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Dreyri
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Dreyri

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Daily Life Empty
BeitragThema: Daily Life   Daily Life EmptyFr 25 Jan 2013, 13:08

Ich neige dazu... mein Leben mit einem gewissen, zynischen Humor wahrzunehmen. Situationskomik ist dabei irgendwie vorprogrammiert.
Hier ein kleiner Einblick in die Welt, wie ich sie wahrnehme:




Ein kleines Stadterlebnis

Es ist der 27. November 2012. Nasse Konfetti kleben auf dem nassen Boden. Sie verleihen der grauen, verregneten Welt ein wenig Farbe. Trotzdem wirken sie trostlos, wie sie von tausenden Füssen getreten auf dem Boden liegen und langsam zu Matsch werden.
Es regnet. Schon den ganzen Tag regnet es. Alle Leute gehen unter Regenschirmen und Kapuzen versteckt durch die Strassen, blicken einander missmutig an und fluchen über das Wetter.
Ich bin auch nicht gerade begeistert vom Regen. Aber es ist nun mal, wie es ist. Es ist nun mal nicht mehr Hochsommer, nein, in den Schaufenstern sieht man Tannenbäume, Lichterketten, Engel, Kerzen und sonstigen Weihnachtskram. Es geht auf Weihnachten zu. Da wünscht man sich natürlich Schnee, wobei ich Schnee nicht unbedingt besser finde als Regen, doch das ist definitiv Geschmackssache.
Nun denn, es ist 11.45 Uhr. In fünfzehn Minuten fährt mein Zug. Ich habe eine eineinhalbstündige Autofahrstunde hinter mir und entsprechend bin ich erschöpft. Lacht nur, aber ich bin wirklich ziemlich kaputt, nach so einer Fahrstunde.
Ich steh also vor dem McDonalds, der unten im Bahnhof steht und bestelle mir einen Cheeseburger (eigentlich sind es zwei, aber ich will nicht so gierig wirken).
Damit gehe ich weiter zu den Ticketautomaten, die seit neuestem in einer ziemlich langen Reihe stehen. Ich stelle die Tüte mit dem Cheeseburger auf den Boden und lasse mein Ticket raus, wobei ich mich über die Unsumme aufrege, die ich dabei ausgebe.
Zumal ich ja sowieso eher selten kontrolliert werde.
Ergeben schlendere ich die unterirdische Strasse entlang, links und rechts führen Treppen zu den Gleisen. Gleis 12 ist zusammen mit der 13 das letzte Gleis.
Ich spaziere an einem Kiosk, einem Bücherladen, mehreren Sandwichbuden und einem Zeitungsverkäufer vorbei.
Der Zeitungsverkäufer verspeist gerade ein Sandwich.
Nachdem ich der Menschenmasse erfolgreich unter Einsatz meines Lebens ausgewichen bin, erreiche ich Gleis 12. Dort zwänge ich mich weiter an den Leuten vorbei zu den Bänken. Hierbei will ich bemerken, dass die Bänke zu wenig an der Zahl sind. Ausserdem sind sie aus Eisen. Das ist an kalten Tagen wie heute einfach grausam!
Ganz links sitzt eine Dame mittleren Alters. Ihr rötliches Haar steckt unter einer grünen Mütze, ihr Mantel ist mit einem Fellkragen geschmückt.
Ganz rechts sitzt ein junger Mann. Er hat Kopfhörer auf und trägt einen dunklen Mantel. Er bemerkt mich nicht, weil er sich gerade eine Zigarette aus der Packung klaubt. Neben ihm liegt ein Blumenstrauss. Zwischen dem Blumenstrauss und der Dame ist gerade noch genügend Platz für mich. Ich setze mich, woraufhin der junge Mann entsetzt seinen Blumenstrauss rettet.
Danke, ist mein Hintern so fett?! Trotzdem lächle ich ihn an. Er lächelt zurück, steht dann aber gleich auf um dem Zug entgegen zu hasten, der gerade einfährt. Ruhig Junge, denke ich. Es sind knappe 3 Meter bis zum Zug und er kommt ja gerade erst an. Das wirst du junger Knabe ja sicherlich hinkriegen, oder?
Ich lasse ihn rennen, soll er doch.
Dabei bemerke ich, dass die Frau zu meiner Linken die Nase leicht rümpft und demonstrativ in eine andere Richtung schaut. Liegt es an mir, oder hat sie sonst irgendwas gesehen? Vielleicht meinen Cheeseburger?
Egal, ich greife jetzt erst einmal herzlich zu. Die Uhr über meinem Kopf zeigt nun 11.53 Uhr an.
Die Ansage geht los, die uns wartende Fahrgäste darauf aufmerksam macht, dass der soeben angekommene Zug nun wieder losfährt.
Vielen Dank für die Information.
Der erste Cheeseburger ist vernichtet. Ich greife gerade zum zweiten, als sich ein Fass in mein Blickfeld bewegt.
Als ich es genauer betrachte, entpuppt sich das Fass als korpulenter, alter Mann. Er steht direkt vor mir und starrt nach oben zur Anzeigetafel.
Korpulent ist vielleicht falsch ausgedrückt. Er ist ein Walross. Ich meine, bestimmt gute 2 Meter groß und in etwa genauso breit. Ein Koloss von einem Mann!
Er hat sich die Anzeigetafel nun zur Genüge angesehen und senkt den Blick. Ich bete, dass er weitergehen will. Ich linse nach Rechts, zu dem freien Platz. Hoffentlich erscheint er ihm zu schmal.
Doch wie es das Schicksal so mit mir will... er dreht mir seinen gewaltigen Hintern entgegen und platziert ihn direkt neben mir.
Ich verkneife mir ein resigniertes Seufzen. Ich verkneife mir das Seufzen nicht mehr, als der Alte eine Zigarettenschachtel hervor nimmt und mit den wulstigen Lippen einen dieser Krebsstängel aus der Schachtel fischt und anschließend anzündet.
Der Rauch – wie sollte es auch anders sein – weht mir zielgerecht ins Gesicht. Ich könnte heulen.
Ich hab absolut nichts gegen fülligere Menschen. Warum sollte ich etwas gegen Dicke haben? Die haben ja auch nichts dagegen, dass ich so ein Zweig bin.
Ich lasse meinen zweiten Cheeseburger im Sack und als der Zug, die S3 nach Biel, einfährt, bin ich die erste, die aufspringt um ihm entgegen zu rennen. Meine Rettung, mein Held!
Zusammen mit einer Gruppe gestresster Menschen belagere ich eine der Eingangstüren, sodass die aussteigenden Personen kaum einen Platz haben um sich raus zu zwängen.
Alle wollen an die rettende Wärme.
Auch ich.
Glücklicherweise finde ich einen Viererplatz der noch leer ist und schnappe mir da einen Sessel. Niemand Anderes setzt sich zu mir. Schön.
Die Dame am Viererplatz nebenan wirkt auch zufrieden, alleine wie sie ist.
Der Zug fährt los, ich lehne mich zurück, der übrige Cheeseburger ist vergessen. Ein Fehler, wie sich später herausstellt.
Bei der ersten Station beginnt das nächste Drama. Ich höre das schreiende Kind schon beim Eingang, mache ein böses Gesicht und bete, dass die Frau gegenüber das Problem an den Hals kriegt.
Vielleicht war die Sünde mein Gedanke, vielleicht auch der zweite Cheeseburger. Tatsache ist, die Frau mit dem heulenden Kind setzt sich natürlich zu mir.
Ich lächle sie etwas verunsichert an. Lächeln ist immer gut, entspannt fast jede Situation. Zum Dank schleudert mir das Kind seine blaugrüne Mütze entgegen. Na vielen Dank auch.
Es schreit und soweit ich das beurteilen kann, geht es ums fernsehen. Naja, was soll ich machen?
Bei der nächsten Station setzt sich noch eine Frau zu uns. Wieder eine Dame mittleren Alters, begleitet von einer penetranten Duftwolke. Ich kann und will den Duft nichts zuordnen. Sie setzt sich neben mich. Jetzt bin ich eingekesselt. Vor mir junge Mutter mit quengelndem Kleinkind, neben mir Duftwolke.
Duftwolke kann ihren Mund nicht halten und spricht die junge Mutter auf ihr Kind an.
Sie beginnen ein Gespräch das mich nur mässig interessiert. Ich bin lediglich froh, bin ich nicht zur Zielscheibe der Duftwolke geworden.
Ich packe nun also endlich meinen zweiten Cheesburger aus, entferne das Papier und will gerade beherzt reinbeissen, als ich von einem Aufkeuchen unterbrochen werde.
„Sie wissen schon, dass für diesen Burger ein unschuldiges Tier sterben musste?“, werde ich gefragt.
Ich halte inne und blicke die Duftwolke an. „Ja, das ist mir bewusst“, antworte ich ein wenig baff. Was sollte das denn?!
„Sie können also mit reinem Gewissen ein Stück Leiche essen?“
Ich blinzle und weiß echt nicht, was ich sagen soll. Leiche? Wo? In meinem Burger? Ah, sie meint das Rind.
Langsam senke ich den Burger und wickle ihn wieder ein. Die Duftwolke verdirbt mir noch den ganzen Appetit.
Vor allem, als sie dann beginnt, mir einen Vortrag über schlechte Tierhaltung und arme Tiere und Ähnliches zu halten, schalte ich geistig ab und lächle sie bloß dümmlich an. Zumindest so lange, bis ich endlich an meiner Station bin. Ich ergreife abermals die Flucht und draußen schlägt mir kalter Wind und Regen entgegen.
Ich seufze auf. Diesmal ist es ein glückliches Seufzen, denn ich nehme meinen Cheeseburger und beisse mit gutem Gewissen rein.
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