. Und, was noch wichtiger war: das Pflaster war in formidablem Zustand. Die Kutsche glitt fast wie ein Schlitten über Schnee dahin und nur das Rumpeln der Räder und das schnelle Klacken der beschlagenen Hufe auf dem Stein verriet den Fahrgästen, dass es voran ging. Zu Beginn versuchte Martyn ein paar mal, die Vorhänge zurück zu ziehen und einen Blick auf die Stadt, von der er schon so viel gehört hatte, zu erhaschen, doch der Blick, den er durch das kleine Fenster auf die Strandpromenade erhaschen konnte, war eher unspektakulär. Morgen würde er die Wunder von Al-Adra fußläufig erkunden, nahm er sich vor.
Die Fahrt mochte vielleicht eine Viertelstunde angedauert haben als die Kutsche schließlich anhielt. Der Kutscher öffnete die Tür und Martyn sprang als erster hinaus auf die Straße um den Damen und schließlich dem immer noch sichtlich mitgenommenen Raphael einen helfenden Arm für den Ausstieg anzubieten. Das Bild, das die Stadt ihnen hier bot, war ein anderes als am Hafen. Die Straßen waren schmaler, aber auch bedeutend leerer, das Pflaster war sauber und die Häuser, von denen wenige nur über ein einzelnes Stockwerk verfügten, machten deutlich, dass dies keine arme Gegend war. Mosaiken verzierten hier und dort die Wände und die Mauern waren glatt und sauber verfugt. Das Gasthaus selbst war ein breiter, dreistöckiger Klotz, der irgendwie die Gebäude zu seinen Seiten fortzudrängen schien. Ein kunstvoll bemaltes Schild hing an einem soliden Balken über der schweren Tür und verhieß jedem, der eintrat, zu Essen, zu Trinken und ein weiches Bett. Ein schwerer Messingklopfer hing an der Tür. Martyn griff nach ihm und als er ihn gegen die Messingplatte schlug erklang ein unerwartet heller Ton.
Fast augenblicklich öffnete sich die Tür und ein Mann in weiten Stoffgewändern, der auf Martyn auf befremdliche Weise feminin wirkte, begrüßte sie mit hoher Falsettstimme. Martyn nannte ihm seinen Namen und erwähnte, dass sie bereits ihr Gepäck hatten schicken lassen und wie sich erfreulicherweise zeigte hatte der Kapitän sein Wort gehalten. Ihr Gepäck war zwar noch unterwegs, doch der Mann mit der hohen Stimme versicherte, dass es bald eintreffen werde und dass man bereits Ziffer für sie gerichtet hatte. Er bot ihnen an, sie zu diesen zu führen und obwohl die helle, schmucke Schankstube sehr gastlich aussah stimmte Martyn in Anbetracht auf Raphaels Zustand und Toris Aufmachung dankend zu.

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 12 Aug 2012, 17:22

Schwer hob Isaac seine Augenlider. Seit Tagen schon konnte er nicht mehr richtig schlafen, das Schwanken auf See machte ihn fertig, körperlich und geistig. Es war nicht so, dass er wie Raphael oder Victoria einen Eimer als ständigen Begleiter benötigte, doch war Essen verbunden mit dem nie aufhörenden Schwanken nicht vereinbar mit seinem Magen gewesen. Auch Schlafen fiel zusehends schwerer, so dass die in den letzten Nächten Strecken weiße kein Auge zugetan hatte. Anfangs versuchte er, mit einer frischen Brise Seeluft zu kontern, doch nach und nach deprimierte ihn die immer gleiche Szenerie des Wasser nur, außerdem brannte die Sonne so unbarmherzig, dass er um die Gesundheit seines Bruders fürchtete, der sich so oft wie möglich auf Deck befand.
Doch nun war er aus einem Schlaf erwacht, der tief und erholsam gewesen war, weshalb er einige Momente brauchte, bis er den Grund seines Erwachens im Zwielicht der Kabine erkannte. Ein Mann aus der Schiffsbesatzung machte sich gerade daran, Koffer und Gepäck zusammen zu tragen. Schnell richtete sich Isaac in seiner Koje auf.
"Was tut Ihr da?", fragte er mit belegten Stimmbändern, die erst des Schlafes Schwere loswerden mussten.
Erschrocken fuhr der Bedienstete zusammen.
"Es- es tut mir leid, ich dachte ihr seid bereits ebenfalls an Land, Herr Roldehn...", stieß er hervor und machte eine Verbeugung.
"Wir sind bereits eingelaufen?"
"Ja Herr, vor einer Weile, es dunkelt bereits."
So erhaben er momentan konnte, erhob sich Isaac, nahm Geldbeutel, einen Hut sowie einen Dolch vom nebenan stehenden Nachttisch.
"Was geschieht mit dem Gepäck?", wollte er wissen.
"Das bringen wir zu einem Gasthof, so hat es zumindest der Herr von Hohenwalchen angeordnet."
"So dann, fahrt fort", entgegnete er ihm und verließ das Zimmer, kein Grund die überrumpelte Situation seinerseits noch mehr in die Länge zu ziehen.
Ein wenig unsicheren Fußes betrat er das Deck, der Boden schaukelte nach wie vor, doch hier im Hafen hätte man fast darüber hinwegsehen können. Auf dem Weg zum Bug, an dem sich die Gangway befand, richtete er beide Seiten seines Hemdkragens, rückte akkurat seinen Hut zurecht und versuchte beiläufig Falten von seinem Hosenbein in eine sinnvolle Ordnung zu zupfen.
Auf Höhe der Planke blieb Isaac stehen. Sein schweifender Blick trug ihm so viele Eindrücke auf einmal zu, dass er nicht wusste, worauf er zuerst achten sollte, die hellen Häuserfassaden waren mittlerweile in ein warmes Rot getaucht, nahezu einem Spiegel der roten Abendsonne über dem Horizont gleichend, laue Luftmassen umspielten ihn, seine Ohren nahmen geschäftige Rufe, Hafengeräusche und das Stimmenmeer der betriebsamen Menge war. Doch was ihm diese Situation etwas madig machte, war, er hatte keine Ahnung, wo die anderen waren. Sie in dieser Masse an Menschen finden zu wollen, war Schwachsinn. Er hatte es geschafft, mit dem einzigen gesunden Schlaf, der ihm auf der gesamten Meeresroute gewährt wurde, ihre Ankunft zu verschlafen.
Ein wenig verstimmt atmete er tief durch. Doch was wollte er sich jetzt aufregen? Und wenn ja, wie? Die anderen hatten es auch geschafft, den Einlauf in den Hafen mit zu erleben.
Er drehte sich um, suchte das Deck nach einem ihrer Mannschaft, oder sogar dem Kapitän ab. Selbiger stand mit einem der Steuermänner am Heck und unterhielt sich, lässig an das Steuerrad gelehnt. Anmutig, doch bestimmt schritt er auf beide zu.
"Endlich sind wir angelangt", begann er das Gespräch, "Ich werde direkt mit dem Gepäck zum Gasthof gehen, bitte organisieren Sie mir die Reise dorthin."
Er griff in seinen Geldbeutel und gab dem Kapitän zwei Silberstücke. Sicher hätte eines gereicht, doch außerplanmäßige Bitten maßen ihre Funktionalität an ihrem Gegenwert. Einige Schritte ging er wieder Richtung Bug, drehte sich dann jedoch erneut um und drückte dem Schiffsherren noch ein weiteres Silberstück in die Hand.
"Ich nehme an, mein Bruder hat Ihnen seinen Obolus verwehrt."


Zuletzt von Maekswell am So 19 Aug 2012, 11:26 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 12 Aug 2012, 21:58

Theodor musste unwillkürlich husten, als er einen Zug von der Wasserpfeife nahm. Hui, das war schon ganz schön heftig. Aber das war der Preis dafür, dass er nicht kontrolliert an der Pfeife gezogen hatte. Er nahm noch einen weiteren Zug, dann legte er die Pfeife hin, dass Anton sie wieder nehmen konnte, wenn er wollte. Dann nahm er einen Schluck von dem Wein. "Hmmm...", murmelte er leise. Was für ein exquisiter Tropfen. Herrlich, einfach nur famos. Schnell nahm er noch einen Schluck und ließ die edle Flüssigkeit über die Zunge langsam in den Rachen laufen. Da hatten sie wirklich eine goldrichtige Entscheidung getroffen. Anton redete schon wieder von seinen Gesellschaftshäusern. Als ob es nicht schon genug Gesellschaft war, in so einer Kneipe in kleiner Gruppe einen zu trinken und dabei die herrliche Athmosphäre zu genießen.
"Es ist einfach unglaublich, dass schon am ersten Tag alles so famos ist, nicht wahr?", lächelte er. Sein Kumpel konnte sich um seine Gesellschaftshäuser selbst kümmern. Und wieder nahm er einen Schluck. Noch niemals war ihm ein Tropfen so leicht die Kehle hinab geronnen.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 12 Aug 2012, 22:40

Aus irgendeinem Grund gefiel Saadia die Architektur hier entschieden gut. Die Gebäude waren aus einem Backstein in warmen Tönen errichtet, so ganz anders als die kalten Häuser im Norden, die von ihrer Aufmachung her doch eher an Burgen erinnerten. Hier hingegen fanden sich geschwungene Bögen und nicht selten war die Fassade eines Hauses durch Kletterpflanzen verziert, die in voller Blüte standen. Der schwere Duft voller Blütenkelche hing in der Luft. Das Gasthaus hingegen wirkte von draußen wenig einladend. Martyn half ihr aus der Kutsche, was Saadia mit einem Nicken quittierte. Jetzt allerdings war es an der Zeit die Berichte ihres Vaters und ihrer Mutter zu überprüfen. Mit elegantem Schritt durchquerte Saadia die Schankstube, in der sich Martyn grade mit einem Mann in weißer Kleidung unterhielt, dessen Stimme unnatürlich hoch war. "Eunuch", schoss es Saadia durch den Kopf, aber vielleicht tat sie dem Mann auch Unrecht. Nicht jeder hatte eine tiefe Bassstimme.
Saadia stieß eine hölzerne Flügeltüre auf. Der Anblick ließ ihr den Atem stocken. Irgendjemand hatte sich die Mühe gemacht im Hof der Taverne einen Garten anzulegen. In einem kleinen Teich schwammen ein paar Goldfische und Vögel zwitscherten weiter oben im Gebälk.
"Tori, komm und schau dir das mal an", erhob Saadia ausnahmsweise einmal die Stimme, um die Jüngere zu rufen.

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