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 Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont

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Fellknäuel
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BeitragThema: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mo 28 Nov 2011, 15:58

New Jericho, Cromwell´ s Tower, 12. April 2013



Auf der Spitze des Cromwell´ s Towers, von der einige sagen, sie sei der höchste Punkt von New Jericho, befand sich das Penthouse des Multimilliardärs James Cromwell. Wobei Penthouse eigentlich die falsche Bezeichnung war - im Grunde war es mehr eine Prunkvilla, auf dem Dach eines Wolkenkratzers plaziert. Hier oben gab es einen Swimming Pool, auf den so manches Luxus-Hotel neidisch gewesen wäre. Einen idyllischen Garten. Und sogar Helikopter-Landeplätze.
Im Augenblick aber wurde nichts von alledem genutzt, denn es war später Abend, und die Stadtkulisse von New Jericho hatte sich in ein Lichtermeer verwandelt, das den Eindruck erweckte, mit dem Sternenhimmel wett eifern zu wollen. Auch in vielen Zimmern von Cromwells Penthouse brannte noch Licht, darunter auch in seinem Büro, in dem gerade eine Versammlung statt fand.
Wie alles in diesem Gebäude war auch dieses Büro nicht nur ein Büro. Es hatte beinahe schon Ähnlichkeit mit einer kleinen Festhalle und beinhaltete u. a. einen großen runden Tisch aus edelstem Holz, um den sich etliche schwere Sessel reihten. In diesen Sesseln saßen James Cromwell und seine wichtigsten Unteranführer. Jeder von ihnen hatte die Leitung über ein Stadtviertel von New Jericho inne, und jeder von ihnen gehörte dem Syndikat an, jener mächtigen Verbrecherorganisation, die die Stadt in ihrem Würgegriff hielt. Und James Cromwell war der Mann, der das Syndikat aufgebaut und zu seiner ganzen Größe geführt hatte. Er war es, der diese Organisation mit eiserner Hand führte. Und das machte ihn zum mächtigsten Mann in New Jericho.
Dennoch hatte ihm diese Position in letzter Zeit immer wieder Kopfzerbrechen bereitet; eigentlich war das schon so, seitdem damals die sogenannte New Jericho Superheroes League so plötzlich auf der Bildfläche erschienen war. Jugendliche Streiter mit Superkräften, wie man sie sonst nur aus Comics kannte, hatten dem Syndikat plötzlich großen Ärger bereitet. Schließlich hatte Cromwell harte Maßnahmen ergriffen und einen Attentäter auf die Möchtegernhelden angesetzt. Das hatte die meisten von ihnen zum Schweigen gebracht; einer von ihnen hatte jedoch gnadenlos zurück geschlagen und war im buchstäblich letzten Moment abgewehrt worden. Ob er das überlebt hatte, wußte niemand, denn seine Leiche hatte man nie gefunden. Dennoch hielt Cromwell ihn für tot, denn er hatte seitdem nie wieder etwas von ihm gehört.
Eine Zeitlang war es ruhig gewesen, dann hatte sich neuer Ärger am Horizont zusammen gebraut. Eine bizarre Dämonenkreatur war aufgetaucht, und mit ihr weitere Superkämpfer. Ob sie irgendwie zusammen arbeiteten, hatte Cromwell nie in Erfahrung bringen können, doch dieser Dämon, der sich Infernal nannte, hatte ihm seitdem großen Ärger bereitet. Und das tat er immer noch. Es wurde Zeit, auch gegen ihn harte Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb war diese Runde am heutigen Abend versammelt.
"Das war alles, Sir," schloß gerade der Leiter des Distrikts New Jericho Central seinen Bericht über die Schäden, die von der Gegenseite in den letzten zwei Wochen verursacht worden waren. Er war der letzte gewesen, der seinen Bericht abgelegt hatte, und er hatte in keinster Weise dazu beigetragen, Cromwells Laune zu verbessern.
"Das sind eine große Menge Schäden, wenn man bedenkt, daß sie von so wenigen verursacht wurden!" bemerkte der Syndikatsboss finster. "Und für die meisten davon ist dieser verdammte Infernal verantwortlich. Es wird höchste Zeit, daß wir etwas gegen ihn unternehmen."
"Was ist mit Ihrer Elite-Assassine, Sir?" fragte der Leiter des Northridge-Distrikts. "Ich hörte, sie konnte ihm Paroli bieten?"
Cromwell, der trotz seiner fast sechzig Jahre noch immer mit einem ansehnlichen Äußeren aufwarten konnte, wog nachdenklich den Kopf. "Sie hat einige Male gegen ihn gekämpft, doch sie konnte ihn nie besiegen. Er sie allerdings ebenfalls nicht."
"Immerhin wurde sie nie besiegt," sagte einer der anderen. "Das macht sie zu einer vielversprechenden Waffe. Ich nehme an, sie ist hier im Gebäude?"
"Nein," sagte Cromwell kopfschüttelnd. "Ich habe sie mit einer anderen Mission betrauen lassen."
"Halten Sie das für sicher?" fragte der andere zweifelnd. "In letzter Zeit häufen sich die Anzeichen dafür, daß Infernal eine direkte Konfrontation an strebt. Möglicherweise kommt er sogar hierher!"
Ein leises Lachen war die Antwort. "Soll er ruhig," sagte Cromwell amüsiert. "Das würde unsere Probleme schlagartig lösen. Wir sind hier bestens abgesichert. Selbst Infernal kann nicht einfach hier ein dringen und mich an greifen!"
Einer seiner Unteranführer setzte zu einer Antwort an, doch diese ging in einem lauten Splittern unter, als ein gewaltiger schwarzer Schatten in einem Scherbenregen durch die Fensterfront brach und erstaunlich leichtfüßig auf dem Teppichboden auf kam. Ein schwarz glänzender Tentakel raste heran, schlang sich einem Lasso gleich um Cromwells Oberkörper und zog ihn aus seinem Sessel heraus hin zu Infernal, der drohend über ihnen auf ragte. Seine Dämonenfratze schien zu grinsen, als er mit tiefer grollender Stimme zu sprechen begann.
"Verzeihung, daß ich einfach so herein platze, Gentlemen, aber... ich fühlte mich gerade irgendwie herausgefordert!"
Die Männer am Tisch sprangen schnell auf und griffen nach ihren Maschinenpistolen. Doch keiner von ihnen wagte es, auf den geflügelten Dämon zu schießen - zu groß war die Gefahr, stattdessen Cromwell zu treffen, den sich Infernal mit einer seiner Klauen vor die Brust hielt.
"Immer noch so selbstsicher, Arschloch?" fragte Infernal mit hohntriefender Stimme. "Schätze, diesmal wirst du etwas mehr brauchen als eine EMP-Kanone, um mich zu besiegen!"
"Eine... eine EM... EMP-Kanone...?" wiederholte Cromwell, der nun tatsächlich viel von seiner Selbstsicherheit eingebüßt hatte, vor Angst zitternd. Doch trotz seiner Panik war er imstande, seinen Verstand gut genug zu gebrauchen, um den Hinweis zu verstehen.
"Was... Jason Phelbs?" fragte er ungläubig.
"Genau der!" grollte Infernal.
"A-aber... w-wie..."
"Wie ich diese Aufmachung hin bekommen hab, willst du wissen? Nun... sagen wir einfach, mein Erbe hat mich eingeholt...!"
Er drückte Cromwell fester an seine Brust, und diesem blieb die Luft weg. "Aber das kann dir ja scheißegal sein, nicht wahr? In deiner Situation... oder anders gesagt: wenn du es schaffst, die nächsten fünf Minuten zu überleben, kannst du mir so viele Fragen stellen, wie du willst!"
Langsam bewegte sich Infernal rückwärts auf die Fensterfront zu, wobei er nicht den Fehler machte, den Syndikatsboss aus der Schußlinie seiner Handlanger zu nehmen.

Die Geschehnisse im Penthous waren nicht unbemerkt geblieben, und so schwebte nun ein Helikopter, der von einem von Cromwells Landeplätzen auf dem Tower gestartet war, draußen vor der Fensterfront. Eine Infrarotkamera hatte den Nightmare bereits als Ziel ausgemacht, und in diesem Moment richtete der Pilot eine schwere Maschinenkanone auf sein Ziel. Er beeilte sich, nahm sich aber dennoch die erforderliche Zeit, um einen möglichst präzisen Treffer zu landen. Er wußte, daß er ohne weiteres auch Mr. Cromwell treffen konnte, wenn er auch nur den kleinsten Fehler machte.
Langsam näherte sich sein Daumen dem Feuerknopf...
"Mary Sue!" kreischte ein kleines geflügeltes Etwas, das urplötzlich von oben herab in sein Blickfeld drängte. Der Pilot schrie erschrocken auf.
"Emmy Lou!" rief ein anderes Wesen, das dem ersten glich wie ein Ei dem anderen und am linken Cockpitfenster auf tauchte.
"Betty Boo!" schrie ein drittes, von der rechten Seite aus.
Einen Moment lang herrschte Stille, dann zog einer der Imps eine Grimasse. "Also ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber ich finde, Satanas klingt viel cooler als Betty Boo!"
"Ja, hast ja recht," murrte ein anderer.
"Ich versteh gar nicht, warum er immer so gemein zu uns ist," sagte der dritte mit weinerlicher Stimme. "Merkt er denn gar nicht, daß er damit unsere Gefühle verletzt?!"
"Also ich hab irgendwie den Eindruck, daß er genau das beabsichtigt..." meinte der erste düster.
"Aber warum sollte er das machen?!" kam die erstaunte Frage von dem zweiten.
"Vielleicht hat er einfach nur so viel Streß? Man kennt das doch - da arbeitet einer und arbeitet und arbeitet und arbeitet... und irgendwann macht es BUM und er rastet aus! Und dann kann man ein richtiges Ekel sein..."
Diabolos, Mephistopheles und Satanas waren so in ihre Diskussion vertieft gewesen, daß sie den Piloten gar nicht mehr beachtet hatten. Dieser erholte sich von seinem Schock, zog eine Pistole heraus und gab einen schnellen Schuß auf den Imp zu seiner rechten ab. Der schrie entsetzt auf, röchelte noch ein wenig theatralisch vor sich hin und löste sich dann in schwarzer Schattenenergie auf.
"Er hat Betty Boo getötet!" kreischte Mephistopheles erschrocken.
"Du Schwein!" keifte Diabolos den Piloten an und schüttelte wütend seine Faust.
Der Mann hob seine Waffe erneut, doch nun bildeten die Imps kleine Feuerblitze in ihren Händen, die sie auf ihn schleuderten. Diese waren nicht wirklich tödlich, doch sie waren schmerzhaft und prasselten in so schneller Folge auf ihn ein, daß er vor lauter Schmerzen nichts mehr tun konnte. Schreiend wie wild um sich schlagend, kippte er nach vorne und direkt auf den Steuerknüppel. Der Helikopter machte einen Satz nach vorne und bewegte sich plötzlich sehr schnell von oben herab auf die Fensterfront des Penthouse zu.

Die fassungslosen Gesichter der Männer mit den Maschinenpistolen veranlaßten Infernal dazu, sich halb um zu drehen. Er zog eine Grimasse. "Man findet heute einfach kein vernünftiges Personal mehr...!" knurrte er angewidert. "Fest halten, Weichbirne - jetzt wird´ s ungemütlich!"
Er fuhr vollends herum und hechtete auf die Fenster zu, durch die er vorhin herein gebrochen war. Mit einem Hechtsprung schaffte er es gerade so eben, unter dem Helikopter hindurch über die Kante zu springen. Während über ihnen die Flugmaschine in das Penthouse krachte und explodierte, stürzte Infernal mit dem schreienden Cromwell in die Tiefe hinab.
"Freier Fall ist schon echt kraß, oder?" schrie Infernal begeistert, während sie dem asphaltierten Vorplatz näher und näher kamen. "Oh, übrigens hast du grad deine Hose naß gemacht!"
"D-du m-machst einen F-Fehler, wenn du mich um bringst!" rief Cromwell panisch. "Einen riesengroßen Fehler!"
Trotz der Situation brachte Infernal ein Schulterzucken zustande. "Wayne? Ich mach öfter Fehler... aber bei diesem hier fühl ich mich wenigstens verdammt geil!"
Er sah über die Schulter nach oben, wo sich gerade das brennende Wrack des Helikopters daran machte, aus dem ebenfalls brennenden Penthouse hinab zu stürzen, und richtete dann seinen Blick wieder nach unten.
"Sag mal, Mißgeburt - weißt du, was ein Fatality Move ist?"
Cromwells Antwort bestand aus einem unverständlichen Kreischen.
Infernal löste ihn von seiner Brust, holte aus und warf ihn geradewegs nach unten, ehe er sich in der Luft herum drehte und dem Mann mörderisch hart in den Rücken trat, so daß er glaubte, dessen Wirbelsäule brechen zu hören. Wie ein nasser Sack stürzte Cromwell, der noch nicht tot war, zwischen den mächtigen Fahnenmasten hindurch, die hier aus der Gebäudefront empor und über den Vorplatz hinweg ragten.
Infernal dagegen griff nach einem davon und riß ihn mit einer beiläufig wirkenden Handbewegung heraus. Er zielte kurz und warf die schwere Eisenstange dann mit einem wütenden Knurren dem fallenden hinterher. Die improvisierte Lanze spießte Cromwells Körper regelrecht auf und nagelte ihn dann in den Asphalt vor dem Gebäude. Der Mann war bereits tot, als das Wrack des Helikopters über ihm auf schlug und den Platz in ein Flammenmeer verwandelte.
Ein Stück davon entfernt schwebte Infernal sanft flügelschlagend herab und betrachtete die Szenerie.
"DAS war ein Fatality Move!" schrie er triumphierend. "YEAH! Dante, du Anfänger - mach DAS erst mal nach!"
Noch in der Luft verschränkte er die Arme vor der mächtigen Brust und starrte mit Genugtuung in die Flammen. In der Ferne waren Sirenen und Geschrei zu hören, doch das kümmerte den Nightmare jetzt nicht.
"Dad... Marcus... das war für euch!" grollte Infernal. Dann warf er den Kopf in den Nacken und stieß ein grauenerregendes Brüllen aus, damit auch jeder wußte, wer für diesen ausgesprochen spektakulären Mord verantwortlich war.


Seit dem Tod James Cromwells ist ein ganzer Monat vergangen, und New Jericho hat sich in dieser Zeit in einen Hexenkessel verwandelt. Als dem Syndikat der Kopf abgeschlagen wurde, begann der Körper durch zu drehen. Das Syndikat hatte seinen Anführer verloren, und nun brach ein brutaler Kampf um die Macht aus. Zwar konnte Alan Cromwell, James Cromwells Sohn, die Banden in Cromwell´ s Island zusammen halten, doch die übrigen erkannten ihn nicht als Anführer an.
Die zahlreichen Banden machten sich selbständig und bekriegten sich untereinander. Chaos und Anarchie beherrschen seitdem die Straßen der Stadt, und immer öfter muß die völlig überforderte Polizei das Militär zu Hilfe rufen, um der außer Kontrolle geratenen Gewalt Herr zu werden.
Ob Infernal diesen Zustand mit seiner Tat beabsichtigt hatte, weiß niemand, denn er wurde seitdem von niemandem mehr gesehen. Es ist fast so, als sei er vom Erdboden verschluckt worden.
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Lias
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mo 28 Nov 2011, 22:12

Sonnenstrahlen blitzten auf den gewaltigen Glasscheiben des Apartments, tauchten den Raum in sanftes, goldenes Licht. Das Schlafzimmer sah aus wie die Welt kurz nach dem Urknall. Stapel von Notizen erhoben sich vulkanartig vom Boden, formten Fontänen kleinerer Zettel, die sich wie beständige Ströme in das große Meer des weitestgehend unsichtbaren Bodens ergossen. Ein Haufen leeren Sushi- und Salatschachteln bildete einen pilzförmigen Auswuchs über dem Papierkorb. Alles deutete darauf hin, dass der Besitzer des Zimmers nach Gravitation ordnete. Das schwerste lag zuunterst. Vermutlich würde die Kontinentaldrift die Stapel langsam aber sicher umstoßen müssen. Nichts deutete darauf hin, dass der Besitzer dieses Chaos jemals auch nur den Gedanken gefasst hatte, Hand anzulegen und den ganzen Mist zu ordnen, aufzuräumen oder am besten direkt zu verbrennen. Ein Gähnen ertönte. Unter der Seidendecke bewegten sich schlanke Glieder. Räkelnd setzte sich Lucia auf und gähnte erst einmal ausgiebig. Wenn man die junge Frau so sah, würde man niemals vermuten, dass sie bereits mehrere Menschen umgebracht hatte, zumeist auf äußerst brutale Weise. Bebademantelt stapfte Lucia in die Küche, um sich einen Kaffee aufzusetzen. Die futuristisch anmutende Kaffeemaschine röchelte und zischte, während sie das heiße Lebenselixier bereitete. Lucia gähnte erneut. Ihre Kurse begannen erst nachtmittags.
"... einen Monat nach der brutalen Ermordung Mr. Cromwells scheint die Häufigkeit von Verbrechen noch zugenommen zu haben...", gab das Radio zu hören. Natürlich hatte sie das. Wie das antike Reich Alexanders stritten sich die Unterführer untereinander. Jeder suchte danach mehr Macht als die anderen zu erreichen. Lucia gab die Schweiz und nahm weiterhin jeden Auftrag an, den sie zugeschustert bekam. Man musste schließlich über die Runden kommen, haha.
Ob man sie bald wieder brauchen würde? Lucia glitt zur Dusche, während die Kaffeemaschine weiter die Geräusche eines Erstickenden von sich gab.

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Basol
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mo 28 Nov 2011, 22:44

"...und wieder hat die Morddichte in New Jericho einen neuen, katastrophalen Höchstwert erreicht!", sagte der Nachrichtensprecher. "Und jeder fragt sich, wohin dieser Schrecken führen soll. Nun gut, wir schalten nun live zum aktuellsten Brennpunkt..."
Pascal schaltete den Fernseher aus. Diese schreckliche Szenerie wollte er nicht sehen.
"Ach mann!", erklang eine genervte Stimme in seinem Kopf. "Du Trottel! Warum stellst du immer aus, wenns lustig wird?"
"Weil es nicht lustig ist, deshalb!", sagte Pascal zornig. "Also tu nicht so, als wäre es das!"
"Mann, du bist so ein Spießer!", knurrte Lacsap. "Werd endlich mal ein Mann ist ja nicht auszuhalten mit dir! Oder lass mich raus, dann kann ich den Beinen des ersten Volltrottels, den wir treffen, meine einzigartigen Holzfäller-Skillz demonstrieren!"
"Genau das wird nicht geschehen!", fauchte Pascal. "Ich trage mein Messer immer bei mir, d-damit ich mich selbst umbringen kann, wenn ich die Kontrolle über dich v-verliere!"
"Ach, du bist'n Boon...", erwiederte sein zweites Ich. "Du kannst dich nicht schnell genug töten, weil de nit die Eier hast, damit zuzustechen. Ich hingegen habe direkt eine Waffe in der Hand, die noch dazu wunderbar zum Bauchaufschlitzen geeignet ist. WUHAAHAHAHAHAHAHAHAAAAAAH!"
Pascal seufzte. Nein, er hatte jetzt keine Zeit, mit diesem Typen zu streiten, denn er musste los, zum Unterricht. Er durfte sich keine Fehlstunden leisten, also verließ er sein Appartment und rannte los.
"Hallo, Pascal!", rief ein sechsjähriges Mädchen, das Kind der Nachbarn, und hob die Hand zum Gruß.
"Hallo, Gaby...", lächelte Pascal schüchtern und hob die Hand. Sogar vor diesem kleinen Mädchen hatte er Angst.
"WOOYEAH!", donnerte Lacsap mit schriller, ausgeflippter Stimme. "Das kleine Dreckskind ist wieder da! Weißt du, was ich gerne mit der machen würde, in einem dunklen, abgeriegelten Zimmer?"
"Nein, und ich will es auch nicht wissen!", entrüsterte sich Pascal.
"Was meinst du?", fragte Gaby verwirrt.
Mist, dachte der Braunhaarige. Nun hatte er sich verplappert.
"Yeah, jetzt biste angeschmiert, was?", lachte die wahnsinnige zweite Persönlichkeit. "Jetzt schöpft sie Verdacht... Sie muss beseitigt werden! Wenn das nicht übers Herz bringst, lass mich raus!"
NIEMALS, brüllte Pascal innerlich. "Tut mir Leid, Gaby, ich muss los, tschüss!" Mit hastigen Schritten ging er davon, die Sache behagte ihm gar nicht. Er musste möglichst viel Abstand zwischen sich und den Unschuldigen lassen, sonst endete es fürchterlich.
"Da bist du aber schnell weggegangen!", lachte Lacsap. "So schüchtern... Biste etwa verliebt? In eine Sechsjährige? Huhahahahahaha! Du Pädophiiiiiler!"
"Nein, bin ich nicht!", gab Pascal zornig in Gedanken zurück. "Ich weiß nicht, wie es mit dir ist, aber ich will mit solchen Perversitäten nichts zu tun haben!"
"Du bist ich und ich bin du, vergessen?", höhnte Lacsap.
Ja, das war Pascals furchtbares Leben. Immer musste ihm dieses schreckliche Alter Ego die Hölle auf Erden bereiten! Er musste ihn ausblenden, so schnell wie möglich, denn nun kam er an der Schule an...
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Di 29 Nov 2011, 00:35

Jo schloss die Augen und genoss die Sonnenstrahlen auf seiner Haut. Unter sich konnte er wie in weiter ferne die hektische Menschenmenge hören, die vermutlich auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule war. Lächelnd, als er an die armen Schulkinder denken musste, stand er auf, klopfte sich den Schmutz von seiner Hose und atmete tief durch, während er vor sich die etwa 4 Meter breite Spalte betrachtete, die zwischen ihm und dem nächsten Hausdach lag. Kurzzeitig schweifte sein Blick weiter und suchte sich seine weitere Route, dann atmete er nochmals durch, schulterte seinen Rucksack und lief los. Mit jedem Schritt, mit dem er der Kante näher kam, konnte er spüren, wie sein Körper Adrenalin in sein Blut pumpte, während er immer schneller wurde. Ihm war bewusst, dass jeder Schritte sein letzter sein konnte, sollte er sich nun verschätzen oder ausversehen stolpern. Glücklicherweise trat keines dieser Unglücke ein und er sprang sauber von der Kante ab und flog durch die Luft. Zu schnell war der Spalt überwunden und das Dach kam ihm entgegen. Ohne darüber nachzudenken rollte er sich über seinen Rücken und seinen flachen Rucksack ab, um den Schwung aus dem Sprung noch ausnutzen zu können. Aus seiner Rolle heraus sprintete er weiter, überquerte das Dach, griff mit seinen Händen nach dem dort befestigten Geländer und schwang sich hinüber auf die Feuertreppe. In kurzer Zeit hatte er sich einen Weg nach unten gebahnt und trat aus der Seitengasse auf die Straße, die ihn zu einem seiner liebsten Trainingsplätze, einem alten Gebäude am Hafen, bringen würde. Die Blicke der anderen Passanten, die verwirrt seinen nackten Oberkörper ansahen, beachtete er nicht.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 12:59

"Biiiiiip,biiiiip,.....". Vanessa stöhnte unter ihrer Decke, als sie den Wecker hörte. Langsam hob sie ihre Hand um den Wecker auszuschalten, doch stattdessen traf sie ihn seitlich und der Wecker flog auf den Boden. "Super, noch ein kaputter Wecker..." dachte Vanessa, während sie sich langsam aufrichtete und ihre Augen mit einer gewaltigen Kraftanstrengung aufmachte. Die gestrige Nacht war wieder lang geworden, aber es hatte sich gelohnt. Sie hatte mehrere Kleinkriminelle gefunden und aufgehalten. Nach einem langgezogenen Gähnen, stand Vanessa schließlich auf und schaute auf ihren Wecker, der halb zerschmettert auf dem Boden lag. Immerhin funktionierte das Display noch und die Uhrzeit, die Vanessa sah gefallte ihr gar nicht. "Verdammt ich komm schon wieder zu spät!". Hastig zog sie sich an, nahm ihre Sachen für die Schule und etwas Geld und rannte Richtung Ausgang. Als sie am Wohnzimmer vorbeikam, sagte sie noch ein kurzes "Hi" und "Bye" zu ihren Eltern, doch bevor diese überhaupt reagieren konnte, war Vanessa schon aus dem Haus und rannte zur Schule. Auf dem Weg zur Schule, sah sie einen Jungen - ein Jugendlicher verbesserte sie sich in Gedanken - der oben ohne aus einer Gasse raus kam. "Was der wohl getrieben hat" schmunzelte Vanessa, kümmerte sich aber nicht weiter darüber.


Zuletzt von kuubi am Mi 30 Nov 2011, 20:13 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 19:24

Auf dem Dach eines Schulgebäudes hockte ein Teenager und starrte mit leerem Blick auf das gesellige Treiben dort unten. Wie er all diese Kinder und Jugendlichen dort unten beneidete! Sie führten vielleicht nicht das beste aller Leben, aber doch immerhin ein geregeltes, ein normales Leben. Sie hatten Sicherheit (so weit man diese in einem New Jericho, das von einer beispiellosen Verbrechenswelle heim gesucht wurde, haben konnte) und eine Familie, die sie liebte. Gerade um diese beneidete Linus diese Kinder dort unten am meisten.
Denn er selbst besaß keine Familie. Nun, vielleicht hatte er sie doch - irgendwo da draußen. Doch wie sollte er sie finden, wenn er nicht die leiseste Erinnerung an sie hatte? Und selbst wenn er sie finden würde, konnte er nicht einfach zu ihnen gehen, denn er wurde verfolgt. Solche Angelpunkte in seiner Existenz waren ihm versagt, und das würden sie bleiben, so lange das Militär ihn suchte. Nicht einmal für das, was er getan hatte. Sondern für das, was er war. Etwas, auf das er liebend gerne verzichtet hätte.
Ein tiefes, leises Seufzen entrang sich seiner Kehle, während er das Treiben auf dem Schulhof weiter beobachtete. Eigentlich hatte er hier oben, auf dem Dach der Schule, nichts zu suchen. Seine zerstrubbelten schwarzen Haare und die abgetragen wirkende Kleidung erweckten nicht den Eindruck, als würde er diese Einrichtung besuchen. Aber hier oben kam ohnehin kaum jemals jemand herauf, also warum sollte er nicht hier bleiben? Falls er entdeckt wurde, konnte er jederzeit verschwinden.
Für den Augenblick aber zog er es vor, weiter hier auf einer Brüstung zu sitzen und die Schüler auf dem Schulhof zu beobachten; beseelt von einer Sehnsucht an ein Leben, das er im besten Fall seit langer Zeit vergessen hatte.


Zuletzt von Fellknäuel am Fr 09 Dez 2011, 21:02 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 20:06

Mit geteilter Miene sah Jo zu dem Schulgebäude, an dem er öfters vorbeikam, wenn er zum Hafen wollte. Leicht überrascht musste er feststellen, dass er manchmal wieder gern zur Schule gehen würde, auch wenn er einige Stunden überhaupt nicht leiden konnte. Vom Bürgersteig aus beobachtete er das rege Treiben auf dem Vorhof, bevor er den Blick über das übrige Gelände schweifen ließ und sich überlegte, ob er es nicht mal als Spot nutzen sollte, als er auf dem Dach eine Person entdeckte.Was macht der den da? Leicht verwirrt starrte er den Schatten einen Augenblick lang an, dann trat er auf das Schulgelände und umrundete das Gebäude auf der Suche nach einem Weg auf das Dach. Vermutlich war die andere Person über eine Luke oder so gekommen, aber er fühlte sich nun dazu herausgefordert, auch auf das Dach zu gelangen.
"So müsste es gehen...", meinte er zu sich selbst, als er einen niedrigen Durchgang zwischen zwei Ecken der Schule bemerkte, bei dem das Dach in erreichbarer Höhe war. Er holte einige Schritte anlauf, um auf die Wand zuzuspringen und sich mit einem Fuß davon abzustoßen und an Höhe zu gewinnen. Mit Leichtigkeit bekam er die Dachkante zu greifen und zog sich hoch. Nun war auch das höhere Dach in Reichweite, wobei er jedoch zwei Versuche brachte, um die Kante zu fassen zu bekommen. Schlussendlich zog er sich hoch und ging auf den Jugendlichen zu, der, wie er nun erkannte, etwas jünger und kleiner war als er. "Was machst du den hier oben?", meinte er, als er noch etwa drei Meter von Linus entfernt war.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 20:28

Als Vanessa schließlich an der Schule ankam, hatte sie doch noch ein paar Minuten bis der Unterricht anfing. Sie ließ ihren Blick über das Schulgelände schweifen, doch es war wie immer. Eine lärmende Gruppe Kinder, die laut schreiend und mit einem vergnügten Blick Fange spielten, kleine und große Gruppen von Jugendlichen, die sich unterhielten, lachten und versuchten die letzten Minuten vor dem Unterricht zu genießen. "Wird heute wohl wieder ein toller Tag" dachte Vanessa ironisch und schaute sehnsüchtig in den blauen, strahlenden Himmel. "So ein schöner Tag und ich muss wieder in die Schule..." murmelte sie leise, doch dann sah sie eine Gestalt auf das Schuldach klettern. Nach ein paar Momenten sah sie eine zweite Gestalt, die schon auf dem Dach war und das Schulgelände beobachte. Verwundert starrte sie die Beiden an, doch dann kam ihr ein Gedanke "Vielleicht kann ich mir den Tag noch ein bisschen versüßen, bevor der Unterricht anfängt" und schon begann sie einen Weg nach oben zu suchen. Da Vanessa nicht gut klettern konnte, ging sie in das Innere des Schulgebäudes und suchte nach einer Treppe oder ähnliches, die sie nach oben führen würde. Nach kurzer Zeit, fand sie eine Treppe die zu einer Luke führte. "Das ist es wohl" überlegte Vanessa und lief direkt die Treppe hoch. Als sie die Luke öffnete, wurde sie ein paar Momente von der Sonne geblendet, doch dann konnte sie die beiden Gestalten ein paar Meter entfernt entdecken. Sie erkannte, dass es zwei männliche Jugendliche waren und stellte verwundert fest, dass der "Oben-ohne-Typ" einer von ihnen war. Sie beschloss nicht auf sie zu zugehen, sondern beobachte die Situation erstmal.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 20:53

Als er gerade so in Gedanken versunken da saß, drängte sich ein Gedankenmuster in seinen Geist - erstaunlich spät, wie er fest stellte. War er so nachlässig geworden? Er bemerkte den Neuankömmling erst, als er bereits das Dach erreicht hatte. Von einer Seite, von der eigentlich überhaupt kein Weg hier herauf führte? Seltsam.
Linus warf dem anderen über die Schulter einen flüchtigen Blick zu. Wie ein Soldat sah er schon einmal nicht aus; trotzdem griff er sicherheitshalber nach seiner Waffe, die, für alle anderen unsichtbar, im Gürtelhalfter seines Kampfanzugs steckte. Selbst der war für andere nicht sichtbar, war er doch geschickt als Alltagskleidung getarnt - Triumph der Technik.
"Zeit tot schlagen, nichts weiter," gab er mit lustloser Stimme zurück, als der andere das Wort an ihn richtete. Er wendete dabei den Blick nicht von dem bunten Treiben auf dem Schulhof ab; im Augenblick war ihm jede unnötige Bewegung eine zu viel.
Er runzelte die Stirn, als er ein weiteres Gedankenmuster auf fing, ebenfalls keine zehn Meter weit weg. Was war nur mit ihm los? Sein Griff um die Waffe, der sich bereits gelockert hatte, festigte sich wieder.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 21:00

Pascal, der alleine auf dem Pausenhof rumhing, sah bei einem zufälligem Blick nach oben und bemerkte die beiden Typen, die auf dem Dach standen. Was machten diese Verrückten da, das war doch brandgefährlich! Man musste schnellstens die Feuerwehr holen und sie vom Dach retten! Sonst fielen die beiden noch runter!
"Wär doch geil...", höhnte Lacsap in seinem Inneren. "Zermanschte Menschen, in deren Matsch man nach Eingeweiden suchen kann... Wenn du mich rauslässt, geh ich hoch und schubs sie runter! Oder wir stecken die ganze Schule an, dann ist der einzige Fluchtweg der Sprung und wenn sie das nicht tun, haben wir immer noch gebratene Drecksäcke! Ahahahahahahaaaa!"
Pascal ignorierte ihn. Lacsap musste man die kalte Schulter zeigen, sonst würde er noch schlimmer werden. Denn wenn er, Pascal, richtig wütend wurde, und genau das versuchte sein anderes Ich zu erreichen, dann war es aus. Dann würde Lacsap Amok laufen.


Zuletzt von Basol am Do 01 Dez 2011, 14:51 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 22:26

Jo trat neben Linus und sah ebenfalls zu den Schülern hinunter. Kurz hatte er den Jungen gemustert und er glaubte aus irgendeinem Grund nicht, dass er hier zur Schule ging. Zum einen hatte er keinen Rucksack oder Schultasche dabei und zum anderen wirkte er wie ein typischer Schüler.
"Willst du nicht zu den anderen Schülern runter gehen?" meinte er und sah dem anderen in die Augen. Dabei entging ihm auch die geöffnete Luke sehen, sowie Vanessa, die daraus hervorlugte. Einen Moment lang sah er erst Linus, dann das neue Mädchen an und er zählte -aus seiner Sicht offensichtich- eins und eins zusammen.
"Oh...ich wollt euch nicht stören...Soll...soll ich euch alleine lassen?"
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Vicati
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Mi 30 Nov 2011, 22:55

In einem Hotel gleich neben dem Haus, auf dem die Jungen standen, war ein Zimmer verdunkelt worden. Dutzende Kerzen spendete etwas Licht und ein leichter Duft nach Rosenblättern lag in der Luft, der von den Rosenblättern kam, die überall verstreut waren. Die Dusche rauschte.
Im Schlafzimmer war Ronald Theresford, ein Syndikatsmitglied und einer jener Bandenbosse, die die verschiedenen Viertel von New Jerichos kontrollierten und im Krieg mit Cromwells Sohn lagen. Mit einem breiten Grinsen angelte er nach seinen Hosen, die neben dem Bett lagen und zog sie an, als er ein schrilles Kichern hörte. Und er war sich ziemlich sicher, dass das nicht die Frau war, die gerade unter der Dusche stand.
"Wer ist da?", fragte er etwas verunsichert. Ein weiteres Kichern ertönte. Theresford fragte noch ein weiteres Mal: "Wer .. ist da?"
In diesem Moment löste sich etwas lila-schwarzes von der Decke und landete vor ihm ein Boden. Beim Anblick dieses grotesken Clownmädchens mit den riesigen Augen und dem fetten Grinsen stiess der Mann einen leises Schrei aus und sprang nach hinten. Dabei blieb sein Fuss an einem orangen Ballonhündchen hängen und er fiel zu Boden. Weitere Tierchen schwebten über ihm in der Luft. in ihren Händchen hielten sie Container, aus denen sie nun eine Flüssigkeit auf den Mann schütteten, die verdächtig nach Benzin roch.
Theresford wusste nicht, was das sollte, doch et wusste, dass er schleunigst aufstehen sollte, da das sonst sehr ungemütlich für ihn werden würde. Doch bevor er sich aufrappeln konnte, machte das Clownmädchen eine schnelle Handbewegung und ein Messer bohrte sich in seinen Oberschenkel. Ein weiterer Schrei war zu hören, diesmal nicht unterdrückt. Die Dusche rauschte einfach weiter.
Rima drehte den Kopf zur Seite und sagte: "Medium oder Knusprig?"
Sie verharrte einen Moment, dann drehte sie ihn in auf die andere Seite. "Knusprig."
Ihr Grinsen wurde noch ein wenig breiter und mit einem "Mit besten Grüssen aus der Küche." schnellte ihre Hand ein weiteres Mal vor. Diesmal durchtrennte sie eine Kerze und der obere Teil des Wachses fiel auf den Syndikatsboss. Dieser stiess einen gellenden Schrei aus, als sich sein Körper entzündete. Trotz der Verletzung schoss er hoch und sprang mit einem Satz auf die Balkontür zu. Diese war aber nur angelehnt, so dass er durch sie hindurch stolperte, gegen das Geländer stiess und mit Gekreische darüber fiel. Er fiel nach unten, sein Sturz wurde von ein einem Sonnenschirm des Hotels aufgefangen und er knallte auf die Strasse. Hinter ihm sprang ein dunkler Fleck vom Balkon und fing den Sturz ebenfalls auf dem Sonnenschirm.Auf der Strasse aufgekommen, sprang Rima gleich wieder ab, vollführte eine doppelte Pirouette in der Luft, wobei etwas langes, graues aus ihrem Ärmel rutschte und landete dann auf dem brennenden Leichnam. Dort rammte sie dem Mann den Speer in den Kopf, wodurch sein Gekreische abrupt verstummte. Dann verdrehte sie ihr linkes Bein so, dass der Fuss vor ihrem Mund war. Mit einem Puster bliess sie die Flamme an der Spitze aus. Dann sah sie sich um. Alle Augen von Hotelangestellten und Schulkindern waren auf sie gerichtet.
"Er war's", sagte das Clownmädchen und deutete auf den orangen Ballonhund, der gerade aus dem Zimmer geschwebt kam.


Zuletzt von Vicati am Mi 07 Dez 2011, 20:03 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 00:33

"Na da hat uns wohl ein richtiger Intelligenzbolzen gefunden, wie?" hörte Linus eine Stimme in seinem Kopf sagen.
Der beugte sich seufzend vor und stützte sich auf dem Geländer ab. "Die gehört nicht zu mir, die ist nur zufällig hier rauf gekommen," erklärte er. Gerade war es hier oben noch so schön ruhig gewesen, und nun hatten gleich zwei andere den Weg hier herauf gefunden.
Gerade als er überlegte, ob er sich davon machen sollte, hörte er Lärm von der Seite und sah zu dem Hotel hinüber, in bzw. vor dem gerade ein Mann von einem sehr seltsam aussehenden Mädchen ermordet wurde. Einen Moment lang erwog Linus zu helfen, doch dann war es bereits zu spät.
Einen Augenblick herrschte Stille auf dem Gelände, doch dann brachen die Schüler unten in Panik aus und rannten so schnell sie konnten ins Schulgebäude hinein. Nur weg von diesem verrückten mordenden Etwas!
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 11:35

´´Piep´´, ´´Piep´´, ´´Piep´´..
Sanft machte sich der Wecker in der kleinen Wohnung bemerkbar in dem er immer lauter, und lauter wurde. Die Wohnung war klein, und nicht sehr fein, jedoch mit einem originellen Bodenbelag. Glasscherben die sich im Lauf der Zeit in den Boden getreten hatten, vermischt mit vertrocknetem Blut, zwischen noch heilen Flaschen in, oder auf denen Zigaretten entsorgt wurden. In mitten dieses Chaos aus ehemalig Hochprozentigen, denn etwas unter 40% kam erst gar nicht in diese Wohnung, saß ein Mann auf einem Sessel. Blondes, fettiges Haar, ein Bart der wohl seine Monate zu wachsen, Zeit bekommen hatte und einem Gesicht das nur einem Unzufriedenen Menschen gehören konnte.
Das letzte Jahr war, gelinde gesagt, schrecklich gewesen. Seine Unsterblichkeit, oder zumindest unalterlichkeit war ihm zwar schon oft genug, gehörig auf den Sack gegangen, doch in dem letzten Jahr hatte er sich einfach fallen lassen. Fallen in Alkohol, in Zigaretten, leider nicht in Prostituierte, wobei sie eher auf ihn fielen, denn anders herum. Jetzt war sein Konto nicht nur leer, sondern schon soweit im Minus das er erst einmal ein par Monate Arbeiten musste, bis das Geld wieder drin war, und das war, trauriger Weise, der einzigstentrieb den er im Moment hatte.
Langsam wachte der Mann auf, demontierte mit einer Flasche von seinem Sessel aus den Wecker der sich irgendwo hinten am anderen Ende befand und erhob sich dann endlich von diesem müffeligen Sessel um über die knirschenden Glasscherben ins Bad zu gehen.
Entweder war es noch der Rest Alkohol in seinem Kopf, die Kopfschmerzen selbst, oder aber einfach das Gefühl das ihm alles vollkommen egal war, das ihm dabei half den Schmerz einfach zu ignorieren während er mit seinen Füßen eine blutige Spur hinter sich her zog.
Ob wohl alle Söldner, Auftragsmörder und Attentäter so lebten? Chaotisch? Das Geräusch von Flüssigkeit auf Keramik schüttelte ihn weiter aus der zombieähnlichen Trance, mit Gemurre und Gestöhne während er mit herunter gelassenen Hose.. nein Moment, er hatte sie gar nicht herunter gezogen? Er sah nach unten, und musste mit ´´Freude´´ feststellen das er gar keine Hose trug. Dieser Tag fing besser an, als der Letzte.

Eigentlich hätte er sich das sparen können, wenn er einfach beim Duschen den verarbeiteten Alkohol ausgeschieden hätte. Unmotiviert stieg er dann in die Dusche, drehte den Hahn auf und verbrachte die nächsten 40 Minuten, mit der Stirn gegen die Keramik.
Nachdem er dann irgendwann wirklich auch wach, seine Haare gewaschen, sein Körper gereinigt, seine Zähne geputzt, und er dann auch noch getrocknet war, sah alles schon viel besser aus. Nun, er sah zumindest besser aus, besser als der ´´Wohnbereich´´. Doch er hatte vorgesorgt und sich Schlappen aufs Klo gelegt die er vor.. irgendwann mal gekauft hatte um über die Scherben zu gehen. Nicht das er sie vorher jemals benutzt hätte, aber heute musste er gut aussehen, und noch mehr Glasscherben aus seinem Fuß pulen, wollte er grade nicht.

Anzogen, die Schuhe verschnürt, die Uniform angelegt und seinen Hut aufgesetzt, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, verließ er dann seine trostlose Wohnung zum ersten mal seit 91 Tagen. Er hatte einen Kalender geführt, einfach um zu sehen wie lange er es in diesem Land schaffte, ohne das Haus zu verlassen, zu überleben Wenn man so etwas ein Leben nennen wollte. Ironischerweise, hielten ihn viele der Leute auf der Straße für einen Militär, ihrer eigenen Regierung. Wäre es nicht so erbärmlich gewesen, könnte er sich darüber amüsieren das es Leute gab, die vor ihm Salutierten. Es wäre sicher kein Problem den Leute zu vermitteln das sie ihn mit ´´Sieg Heil´´ begrüßen mussten, und sie würden es mit sicherheit auch noch tun.


Sein neuer Auftragsgeber war seine Kleidung zum Glück egal. Söldner brauchten keine einheitlichen Schuluniformen, so hautenge, latexähnliche, ganzkörper Anzüge wo sie sich noch den Schritt mit einer Socke ausstopften. Söldner mussten Ergebnisse bringen, und er brachte welche. Oder hat sie zumindest mal gebracht, immerhin lag das schon ein par Jahre zurück seit er das letzte mal von irgendeiner Organisation gekauft wurde, irgend wen oder irgendetwas zu töten. Doch dieses mal war sein Auftrag etwas anders als gewöhnlich. Es ging nicht darum jemanden zu töten, zu beschützen oder einzuschüchtern, sondern eher darum ein wenig auszuhelfen.
Immerhin hatte das Syndikat, dadurch das irgendwer den Boss von Allen, aus dem Fenster gezogen und aufgespießt hatte, mächtig an Druck verloren. Nicht das ihn das stören würde, denn das bedeutete das man vor allem jetzt, Leute wie ihn brauchte.

"Kommt zu uns.. und eure Sünden werden euch vergeben..". Ein Mann in einer Art Robe, mit bemalter Glatze hielt ihm einen grünen Zettel entgegen, was Wolf nur mit dem Mittelfinger Kommentiere während er an ihm vorbei ging. Dann endlich erreichte er das ´´unauffällige´´ Hauptquartier des Syndikats. Vielleicht hätte er einfach eine Bank ausrauben sollen.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 14:39

Etwas verlegen sah Jo zur Seite und errötete leicht. "Tschuldige...konnt ich ja nicht ahnen." Er betrachtete Vanessa, die sich bisher noch nicht geäußert hatte, als er hinter seinem Rücken Schreie hören konnte. Verwirrt drehte er sich um und sah mitan, wie die Leute panisch von einer komisch gekleideten Gestalt wegrannten. "Was zum Teufel ist das los...?" murmelte er leise. Er überlegte kurz, ob er seine neu entdeckten Fähigkeiten dazu nutzen sollte, den Mörder festzuhalten. Aber zuerst mussten die anderen weg. "Ihr beiden, geht besser zurück ins Gebäude...das ist nichts, was ihr sehen solltet."
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 15:04

Pascal sah mit purem Entsetzen auf den entstellten Leichnam. "NEEEEEIIIIIN!", kreischte er voller Entsetzen.
"JAAAAAAAAAAAAAAAH!", brüllte Lacsap völlig ausgeflippt. "WER IST DIESES MÄDCHEN, ICH WILL SIE INS BETT KRIEGEEEEN!"
"Was hast du getan...?", stammelte Pascal voller Schrecken und starrte verstört das kleine Mädchen an, das diesen Mann auf grausame Weise getötet hatte. Und auch noch mit Feuer... "Du... du... Monster!"
"Was, dieses süße, kleine Mädchen nennst du 'Monster'?", höhnte seine Alternativpersönlichkeit in seinem Inneren. "Dabei sind wir Beide doch viiiiel schrecklicher als sie... Dieses kleine Luder verputz ich doch zum Frühstück, also lass mich raus!"
Nein, gab Pascal in Gedanken zurück. Das würde er niemals zulassen. Er würde nicht in Kauf nehmen, dass dutzende Menschen getötet werden würden, nur damit er selbst gerettet wurde. Dann würde er eben von diesem fremden Mädchen umgebracht werden. Aber erst würde er versuchen, die Sache auf diplomatische Art zu lösen. "Warum machst du solch schreckliche Dinge?", fragte der Braunhaarige an das Mädchen gewandt. "Was hat dir dieser Mann getan?"
"Grah, du blamierst mich auf die Knochen, du Moralfag!", ächzte Lacsap. "Ich hasse dich, Pascal! ICH HASSE DIIIICH!"
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 15:53

Vanessa wollte gerade Jo antworten, als sie sah was sich hinter ihm abspielte. Als sie sah wie der brennende Mann aufgespießt wurde, war ihr kurz schlecht, doch das Gefühl verschwand schnell. Dann sah sie das kleine Mädchen, dass den Mann umgebracht hatte und dachte " Was zum Teufel ist das den für eine Gestalt? Scheint so, als hätte ich einen neuen Gegner gefunden...". Als Vanessa hörte wie Jo sagte, dass sie zurück gehen sollten, schnaubte sie nur und antwortete " Ich werde jetzt zurück ins Gebäude gehen. Aber auch nur, weil ich näher an dieses Mädchen ran will und, im Gegensatz zu dir, schlecht klettern kann. Also man siehst sich!". Schon war sie umgedreht und die Treppe runter gerannt. "Hoffentlich komme ich nicht zu spät an" , murmelte Vanessa, "ich muss dieses Mädchen unbedingt erwischen!" und rannte noch schneller.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 18:07

Linus lag ein gehässiger Kommentar auf der Zunge, doch er schluckte ihn wieder runter. Woher sollte dieser Typ auch wissen, was tatsächlich in diesem so unscheinbar und harmlos wirkenden Jungen steckte? Wortlos wandte er sich um und lief zu der Dachluke, durch die das Mädchen aufgetaucht und gleich wieder verschwunden war. Als er unten an kam, stellte er fest, daß sie bereits weg war, und auch sonst schien niemand in der Nähe zu sein.
Am Ende des Ganges konnte er ein großes Fenster erkennen, das auf das Hotel neben der Schule zeigte. Sich noch einmal zaghaft umsehend lief er los. Sein schneller Lauf ging schließlich in ein rennen über, und kurz bevor er das Fenster erreicht hatte, zog er seinen Enterhakenwerfer aus dem Gürtel seines Kampfanzugs, der nun wieder sichtbar wurde und das Bild von den schäbigen Klamotten verschwinden ließ. Er steckte nun in einer leicht gepanzerten schwarzen Kampfuniform, die am Gürtel zwei Halfter für den Enterhakenwerfer und ein Sturmgewehr enthielt. Die Oberseite seines Kopfes wurde größtenteils von einer Art Kopfband verdeckt, das vorne in eine Spezialbrille über ging, die ihm unter anderem einwandfreies Sehen bei Dunkelheit ermöglichte.
Am offenen Fenster angekommen sah Linus kurz hinaus, zielte und feuerte den Haken zum Dach des gegenüberliegenden Hotels. Als er einen Ruck spürte, holte er das Seil ein und ließ sich so nach draußen ziehen, wo er wieder langsam mehr Seil gab und sich zum Boden hinab gleiten ließ. Noch bevor er den Boden erreicht hatte, zog er sein Sturmgewehr heraus, das in Form und Größe eher an eine Maschinenpistole erinnerte. Er konnte die Waffe problemlos einhändig führen. Und das würde wohl auch nötig sein, wenn er gegen dieses geisteskranke Mädchen an treten wollte.
"Sicher, daß ich das nicht machen soll, kleiner Bruder?" fragte die Stimme in seinem Geist; die Stimme seines Bruders Zack.
"Keine Sorge, so schlimm wird´ s schon nicht werden," murmelte Linus zur Antwort. Vorne auf der Straße konnte er einen anderen Teenager erkennen, der das Mädchen gerade an schrie. Hoffentlich würde sie ihn nicht auch noch um bringen.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 19:26

Einige Augenblicke, nachdem die beiden anderen Jugendlichen verschwunden waren, blieb Jo noch auf dem Dach stehen und sah sich die Situation von oben an. Gerade griff er in seinen Rucksack, um seine Karten hervorzuholen, als aus dem Fenster unter ihm eine maskierte Gestalt sprang und sich zu der Mörderin auf der Straße schwang. Endlich hatte er die gesuchten Karte gefunden und starrte die weiße Fläche darauf an. Er konzentrierte sich einige Sekunden lang, woraufhin um ihn herum ein schwarzer Anzug erschien. Da er seine Fähigkeiten erst vor etwa einer Woche entdeckt hatte, war es immer noch ungewohnt, dass alle Dinge, die er bei sich hatte, unter dem Anzug verschwanden und ihn auch nicht behinderten. Mit einer Hand schwang er sich anschließend über das Geländer und ließ sich in die Tiefe fallen, wobei er sich am Fensterbrett unter ihm festhielt, um den Sturz etwas abzufangen. In kurzer Zeit war er an der Straße angekommen, hielt sich jedoch noch im Schatten der Bäume auf dem Schulgelände, um nicht aufzufallen. Während er darauf wartete, dass etwas passieren würde, zog er mit seiner linken Hand zwei Karten aus dem Kristall seines Handschuhs, um sie im Notfall nutzen zu können.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 23:06

Mit einem Satz flog Rima von der Leiche weg, den Speer liess sie stecken. Jetzt sah man, dass am Ende ein kleines, lila-schwarz kariertes Fähnchen flatterte, auf dem ein breit grinsendes Affengesicht zu sehen war. Rima kam kurz vor Pascal auf und drehte den Kopf zur Seite. Und drehte ihn. Und drehte ihn. Als sie endlich den Mund öffnete stand ihr Kopf auf dem Kopf und die Haare verdeckten wie ein Wasserfall ihre Brust.
"Jeder hat einen anderen Humor. Er scheint meine Scherze nicht so zu mögen", sagte sie und zuckte mit den Schultern. "Und du, magst du... Züge?"
Während das Clownmädchen sich mit dem Jungen unterhielt, gesellten sich die restlichen Ballontiere zu dem orangen Hund in der Luft und gemeinsam kreisten sie über Rima. Diese schien von den kreischenden und in alle Richtungen davonstrebenden Menschen nicht beunruhigt zu sein, im Gegenteil, ihre Mundwinkel zuckten ein wenig.
"Kennst du diesen Witz über abstürzende Menschen?"
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Do 01 Dez 2011, 23:43

Frisch gebürstet und dezent geschminkt ließ sich die Welt schon besser ertragen. Die Dusche hatte ein Übriges getan. Und die Kaffeemaschine hatte zuverlässig eine großzügige Menge Kaffee zubereitet. Lucia schnappte sich Kanne und Tasse und kehrte zurück in ihr Schlaf-/Arbeitszimmer/Müllhalde. Der Schreibtisch war das einzig aufgeräumte im ganzen Raum, wie ein Leuchtturm der Ordnung in einem Meer aus Chaos. Darauf befanden sich nur ein Laptop - neuestes Modell - und ein Wärmepad für die Kaffeetasse. Stoff knisterte als Lucia sich hinsetzte, Kanne und Tasse abstellte und den Laptop hochfuhr. Kurz nach dem Hochfahren ertönte ein vertrauter "Bing"-Laut. Jemand wünschte ein Gespräch. Nicht mir ihr, sondern mit Whisper. Worum es da wohl wieder ging? Lucia goss sich in aller Seelenruhe eine Tasse Kaffe ein. Erst nach einem magenwärmenden Schluck nahm sie das Gespräch an. Es war Charly - mehr oder weniger ihr persönlicher Chaffeur -, der freundlich in die Kamera grinste. Natürlich konnte er sie nicht sehen und auch ihre Stimme kam nur verzerrt bei ihm an. Lucia wollte keine Scherereien.
"Ich hab ne gute und ne schlechte Nachricht. Welche willst du hören?"
"Die gute zuerst."
"Es gibt Arbeit für dich. Die schlechte ist, dass du nicht allein arbeiten wirst. Die Syndikatsleitung hat Zweifel an deinen Fähigkeiten, weil du es nicht geschafft hast, Nightmare zur Strecke zu bringen."
"Ich arbeite allein, kleiner Mann, richte das aus."
"Diesmal nicht."
Lucia merkte, dass sie das verärgerte. Mehr noch. In ihr brodelte ein Vulkan des Zorns. Wie konnten sie es wagen an ihr zu zweifeln? Sie hatte keinen Auftrag für Nightmare bekommen! Was dachten die sich denn? Dass sie ein wilder Hund war, der jeder Ratte hinterherjagte. Hatten sie Nightmare tot sehen wollen, so hätten sie ihr nur ein entsprechendes Angebot machen müssen. Der Zorn verebbte und wich resignierender Erkenntnis. Sie brauchte das Syndikat. Zumindest noch für eine Weile. Ihre Geldanlagen warfen ganz gut ab, aber es war noch zu wenig für jene Art von Komfort, die Lucia sich leisten wollte.
"Dein... Mitarbeiter wird sich mit dir in Verbindung setzen. Oder aber ich hole dich ab. Wir werden sehen. Charly over."

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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Fr 02 Dez 2011, 00:02

Pascal wich langsam und aufgerissenen Augen vor ihr zurück. "W-was b-bist du?", stammelte er. "Du bist ja völlig krank!"
"AHAAHHAHAAAHHHAHAAHAHAHAAAAAH!", lachte es in seinem Inneren. "Du etwa nicht, Homie? Gibs zu, Alter, du stehst auf so junge Mädchen... Du würdest liebend gerne wissen, wie sie ohne Kleidung aussieht, was? Aber keine Sorge, du bist nicht der Perverseste auf der Welt, der bin ich... Denn ich würde liebend gerne wissen, wie sie ohne Haut aussieht..."
"B-bitte...", flehte Pascal, wilde Panik erfasste ihn. "Lasst ich mich in Ruhe, allesamt! Ich flehe euch an! LASST MICH IN RUUUHEEEE!"
"Wie er sich anstellt...", lachte Lacsap. "Lass mich doch einfach raus, dann zeige ich der Kleinen, was wahrer Wahnsinn ist!"
"Lasst mich in Ruhe...", schluchzte Pascal und vergrub das Gesicht in den Händen, begann, hemmungslos zu schluchzen. "Bitte..."
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Fr 02 Dez 2011, 13:02

Knapp vor Rimas Gesicht flog eine Spielkarte vorbei, einige Meter weiter in die Straße einschlug und dabei eine leichte Explosion verursachte. Jo trat aus dem Schatten des Baums, eine weitere Karte in seiner linken Hand, an deren Rändern man ab und zu kleine Blitze sehen konnte. "Willst du den Witz vom sterbenden Clown hören? Ich versichere dir, die Spannung wird dich umbringen." Ohne weitere Vorwarnung warf er die Karte nach dem Mädchen, bevor er zwei weitere Karten zog, sowie aus dem nichts in seiner rechten Hand eine gänzlich weiße Karte erscheinen ließ. Seine Gegnerin nicht aus den Augen lassend konzentrierte er sich einige Sekunden lang auf diese Karte, auf der sich langsam die Gestalt eines Menschen mit einem großen Schild manifestierte.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Sa 03 Dez 2011, 13:21

Auf dem Weg nach draußen verschwand Vanessa schnell in eine kleine, wundersamer weise, offene Besenkammer, die vollkommen verdreckt und verstaubt war. Sie verzog ihr Gesicht, doch dann erinnerte sie sich daran, was draußen passierte und zog aus ihrem kleinen Ranzen ihren Umhang und das Tuch, mit dem sie ihr Gesicht verdeckt. "Zum Glück habe ich heute meine Sachen mitgenommen", dachte Vanessa und zog währenddessen den Umhang an und verdeckte ihr Gesicht passend mit dem Tuch. Ihren Ranzen legte sie in der Kammer ab und rannte dann auch schon wieder Richtung Ausgang.
Gerade als Vanessa aus dem Schulgebäude kam und Rima sah, konnte sie Jo sehen und wie seine Karte an Rima vorbeizischte. Als sie dann die Explosion sah, überlegte Vanessa, was das zu bedeuten hatte:" Scheint so, als ob ich hier nicht die Einzige bin, die sonderbare Fähigkeiten hat. Wer er wohl ist? Hm..Ach eigentlich ist es erstmal egal, immerhin scheint er momentan auf meiner Seite zu stehen." Doch als sie dann wieder Rima anschaute, waren alle Gedanken wie weggeblasen und sie schrie zu ihr:" Es ist mir egal, wer du bist und warum du den Mann getötet hast, aber ich lasse nicht zu, dass jemand einen Menschen umbringt und ungeschoren davon kommt!" und schoss einen kleinen, schnellen Blitz auf Rima.
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BeitragThema: Re: Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont   Sa 03 Dez 2011, 21:25

Die plötzliche Wendung überraschte Linus, und er zögerte, offen in Erscheinung zu treten. Gerade eben hatte er eine Mörderin gehabt, die einen wehrlosen Jugendlichen bedrohte, und nun waren unvermittelt zwei andere Personen aufgetaucht, die erstere mit explodierenden Karten und Stromstößen attackierten? Selbst in einer Stadt wie New Heaven war so etwas alles andere als alltäglich.
Sicher, er hatte mit bekommen, daß einige Monate lang ein furchterregender Dämon in der Stadt gewütet hatte; er hatte ihn sogar gesehen, an jenem Abend, als er diesen Multimilliardär ermordet hatte. Und er hatte auch von anderen übermenschlich begabten Kämpfern gehört, die gegen das Verbrechen kämpften. Aber davon zu hören oder solche Typen aus der Entfernung zu sehen, und plötzlich gleich zwei von ihnen über den Weg zu laufen - das war einfach ein gewisser Unterschied. Fürs erste hielt er es für besser, das Geschehen nur zu beobachten, anstatt aktiv ein zu greifen. Er wollte sich erst einmal ein Bild der beteiligten machen, bevor er sich aktiv ein mischte.
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Ep. 1: Ein Silberstreif am Horizont
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