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 Südwärts [MSG-Thread]

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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 17 Sep 2012, 15:39

Pferde! Das war eine hervorragende Idee gewesen, die Martyn da gehabt hatte. Und allzu knauserig wollte Saadia mit den Münzen, die sie hatte ja nun auch nicht umgehen. Pferde hatten den Vorteil, dass sie ohne allzu große Anstrengungen und vor allem schneller an ihre Ziele kommen würde. Nur mit Mühe konnte sich Saadia davon abhalten vor Freude in die Hände zu klatschen. Das war wirklich eine gute Idee gewesen. Was würde sie denn noch brauchen? Ein kleiner Wasserschlauch konnte bestimmt nicht schaden.
Ohne übermäßige Hast verschwand Saadia in ihrem Zimmer, wo sie einen Wasserschlauch aus ihrem Gepäck zutage förderte, den sie am Brunnen vor dem Haus würde auffüllen können. Die Börse wurde unter den Falten ihrer Kleidung versteckt. Ohnehin ließ Saadia einen Großteil ihrer Münzen direkt im Gasthaus. Wenn sie beklaut wurde, wäre zumindest nicht alles auf einmal weg.
Wieder unten marschierte Saadia schnurstracks zu dem Brunnen und füllte ihren Wasserschlauch auf. Die Pferde standen bereits vor dem Gasthaus. Zumindest schien keines von ihnen nervös zu sein, was seinerseits Saadia beruhigte. Nun würde sich nur noch ein Mann einfinden müssen, der ihr auf eines der Pferde half. Gehörte sich schließlich so, nicht?

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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 17 Sep 2012, 18:33

Eilig, aber gemessenen Schrittes bewegte sich Anton aus dem Speisesaal in die Säulenhalle, und von dort wiederum vor die Herberge. Er hatte alles, was er brauchte, die Börse mit ein paar Gold- und Silbermünzen war im Rucksack verstaut, zusammen mit seiner Schmiedskleidung. An seiner Seite baumelte das Rapier, das er vor circa einem halben Jahr selbst geschmiedet hatte, und auf dessen viellagige Bruchfestigkeit er durchaus stolz war.
Saadia war schon da. Stand bei einem der Pferde, einem schwarzen Hengst. Nun, er würde eine Stute reiten. Mit Pferden kam er so recht nicht klar. Also warum das Risiko eines bockigen Transportmittels eingehen? Er blickte an dem Hengst vorbei und erblickte ein braunes, harmlos aussehendes Pferd, das sich an der Tränke gütlich tat. Das war seine Art von Pferd. Es wirkte ruhig und gelassen, unwahrscheinlich, dass es seinen Träger abwerfen würde. Die Südländerin schien es recht eilig zu haben, loszukommen: sie waren bisher nur zu zweit hier. Er entschloss sich, ihr auf das Pferd zu helfen.
"Brauchst du eine helfende Hand, Saadia?"
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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Di 18 Sep 2012, 22:50

Warum musste es Anton sein, der als erstes aus dem Gasthaus kam? Von allen Mitreisenden mochte Saadia ihn wohl am wenigsten, was zugegebenermaßen allerdings einzig an seinem speziellen Ruf lag. Auf der Reise hatte er sich bisher akzeptabel verhalten. Trotzdem gab sie sich Mühe, ihren Widerwillen weder in Stimme noch in Mimik, von der man eh nicht allzu viel sehen konnte, durchblicken zu lassen. Stattdessen reichte sie also Anton die Hand und bedankte sich mit einem: "Das wäre sehr freundlich."
Mit Antons Hilfe saß Saadia alsbald im Damensitz auf dem Sattel, die Zügel in einer Hand.
"Vielen Dank."

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Grim
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mi 19 Sep 2012, 16:39

Bei nüchterner Betrachtung, zu der er aus Gründen der Eitelkeit der Eitelkeit nicht immer im Stande war, war Martyn Tollard von Hohenwalchen vielleicht ein mittelprächtiger Reiter. Schließlich war er letztendlich doch ein Stadtmensch, geboren in der Stadt, aufgewachsen in selbiger und auf längeren Reisen ebenso häufig in einer Kutsche unterwegs wie auf Pferderücken. Doch er saß sicher im Sattel und wusste, wie man dabei eine gute Figur machte. Wirklich rasch konnte man in der Stadt ohnehin nicht reiten. Ohnehin hatte Martyn die Pferde weniger deshalb besorgt, weil sie sie schneller an ihr Ziel bringen würden - sie wären zu Fuß kaum langsamer gewesen - sondern vor allem, um standesgemäß unterwegs zu sein. Laufen war etwas für jene, die kein Geld für Pferde oder Kutschen hatten. Die Mühen des kleinen Mannes, die man sich nicht antun musste. Ganz im Gegenteil! Am Ende würde man noch für niederer gehalten, als man es eigentlich war. Und Martyn legte Wert auf eine respektvolle Behandlung. Er war schließlich ein Tollard von Hohenwalchen!
Martyn ritt an der Spitze ihrer kleinen Gruppe. Das heißt: nicht wirklich an der Spitze. Die Straßen in der Gegend um ihre Gaststätte waren breit, aber leer und so konnten sie mal zu zweit, mal zu dritt nebeneinander reiten. Martyn war sich nicht ganz sicher, welchen Weg sie einschlagen mussten, doch zumindest kannte er die richtige Grobrichtung und hatte sich einen Plan der Stadt im Reisebericht des Mönchs Berelikus angesehen, der die Stadt vor nunmehr knapp vierzig Jahren besucht hatte. Das war mehr, als er von den anderen erwartete, die sich im Zweifelsfall viel mehr auf ihn verließen. Dennoch war er zuversichtlich. Zum Palast konnten sie sich im Notfall auch durchfragen - so sie es denn schaffen sollten, ein solches Monumentalgebäude zu übersehen. Und bereits der Weg dort hin hatte so viel Fremdartiges, Interessantes zu bieten...

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Basol
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mi 19 Sep 2012, 21:14

Auch Theodor trat schließlich nach draußen, wo schon einige waren. Nach kurzem Umsehen fand er einen schönen rotbraunen Hengst, auf dem er Platz nahm. Ein eher ruhiges Pferd, welches gut zum Gemüt des kleinen Mannes passte.
Und dann ging der entspannte Ritt auch schon los, Theo war unmittelbar hinter seinem Schwager, der die Gruppe, entsprechend dem gesellschaftlichen Rang, den er hatte, anführte. So bewegten sie sich langsam durch die Straßen.
Und schon auf dem Weg konnte sich Theo kaum sattsehen und hatte hastig seinen Zeichenblock hervorgezogen, um zumindest ein paar der erhaltenen Eindrücke zu Papier zu bringen. Zum Beispiel sah er mehrere wirklich schöne Häuser, der Künstler konnte sich sehr wohl vorstellen, in einem davon zu wohnen, doch sein richtiges Zuhause war auch nicht schlecht. Dann sah er noch ein paar beladene Wägen, ebenfalls gezogen von Pferden wie den ihren und viele Fußgänger, die alle anders aussahen als bei ihm zu Hause. Ihre Kleidung war teilweise wirklich interessant, weil fremd. Ständig gab es neue sehenswerte Dinge und eingerahmt wurde alles durch den wunderschönen, wolkenlosen, blauen Himmel.
"Wirklich schön hier, nicht wahr?", sagte Theo gut gelaunt.
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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Do 20 Sep 2012, 22:27

Das Pferd trabte so unter Anton dahin, der sich innerlich auf die Schulter klopfte. Gute Wahl getroffen, alter Junge. Die Mähre war kaum so schnell, dass er herunterfiel,m und kaum so langsam, dass er nicht hinter den anderen hinterherkam. Also funktionierte das auch. Seine Schmiedesachen im Rucksack waren noch leicht, und seine Hose nicht überhitzt. Noch war der Tag ganz erträglich. Und er würde es für eine Weile bleiben. Ein Gesprächsfetzen von Theo erreichte ihn, und er nickte.
"Ja, die Architektur ist interessant. Auch das kleinste Haus hat eine Terrasse auf dem Dach."
Er blickte stracks nach vorne. In der Ferne glänzten die Kuppeln des Palastes, der über allem heraufragte. Er erinnerte sich an sein Versagen von gestern und grimassierte leicht. Naja, konnte nur besser werden.
"Wir sollten heute auch noch auf dem Markt vorbeischauen. Nur Kultur allein macht doch dösig."
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Vicati
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Do 20 Sep 2012, 23:04

Als die Pferde schliesslich ankamen, folgte Tori den anderen. Ihre reittechnischen Fähigkeiten waren wohl die schlechtesten in der Gruppe, sie hatte kaum mehr als zwei Dutzend Male auf dem Rücken eines Tieres gesessen, doch als Martyn die Reise angekündigt hatte, hatte sie so oft wie möglich versucht, es zu üben. Sie hatte zumindest ausreichen Vertrauen ihre Übungsstunden, dass sie es sich zutraute, auf einem langsamen Pferd sitzen zu können. Draussen entschied sie sich für eine ruhige, rote Stute und sass auf dieser auf. Schweigend schaffte sie es, das Pferd anzutreiben und folgte Martyn, der sich an die Spitze setzte. Zum Glück konnten sie in der Stadt nicht so schnell reiten, sonst hätte Tori für nichts garantieren können. So hielt sie sich aber recht gut im Sattel. Dabei lauschte sie den Worten der anderen Gruppenmitglieder und horchte auf, als Anton von einem Abstecher auf den Markt sprach. Obwohl sie 'nur Kultur' keineswegs langweilig vorkam - schliesslich hatte sie sich noch selten damit auseinander gesetzt und die Gebäude vom Hafen bis zur Gaststätte hatten ausgereicht, um ihr Interesse zu wecken - , gefiel ihr auch die Idee eines Marktbesuchs. Doch sie hielt sich mit einem Kommentar zurück, sonst würde Martyn ihr am Ende nur noch mehr zürnen. Dennoch hoffte sie im Stillen auf eine Zustimmung.
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Grim
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 22 Sep 2012, 11:48

Martyn ließ sich Zeit ehe er antwortete. Er war sich nicht sicher, worauf Anton hinaus wollte. Die fremde Kultur war doch schließlich der Grund schlechthin, weshalb sie diese Reise überhaupt angetreten hatten. Und was das tägliche Leben der Pageani anging, das man auf dem Markt hätte beobachten können: nun, der Ritt durch die Straßen versorgte sie mit mehr als genügend Eindrücken davon. Eine Frau, deren nachtschwarze Locken unter einem leuchtend orange und zartrosafarbenen Tuch hervor fielen trug einen geflochtenen Korb voll frischer Datteln die Außentreppe eines der Häuser empor. Martyn wusste, dass die Leute Früchte auf den Flachdächern trockneten, doch er hätte die Datteln nie erkannt, hätte Saadia es ihm nicht erklärt. Zwei alte Männer saßen mit überschlagenen Beinen im Staub eines Innenhofes und tranken Tee aus winzigen Porzellantässchen. Ein Trupp grimmig dreinblickender bärtiger Wachmänner mit hohen, dorngekrönten hauben und vergoldeten Schuppenhemden kam ihnen entgegen, nahm jedoch auf Befehl ihres Offiziers am Straßenrand Haltung an und grüßte militärisch als sie passierten. Bereits die Fremdartigkeit des Alltäglichen faszinierte Martyn. Wie mochte es da erst mit der Fremdartigkeit des Außergewöhnlichen aussehen, dem Palast, dem Tempel? Dennoch: wenn Anton dem Alltäglichen mehr abgewinnen konnte, dann sollte auch der Schmied seinen Willen bekommen. "Es gibt einen Markt etwas nördlich vom Palast, das wäre kein allzu großer Umweg auf dem Weg zum Pantheon-Tempel", schlug Martyn als Kompromiss vor, "Wir können, nachdem wir den Palast besichtigt haben, dort vorbei schauen. Dort finden wir mit Sicherheit auch etwas zu Essen und zu Trinken. Ein Stündchen Zeit können wir uns sicher nehmen ehe wir dann weiter zum Tempel gehen..."

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Sa 22 Sep 2012, 14:49

"Tun wir das. Einen großen Umweg wäre ich jetzt auch nicht geritten, unser Zeitplan ist ja recht straff.", erwiderte der Schmied. Aus dem Augenwinkel erhaschte er einen Blick in einen der Innenhöfe, wo fremdartige Pflanzen an einem Holzgestell hochrankten. Rote Blüten hatten sich an den Ranken gebildet, und wenn ihn seine Augen nicht täuschten, schwirrten Bienen um diese herum. Schön! Alles in allem gefiel es ihm hier. Aber er befürchtete, dass man sich an das gute Essen nur all zu schnell gewöhnen würde. Also besser die Abwechslung hoch halten, und dann, wenn es langweilig wurde, weiterziehen. Es gab noch genug Südland für alle zu sehen.
Irgendwie traute er sich nicht, seinem Pferd die Sporen zu geben. Was, wenn es durchging? Einzig: Die anderen ritten ihm so langsam davon! Er entschloss sich wider besseres Wissen dazu, die Mähre ein wenig anzutreiben. Überraschenderweise - oder auch nicht? - beschleunigte das Pferd seinen Trab nur ein wenig, und er hatte bald wieder aufgeschlossen. Lief ja besser als erwartet. Die Kuppel des Palastes war mittlerweile immer näher gekommen. Wie das hier wohl mit der Architektur aussah? Er musste Isaac ein wenig nach der Geschichte der Bautechnik fragen. Der hatte bestimmt Ahnung davon, was wann wie gebaut worden war... Oder würde ohnehin einen Vortrag halten, sobald er die Gelegenheit bekam.
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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Do 27 Sep 2012, 14:25

Vom Pferd aus betrachtete Saadia das Spiel zweier alter Männer, die sich von der jungen Frau nicht einmal ansatzweise aus der Ruhe bringen ließen. So ein Spielbrett hatte sie zu Hause schon einmal gesehen, aber Vater hatte nicht mehr allzu viel Zeit für Spiele, seit sie in den Norden gezogen waren. Und Mutter wollte fast nie spielen, was schade war, weil das Spielbrett alleine schon schön aussah. Einer der beiden bewegte einen weißen Stein und blockierte damit einen der schwarzen. Die anderen zogen an Saadia vorbei, die für den Moment von dem Spiel wie gebannt war. Erst ein sanfter Stups an ihrem Pferd, was das Tier zu einer Bewegung veranlasste und Saadia aus ihrer Beobachtung riss. Sie würde einen der anderen überreden müssen eine Runde mit ihr zu spielen. Oder vielleicht auch mehrere?
Inzwischen war sogar Anton an ihr vorbeigezogen, was Saadia dazu veranlasste ihr Pferd anzutreiben. Das Tier bockte und machte einen Ausfallschritt zur Seite, was wiederum die junge Frau dazu veranlasste einen kurzen erschreckten Schrei von sich zu geben. So schnell der Schreck gekommen war, so schnell verschwand er wieder. Das Pferd trottete gemächlich hinter seinen Kumpanen her, während Saadia versuchte ihr rasendes Herz zu beschwichtigen.

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 30 Sep 2012, 13:44

Raphael hätte zwar gerne noch seinen Degen und seinen Wasserschlauch geholt gehabt, doch nachdem er sein dürftiges Frühstücksmahl beendet hatte, waren schon alle beim aufsitzen gewesen. Raphael war sich sicher, dass sie in einer solch großen Gruppe bestimmt keine Waffen brauchen würden, schließlich waren sie immernoch in der Zivilisation. Außerdem schickte es sich nicht für einen Adelsmann überhastet durch die gegend zu rennen, was sollten denn die Leute denken.
Und so war er also nur mit seiner Kleidung aufgesessen. Wenn er durst bekam, konnte er sich sicher unterwegs etwas kaufen.
Sein Pferd war gut abgerichtet, wenn er auch kräftigere Tiere bevorzugte, doch es sollte ihm heute mal egal sein. Sie trabten ja eh nur durch die Stadt und schauten sich alles an. Doch was es hier zu sehn gab.
Raphael hatte am gestrigen Tag nicht viel von der Kultur, der Architektur und den geschäftigen Treiben mitbekommen und so schaute er sich interessiert um, während er auf dem Pferd langsam neben den anderen her ritt. Überall schrien Händler und preisten ihre Waren an und Bunte Tücher hingen nicht nur in sondern auch vor den Läden. Sie passierten ein paar Wachen, die auffällig geschmückt waren. Diese Soldaten dienten vermutlich nur zur show und um eindruck zu schinden, denn zum Kämpfen waren diese Kluften wohl mehr als unvorteilhaft, dennoch bezweifelte Raphael nicht, dass jeder von ihnen eine hervorragende ausbildung hatte.
Überall gingen kleine Seitenstraßen ab. Diese Stadt war riesig, es würd Wochen brauchen sie ganz zu erkunden, doch Wochen hierzubleiben hatten sie nicht vorgesehen.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 30 Sep 2012, 15:13

Es gab einige gewaltige und prachtvolle Gebäude in Bernhaven. Die große Kathedrale, mit ihren beiden spitz in den Himmel stechenden, ziselierten Türmen. Das Haus der Stände. Das Große Theater. Der Palast von Al-Adra Pagea in seiner ganzen, gewaltigen Pracht, brachte Martyn dennoch zum Staunen. Da war vor allein einmal die schiere Größe der Anlage. Eine gewaltige, fünfzehn Fuß hohe Mauer aus fugenlos glattem, fast weißem Sandstein lief rings um ihn herum und sie schien ein ganzes Stadtviertel zu umfassen. Immer wieder durchbrachen schlanke Türme mit hohen, gewölbten Fenstern zu allen vier Seiten und kleinen vergoldeten Kuppeln diesen Wall und kunstvoll geschwungene Zinnen, ein Meisterwerk der Steinmetzkunst, säumten ihre Krone. Das Tor mit seinen über und über vergoldeten Reliefflügeln war zu gewaltig, als dass dieses schlichte Wort ihm hätte gerecht werden können. Ein Portal vielmehr, denn ein schlichtes Tor. Es stand weit offen und erlaubte den Blick auf ausgedehnte Gärten und hohe Gebäude aus dem selben hellen Sandstein wie auch die Wälle, doch Soldaten in prunkvollen Rüstungen standen davor Wache.
"Das ist wirklich beeindruckend!", vertraute Martyn Saadia an, die neben ihm ritt, und konnte seine Augen dabei kaum von dem Portal nehmen, "Weißt du, ob man auch das Innere der Anlage besichtigen kann? Darf das Volk hinein, wenn denn schon die Tore offen stehen?"

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Basol
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 30 Sep 2012, 15:52

Und wieder wurde Theodor von der schieren Größe und Pracht der Bauten, die es hier gab, überwältigt. Während ihm vor Erstaunen fast der Mund aufklappte, tänzelte der Bleistift über sein Papier, um zumindest das Gröbste einzufangen, den Rest würde er dann aus seiner Erinnerung reproduzieren müssen. Er gab sich auch Mühe, das Gesehene fest in sein Gedächtnis einzuprägen, wenn der Maler dazu ein Bild hinkriegen würde, das auch nur halb so fantastisch aussah wie das Original, würde es ihm ein Vermögen einbringen. Der Palast war Schönheit in seiner Vollendung, beeindruckend, herrlich. Er fand gar nicht genug Worte, um diese Baut zu beschreiben, das war ein wahres Meisterwerk.
"Beeindruckend ist gar kein Ausdruck dafür.", antwortete Theodor auf den Ausspruch seines Schwagers, der aber anscheind ebenfalls total geschockt war von dem unglaublichen Anblick. "Das ist das größte und schönste Gebäude, das ich in meinem ganzen Leben gesehen habe." So viel Inspiration, dieser Palast hatte das gewisse Etwas. Er war ein wahres Wunderwerk!
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 30 Sep 2012, 16:44

Als zwei der Letzten kamen Isaac und Iacob aus dem Wirtshaus, ein Großteil der Gruppe war bereits ein gutes Stück mit den Pferden voran gekommen, was sie zusätzlich zur Eile trieb. Wie oft waren sie schon zu spät gekommen, wie oft hatte keiner der beiden die alleinige Schuld. Grund war nahezu immer, dass der eine es nicht allzu verbissen mit der Gründlichkeit nahm, der andere um so mehr. Hektisch hatte Isaac seine Sachen in sein Gemach geräumt, versucht Ordnung herzustellen und sich angemessen für die Reise zu rüsten. Gemächlich hatte Iacob sich durch seine Garderobe gewühlt, das eine oder andere Accessoires zu seinen Reiseutensilien gelegt und eine kleine Weile die Ruhe und Harmonie auf dem Balkon zum Innenhof genossen. Doch jetzt hatten beide eilig Weg aufzuholen. Elegant und in einem Schwung saß Iacob auf seinem Pferd und beobachtete grinsend, wie Isaac missgeschicklich aufzusitzen versuchte. Nach einigen Fehlversuchen gelang es ihm schließlich und beide gaben den Pferden Sporen. Wesentlich unsicherer als sein Zwilling trabte Isaac hinten drein, bemüht, mit seinem Bruder mitzuhalten. Trotz das Iacob gern und so oft es ging ritt, erforderte es auch von ihm Konzentration in den sich immer dichter bevölkerten Straßen zu ihrer Gruppe aufzuschließen. Langsam aber sicher kamen die anderen in Reichweite, gepriesen sei Martyn für den Vorschlag mit den Pferden, während sie weder darauf achteten, woran sie vorbei ritten, noch was es sonstig zu sehen gab. So traf es Isaac wie ein Faustschlag mit voller Wucht, als er seinen Kopf zur Seite drehte, da in seinen Augenwinkeln eine riesige, weiße Fläche das Sonnenlicht reflektierte. Der Palast, oder auch nur die äußere Abgrenzung, war überwältigend. Ohne darauf zu achten, dass sein Pferd mangels Anweisungen langsamer wurde und schließlich stand, sog er die Bauweise in sich auf. Beim Anblick dieser glatten, ebenmäßigen Flächen, den Verzierungen, ja selbst den Torbögen mit dazugehörigen Wachen, kamen ihm fast die Tränen. Wann hatte er so etwas Schönes, so etwas Harmonisches auch nur ansatzweise zu Gesicht bekommen. Wie versteinert saß er auf seinem Pferd, hastig und neugierig huschte seine Blicke von hier nach da, unschlüssig wo sie verharren sollten. Gerade, als er versuchte, den Detailreichtum an einigen der vielen Zinnen zu erfassen, drang Iacobs Stimme in sein Ohr:
"Isaac, du scheinst dich ja verliebt zu haben", scherzte er ein paar Meter entfernt, doch konnte man auch ihm das Erstaunen über den Prachtbau nicht absprechen, "Bleibst du hier oder kommst du mit?"
"Ich komme...", gab er zurück und warf erneut einen flüchtigen Blick auf die monumentale Kulisse, "Warte, ich komme mit."
Wie von Ehrfurcht erfasst, versetzte er sein Reittier in einen seichten Trab und schloss zu seinem Bruder auf.
Kurz darauf stießen sie zu den anderen.
"Das ist... Ich weiß nicht, wie meine Beschreibung dem gerecht werden würde", sagte Isaac zu den anderen, die nach wie vor genauso fasziniert Richtung Palast schauten.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   So 30 Sep 2012, 22:02

Wie die anderen auch für den Moment von der glitzernden Pracht erschlagen, brauchte Saadia kurz, um sich für eine Antwort zu sammeln. Die Pferde waren teilweise stehengeblieben, teilweise weitergetrottet. Die Einwohner musterten die Gruppe mit einer Art stolzem Lächeln im Gesicht. Ein solcher Palast war aber auch Grund zum Stolzsein. Der Bau drang in ihren Verstand ein und verdrängte mit schierer Masse all jene Fantasiepaläste, die durch die Erzählungen ihres Vaters entstanden waren.
"Es gibt einen Flügel, der der Öffentlichkeit, zumindest der sauberen, zugänglich ist. Dort werden auch Beschwerden entgegen genommen und ein Teil der Verwaltung geregelt. Der Flügel steht also uns auch offen. Wir müssen da rein, Martyn. Wir müssen."

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 01 Okt 2012, 20:17

Mit staunenden Augen und offenem Mund trottete Antons auf seinem Pferd entlang hinter den anderen her. Er hatte gestern den Palast zwar im Abendlicht ansatzweise gesehen, aber jetzt, in der gleißenden Morgensonne, war es ein ganz anderer Anblick, diese glatten Wände, die das Licht reflektierten, die gemeißelten Kunstwerke der Steinmetze entlang der Fassade, die goldenen Kuppeln!
Auf Saadias Worte wusste er nur eine Antwort. "Los geht's." - Er trieb sein Pferd sanft an und ritt näher auf den Bau zu. Da wo das Tor offen war und einige Zivilisten herumstanden, musste es sein. Das Pferd musste er wohl draußen lassen, aber unter den wachsamen Augen der Palastgarde würde es nicht abhanden kommen. Dementsprechend war es nur eine Frage von Handgriffen, die Stute an einer der Tränken zu vertäuen und langsam auf das Portal zuzuschreiten. Die Wachen musterten ihn argwöhnisch - verständlich, man sah nicht alle Tage einen Nordländer! - aber ließen ihn dann durch, als er beschwichtigend die Hände hob. Offensichtlich war er keine Gefahr in dem Sinne. Martyn ging neben ihm, und vor ihnen lagen fünfzig Meter bis zum den Palast umrandenden Treppenaufgang. Über ihnen erhoben sich glatte, gekalkte Säulen in die Höhe, stumme Zeugen der utilitaristischen Architektur der Südlande. Aber in den Bögen zwischen den Säulen, ja! Fresken und dezente Ornamente. Der gesamte Ort atmete die Würde der Herrscherklasse.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 01 Okt 2012, 20:48

Der Anblick des Palasts enttäuschte nicht. Er erfüllte alles, was seine über die Mauern ragenden Kuppeln dem neugierigen Reisenden versprochen hatten und mehr. Doch es war das, was die Mauern verborgen hatten, dass Martyn wirklich beeindruckte. Gärten! Sicher, auch im Norden ließen die Vermögenden ihre ausgedehnten Grundstücke gestalten und manche hohe Dame nannte einen Rosengarten ihr Eigen, doch das hier war ein Kunstwerk, wie Martyn es noch nie gesehen hatte. Obwohl das Klima hier trotz des Meeres trocken war und er in der ganzen Stadt nicht so viel wie einen einzigen Baum gesehen hatte wuchsen hier die schönsten und wunderlichsten Dinge. Fremdartige Blumen und dichte, wie ein grünes Meer dahin wogende Farngewächse erhoben sich aus stufenförmig angeordneten Basins aus dem selben weißen Sandstein, den auch die Wälle und der Palast selbst zeigten, wilder Wein umwucherte filigrane, hölzerne Pavilions, gewaltige Palmen säumten die Sandpfade, die sich wie Flüsse durch die Gärten wanden. Wie in Trance wandte er sich vom Gebäude selbst, das Anton wohl ins Auge gefasst hatte, ab und steuerte auf diese Oase der Lustwandler zu.

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Di 02 Okt 2012, 16:02

Noch immer hatte Raphael sich nicht an den Ständen und Häusern, der Architektur und den Leuten sattgesehen. Das war alles neu für ihn, Interessant doch ehe er sich versah waren sie auf einen Großen Vorplatz geritten. Ers dort hatte er realisiert, dass sie auf den Palastzugesteuert waren. Die Weißen Sandsteinwände bannten sofort seinen Blick. Die Mauern schienen fast so als ob sie gegossen worden wären. Raphael wusste, dass dies unmöglich war, doch allein dieses Bautechnische Kunstwerk ließ ihn staunen. Er fühlte in sich den Drang sofort aufzubrechen, weiter in den Süden um nur noch wundersameres zu sehen. Er hatte sich schon immer ungern mit etwas zufrieden gegeben. Doch hier gab es noch Dinge zu entdecken, er wollte alles in sich aufsaugen bevor er weiterging und so wiederstand er, wäre er auch nur auf unverständnis gestoßen, hätte er den Anderen nun gesagt er wolle weiter, gerade jetzt bei diesem Anblick.
Ohne es zu merken und in Gedanken versunken ob es wohl noch Baumeister gab die solche Mauern bauen konnten, schließlich wusste er aus den Büchern, dass der Palast einige Hundert jahre alt sein musste, war er fast bis zur Spitze geritten. Nurnoch Anton war vor ihm gewesen als dieser Plötzlich anhielt. Fast wäre Raphael in ihn reingeritten doch er fasst seine Gedanken schnell genug um sein Pferd zum Stand zu bringen. Sie stiegen hier ab und zusammen mit den Anderen schritten sie über die Pforte, wo man sie scheinbar passieren ließ.
Die Wachen hier waren noch auffallender geschmückt als die in der Stadt. Diese Stadt musste reich sein. Er schaute nach Oben, wo der Palast mehr als hunderfünzig Fuß aufragte. Raphael musste sein Schitttempo verlangsamen um den anderen nicht im Erkundungsdrang davonzulaufen.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Di 02 Okt 2012, 18:05

Auch Theodor stieg von seinem Pferd ab und ließ den Blick schweifen. Du liebe Güte, er war im Himmel gelandet. Nie wieder wollte er hier weg! Sicher, das war ein Ding der Unmöglichkeit, doch Theo wollte zumindest für den Augenblick träumen. Seine Augen wanderten die gewaltige Mauer nach oben, er fühlte sich bis ins Mark inspiriert. Bisher hatte seine räumliche Vorstellungskraft nicht ausgereicht, um ein solch gewaltiges Gebäude in einem solch nahen Blickwinkel zu malen, naja, er hatte noch nie ein Solches zu Papier gebracht. Aber nun... Dieser Moment musste bis in alle Ewigkeit in Hirn und Herzen eingraviert werden, seine Hand mit dem Bleistift machte etwas auf dem Zeichenpapier, das in seiner Zittrigkeit eher eine hässliche Kritzelei war, aber war im Moment egal. Es ging um den Eindruck, der festgehalten werden musste, damit er nachher auf dem fertigen Bild die Schönheit erhalten konnte, die ihm gebürte.
Aber nun meldete sich seine soziale Ader und er wandte den Blick von dem bombastischen Anblick ab und sah nach seinen Freunden. Schließlich durfte es nicht passieren, dass er sie verlor. Das würde einige Probleme aufwerfen, denen er sich nicht stellen wollte. Doch es schieß diesbezüglich kein Problem zu geben. Auch die Anderen waren zu sehr mit Schauen und Staunen beschäftigt, um schnell weiterzuziehen. Das war ihm nur recht, denn von ihm aus konnte die Palastbesichtigung bis in den späten Abend dauern.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Do 04 Okt 2012, 22:39

Und schon war Martyn ausgerissen. Anton ging gemessenen Schritts hinter dem jungen Adeligen her, nicht minder beeindruckt von der Landschaftsarchitektur der Gärten. Sein Blick wanderte von Strauch zu Hängereben, dann zu einem kleinen Brunnen, der fröhlich vor sich hin sprudelte, und um den herum auf Polstern einige Muftis oder was auch immer ihr Rang und ihre Funktion war, sassen.
"Martyn! Warte doch! Ich -"
Was dann kam, verzückte ihn weitaus mehr als all die Blumen und Ranken - Mädchen! Verschleiert zwar, aber weibliche Formen waren eindeutig zu erkennen. Sie trugen Tabletts voller Tee und Spezereien zu den Herren am Brunnen. Der junge Schmied war mittlerweile auf Kopfhöhe mit Martyn, und lugte mehr verdattert als irgendwie kontrolliert in den kleinen Rund des Gartenabschnitts, gesäumt von Ranken, hinein.
Aber keiner der in weiße Roben gekleideten, braungebrannten, mit kunstvoll geflochtenen Bärten oder kurzen Stoppeln versehenen Herren nahm Anstoss an der Anwesenheit der Fremden. Vielmehr hob einer die Hand und machte eine unmissverständliche Geste zu den Neuankömmlingen, sich auf die zahlreichen noch freien Polster zu setzen.
"Wir wären schlechte Gastgeber", hob der augenscheinlich Ranghöchste, mit einem goldenen Stirnreif um die schon stark zurückgegangenen, schulterlangen weißen Haare bekleidet, in einem gestochenen Pagon an, "Wenn wir unseren Mittagstee nicht mit Freunden teilen würden - Auch wenn wir sie noch nicht kennen."
Anton hatte zwar seine Mühe, zu verstehen, auch wenn der alte Mann gemessen sprach, aber "Teilen" und "Freunde" verstand er ohne Probleme. Langsam trat er näher und hob seine Hand zum Gruße, blickte verlegen in die Runde. Die alten Männer schienen allerdings keine Feindseligkeit zu hegen, denn sie lächelten alle recht freundlich zurück.
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Grim
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Fr 05 Okt 2012, 17:13

"Wir sind Reisende aus Bernhaven, nördlich der estaynischen See", erklärte Martyn und ließ sich auf einer der zahlreichen Decken nieder, die die alten Männer ausgelegt hatten. "Mein Name ist Martyn Tollard." Er deutete der Reihe nach auf seine Begleiter und stellte auch diese vor. "Wir sind nach Al-Adra gekommen um die fremden Völker und Kulturen des Südens kennen zu lernen", schloss er.
Einer der alten Männer öffnete den Mund zu einem breiten Lächeln, das eine Reihe bräunlich verfärbter Zähne entblößte. "Dann ist es Wissen, wegen dem ihr hier seid", antwortete er freundlich, "Das ist selten, vor allem bei so jungen Menschen wie ihr es seid. Alle besuchen sie unserer Stadt wegen des Goldes, wollen Handel treiben und Profit machen. Reisende, die aus so viel edleren Motiven unsere schöne Stadt besuchen, sind eine angenehme Abwechslung und umso willkommener!"
"Ich danke für eure Freundlichkeit und euren Tee", erwiderte Martyn ein wenig steif. An und für sich sprach er Pagon schließend, doch die höfischen Umgangsformen waren ihm nicht völlig geläufig. "Ihr kennt nun unsere Namen, gute Männer. Dürften wir die euren erfahren?"
"Ich bin Scheik Sortan al-Chandri, Minister und treuer Diener unseres gütigen Herrschers, dessen wundervolles Haus ihr hier besucht", stellte sich derjenige vor, der sie zuerst eingeladen hatte, "Das hier sind Jonius Zahalla, Arim al-Nuuri und Keled Dhayl, Rechtsgelehrte und meine guten Berater. Wir sitzen gerne hier draußen um zu philosophieren. Aber nun, da wir Gäste haben, möchtet ihr uns vielleicht über die großen Städte hinter dem Meer erzählen? Auch wir sind gewissermaßen Wissenssuchende..."

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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 08 Okt 2012, 14:31

Anton schlenderte hinter Martyn her und ließ sich auf eine der Bänke sinken. Der Kerl, al-Chandri, schien ein mächtiger Mann zu sein, und ein freundlicher dazu. Sonst hätte er sie wohl kaum zum Beisitzen eingeladen. Er verstand auch soviel, dass er erkannte, dass der Minister ein wenig aus dem Norden hören wollte. Also hob er das Wort, bemüht, keine Fehler zu machen, und sprach langsam.
"Meister Al-Khalasi ist der Vertreter der Nord-Süd-Handelsgesellschaft in Bernhaven. Wir leben in dieser Stadt, sie ist groß und wir treiben viel Handel. Ich bin ein Schmied, Waffenschmied, wie ihr seht, und möchte von den hiesigen Schmieden lernen. Mein Vater besitzt eine Waffen...", verdammt, wie sagte man auf Pagon Manufaktur?, "Waffen ... Anlage ... Herstellungs ... Anlage.", Ah, gut, "Was mir auffällt, ist die Gleichartigkeit der Häuser eurer Stadt und die geraden Straßen. Bei uns ist alles winkel- ... verwinkelt."
Das musste reichen, und immerhin blickten ihn die Männer nicht mit Missbilligung an. Naja, Martyn vielleicht. Aber der Moment, in dem der Adelige den Stock aus seinem Arsch kriegen würde, wäre noch weit entfernt, da bräuchte es schon einen halben Weltuntergang.
Anton griff sich nach einem fragenden Blick, der von Al-Chandri mit einem nicken quittiert wurde, eine der Süssigkeiten. Honig im Blätterteig! Paradiesisch!


Zuletzt von Palenque am Mo 08 Okt 2012, 15:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lias
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 08 Okt 2012, 14:58

Im Gegensatz zu den anderen erkannte Saadia die Rangabzeichen bei den Männern. Ihr Vater hatte ihr davon erzählt. Die Bernhavener trugen meist Schärpen in bestimmten Farben. Bei den Pageanern hingegen gab es zwar auch Schärpen, aber allein die Gürtelschnalle des Ministers zeigte dessen Amt an. Ein Minister war einer der höchstrangigen Beschäftigten des Palastes. Umso verwunderlicher war es, dass man sie, eine Gruppe Fremder, einfach so einlud. Das war eine hohe Ehre. Blieb nur zu hoffen, dass niemand sie hier blamierte. Bei Antons Pageanisch rutschte Saadia auf jeden Fall schonmal das Herz in die Hose. Aber der Minister und seine Begleiter schienen das ganz gut aufzunehmen.
Die Dienerinnen starrte Saadia einen Moment lang mit Missbilligung im Blick an. Aber es wäre mehr als unhöflich gewesen deswegen einen Aufstand zu machen, also blieb die junge Frau still. In den Palast zu kommen war zumindest verblüffend einfach gewesen. Die aktuelle Unterhaltung wollte Saadia auf jeden Fall nicht unterbrechen.

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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Mo 08 Okt 2012, 16:39

In stummes Staunen versunken, schlenderten die beiden Zwillinge den breiten Weg durch den Besucherbereich der Gärten entlang. Selbst Flora und Fauna stellten sich als wesentlich luftiger und freundlicher heraus, als im Norden, breit auffächernde Palmen säumten ihren Weg, betörend duftende Blüten lugten hier und da aus akkurat gepflegten Hecken hervor, während die Szenerie von sanften Gesängen hiesiger Vögel untermalt wurden. Gemächlich schritten die beiden durch diese Idylle, darauf bedacht, jeden noch so kleinen Eindruck aufzusaugen, bis Isaac plötzlich in jemanden hineinlief.
"Verzeiht, Theodor", lächelte er entschuldigend, nachdem er sich gefangen hatte. Einen kurzen Blick konnte er auf die Skizzen des Malers erhaschen, die er in aller Eile und der Angst nichts zu verpassen, gerade anfertigte. Das Wichtigste, wie Mauerumrisse, der Verlauf des Gartens und markante Stellen des Palastes auf der Anhöhe hatte er wahrlich prägnant getroffen, doch konnte er den Schraffuren und groben Linien keine Ästhetik abgewinnen. Schnell wand er sich ab, um nicht in Verlegenheit zu kommen, seine Kritik loszuwerden. Eiligen Schrittes schloss er zum Kopf der Gruppe auf, die sich bereits auf Bänken niedergelassen hatte, scheinbar auf Einladung einiger Einheimischen. Schlagartig mäßigte Isaac sein Lauftempo, ging mit der Würde, die ihm anerzogen worden war, auf die Sitzgesellschaft zu.
"Seid gegrüßt. Darf ich mich zu euch zu gesellen", fragte er die Anwesenden höflich auf Pagon und verbeugte sich knapp, aber huldvoll. Er richtete sich wieder auf und lächelte freundlich in die Runde, warf dabei einen kurzen Seitenblick zu Martyn, in der Hoffnung ein stilles Zeichen für angemessen oder unangebracht zu erhalten.
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BeitragThema: Re: Südwärts [MSG-Thread]   Di 09 Okt 2012, 12:46

Anton gab sich redlich Mühe, Konversation mit den Männern zu betreiben, der Rest zog es vor, still zu sein. Martyn begnügte sich damit, mit undurchsichtiger Miene zu lauschen während der Schmied sprach und ihren Nachzüglern - den Zwillingen - mit einem Nicken zu bedeuten, Platz zu nehmen. Als Anton sich, von den Schwierigkeiten, vor die die Sprachbarriere ihn stellte, ein wenig verunsichert, dem Gebäck zuwandte übernahm Martyn jedoch und begann seinerseits von ihrer Heimat zu erzählen. Sein Pagon war flüssig, wenn auch langsamer als das eines Muttersprachlers und er zweifelte nicht daran, dass er mit deutlich hörbarem Akzent sprach, doch der Minister und seine Rechtsgelehrten bestärkten ihn immer wieder mit aufmunterndem Nicken fortzufahren und so sprach er weiter von der großen Kathedrale in Bernhaven, der Universitätsbibliothek von Peiringen und dem großen Glockenturm am Schneidertor. Schließlich, nachdem er der Meinung war, den Wissensdurst der Männer ausreichend befriedigt zu haben, lenkte er das Thema wieder auf den Palast von Al-Adra.
"Man hat uns gesagt, dass es möglich sei, Teile des Palastinneren zu besichtigen", forschte er nach, "Wäre dies möglich? Wir wären wirklich sehr interessiert daran..."
Al-Chandri bejahte mit einem Nicken und Lächelte. "Gerne würde ich euch selbst durch den Palast führen", erklärte er nach kurzem Schweigen, "Doch ich fürchte, wichtige Geschäfte warten auf mich, die keinen Aufschub dulden. Ich kann euch jedoch einen meiner Jungen schicken um euch herum zu führen. Als meine Ehrengäste sollen euch alle Türen offen stehen, die auch mir offen stehen. Wenn gleich ich euch warnen muss: auch mir sind gewisse Teile des Palastes verboten!"
Das Angebot des Scheiks überraschte Martyn gleichermaßen, wie es ihn erfreute. "Die Gerüchte über die Gastfreundschaft der Pageani, die den Norden erreichen, sind wahrlich nicht übertrieben, verehrter Herr Minister", bedankte Martyn sich und verbeugte sich so tief, wie ihm das im Sitzen möglich war ohne seine Würde zu verlieren, "Gerne würden wir dieses euer Angebot annehmen."

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