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 Chaoswelten [PX-01]

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Nalim
Gottverdammtescheißenochmal
Nalim

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Chaoswelten [PX-01] Empty
BeitragThema: Chaoswelten [PX-01]   Chaoswelten [PX-01] EmptySa 15 Sep 2012, 16:35

"Los! Bewegung!" Mit Nachdruck und zwei Händen wurde er in das Gebäude vor sich bugsiert, das mehr einer Festung glich als sonst irgendetwas. Die Männer neben ihm trugen eine Art Kampfanzug, der an den richtigen Stellen umgearbeitet worden war, um ihm den Touch eines Ledermantels zu geben. Die Panzerung, der Helm mit den roten Augengläsern und der integrierten Gasmaske ließen erahnen, dass die Panzerung nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Förderung der Furcht gedacht war.
"Achtung! Stufe." Fast wäre er hingefallen, nicht etwa wegen der Stufe, sondern weil das laute Schreien des Soldaten zu seiner Linken, das Gekeife auf Deutsch, sein Herz immer für einen Moment still stehen ließ, weil er fürchtete nun seinen letzten Fehler getan zu haben.

Kaum hatten sie das Haupttor passiert, schloss sich die Tür hinter ihnen, die vor ihnen jedoch blieb weiterhin versperrt. Ein kurzes, fast unerträgliches Warten stellte sich ein, bis sie mit einem Zischen von der Decke und den Wänden in Nebel gehüllt wurden. Sicherheitshalber hielt er die Luft an, nicht dass ihm das viel geholfen hätte. Wie eine Wand aus roten Licht, das durch den dicken Nebel wunderbar zu verfolgen war, ging eine Art Laserschranke zwischen ihnen hin und her, die neben den Atemgeräuschen der beiden Männer neben ihm, das Einzige war, das er noch hören konnte.
´´Dekontamination abgeschlossen..´´ Verkündet von einer weiblichen, unnatürlich klingenden Stimme, bevor ein Licht das knapp über der Tür saß, sich grün färbte und diese sich endlich öffnete.
Der Rest des Gebäudes war ähnlich steril wie diese Kammer. Lange, endlose Gänge aus mattem Stahl sorgten schnell dafür, dass er nach den ersten 3 Abzweigungen nicht einmal mehr wusste aus welcher Richtung sie grade gekommen waren. Die Schilder mit den Namen waren auf Deutsch und halfen ihm weniger dabei sich zurecht zu finden.
Ihre Reise endete in einem Raum, der, anders als alle Vorhergegangenen, einmal durch Abwechslung einlud. Parkett am Boden, Wände mit roter Farbe und Lampen, die warmes und kein blendendes Licht warfen, erinnerten stark an einen Saal, der für Theateraufführungen genutzt wurde.
Unterstützt wurde diese Annahme von der Tribüne, die sich am Ende des Raumes befand, und den Stühlen, die fein säuberlich gestapelt an der Seite lagen.
Nur zwei Stühle waren in der Mitte des Raums. Einer von ihnen war schon besetzt, von einer Silhouette die er wegen der Lichtveränderung noch nicht ganz wahrnehmen konnte. Neben der Person war ein Tisch, mit einem Korb voll Gebäck.
Die Tür, die sich hinter ihnen schloss, während sie noch auf ihn zugingen, erweckte wohl die Aufmerksamkeit des Mannes, der seinen Kopf nach hinten drehte und sich dann erhob. Er war ein alter Mann mit grauen, schulterlangen Haaren und einem etwas faltigen Gesicht. Zu seiner Überraschung wurde er von dem alten Mann mit einem breiten Lächeln angestrahlt. Jedoch fixierte er sich weniger auf das Lächeln als auf das mechanische Auge in seiner linken Augenhöhle das ihn wohl zu einer Art Cyborg machte.

"Ahh.. ausgezeichnet. Ich wollte erst gar nicht glauben als ich gehört habe, dass es ein Mensch gewesen sein soll, der unter unser Verteidigungsnetzwerk gekrochen ist. Wirklich bemerkenswert. Normalerweise haben wir es höchstens mit Würmern in der Größe eines Schäferhundes zu tun... Da sind Sie ja mal eine deutlich weniger eklige Überraschung. Nichts gegen die Kreaturen auf dieser Welt aber.. Würmer.. bah."
Dass er Englisch sprechen konnte, überraschte ihn nicht annähernd so sehr wie die Tatsache WIE er mit ihm redete. Dazu kam noch, dass er auf ihn zu kam, um ihn dann mit einer herzlichen Umarmung zu begrüßen als wären sie alte Schulfreunde.
"Lassen Sie mich Sie als Erster auf PX-01 begrüßen.. ich gehe einfach davon aus das ich die erste Lebensform bin, die wirklich mit ihnen spricht? Die Spezimen hier haben es nicht so mit Worten" Er zwinkerte ihm zu und deutete dann in die Richtung seines Stuhles, neben dem sich noch ein Weiterer befand "Setzen Sie sich.. es fängt gleich an. Meine Männer haben sich extra etwas ganz Besonders für Sie ausgedacht, ein paar heimische Gefühle bei Ihnen wecken, sie wissen schon. Wir haben eigentlich nur auf Sie gewartet!" Aufgeregt wie ein Kind, das gerade eine große Tüte voller Süßigkeiten entdeckt hatte, setzte sich der alte Mann auf seinen Platz und klatschte aufgeregt in die Hände.
Er war sich nicht sicher, was er tun sollte, also nahm er die Einladung einfach an, nicht ohne dabei zu vergessen, dass diese ganze Basis wohl voller bewaffneter Soldaten war.
Kaum hatte er sich auf seinen Platz nieder gelassen und das Angebot des alten Mannes neben ihm, als dieser ihm einen Korb voller Weihnachtskekse entgegen hielt, mit erhobener Hand abgelehnt, verdunkelte sich das sowieso schon schummrige Licht und tauchte den Raum in totale Dunkelheit.

Mit einem Knallen das man üblich von Scheinwerfern her kannte, wurde der rote Vorhang, der immer noch geschlossen war, erhellt und blendete ihn für einen Augenblick.
Rasselnd öffnete sich dieser Vorhang und enthüllte die Bühne. Sie war recht schmucklos und recht leer. Im Zentrum der Bühne, vielleicht etwas nach links versetzt, saß ein Soldat in voller Kampfrüstung, nur mit dem feinen Unterschied das er ein weißes Kleid darüber trug und die Beine übereinander geschlagen hatte.
Neben ihm, etwas entfernt am Rand, nur zur Hälfte vom Licht des Scheinwerfers beleuchtet, war ein großer schwarzer Flügel, an dem wieder ein Soldat saß, zwar ohne Kleid, trotzdem in voller Kampfmontur. Ihm überkam das Gefühl, dass auch die restlichen Schauspieler dieses Stückes kaum ein anderes Outfit tragen würden.
Nach einer kurzen Stille, in der er angestrengt nicht zu lachen versuchte, begann das Klavier zu spielen und eine Stimme ertönte, die ganz sicher nicht die des Soldaten im Kleid war, jedoch gestikulierte er entsprechend..
´´Where have all the good men gone´´
´´And where are all the gods?´´
´´Where's the street-wise Hercules´´
´´To fight the rising odds?´´
Der Soldat, der bis jetzt gesessen hatte, entwinkelte nun seine Beine und stand auf, um mit seinen Armen deutlicher zu gestikulieren die er wohl entsprechend des Liedes ausbreitete.
´´Isn't there a white knight upon a fiery steed?´´
Er ballte seine Fäuste und hielt sie sich vor die Brust, während sein Blick nach rechts glitt, über die Bühne bis an die Wand.
´´Late at night I toss and I turn and I dream of what I need´´
Er ging in die Knie und sah schräg nach oben an die Decke.

Natürlich kannte er das Lied, doch die folgende Interpretation, die er zu sehen bekam, passte doch interessanterweise sehr gut zu seinen vorhergegangenen Erlebnissen und schien die Absurdität, die er bis dahin erlebt hatte, noch ein kleines Stück zu steigern.
Die kurze Stille, die von dem deutlich aktiveren Teil des Liedes gebrochen wurde, stand im Einklang mit einem weiteren Soldaten, der von rechts in das Stück schlitterte, mit einem grauen Papphelm mit roten Federn auf dem Kopf, einem Schild und einem Schwert, das aussah, als hätten es ein paar Kinder für ihre Schulaufführung gebastelt. Gleichzeitig kamen von links, nicht geschlittert, sondern gelaufen, ein paar weitere Soldaten mit Helmen und Schwertern, jedoch ohne Feder.
Das Stück ging weiter, nach dem Kampf wurde es kurz schwarz und der ´´Held´´ saß offensichtlich auf einer Art mechanischen Bullen den man, wie auch immer, in dieser kurzen Zeit dort hinbekommen hatte, während sich hinter ihm nun ein Hintergrund bewegte und wohl das Reiten simulieren sollte, bis von links ein ´´Turm´´ ins Geschehen geschoben wurde, auf dessen Spitze der Soldat im Kleid stand und weiter ´´Sang´´.
Das alles gipfelte in einem Kampf gegen einen Drachen, der von ein paar Leuten an Stöcken getragen wurde, bis der ´´Held´´ die ´´zu Rettende´´ in seinen Armen hielt und sich der Vorhang wieder schloss.
"Fantastisch!" Während der ganzen Aufführung war der alte Mann neben ihm aufgeregt hin und her gewippt und als es nun zuende war, der Vorhang zuging, und dann wieder auf, so dass alle sich vor den beiden verbeugen konnten, wie es im Theater wohl üblich war, war er aufgesprungen, um laut zu applaudieren.
Er selbst fügte sich dem Druck und war ebenfalls aufgestanden, um zu applaudieren, nicht so euphorisch wie der alte Mann, denn er fürchtete, wenn er so heftig klatschen würde, würden ihm die Hände abfallen.

"Wären Sie doch nur letzte Woche gekommen.. die Aufführung von Alice im Wunderland.. da haben sich meine Männer förmlich selbst übertroffen!"
Wischte er sich da eine Träne vom Gesicht?
"Gut. Gut, gut. Lassen Sie uns jetzt dazu kommen warum Sie hier sind. Sie wissen doch wieso Sie hier sind?"
Er machte grade den Mund auf um zu antworten, wurde jedoch unterbrochen bevor er etwas sagen konnte.
"..Natürlich wissen Sie das.. Verzeihen Sie mir meine Naivität.. ich bin noch etwas.. aufgewühlt wegen dem Stück. Fantastisch.. einfach fantastisch. Kommen Sie" Der alte Mann fasste ihn an der Schulter und führte ihn aus dem Theater heraus, zurück in die deutlich kälter beleuchteten Gänge.
"Seit wir hier angekommen sind, hat sich unser Verständnis für diese Welt und ihre Bewohner deutlich verbessert. Vor allem über die Chaosereignisse. Erst dachten wir, dass sie einem natürlichen Rhythmus folgen, dass es so etwas ist wie eine Art.. natürliche Auslese. Die Starken überleben, die Schwachen sterben, Sie verstehen schon. Leider, und es ist schockierend das festzustellen, sind die Ereignisse keinesfalls der Teil eines natürlichen Rhythmus. Sie sind zwar natürlich, sind jedoch die Ergebnisse unseres Eindringens in diese Welt. Wir sind uns jedoch nicht sicher, ob es dabei um eine Selbstheilung der Welt geht, um die Barriere, die die Universen getrennt hatte, zu oder aber ob es wie äußerst aggressives Immunsystem versucht die Fremdkörper zu vertreiben. Bei Letzteren ist es nicht klar, ob WIR diese Fremdkörper sind, oder aber etwas Anderes, das mit uns gekommen ist.. leider können wir das auch nicht heraus finden, da wir hier festsitzen und jeglicher Kontakt nun schon seit knapp mehreren Jahren vollkommen abgebrochen ist.."
Sie gingen durch die Gänge, vorbei an Türen, Abzweigungen und anderen Leuten die ihnen begegneten, jedoch selbst wohl genug zu tun hatten.
"Sie fragen sich jetzt bestimmt: Wieso erzähle ich Ihnen das?" Er blieb stehen und fasste ihn an der anderen Schulter um ihn eindringlich anzusehen. "Diese Welt ist mit nichts zu vergleichen was Sie und ich von zu Hause kennen. Hier gelten andere Gesetze, andere Regeln. Seit nun knapp mehreren Wochen messen wir eine starke Konzentration an Alpha-Wellen die vom Zentrum dieser Welt ausgehen und im Nichts enden, nicht weit entfernt von dort wo wir und natürlich auch Sie, angekommen sind.
Jetzt dürfen Sie raten, was aufgehört hat, eine kleine Weile bevor wir ihre Ankunft bemerkt haben.."
Er löste den Griff und sie gingen weiter bis sie endlich eine der Türen benutzten und die kühlen Gänge verließen, die bei ihm Unbehagen hinterließen.
Der Raum sah einem Labor am ähnlichsten. Geräte und Maschinen, dessen Zweck er nicht einmal bestimmen könnte, wenn er die Zeit hätte sie auseinander zu nehmen. Auch waren hier die ersten Menschen, die nicht in einen Kampfanzug steckten, abgesehen von ihm und dem alten Mann. Da sie alle weiße Kittel trugen und äußerst beschäftigt wirkten, ging er davon aus, dass es wohl Wissenschaftler waren.
"Obwohl die Universen voneinander getrennt waren, ist es wohl wahrscheinlich, dass schon immer eine Art Verbindung zwischen ihnen bestand.. aber es ist eindeutig, dass irgendetwas, das hier verankert ist.. ein Bewusstsein.. vielleicht ein Wesen, das das alles steuert oder ein Kollektiv Sie unbedingt hier haben will. Wahrscheinlich um das zu reparieren, was kaputt ist, und da Sie neben mir stehen sind Sie diesem Ruf wohl ohne Zweifel gefolgt.. und das nicht zu früh.."
Er ging zu einem Bildschirm, der an der Wand hing und ein Linien-Diagramm zeigte. Die Linie hatte sich zwar etwas hakelig bewegt, die Tendenz zeigte jedoch ganz deutlich nach oben.
"Das sind unsere Messungen zu der Intensität der Ereignisse. Seit unserer Ankunft haben sie sich drastisch verstärkt und die Wirkung auf diese Welt ist eindeutig. Es ist das pure Chaos. Stellen Sie sich jeden Weltuntergangsfilm vor, den Sie jemals gesehen haben und übertragen Sie das auf diese Welt.. so schlimm steht es und wir sind uns nicht sicher, wie viel diese Welt noch tragen kann bevor.. naja, bevor es einfach vorbei ist.." Ein angespanntes Schweigen, in dem er auch die Blicke der anderen Wissenschaftler spüren konnte.
"Sie sind hier. Und jetzt müssen wir Sie so schnell es geht ins Zentrum schaffen. Sie können sicher gut auf sich selber aufpassen, aber ich werde Ihnen trotzdem ein paar meiner Männer mit geben, die Ihnen dabei helfen sollen das Zentrum zu erreichen. Das hier ist einfach zu wichtig für uns alle. Jemand steht schon vor der Tür und wird Sie nach draußen begleiten. Passen Sie auf sich auf.. viel Glück"
Das letzte Händeschütteln, bevor es nun richtig los gehen sollte..
Sein letztes Kapitel..


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