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 Chapter 1: Beyond the Curtain

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BeitragThema: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 16 Apr 2014, 04:14

Es ist der 21. Dezember 2012, kurz vor Weihnachten. Die halbe Menschheit ist auf den Beinen und stürmt in aller Welt in die Großstädte und Metropolen, belagert Einkaufszentren, Einzelhandelsgeschäfte und Fabriken um die letzten Geschenke für die Lieben daheim zu besorgen. Es ist das Fest der Liebe und Fröhlichkeit, des warmen Feuers, das allerorts in den Kaminen knistert und Kinderaugen erleuchtet. Ja, man könnte meinen überall herrsche zu dieser Zeit nur Frieden und Glückseeligkeit, nun, zumindest in den Familien. Nicht umsonst ist die Selbstmordrate in allen christlich geprägten Ländern der Welt in der Weihnachtszeit am höchsten. So wie sich die reichen und geliebten Menschen mit Geschenken und falschen Lächeln bewerfen, so wirft der einsame Mann in seinem dunklen kleinen Appartment nur eines - die Schlinge um seinen Hals.
Aber dieses Datum steht natürlich nicht nur für das zwiespältige Familienfest oder die vermeintliche kommende Geburt eines falschen Gottessohns, nein, für viele Menschen steht der 21. dieses Monats für Chaos, Zerstörung und ganz allgemein das Ende der Welt. Nun, Wahnsinn hat viele Gesichter, nicht wahr? Doch manchmal ist die Wahrheit zu verstörend um sie glauben zu können, egal ob ein brabbelnder Irrer sie vor sich hinstammelt oder man sie mit den eigenen Augen sieht. So auch an diesem Abend.


Hektische Schritte in der Dunkelheit. Das Geräusch eines im Wind flatternden Mantels, begleitet von schnellen, kurzen Atemzügen. Eine schemenhafte Gestalt bewegte sich flink wie ein Wiesel durch die engen Gassen der Stadt, fernab von all dem Trubel, den Neonlichtern und Reklametafeln, für die Tokyo in aller Welt bekannt ist. In der Bewegung des Unbekannten war kein Muster erkennbar, er schlug Haken und wechselte mehrmals unvermittelt die Richtung, Zäune und andere Hindernisse überwand er praktisch mühelos. Jede seiner Bewegungen machte einen beinahe mechanischen Eindruck, wie der Griff eines Roboters der tagtäglich die selben Aufgaben ausführt. So bahnte er sich seinen scheinbar ziellosen Weg durch die erst kürzlich hereingebrochene Nacht. Die spärliche Beleuchtung der Laternen rundum erlaubte zumindest die Züge, die unter der Kapuze des dunklen Mantels steckten, zu erahnen. Es war das junge Gesicht eines Mitteleuropäers, gepaart mit einem asiatischen Hauch um die Augen. Mehr war jedoch auch nicht zu erkennen, denn sein Gesicht wurde bis zur Nase von einem eng gebundenen Schal verdeckt. Ein vermummter Jugendlicher der abends wie vom Teufel persönlich gejagt durch die Stadt rennt? Man muss kein Genie sein um darauf zu kommen, dass er etwas ausgefressen haben musste.
Da waren sie auch schon, seine Verfolger. Vier erwachsene Männer, tobend und schreiend, waren ihm anfangs dicht auf den Fersen, doch gegen sein jahrelanges Parkour-Training waren sie nicht gefeilt und so wurde der Abstand zwischen ihnen mit jeder Sekunde größer. Sogar fahrende Autos stellten kein Problem dar, wenn er einfach mit dem richtigen Timing über die Motorhaube glitt und am anderen Ende elegant auf die Füße kam. Es war nicht klar herauszuhören, warum sie den jungen Mann verfolgten, so wild brüllten sie durcheinander.
Während ihrer Hetzjagd kamen die Beteiligten dem Zentrum der Stadt immer näher. Gleichzeitig wurde es lauter und heller um sie herum.
Hier herrschte totales Chaos, unzählige Menschen strömten von Geschäft zu Geschäft, um die letzten, dringend benötigten Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Das Fest der Liebe hat in Japan bei weitem nicht so einen großen Stellenwert wie zum Beispiel in den USA, jedoch blüht die Wirtschaft auch hier in dieser Zeit besonders stark auf, nicht zuletzt wegen dem ebenfalls nahenden Neujahrsfest.

Es ist kurz vor 21 Uhr, ruhig.
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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 16 Apr 2014, 14:45

Morty sitzt gähnend vor seinem PC. Fast 14 Uhr. Noch zwei Tage, und einmal aufstehen, und er hat die Idioten im Betrieb nicht mehr zu ertragen. Zumindest bis nach Neujahr. Das ist doch auch mal was. Er fährt sich durch die kurzen Haarstoppel auf seinem Kopf und überlegt, ob er eine Zigarettenpause machen soll. Joh, warum eigentlich nicht? Heute ist ein langsamer Tag. In seinen Foren gibt es heute eine Menge Threads bezüglich des Weltuntergangs, und auch wenn er wirklich keinen gesteigerten Bock hat, seine langweiligen Privilegien zu verlieren, so ist es doch zumindest eine Idee, die ihn unterhält, bis der nächste Idiot mit einem Computerproblem anruft.

Ring, Ring

"Ja, hallo, IT ... Verdammt, hast du versucht, es zu resetten? Mach das mal. ... Himmelsacknaa, An-und-Ausschalten ist resetten. Genau, der kleine Knopf auf der anderen Seite, neben dem Start-Schalter. Und speicher ab, woran auch immer du gearbeitet hast, bevor du den drückst. Genau. Sonst sind die Daten weg. Ciao."

Er verschränkt seine Arme hinter dem Kopf und lehnt sich in seinen Bürostuhl, der nun gefährlich nahe am Umkippen ist. Übung.

Was gibt es denn für Frau Mama zu Weihnachten? Würde mal sagen ... Irgend so ein Parfüm oder was noch ... Dessous, damit sie Paul, ihrem aktuellen Stecher, besser gefällt? Wäre doch irgendwie unpassend, wenn das von ihm käme. "lol, Wincest." Er kichert, und hängt sich wieder an den Computer, googelt nach Last-Minute-Geschenken.
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Mali
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 16 Apr 2014, 17:03

In Dublin war es 13 uhr am Nachmittag. John saß mit seinem Chef im Büro der Security und Detektei McDowell.
Ewan McDowell war etwa 43 jahre alt und Johns Chef. Die anderen angestellten waren entweder gerade an einem Job dran oder im Weinachtsurlaub. Jonathan würde um 17 oder 18 uhr feierabend haben, wenn er glück hatte. Sein Rotblondes Haar trug er zur zeit als Pferdeschwanz gebunden und trug ein Hemd, dessen ärmel hochgekrempelt waren und eine bluejeans, dazu ein paar angenehm zu tragende Turnschuhe. Da er nicht viel zu tun hatte, schrieb er in seine Ausbildungsmappe und erledigte den Papierkram, der anstand. Der Tag war angenehm, nicht zu kalt und nicht zu warm. Draussen liefen Passanten umher, auf dem Weg zum weihnachtseinkauf. Oder woanders hin. Wer wusste das schon so genau.
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 16 Apr 2014, 20:05

Es war die letzte Vorlesung des Tages gewesen. Eine Vorlesung, die sich schier endlos hingezogen hatte. Jedenfalls war es Ilja so vorgekommen. Aber wie hätte es auch anders sein können, an einem Freitag, spät abends? Wenn man das wohlverdiente Wochenende erwartete, dann zog sich der Rest des Tages immer schleichend dahin. Zumal, wenn es ein so langer, so voll gestopfter Tag wie dieser war. Warum ausgerechnet der Freitag? Konnten nicht wenigstens am Freitag die Vorlesungen einmal mittags enden? Sicher, Ilja studierte gerne. Er war sich bewusst, dass das ein Privileg war, das nicht jeder besaß. Und er mochte sein Studium. Er bereute nichts, nicht die Entscheidung zu studieren, die Wahl seines Studienfachs, des Studienorts. Aber an einem Freitag bis 18.00 Uhr in der Uni sitzen zu müssen, das ärgerte ihn.
Ilja trug einen gefütterten Parka, einen Wollschal und eine Fellmütze mit Ohrenklappen. Dennoch traf ihn die Kälte wie ein Schlag ins Gesicht als er die Universität verließ. Den Schal bis zur Nase gezogen, die Hände trotz der Handschuhe in seinen Jackentaschen, schritt er forsch aus um sich wenigstens durch die Bewegung ein wenig Wärme zu verschaffen. Es war weniger die Kälte an sich, die ihm zusetzte. Daran war er gewöhnt. Vielmehr die krasse Differenz zwischen dem geheizten Hörsaal und der Außentemperatur. Seit dem letzten Kälteeinbruch benötigte er immer fast seinen gesamten Heimweg, bis er sich halbwegs akklimatisiert hatte. Glücklicherweise war es, seit er von daheim ausgezogen war, nicht mehr weit von der Uni bis zu seiner Bude. Obwohl er sich an die Hauptstraßen hielt – die waren immerhin gut beleuchtet – begegnete er kaum Leuten. Zu kalt. Zu spät. Und was hätte sie auch heraus treiben sollen? Bis Weihnachten war es noch ein paar Wochen hin. Die Vorbereitungen liefen, aber die hektische Betriebsamkeit würde erst nach dem Jahreswechsel einsetzen.
Mit den Gedanken bereits in seiner Bude, sich bei einem Teller heißer Suppe und einem Schluck Vodka wärmend, beschleunigte Ilja abermals seinen Schritt.

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Porphyrion
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 16 Apr 2014, 21:18

"Ja, IT hier. Nein, Ich habe vor 2 Stunden den Flash Player aktualisiert, für was auch immer. Aber ich habe diverse Videoseiten geblockt. Du solltest ohnehin kein Youtube auf der Arbeit gucken ... oder sonstwas."
Wenn er schon keinen Spass hatte, sollte auch sonst keiner Spass haben, nichtmal der fette Peter aus der Buchhaltung. Er hatte dessen Chronik schon ein paarmal gecheckt, anscheinend fühlte er sich sicher genug, sich auf der Arbeit einen auf thailändische Frauen runterzuholen. Naja, "Frauen". Heh. Fetter notgeiler Sack. Wenn Er, Martin, schon genug Anstand besass, in seinem Serverkeller nicht zu wichsen, sollten die in den höheren Etagen doch bitte zumindest versuchen, ihr Gesicht zu wahren. Was dachten die sich dabei? Admin sieht alles!
Er wandte sich wieder seiner Geschenkeseite zu. Jup, er würde seiner Mutter einfach eine lahme Schürze bestellen, mit dem Aufdruck World's best Mom. Das Englisch seiner Mutter war zwar erbärmlich, aber dafür würde es reichen. Ach ja, die grenzenlose Liebe eines Sohnes. Wenn er die dumme Fresse von Paul nochmal sehen müsste, bevor es Weihnachten war, würde er sich hart zurückhalten müssen, ihn nicht auf seine stark gekrümmte Nase und seinen dicken Bauch anzusprechen, oder zumindest irgendeinen gemeinen Kommentar fallen zu lassen. Aber dann wäre das Fest wieder im Arsch, wie letztes Jahr mit Hannes, der ihm auch nicht so recht gefallen hatte. Naja, immerhin schleppte seine Mutter keine Türken an. Das wäre ja wohl ... Argh. Okay, Amazon Prime, und das Ding bestellt, würde morgen ankommen. Geschenke verpacken war nicht, aber man konnte es ja einfach recht schnell präsentieren. Warum hatte seine Mutter eigentlich so einen miesen Geschmack bei Männern? Sein Vater war zwar ein Arsch gewesen, sah aber wenigstens gut aus. Wenn man den Bildern und seinen Genen glauben konnte. Er verzog einen Mundwinkel. Ja, er, Martin Dingeldey, war schon ein sexy Bastard. Schade, dass das keine Frau einsah.
Ein Blick auf die Uhr: Noch eineinhalb Stunden bis Feierabend. Er sass schon seit acht Uhr früh hier drin, und tat nichts wirklich weltbewegendes.
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Syari

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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 23 Apr 2014, 16:19

Kay warf einen Blick auf die Uhr. Kurz nach eins. Nicht mehr lange und sie hatte frei. Endlich frei, für heute. Die Weihnachtsfeiertage stellten eine Unterbrechung ihres Trainings und Ernährungsplans dar, deshalb musste sie vor den Weihnachtsfeiertagen, der mit faul sein und Essen lockte, umso härter trainieren, um sich auch all das erlauben zu können. Und sie wollte es sich erlauben. Wenn sie von ihrer Partnerin im Doppel hörte, dass diese das Weihnachtsessen an ihren Ernährungsplan angepasst hatte, konnte Kay nur den Kopf schütteln. Das wollte sie gar nicht und das wäre auch gar nicht möglich. Was würde ihre Oma sagen, wenn sie mittags den Schokoladenkuchen verschmähte? Nein, da war jetzt trainieren doch besser.
Sie stellte die Wasserflasche bei Seite und fuhr sich mit dem Handtuch durchs Gesicht. Das Training heute war anstrengend. Sie hatte die Nacht über zu wenig geschlafen und das machte sich nun bemerkbar.
"Kann es weiter gehen?", Cameron schaute sie grinsend an, doch auch sein Körper hatte merklich an Temperatur gewonnen, ihm stand der Schweiß auf der Stirn und sein Atem ging schnell.
"Klar, aber diesen Satz lasse ich dich nicht gewinnen!", lachte Kay, nahm den Schläger von der Bank und ging zurück auf das Spielfeld. Sie hasste drinnen spielen, aber draußen war es zu kalt.
"Micht gewinnen lassen, na das werden wir ja sehen und jetzt mach deinen ach-so-bösen Aufschlag!"
Kay grinste und warf den gelben Ball in die Luft. Noch knapp eine Stunde!
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Ape

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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyDo 24 Apr 2014, 21:38

Sieben Uhr morgens, Duschen. Wie jeden Morgen. Da hatte Joshua seine festen Gewohnheiten. Doch Duschen um sieben hieß nicht auch bis kurz vorher zu schlafen. Dafür sorgte sein großer Bruder schon mit dem er sich das Zimmer teilte. Um Punkt vier Uhr ging sein Wecker los, zeitgleich mit dem seines Vaters ein Zimmer weiter. Aufstehn, für Alle. Frühstücken, auf zum Hafen, Schiff beladen. Da war es ganz egal ob heute Weihnachten war oder nicht. Nur Grandma blieb liegen, sie brauchte ja nicht arbeiten. Seine Mutter würde nach dem Frühstück wohl Anfangen das Essen für den heiligen Abend vorzubereiten.
„Die Fische beißen früh besser“, meinte Vater immer, wenn er nicht mit den ersten Sonnenstrahlen die Netze auswerfen konnte ging man ihm besser den Rest des Tages aus dem Weg.
Joshua fuhr nie mit hinaus auf das Meer, er half nur mit den alten Kutter startbereit zu machen. Er mochte die See nicht sonderlich, schon nach wenigen Minuten auf einem Boot wurde ihm schlecht, das war schon immer so gewesen. Er hatte einfach lieber festen Boden unter den Füßen, darauf konnte man laufen, schnell laufen. Joshua liebt das Laufen, es ist sein Leben.
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Vicati
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptySa 26 Apr 2014, 01:42

Der Geruch von Curry zog durch den Garten, drängte den schwachen Duft der Blumen zurück und weckte Nilams Magen auf, der sich mit einem leisen Knurren bemerkbar machte. Der Junge war hin- und hergerissen zwischen Aufstehen und sich eine frühe Portion zu essen zu holen oder einfach im Garten bleiben, bis jemand ihn holte. Mit einem Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk stellte er fest, dass es schon 17:30 Uhr war. Sein Vater kam immer um diese Zeit nach Hause. Wahrscheinlich waren die Bediensteten schon damit beschäftigt, den Tisch zu setzen. Immer um Punkt 18:00 Uhr begann das Abendessen und Nilams Nanny würde ihn spätestens zehn Minuten vorher suchen und wahrscheinlich ziemlich schnell finden. Und wenn er sie ignorierte, würde sie schnell aufgeben und ihn tragen. Das gab den Ausschlag. Er konnte noch eine halbe Stunde auf sein Essen warten, wenn er dafür nicht selbst laufen musste.
Mit einem Naserümpfen versuchte er, den Essensgeruch aus seiner Nase zu vertreiben und das Wässern seines Mundes zu stoppen. Dafür war sein Platz auf der Steinbank nicht besonders gut geeignet, da nur wenige Schritte entfernt ein kleines Küchenfenster offen war, mit einer Tür in die Küche selbst gleich daneben. Da er aber nicht bereit war, den Platz aufzugeben, drückte er seine kleinen Hände gegen die Bank und rutschte seinen Körper ein Stück zur Seite, näher an die Blumen heran. Er hoffte, dass deren Duft so nahe stark genug war, dass der penetrante Currygeruch verdrängt wurde. Leider war es nicht genug und Nilam hätte wahrscheinlich das Gesicht verzogen, wenn er Unzufriedenheit damit assoziiert hätte. So sass er nur mit wässrigem Mund, knurrendem Magen und dunklen Gedanken über seinen eigenen Körper da. Schliesslich hob er eine Hand zu seinem Gesicht und drückte seine Nase zögerlich zu. Das stoppte den Currygeruch, allerdings auch den Blumenduft. So dasitzend bereute er seine vorherige Entscheidung, nicht schon etwas zu essen, fast. Aber nur fast. Er müsste laufen, um sich etwas zu essen zu holen. Und Nilam hasste Laufen.
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyDo 01 Mai 2014, 06:55

Einige hundert Meter weiter schien Benjiro seine Verfolger endlich abgeschüttelt zu haben. Nahe des lokalen Marktes legte er eine Pause ein; keuchend lehnte er mit dem Rücken an einer Hauswand und versuchte seine Atmung zu regulieren. In der Hektik war er aus dem Takt gekommen, hatte Seitenstechen bekommen. Anfänger, scholt er sich selbst, mehr laufen, weniger denken. Diese Burschen waren ihm den halben Tag auf den Fersen gewesen und Benjiro wusste nur zu gut, was sie als nächstes tun würden. Nachdem sie ihn aus den Augen verloren hatten, waren sie jetzt unter Garantie auf dem Weg zu seiner kleinen, schäbigen Wohnung in einer der leerstehenden Fabrikhallen am Stadtrand. Dort würden sie zuerst ein mehrfach verschlossenes Rollgitter überwinden müssen, was jedoch mithilfe eines Schneidbrenners nur wenig Zeit in Anspruch nehmen sollte. Einmal drin, wäre das einzig verbliebene Hindernis der alte Lastenaufzug, für dessen Inbetriebnahme ein Schlüssel erforderlich ist - den Benjiro stets sicher in einem seiner Schuhe aufbewahrt. Welche Optionen blieben dem Schlägertrupp also? Während er darüber nachdachte, rutschte er langsam an der Wand hinab. Die Pause durfte ruhig noch einen Moment länger dauern, denn nach Hause konnte er schließlich nicht. Kein Zuhause. Ah, selbstverständlich! Er war ihnen entwischt, also würden sie seinen Rückzugsort einfach dem Erdboden gleichmachen und niederbrennen. Übliche Vorgehensweise, denn an die Behörden könnte er sich keinesfalls wenden und egal bei welchem seiner Bekannten er Unterschlupf suchen sollte, sie würden davon erfahren. Letztendlich blieb ihm also garkeine andere Wahl als freiwillig zurückzukommen und seine Bestrafung zu akzeptieren. Aus den Augenwinkeln beobachtete er das geschäftige Treiben in der Nebenstraße, versuchte seine Gedanken zu fokussieren. Zu schnell, zu hektisch. Falsche Atmung. Beruhig dich.

21 Uhr.

Der Planet verstummt, doch die Menschen hören es nicht.
Von einer Sekunde zur nächsten ließ jeglicher Wind nach, jeder kleinste Luftzug kam zu erliegen, überall, auf der ganzen Welt. Schiffe verloren plötzlich vollständig an Fahrt, weltweit kamen sämtliche Windräder und -kraftwerke zum Stillstand, auf dem ganzen Planet erklingt kein einziges Glockenspiel mehr, nicht eine einzige Wetterfahne die wild um die eigene Achse rotiert. Eine Gruppe von Nomaden, unterwegs in der ägyptischen Wüste, die eben noch von einem Sandsturm dahingerafft zu werden schien, sattelte soeben wieder die Kamele. Einige Huskys der Inuit Alaskas, deren Besitzer schon großen Jagderfolg und ein Festmahl vor sich gesehen hatten, verloren in der Windstille sämtliche Spuren der Beute. Ja selbst in Chicago, der amerikanischen Stadt des Windes, wehte nicht einmal mehr ein laues Lüftchen. Fast im selben Moment verstummten allerorts die Tiere. Kein Vogel der noch singen, kein Hund der noch bellen konnte oder wollte. Sogar die ewig plappernden Papageien kamen auf einmal zur Ruhe. Obwohl es überall gleichzeitig passierte, waren die Menschen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt um diese bizarre Stille überhaupt wahrzunehmen.

Nur eine Sache weckte geringe Aufmerksamkeit; die finsteren Wolken, die am Nord- und Südpol aufzogen und sich scheinbar schon innerhalb weniger Minuten über mehrere hundert Quadratkilometer ausgebreitet hatten. Die Wetterstationen zeigten sich vorallem besorgt über die Frage, wie das bei kaum bis garkeinem Wind überhaupt möglich sein sollte. Doch dabei denkt doch niemand gleich an den Weltuntergang, nicht wahr?


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Grim
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMo 05 Mai 2014, 21:09

Im Treppenhaus des Mietshauses, in dem Ilja dicht unter dem Dach seine Wohnung hatte, war es nur unwesentlich wärmer als auf der Straße. Eine Heizung gab es nur in den Wohnungen und so die Bausubstanz des gesamten Blocks, der noch aus grauester Sowjetzeit stammte, bot wenig Isolation gegen die Außenwelt. Dennoch beeilte Ilja sich, rasch ins Innere zu schlüpfen und die Haustür in einem kümmerlichen Versuch, die Kälte draußen zu halten, rasch wieder ins Schloss zu werfen. Zumindest dem schneidenden Wind war er entkommen. Allein dadurch bereits wieder ein wenig zufriedener gestimmt nahm er Mütze und Handschuhe ab und schritt die Treppe in den vierten Stock empor. Das waren eine Menge Stufen, aber einen Lift gab es in dem alten Gebäude natürlich nicht. Aber immerhin wurde ihm hierbei endgültig warm. Jetzt noch in die Bude kommen, die Heizung hoch drehen und der Abend konnte noch richtig behaglich werden.
Iljas gute Laune verflog jedoch komplett als er oben ankam und bemerkte, dass er dort bereits erwartet wurde. Zwei Milizionäre standen vor der Tür seines Zimmers. So, als ob sie schon lange dort harrten, wirkten sie aber nicht. Hatten die Bastarde sich also seinen Stundenplan besorgt? Oder ließen sie ihm nach schnüffeln? Nun, die Botschaft war jedenfalls klar. Schon ehe die beiden auch nur den Mund aufmachten. Was sie freilich nicht daran hinderte, dies ebenfalls zu tun.
"Ilja Michailowitsch Sokolow?", fragte der Ranghöhere, ein hagerer, glattrasierter Mann mit stechend grauen Augen. Nun, eigentlich war es keine wirkliche Frage. Die beiden wussten genau, wer er war. Nachhaken, das taten sie nur pro forma. Also nickte Ilja, auf der obersten Treppenstufe stehen bleibend. Was hätte er auch sonst tun sollen?
"Wir hätten einige Fragen an sie bezüglich des Aufmarschs vom 19.12. Das war vorgestern", fuhr der Milizionär fort. Na großartig! War ja klar, dass sie deshalb hier waren. Ja, er hatte natürlich an der Demo teilgenommen. Ja, er war auch einer der Initiatoren gewesen. Nicht, dass es eine große Demo geworden wäre. Knapp über hundert Leute. Aber sie war ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Es hatte Gewalt gegeben, ein Dutzend Festnahmen. Daran war er nicht beteiligt gewesen. Er prügelte sich aus Prinzip nicht. Aber gut: wer tat das schon? Die Miliz hatte angefangen. Aber den beiden das unter die Nase zu reiben wäre so ziemlich das Dümmste, was er tun konnte. Nein, hier musste er sich... kompromissbereit geben.
"Bitte, hören sie...", beeilte er sich zu beschwichtigen ehe der Milizoffizier ihn aufs Präsidium bitten konnte, "Ich bin ein gesetzestreuer Bürger und kann ihnen versichern, dass ich keinerlei Straftaten begangen habe." Aber darum waren sie ja auch gar nicht hier. Sein Vergehen war, dass kritisch war. Dass er es wagte, aufzubegehren. Viel konnten sie ihm nicht an tun. Aber ihn für ein paar Tage festhalten, wegsperren, das war schon drin. Dafür brauchten sie keine Beweise gegen ihn. Und was noch schlimmer wäre: Gerüchte über seine Festnahme an die Universität weiter leiten. Da war der Miliz alles zuzutrauen. "Aber das, was vorgestern passiert ist, tut mir dennoch aufrichtig leid und ich würde mich freuen, wenn wir diese Sache... gütlich regeln könnten." Das war der riskante Punkt. Aber wie so häufig hatte Ilja sich nicht in der Miliz getäuscht. Zwar gab der Mann nicht ein Wort auf sein Angebot zur Antwort, doch seine Mimik verriet deutlich, dass er wohlwollend zuhörte.
Ilja griff nach dem Portemonnaie in seiner Gesäßtasche. "Könnten wir diese Unannehmlichkeit vielleicht aus der Welt schaffen, wenn ich eine Spende für wohltätige Zwecke tätige?", fuhr er, zuversichtlicher nun, fort und begann, Rubelscheine abzuzählen, dabei immer die Züge des Milizionärs im Auge behaltend.
"Das ist sehr großzügig", sagte der Mann als Ilja die Scheine schließlich faltete und streckte die Hand aus, "Wir werden sie für sie an karitative Einrichtungen weiter leiten." Er nahm das Bündel entgegen und verstaute es in seiner Innentasche. Nicht ein Rubel davon würde je gespendet werden. Das war ihnen allen klar. Aber Ilja hatte Erfahrung darin, sich seinen Ärger nicht ansehen zu lassen. Oh, wie sein Vater toben würde, wenn er davon erfuhr. Aber er musste ja nicht unbedingt davon erfahren. Ilja würde den Teufel tun und ihm davon berichten oder gar um mehr Geld zu bitten. Lieber lebte er einen Monat lang von Brotsuppe.
"Einen schönen Abend noch, Ilja Michailowitsch Sokolow", verabschiedete der Milizionär sich und machte sich, seinen Kollegen im Schlepptau, auf den Weg die Treppe hinab. Ilja betrat nun endlich seine Bude und drehte die Gasheizung auf. Aber die Vorfreude auf einen behaglichen Abend war ihm nun gründlich verflogen.

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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMo 05 Mai 2014, 23:52

Morty konnte nicht mehr. Alle Beiträge, in denen er aktiv war, waren tot. Toter als tot, sie verrotteten. Das würde nicht besser werden, bevor er nach Hause kam. Einen neuen Beitrag aufmachen war auch nicht drin, weil ihm nichts einfiel. Scheiss drauf, Spiegel-Artikel lesen, die Kommentarsektion trollen, Leuten auf den Sack gehen. Besser als nichts.

Er hatte gerade einen köstlichen Beitrag geschrieben, in dem er alle Zuwanderer als Kakerlaken und alle Politiker rechts der CDU als Rettung Deutschlands bezeichnet hatte, abgesetzt, als ein Satellitenbild seine Aufmerksamkeit weckte. Windstille? Wolken über dem Nordpol? Interessant. Vielleicht sollte er mal rausgehen und das nachprüfen. Er warf sich seine Jacke über, hängte ein Schild mit der Aufschrift "Compiling Code, do not disturb" an die Tür, und machte sich auf den Weg nach oben. Draußen angekommen war tatsächlich Windstille. Kurios! Er fummelte seinen E-Zigaretten-Akkuträger hervor und schnaubte eine dicke Wolke in die Luft vor ihm. Eh, das Ding blieb echt stehen. Keinerlei Wind, nichts.

Naja, vielleicht kam der Weltuntergang rascher als erwartet. Es war immerhin der 21.12.2012. Er beschloss, draußen zu bleiben. Mehr aus perverser Kuriosität als aus irgendeinem anderen Grund.
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  EmptyMi 07 Mai 2014, 22:24

John hatte gar nicht bemerkt, das sich etwas geändert hatte, bis er dann doch aus dem Fenster sah. Überall über der Stadt waren dunkle Wolken. Sie sahen aber anders aus, als normale Wolken. Sie sahen dunkler aus, bedrohlicher. John fühlte sich unwohl. Die Menschen draussen sahen alle zum Himmel oder flohen in ihre Wohnungen. Alle Tiere waren verstummt und drückten sich ängstlich irgendwo herum. Das ging nicht mit rechten dingen vor.
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BeitragThema: Re: Chapter 1: Beyond the Curtain    Chapter 1: Beyond the Curtain  Empty

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