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 Das Licht in der Dunkelheit [MSG]

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Syari

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BeitragThema: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Sa 26 Jan 2013, 21:22

Prolog

Rilead:

Zweifelnd schaute Souk aus dem Palastfenster. Es dämmerte bereits, bald würde es dunkel sein. Schon jetzt konnte er die hellen, tanzenden Flecken vor seinen Palasttoren erkennen. Seufzend schlug er sich die Hand vors Gesicht. Fackeln. Es war also wahr. Die Menschen hatten sich vor seinen Toren versammelt, bewaffnet. Ein Bote stürmte in den Thronsaal und kam schlitternd vor dem König zum Stehen um schnell eine tiefe Verbeugung zum Zeichen des Respekts zu vollführen.
„Es ist so, wie ihr gesagt habt, eure Majestät!“, keuchte der Botenjunge, seine Augen waren schreckgeweitet, seine Kleidung vom Rennen verrutscht.
Sie stehen vor den Türen und versuchen herein zu kommen, noch sehr unorganisiert, doch einige werden schlauer, sie bilden Räuberleitern um auf die Mauer zu gelangen.“
Souk wandte sich vom Fenster ab.
„Was ist mit ihren Gesichtern, ich muss es wissen!“
Der Botenjunge richtete sich auf: „Wie ihr es vorrausgesagt habt, schwarze Augenringe, stumpfer Gesichtsausdruck und die Fingernägel erst, sie sind pechschwarz, wie abgestorben, aber nur die Nägel!“
Souk lächelte vor Erleichterung, doch ein wehleidiger Ausdruck lag in seinen Augen.
„Immerhin ist es nicht ihre Schuld. Es sind nicht meine Untertarnen, die da aufbegehren, die Vawek sind es.“
„Wie meinen, euer Majestät?“, verwirrt schaute der Botenjunge seinen König an, nach Anzeichen einer geistigen Umnachtung suchend. Was sollten die Vawek denn schon mit dem Aufstand der Rileadier zu tun haben?
Der König jedoch sah ganz normal aus, hochgewachsen, aufrecht stehend mit einem ernsten Gesichtsausdruck. Schon viel zu lange war die fröhliche Leichtigkeit aus dem Schloss verbannt worden. Etwas sorgte den König, das hatte das ganze Schlosspersonal mitbekommen, doch bis jetzt hatte dieser nie angemerkt, was genau ihn bedrückte.
„Geh und such nach meinem Sohn und beeil dich, er muss hierher kommen, ehe diese armen Marionetten das Schlosstor durchbrochen haben!“
Wenige Augenblicke später war der König allein. Hastig schritt er durch den Thronsaal bis hin zu seinem prunkvollen Mahagonischreibtisch, auf dem bereits ein Blatt Pergament lag. Schnell nahm er eine Feder und ein Tintenfass zur Hand und begann zu schreiben, er würde nicht viel Zeit haben. Viel zu lange hatte er die Augen vor dem verschlossen, was draußen war, gehofft, dass seine Neutralität akzeptiert werden würde, sowie die letzten Jahrhunderte. Doch verzweifelte Zeiten trieben die Leute zu neuen Methoden. Nur hatte er diese nicht erkennen wollen.
Schwungvoll setzte er seine Unterschrift unter den Brief, versiegelte diesen und stecke ihn in die Tasche seiner purpurnen Seidenweste.
„Vater?“, die Tür zum Thronsaal schwang auf und mit festen Schritten marschierte ein junger Mann mit lockigem blonden Haar auf König Souk zu.
„Warum hast du mich hierher befohlen, ich sollte unten stehen, bei den Wachen um die Aufständischen niederzuringen!“ Funkelnde blaue Augen starrten den müden König an, der wieder zum Fenster schritt.
„Siehst du die ganzen Menschen? Die tanzenden Lichter? Die Straßen sind voll davon, auch wenn du den Wachen beistehst, so ist dieser Kampf aussichtslos. Du kannst viel mehr tun, wenn du hier bleibst, bei deinem alten Herren und ihm zuhörst, denn es wird an dir liegen, dieses Land zu retten!“
Der König atmete tief durch: „Du kennst die Vawek, oder auch Schatten, wie sie oft genannt werden. Du kennst die Geschichten, den Krieg mit den Faejh. Nun, die Schatten haben Methoden um Menschen zu manipulieren, ich weiß nicht, wie sie dies tun, nur, dass es möglich ist. Dunkle Magie, böse Magie.
Seit Jahrhunderten stehen die Schatten auf der Stelle, kommen im Kampf gegen die Faejh nicht weiter, deren Schutzbarriere ist zu stark. Es gibt nur eine Möglichkeit diese Barriere zu zerstören. Das Tor nach Alvae zu zerstören. Doch dies würde ich niemals zulassen und auch kein Rileadier, der bei Verstand ist. Darum haben die Vawek begonnen unsere Bevölkerung zu infizieren. Die Menschen dort unten sind nicht mehr die Mägde und Schmiede, die sie einst waren. Sie sind Schatten. Es braucht lange, bis du erkennen kannst, wer ein Schatten ist, denn die Zeichen werden erst nach Wochen sichtbar. Dunkle Augenringe, dunkler als jemals gesund sein kann und schwarze Fingernägel spiegeln ihre dunkle Gefangenheit wider. Ich kann sie nicht bekehren, das können nur die Faejh, wir haben diese Magie nie gelernt. Auch kennen wir kein anders Heilmittel, außer sie durch den Tod zu erlösen, von ihrer Schattenkrankheit.
Zu spät erst habe ich die Hinterlist des Schattenkönigs erkannt, habe lange Zeit meine Augen vor dem verschlossen, was doch so eindeutig geplant wurde. Unsere Untertanen, meine Bürger, sie werden vergiftet, von innen heraus wird mein Land zerfressen und wir können uns nicht einmal dagegen wehren.
Die einzigen, die diese Invasion stoppen können sind die Faejh. Und hier mein Sohn, kommst du ins Spiel. Du musst zum Tor gelangen, zur Grenze und weiter gehen nach Alvae. Dort bittest du den König um Hilfe und bete, dass dieser sie dir gewährt. Wenn dem nicht so sein sollte, bitte darum, in Alvae bleiben zu dürfen, Rilead wäre kein Ort mehr für dich!“
Erschrocken zuckte der König zusammen, als ein lauter Knall von den Palastmauern widerhallte.
„Hier, schnell, das Tor ist durchbrochen!“, der König zog den Brief aus seiner Tasche, „In diesem Brief steht alles wichtige, adressiert ist er an den König der Faejh. Übergib ihn persönlich, traue niemandem und nun geh!“
Der König drückte seinen Sohn kurz an sich, bevor dieser entschlossen den Brief in die Hand nahm. Durch das Fenster konnte man sehen, wie sich langsam die tanzenden Lichter näherten, einige verschwanden bereits im Palastinneren.

Der blonde Mann rannte, hinter ihm folgte in einigem Abstand ein massiger Mann mit einem hölzernen Brotschieber in der Hand, seine Augen wirkten durch die blasse Haut und die Augenringe klein, doch sein Blick war fest auf das Ziel gerichtet.
Der Königssohn hielt den Brief fest in der Hand geklammert. Er war schon bei den Stallungen gewesen, doch dort hatten sie bereits gewartet. Schatten. Angsterfüllte drehte er sich nach seinem Verfolger um. Im nächsten Moment wurde ihm schwarz vor Augen, ein stechender Schmerz in seiner Magengegend ließ ihn Sterne sehen. Vor ihm stand grinsend ein Küchenjunge, ein blutiges Messer in der Hand. Mit schreckgeweiteten Augen stieß er den Jungen zur Seite und rannte weiter.

Den Palast hatte er hinter sich gelassen, doch ihm wurde schwindelig. Einen Moment lang hielt der Blonde inne und begann zu husten. Blut tropfte aus seinem Mund auf den Boden. Seine Knie gaben nach. Er fiel. Ein letztes Röcheln und dann herrschte Stille. Der Königssohn lag tot in einer Seitengasse der Hauptstadt, den Brief an den König der Faejh noch immer fest mit seinen toten Fingern umklammert.

Alvae:


Alles war in heller Aufruh, seitdem die Nachricht des Beobachters Alvae erreicht hatte. In Samaru war ein Aufstand ausgebrochen. Niemand wusste genau, inwiefern die Schatten Schuld daran waren, doch alle befürchteten das Schlimmste.
König Pheanel schaute seinen Beraterstab zweifelnd an.
„Ich will Sicherheit. Ich brauche Sicherheit! Wenn Rilead fällt, dann stehen wir der größten Bedrohung seit Jahrhunderten gegenüber. Rilead könnte das entscheidende Zünglein an der Waage sein. Ich will, dass sie alle informieren, wir brauchen einen fähigen Trupp an Freiwilligen, die sich nach Rilead wagen, die Lage erfassen und wenn nötig bereits eingreifen!“
Zustimmendes Gemurmel ertönte, doch kaum jemand dachte daran aufzustehen.
„Wird es noch, oder müssen die Vawek erst vor unserem Tor stehen, bis ihr erkennt, dass wir handeln müssen!“
Eilig zogen sich die Berater zurück und schon wenige Stunden später verbreitete sich die Nachricht im ganzen Königreich, dass König Pheanel nach mutigen Freiwilligen suchte, die in Rilead für Ordnung sorgen würden. Schon am nächsten Tag meldeten sich die ersten Freiwilligen für diese gefährliche und doch ehrenvolle Aufgabe.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 16:35

Dunkelheit senkte sich über die Welt, als Larciel durch den Wald schritt. Wie immer war er allein unterwegs. Wer würde auch freiwillig mit einem Vawek zusammen reisen, wo sie doch allgemein als das pure Böse angesehen wurden? Doch Larciel mochte es so. Fernab jeder Gesellschaft konnte er ungestört seinen eigenen Geschäften nachgehen. Außerdem war er so nicht auf irgendwelche anderen Personen angewiesen, die ihn wahrscheinlich sowieso nur behindern würden.
Gedankenverloren folgte er dem Pfad, der in schmalen Kurven durch die Bäume führte, als ihm plötzlich ein nur zu vertrauter Geruch in die Nase stieg, der ihn schlagartig aus seiner Nachdenklichkeit riss. Kurora! Was hatten diese widerwärtigen Marionetten seiner Brüder und Schwestern hier zu suchen? Befand er sich nicht in der Nähe von Rileads Hauptstadt? Bis hierher dürfte sein Volk eigentlich noch nicht vorgedrungen sein. Larciel verharrte kurz, um auszumachen, woher der widerliche Gestank kam. Er schien von Westen herzurühren, genau die Richtung, die der Pfad vor ihm nahm und der, wie Larciel wusste, nach Samaru führte. Hatten die Vawek wirklich Rileads mächtigste Stadt angegriffen? Das würde bedeuten, dass sie in ihrem Krieg gegen Rilead schon weitaus erfolgreicher waren als er bisher angenommen hatte. Larciel setzte sich wieder in Bewegung und eilte den Pfad entlang. Vielleicht konnte er Samarus Einwohnern noch irgendwie beistehen.
Nur Minuten später hatte er die Ausläufer des Waldes erreicht. Der Geruch der Kurora war immer stärker geworden und jetzt stand Larciel vor einem Hügel, der ihm den Blick auf die Quelle des Gestanks verwehrte. Mit großen Schritten erklomm er die Erhebung und sah, was sich in Samaru ereignete. Ein einziger Blick reichte aus, um seine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen. Überall in der Stadt waren Feuer ausgebrochen und die Bevölkerung, soweit man sie noch als solche bezeichnen konnte, rannte sich die Köpfe an den Palastmauern ein. Larciel wusste, dass für sie jede Hilfe zu spät kam, doch vielleicht konnte er noch den ein oder anderen Überlebenden finden. Und wenn schon nicht das, so konnte er wenigstens einen Teil der Brut seines verhassten Volkes vernichten. Mit einem finsteren Lächeln ließ er sich nach vorne fallen und rannte den Hügel hinunter, genau auf Samaru zu.
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Syari

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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 17:29

Ernste Augen betrachteten mich, dunkelblaue, ernst dreinblickende Augen. Meine Augen. Ich starrte in den Spiegel, ich saß auf einem Hocker vor einem Schminktisch, meine Mutter mit einem fröhlichen und zugleich erwartungsvollen Gesichtsausdruck hinter mir, bewaffnet mit einem grobzahnigen Kamm. Rücksichtslos riss sie ihn durch meine Haare und versuchte so die Knoten loszuwerden. Meinen Einspruch, dass dies weh tat ignorierte sie ganz einfach.
„Hast du in deiner Schule nicht gelernt Schmerzen zu ertragen? Wofür haben wir dich denn dort hin geschickt?“, mein Vater hatte den Raum betreten, mit einem Paket in der Hand. Ich ahnte schlimmes, wenn mein Vater sich schon einmal die Zeit nahm, nach mir zu sehen, dann hieß das, dass ich wieder weg geschickt werden würde.
„Nun lächle doch einmal!“, ermahnte meine Mutter mich. Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen, doch meine Augen blieben ernst. Wie sollte ich auch nicht ernst sein, wenn ich seit Stunden dazu gezwungen war, diese Strafe im Spiegel zu betrachten, die die meisten als Geschenk der Götter ansahen. Mein Gesicht war entstellt, wie mein ganzer Körper, überzogen von weißlich schimmernden Runen, überall zeigten sie mir, was ich sein sollte, auch wenn ich das nicht war.
Meine Mutter fuhr eine Rune auf meiner Wange nach, bevor sie meinen Kopf in den Nacken zog und meine dunkelblauen Haare nach hinten bürstete und sie dann mit einem ganz bisschen Öl einrieb, damit diese noch mehr glänzten.
„Meine wunderschöne Tochter!“, zufrieden betrachtete ihr Werk, doch ich konnte keinen Unterschied zu sonst erkennen, gut vielleicht achtete ich sonst nicht darauf, dass alle Haare nach hinten gebürstet waren, oder glatt und entwirrt waren, doch im Prinzip blieb ich doch ich. Das Sprungbrett meiner Eltern, ihre Chance auf einen Adelstitel, die „gesegnete“ Tochter, das „Wunder“ für das meine Eltern gebetet hatten.
Ich schaute auf meine Handflächen und lächelte. Die Haut dort war rein, unberührt von den ganzen Runen und Kreisen, die doch sonst jeden Zentimeter meines Körpers zierten.
„Eine Schande, nicht wahr?“, meine Mutter nahm meine Hände in ihre, „Noch die Handinnenflächen und die Fußsohlen gezeichnet und du wärst perfekt!“
Langsam erhob ich mich und nickte.
„Natürlich Mutter, doch auch diese Zeichnung wird reichen!“, mein Lächeln ließ sie glücklich seufzen.
„Ich wusste schon immer, dass du etwas besonderes bist. Unser ganzes Erspartes haben wir ausgegeben, um dich prüfen zu lassen und das Ergebnis übertrifft noch immer meine kühnsten Träume. Meine Tochter ist adelig, meine Tochter ist die geborene Kriegerin. Stell dir doch nur einmal vor, was das für ein Moment war, als man uns sagte, dass du auf die Akademie der Krieger gehen solltest!“
Noch immer stand ich stumpflächelnd vor meiner Mutter und verbiss mir meine Fragen. Warum musste man eine „geborene“ Kriegerin wegschicken und ausbilden lassen, wenn meine Fertigkeiten, doch ein „angeborenes Geschenk“ waren? Warum schickte man sein zehn jähriges Kind, das doch kaum begreifen kann, was mit ihm geschieht, auf eine Akademie, in der es Tag für Tag stundenlang kämpfen muss, gegen ältere, bessere Gegner. Warum ließ man sein Kind neun Jahre lang auf dieser Schule und schickte niemals einen Brief?
„Hier!“, mein Vater reichte mir das Paket. Ich riss das Papier darum weg und hätte am liebsten laut aufgestöhnt. Ein weißes Kleid kam zum Vorschein.
„Danke Vater!“, höflich umarmte ich ihn, doch in mir drin begann ich zu frieren. Ich war doch gerade erst drei Wochen zu Hause gewesen und jetzt sollte ich schon wieder weggehen? Dieses Kleid war eindeutig dafür gedacht, mich irgendwo vorzustellen. Ärmellos und Rückenfrei, sodass man gut erkennen konnte, wo überall die Runen auf meiner Haut gezeichnet waren. Es war wie die zur Schaustellung von einer Ware auf dem Marktplatz, schön herausgeputzt. Ich hätte genau so gut ein hübsch angefertigtes Schmuckstück sein können.
„Wollt ihr mir nicht erklären, wo ich mich vorstellen soll?“, ich schlüpfte in das Kleid und betrachtete meine Eltern ernst, es musste etwas wichtiges sein, das Kleid fühlte sich teuer an, feinmaschig und kühl auf der Haut.
„Der König sucht Freiwillige, die nach Rilead reisen, da dort die Schatten einfallen. Er sucht nach Leuten, die die Lage überprüfen und wenn nötig auch direkt eingreifen wollen. Denk doch nur daran, du könntest berühmt werden, eine Heldin für unser Volk, den Namen deiner Familie für immer in die Köpfe der Faejh einbrennen. Ist dies nicht genau das, was du schon immer wolltest?“, die Augen meiner Mutter glühten förmlich vor Begeisterung, während sie sich über ihren Arm strich. Ihre Male beschränkten sich auf ihre Arme und Beine, die meines Vaters sogar nur auf einen Arm, weshalb die beiden umso erfreuter darüber waren, eine Vorzeigetochter zu besitzen.
Einen Moment lang war ich versucht zu sagen, dass ich all dies nicht wollte, dass ich hier bleiben wollte, bei meiner Familie und mein eigenes Leben führen wollte.
Doch das ging nicht so leicht, das würden sie nicht verstehen. Für mich gab es nur eine Möglichkeit auf ein eigenes Leben, auf das Leben, das ich schon immer wollte.
Frieden, Sieg, ich musste die Schatten bekämpfen und ein für alle Mal besiegen, sonst würde meine Familie mich niemals zur Ruhe kommen lassen.
Ich hob den Kopf: „Lasst uns fahren, es gibt eine Aufgabe, die sich so anhört, als wäre sie für mich gemacht worden!“

Die Kutsche hielt vor dem Palast, indem der König der Faejh lebte. Noch niemals in meinem Leben hatte ich dieses Gebäude betreten, wenn ich doch auch als kleines Kind schon oft hier gewesen bin, mit meinen Eltern, die mir erzählt hatten, dass ich irgendwann einmal die Chance bekommen würde, etwas zu leisten, wodurch die mächtigen des Landes dort drinnen meinen Namen kennen würden.
Mein Vater streckte mir die Hand entgegen und half mir aus der Kutsche, vor den eisernen Toren des Palasts standen viele Faejh um zu sehen, wer sich für solch eine Aufgabe freiwillig meldete. Neugierig wurde ich betrachtet, wie ein gefangenes Tier und ein Kind rief aufgeregt, dass es einmal genau so aussehen wollte, wie ich, mit diesen hübschen Kringeln überall auf der Haut. Ich lächelte, wenn dieses Kind wüsste, was ich dafür geben würde, wieder eine solch unberührte Haut zu haben, wie sie.
Am Tor stand eine Wache.
„Name?“, erkundigte der Mann in Lederrüstung sich.
„Florera Fin!“, erwiderte ich.
„Sie werden schon erwartet!“, eine weitere Wache trat auf mich zu und bedeutete mir, ihm zu folgen, meine Eltern blieben selig lächelnd vor dem Tor zurück. Wieder einmal war ich allein.
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Dreyri
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 18:52

Die Wunde schmerzte. Dumpf pochte sie. Stetig wie der Herzschlag.
Blut quoll schon länger nicht mehr heraus. Es war geronnen und langsam begann es zu trocknen. Doch der Schmerz blieb, unaufhörlich machte er sich bemerkbar. Der Arm war vom Schultergelenk bis zum Ellenbogen aufgeschlitzt, das helle Leinenhemd klebte blutig an der Haut.
Die Wunde schimmerte, leuchtete wie es Glühwürmchen auf Partnersuche taten. Bei dem Gedanken musste Ashill beinahe lachen. Zumindest verzog er seine Lippen zu einer Grimasse, die beinahe als ein Lächeln zählte und aus seinem Mund kam ein Laut, der entfernt an ein Lachen erinnerte. An seinen Lippen klebte Blut, doch er wusste nicht, ob es das Eigene war oder von sonst irgendwem war.
Müde starrte er auf die Mähne seines Pferdes hinab. Dorne schwitzte, genauso wie er selbst. Doch tapfer trabte sie ihres Weges und trug ihn weg von dem blutigen Gemetzel, das sie drei hinter sich gelassen hatten.
Meomir war auch da. Der Vogel flog schräg hinter ihnen, langsam und ruhig, doch Ashill wusste, er würde die Umgebung im Auge behalten.
Mit der gesunden Hand klammerte er sich an der Mähne seiner Stute fest, ehe er die Augen schloss und sich auf den Schmerz konzentrierte. Hach, eigentlich tat ihm alles weh. Seine Schenkel, seine Schulter, sein Rücken.
Als diese... Irren begonnen hatten, alles abzumetzeln, was ihnen in den Weg trat, war er gerade dabei gewesen, Dorne zu satteln. Die erste war eine Frau gewesen. Sie hatte krank ausgesehen und hatte sich mit einem Beil auf ihn gestürzt. Sein Dolch war ihr dann zum Verhängnis geworden. Er hatte nicht gezögert, sie zu töten. Warum auch? Sie hatte das Selbe ja auch mit ihm vorgehabt.
Daraufhin hatte er sich in den Sattel geschwungen und war buchstäblich ins Chaos geritten.
Es war ihm gerade noch genügend Zeit geblieben, seinen Bogen vom Rücken zu nehmen und drei dieser Irren niederzustrecken. Anschliessend hatte er sich beeilt, aus der Stadt zu kommen.
Ashill hielt sich eigentlich nicht für feige. Die Irren waren überall gewesen und niemand bezahlte ihn dafür, sie umzubringen. Also war er aus der Stadt geritten. Links und rechts hatten sie auf ihn und Dorne eingehackt, Memoir hatte gekreischt und einem dieser Irren die Augen aus den Augenhöhlen gekratzt.
Und dann war da dieser Hüne gewesen. Ashill hatte ihm in die Augen sehen können, obwohl er auf einem Pferd gesessen hatte. Der Hüne holte aus. Womit ... daran erinnerte sich Ashill nicht mehr. Er erinnerte sich nur noch an das Bersten seines Bogens in seiner Linken. Und dann der Schmerz. Der Schmerz der ihm alle Luft aus den Lungen gepresst hatte. Er musste sich verkrampft haben, denn auf einmal schoss Dorne los, sodass er sich kaum auf ihr halten konnte.
Dorne hatte alles gegeben, das wusste er jetzt. Mit geblähten Nüstern und Schaum vor dem Mund war sie aus dem Stadttor geschossen und dann wie wild geworden über die Ebene galoppiert.
Ashill konnte wohl von Glück reden, dass er oben geblieben war.
Und nun war er hier. Irgendwo da draussen. Ihm war schwindlig und übel.
Dorne trug ihn, obwohl sie selbst kaum mehr konnte. Schnittwunden zierten ihre Brust und Flanken. Er musste sich um sie kümmern. Die Wunden würden sich entzünden.
Statt sich um sie zu kümmern, sass er immer noch im Sattel, müde und verletzt und er ahnte, dass er sich nicht mehr ewig würde oben halten können.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 21:56

Mit dem Anbruch der Dämmerung hatte sich einiges verändert im Leben von Aeternum, besonders das er sich nun anstatt in den Katakomben an der Erdoberfläche befand. In diesen Moment bahnte er sich auch seinen Weg durch den Wald und würde man ihm in den Licht des Mondes sehen, könnte man fast glauben ein Mensch in seiner Rüstung lief durch eben jenen. Beinahe zwei Meter hoch war die bleiche Gestalt die durch den Wald lief und es unterschiedlich großen Platzen zu bestehen schien, während der Kopf ähnlich eines menschlichen Schädels geformt war. Doch dort wo die Augen eines Menschen sitzen würden, prankten nur zwei tiefe Löcher. Wenn das Licht es zu lassen würde, könnte man sehen das sein rechter Unterarm an der Oberfläche mit feinen Kristallstrukturen durch zogen war.
An diesen Abend waren Sterbliche in die Katakomben gekommen und hatten anscheind etwas gesucht. Am Ende war es klar gewesen das sie die Mortuis gesucht hatten, doch aus was für einen Grund sie gekommen waren war am Anfang nicht einsichtlich gewesen. Die Wahnsinnigen Fanden in den tieferen Ebenen die Mortuis und während sich zwei Jugernauten in den Schatten sich versteckt hielten, kamen den Wahnsinnigen einige der jüngeren Mortuis entgegen. Bevor sie überhaupt auch nur ein Wort erhoben konnten, griffen die Wahnsinnigen sie an und zerschmetterten die Kristalle vor ihnen. Kurz darauf streckten die Jugernauten die Wahnsinnigen nieder, aber für die anderen Mortuis war es bereits zu spät. Die anderen beschlossen sich von den Rest der Welt fürs erste ab zu schotten, doch Aeternum sah es anders. Er wollte Rache für seine Gefallenen Kameraden und würde den Tot zu den Blutenden tragen.
Er war sich nicht sicher ob er jemals in seine Heimat zurück kehren konnte oder ob die anderen den Weg für immer versperrren würden. Doch das würde nur die Zeit zeigen, vorerst hatte er andere Ziele und Pläne.

Das einzige was er nicht bedacht hatte war das er sich auf der Oberwelt nicht auskannte und nicht wusste wohin er gehen musste. Doch er würde schon seine Ziele finden und am Ende würde er deren Blut vergießen. Solche Gedankengänge waren für ihm neu und auch war er sich nicht sicher wohin ihm dieser Weg bringen würde, doch vielleicht war es der Grund für seine Existenz?
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 22:53

Garl hatte beide Beine auf den grob gezimmerten Tisch im Wirtshaus gelegt und lehnte sich entspannt zurück, während er die Schlägerei betrachtete, die seit wenigen Minuten im Gange war. Im einen Moment hatte er noch den furchbaren Angebern am Nebentisch gelauscht, die sich damit brüsteten, ein Wildschwein - Nein, zwei! - Ha, eine ganze Horde! - getötet zu haben, als irgendwelche anderen Kerle reinkamen und jeden angriffen, der ihnen in den Weg kam. Ah ja. Immerhin wurde ihm auf diese Weise die beste Unterhaltung seit langem geboten, denn inzwischen hatten sich alle Anwesenden auf die Angreifer geworfen, die das allerdings wenig kümmerte. Alle Anwesenden außer ihm. Natürlich.
Er lehnte sich kurz zur Seite, weil ein kräftiger Mann mit einem Wurfdolch in seine Richtung ausholte, doch dieser entschied sich noch anders und stach lieber einen der Dorfbewohner nieder. Vielleicht sollte er jetzt doch lieber gehen, überlegte Garl und betrachtete die Kämpfenden. Es waren nur noch wenige auf den Beinen, und irgendwann würde irgendein gegnerloser Schläger auch auf die Idee kommen, ihn anzugreifen. Er stand auf, nahm seinen zerschlissenen Umhang von der Stuhllehne und bewegte sich in Richtung Hinterausgang. Vielleicht wäre es besser gewesen zu sagen: Er versuchte, sich in Richtung Hinterausgang zu bewegen, denn kaum war er aufgestanden spürte er einen Luftzug und etwas Großes, hölzernes zischte knapp an seinem Kopf vorbei. An dem wütenden Grunzen, das daraufhin ertönte, konnte Garl eindeutig erkennen, dass das Tischbein - das war es nämlich gewesen - ihn eigentlich hätte treffen sollen. Verdammt, dachte er, duckte sich und wirbelte herum. Das war eine gute Idee gewesen, denn erstens konnte er jetzt seinen Angreifer sehen und zweitens traf ihn der zweite Hieb mit einem zweiten Tischbein nicht. Garl konnte gerade noch einen kurzen Blick in das Gesicht seines Gegenübers werfen - der eindeutig nicht genug geschlafen hatte in den letzten Nächten - bevor ein dritter Hieb, nun wieder mit dem ersten Stuhlbein, ihn zwang, sich noch tiefer zu ducken.
Er hasste Schlägereien. Vielleicht lag es daran, dass er grundsätzlich kleiner und schwächer war als seine Gegner. Oder dass man in den meisten Fällen gezwungen war, zuzuschlagen (was er nicht wirklich konnte) statt einfach aus sicherer Entfernung einen Dolch zu werfen (Was er ganz sicher konnte).Vielleicht auch daran, dass es keinen interessierte, dass es eben auch eine Kunst war, sich unbeschadet aus so etwas herauszuwinden, wegzulaufen und dabei noch die Geldbörse seines Gegners mitgehen zu lassen. Viel wahrscheinlicher war aber, dass er sie hasste, weil man dabei verletzt werden konnte. Verwundet zu werden und Schmerzen zu erleiden war jetzt wirklich nicht sein Ding. Also warf er seinem Gegner, der, über ihm aufragend, zu einem vierten Schlag ausholte, ein freundliches Lächeln zu, machte ein paar Schritte rückwärts, richtete sich auf und stürmte zur Tür hinaus.
So einfach war das.
Als er auf seinem Pferd saß - eigentlich war es eher das Pferd irgendeiner unbekannten Person, die vor ein paar Wochen einmal unvorsichtig genug gewesen war, es allein auf einer Weide zu lassen - dachte er darüber nach, was das sollte. Mit den Augenringen waren die Angreifer ganz sicher nicht in Topform, und wer zettelt schon eine Schlägerei an, wenn er krank ist? Vielleicht waren sie betrunken, überlegte er und strich versonnen dem Pferd über die Mähne, das schnaubte und seinen Weg fortsetzte. Das Essen, das Garl bestellt hatte, hatte er leider nicht mehr bekommen und in diesem Dorf wollte er ich nicht mehr blicken lassen - Inzwischen waren wahrscheinlich diverse verschwundene Gegenstände aufgefallen und mit ihm in zusammenhang gebracht worden - also würde er diese Nacht unter freiem Himmel schlafen müssen. Heute Abend wäre der Weg zu einer anderen Siedlung zu weit. Wolken zogen über den Himmel, und deshalb beschloss er, in den nahen Wald zu reiten. Sollte es zu regnen anfangen könnte er sich wenigstens vorstellen, dass die Blätter der Bäume die Kälte abhielten. Außerdem könnte er dort ein paar Schlingen für Hasen auslegen, um wenigstens morgen ein Frühstück zu haben. Obwohl es unwahrscheinlich war, dass es so dämliche Hasen gab. Er hatte kein besonderes Talent zum Fallenlegen. Sein Pech und dieses Hundeleben verfluchend erreichte er die ersten Bäume.


Zuletzt von Trecombe am So 03 Feb 2013, 21:34 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   So 27 Jan 2013, 23:25

Er hatte keine Ahnung, wie lange er noch im Sattel gesessen hatte. Halb tot vor Schmerz hatte er sich verbissen festgeklammert, gehofft und innerlich gebetet, durchzuhalten.
Dorne war inzwischen längst in den Schritt gefallen, was immerhin das Sitzen bequemer machte. Dennoch musste er sich zwingen, die Augen offen zu behalten und weiter zu reiten. In seinem Schmerzwahn wusste er gar nicht recht, wo er eigentlich hinritt. Irgendwohin. Dorne entschied. Hin und wieder blieb sie stehen und zupfte ein wenig Gras vom Wegesrand, das sie dann mit Mühe zerkaute, weil die Trense ihr im Weg war. Jedes Mal schlief Ashill beinahe ein. Und jedes Mal raffte er sich wieder auf, trieb Dorne an und versuchte dabei die Schmerzen zu ignorieren.
Immerhin pochte die Wunde jetzt nur noch - zumindest, solange er seinen Arm nicht bewegte.
Meomir sass auf seiner Schulter und versuchte zu schlafen. Falken waren nunmal nicht nachtaktiv.
In der Nacht zog herbstlicher Nebel auf. Wie Geister schlichen die Schwaden zwischen den Bäumen und Wiesen hindurch. Teilweise war er so dick, dass Ashill sich nur noch auf Dorne verlassen konnte. Die Nacht war kalt und die Feuchtigkeit krallte sich an der Kleidung fest, kroch hinein und biss wie ein wildes Tier auf ihn ein. Ashill zitterte. Mal vom Fieber, mal von der Kälte. Seine Füsse in den Steigbügeln spürte er gar nicht mehr richtig.
Eine Eule flog über sie hinweg wie ein grosser, lautloser Schatten. Ein Fuchs schlich durchs hohe, borstige Gras und Rehe staksten durchs Unterholz. Irgendwo röhrte ein Hirsch. Die Brunst musste begonnen haben.
Dorne schüttelte sich und gab ein Schnauben von sich. Sie schwitzte nun nicht mehr. Doch auch sie war entkräftet.
Als der nächste Morgen zu dämmern begann, lichtete sich auch langsam der Wald und die Strasse, die Dorne gewählt hatte, wurde besser. Doch das alles bemerkte Ashill gar nicht mehr. Er kämpfte gegen die Müdigkeit an, rang mit sich selbst, versuchte krampfhaft die Augen offen zu halten. Sie fielen immer und immer wieder zu.
Und gerade, als die behelfsmässige Palisade eines Dorfes im dämmrigen Licht in Sicht kam, verlor der Saran das Bewusstsein. Eine, zwei, drei... vier Pferdelängen blieb er noch oben, ehe er langsam zur Seite rutschte und auf den Boden prallte.
Dorne machte einen erschrockenen Satz zur Seite, Meomir flog zeternd in die Luft und Ashill blieb mitten auf der Strasse liegen.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 00:39

Die Sonne war schon dabei hinter den nahen Baumkronen zu verschwinden als Naane zusammen mit ihrem Pferd und ihrer Schwester die Grenze zu dem Königreich der Faejh erreichte. Die magische Kuppel, die das Land vor der Macht des Schattenkönig schützen sollte, war schon von Weitem zu sehen gewesen, doch erst jetzt kam auch der Grenzposten, der den einzigen Zugang zu diesem Königreich darstellte, in Sichtweite. Umgangsprachlich wurde der Posten einfach nur das Tor genannt. Naane selbst war noch nie hier gewesen, hatte nur von diesem Ort gehört, genau so wie von dem Königreich der Faejh, welches manche auch das Land des Lichts nannten. "Wir sind da Schwester, gleich bekommst du Hilfe."
"Ich brauche keine Hilfe, du machst einen Schweren Fehler Schwester! Die Faejh sind nicht die Gutmenschen, wie du glaubst, sie werden mir nicht Helfen, sie werden mich töten, genau so wie sie jeden töten bei dem Sie auch nur glauben, dass er in kontakt mit den Schatten stehen könnte..." Naane zuckte zusammen als Kira, ihre Schwester, sprach und versuchte Sie umzustimmen, Mittlerweilen hatte sich nicht nur ihr äußeres, sondern auch ihre Stimme verändert... Ihre eigene Schwester war Ihr nun fremd und das bedrückte Naane.
Es war nun schon ein paar Tage her, seit sie die Veränderung bemerkt hatte und da ihre Kolonie nahe der Grenze zum Schattenreich lag, kam natürlich schnell die Befürchtung auf das die Vawek etwas damit zu tun hatten. Nachdem Naane ihre Schwester bei eine Art Selbstgespräch belauscht hatte, hatte sich dieser Verdacht noch erhärtet und die Schwarm-Königin hatte beschlossen die Faejh um Hilfe zu bitten. Naane hatte sich freiwillig gemeldet Kira zum Tor zu bringen.

Kira hatte sich stark verändert während der Reise, ihre einstmals blauen Augen hatten sich rot gefärbt, ihr goldgelbes Fell war Mittlerweilen mattbraun geworden. Da Naane ihre Schwester unmöglich hätte tragen können hatte man sie gefesselt und auf eine einfache Tragvorrichtung verfrachtet. Im Prinzip waren es bloss zwei Holzstangen, die am Sattel des Pferdes befestigt und an den anderen enden übers Kreuz zusammengebunden waren, dazwischen hatte man eine einfache Plane gespannt, auf der Kira nun Lag. Unbequem, aber effizient.
Die Wachen am Tor hatte die ungewöhnliche, kleine Truppe bereits gesehen, machten aber erst mal keine Anstalten ihnen entgegen zu kommen. Erst als sie noch etwa 50 Meter vom Tor entfernt waren kamen ihnen zwei der Lichtkrieger entgegen. Naane sprang vom Pferd und streckte ihre Hände zur Seite, um zu zeigen, dass sie keine feindlichen Absichten hatte. An ihrem Gürtel waren zwei Armbrüste oder Dornenwerfer, wie die Quarani sie nannten, befestigt, aber mit dieser Geste konnte Naane zeigen, dass Sie diese nicht benutzen wollte. Die beiden Lichtkrieger schienen bereits eine Art Ahnung zu haben und blickten Naane misstrauisch an. "Was ist dein Begehr Quarani? An dir klebt der Gestank des Schatten, wir erwarten eine Erklärung." Naane nickte.
"Dann sind unsere schlimmsten Befürchtungen eingetreten, ihr irrt euch nicht edle Lichtkrieger, ich bin hierher gekommen, weil ich und die meinen befürchtet hatten, dass meine Schwester Kira irgendwie mit der Kraft der Schatten in Berührung gekommen ist. Wir wissen, dass Ihr die Einzigen seit die der Schattenkraft etwas entgegenzusetzen habt, ich flehe euch an helft meiner Schwester, ich tue alles, was ihr von mir verlangt."
"Erst müssen wir dich überprüfen, die Schatten sind verschlagen und tückisch." Naane nickte bloß und lies sich von den beiden Faejh mit ihrer Lichtmagie prüfen. Sie hatte erwartet, dass es sich unangenehm anfühlen würde, doch es fühlte sich eher an als würde man ein angenehm warmes Bad nehmen. Kurz darauf war es bereits wieder vorbei. "Wir haben keine Anzeichen von Schattenmagie bei dir gefunden, verzeiht das Wir misstrauisch waren aber..." "die Schatten sind tückisch und verschlagen, ich verstehe eure Sorgen und eine Entschuldigung ist unnötig." Die beiden nickten und zusammen gingen sie, angeführt von Naane, zu Kira. Die beiden Lichtkrieger schreckten zurück als sie Kira erblickten und Naane wollte gar nicht erst wissen ob es wegen ihres Aussehens oder wegen der für sie nicht sichtbaren Schattenaura war.
"Beim Licht das..." Naane war beunruhigt, wenn es sogar einem Faejh die Sprache verschlug, konnte das nichts Gutes bedeuten. "Wir müssen sie sofort behandeln." "Ja aber so können wir sie unmöglich in unser Reich lassen, wir müssen sie hier und jetzt Reinigen und danach müssen wir dies umgehend Berichten." Naane lies die beiden machen und erneut wirkten die beiden ihre Lichtmagie. Doch bei Kira war die Prozedur alles andere als angenehm, sie musste schmerzen haben, den sie schrie laut auf, als die Lichtmagie sie erfüllte und dazu kam noch das die Prozedur bei ihr um einiges länger dauerte. Zum Schluss wurde Kira von einer hellen Aura umgeben, die Naane blendete, doch nur nach wenigen Sekunden war das Schauspiel wieder vorbei.
Kira hatte in ihrem Schmerz die Fesseln zerrissen und lag nun keuchend auf dem Boden, die beiden Lichtkrieger wirkten ebenfalls erschöpft. Vorsichtig ging Naane auf ihre Schwester zu. "Kira... alles in Ordnung?" "Schwester... hilf mir... bitte..." Naane stürzte zu ihrer Schwester, kniete sich hin und wollte ihr aufhelfen, doch als Kira den Kopf hob, bot sich Naane ein erschreckender Anblick. Die ­äusserlichen Verfärbungen hatten sich nur teilweise zurückgebildet, Kiras Gesicht wirkte gespalten, eine Hälfte schien wieder wie früher, die andere sah immer noch aus wie vor ein paar Minuten. Kira selbst wirkte verwirrt und benebelt. "Naane... hilf mir.... ich kann nicht.... ich darf nicht... Er ist immer noch da.... Er ist ganz nah an meinem Ohr..." "Wer ist ganz nah.. Kira von wem redest du?" "Ich... ich kann seine Lippen beinahe spüren.... ich kann nicht... muss gehorchen... Er gibt mir befehle.... ich will nicht... ich muss... nein... doch... NEIN!... Ich hab keine Wahl.... Er will das ich dich.... NEIN!" "Kira was redest du da, wer gibt dir befehle?"
Doch anstatt zu antworten packte Kira ohne Vorwarnung die Arbaleste von Naane, löste sie aus dem Gürtel und richtete sie auf sich selber aus. Für Naane schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen. "Ich will nicht... muss es so beenden.... es tut mir leid... Schwesterchen..." Unfähig es zu verhindern sah Naane zu, wie ihre Schwester den Abzug betätigte, wie der Bolzen der Führungsrinne entlang glitt und kurz darauf den Schädel von Kira sauber durchschlug. Naane war wie gelähmt und auch die beiden Lichtkrieger schauten ungläubig drein, als Kira in den Armen ihrer Schwester tot zusammensank. "K... kira... KIRA!" Tränen stiegen Naane in die Augen. "NEIN!!!!"
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 03:24

Das Aufblitzen der silbernen Klinge war das letzte, was der Schatten sah. Einen Moment später rollte sein abgetrennter Kopf schon über den Boden. Die blutunterlaufenen Augen starrten anklagend auf ihren Mörder, doch Larciel kümmerte sich nicht darum. Er hatte sich bereits den letzten beiden Kurora zugewandt, die respektvollen Abstand zu ihm hielten, nachdem sie mitangesehen hatten, wie er ganze sechs ihrer Art in wenigen Augenblicken vernichtet hatte. Larciel nutzte diesen Moment der Ruhe, um wieder ein wenig zu Atem zu kommen und seine Umgebung in Augenschein zu nehmen. Der Platz, auf dem er stand, war bis auf ihn und seine zwei Feinde menschenleer. Das mochte daran liegen, dass er noch ein gutes Stück vom Palast entfernt war, an dem sich der Großteil der Schatten versammelt zu haben schien. Die wenigen Infizierten, die er auf seinem Weg durch die Stadt bisher vereinzelt angetroffen hatte, waren keine große Bedrohung für ihn gewesen, doch diese Gruppe hier hatte es schon in sich gehabt. Gleichzeitig gegen acht Feinde zu kämpfen (gut, fünf, wenn man die drei abzieht, die er erwischt hatte bevor sie ihn überhaupt bemerkten), war auch für ihn nicht gerade etwas alltägliches.
Ein lauter Kampfschrei riss Larciel aus seinen Gedanken, als die beiden Kurora sich brüllend auf ihn stürzten. Fast verspürte er etwas wie Mitleid, als er ihren wilden und emotionslosen Blick sah. Sie wussten, dass es ihnen nicht anders als ihren Kameraden ergehen würde, und doch trieb der Fluch des giftigen Blutes sie immer weiter in den Kampf. Tiefer Zorn auf sein Volk überkam ihn, das andere Wesen so rücksichtslos ihrer Freiheit beraubte, und löschte jedes andere Gefühl aus. Er packte den Griff seines Schwertes Arghons fester und war mit zwei Schritten bei seinen Gegnern. Mit einem kraftvollen Hieb parierte er den Angriff des ersten Kurora, der dadurch aus dem Gleichgewicht geriet und strauchelte. Während er den grobschlächtigen Holzknüppel, den der andere gegen ihn schwang, mit der linken Hand abfing, rammte er dem taumelnden ersten Angreifer Arghon so fest in die Brust, dass die Parierstange sich zwischen dessen Rippen verkeilte. Mit einem wütenden Knurren ließ Larciel seine Waffe kurzerhand im Körper des zu Boden gehenden Kurora stecken und packte das Gesicht des verbleibenden Schattens. Einen Moment der Konzentration später loderte seine Handfläche auf und setzte dessen Kopf in Brand. Mit einem entsetzten Aufschrei wollte der Schatten zurückspringen, doch Larciel ließ ihn nicht los. Gewaltsam drückte er ihn zu Boden und ließ durch die Flammen in seiner Hand noch mehr Magie in ihn fließen. Das Feuer breitete sich rasend schnell auf dem Körper des Schattens aus und verbrannte ihn von innen, so dass nichts von seiner Verderbtheit verblieb. Nur Augenblicke später war von dem wahnsinnigen Menschen nicht mehr als ein Häufchen Asche übrig, welches vom Wind erfasst und in die Nacht hinein getragen wurde.
Schwer atmend stand Larciel auf und sah sich um. Der Platz war immer noch verlassen, auch wenn er jetzt einige Kampfgeräusche in der Nähe hören konnte. Nachdem er einen Blick in den Nachthimmel geworfen und tief Luft geholt hatte, suchte er den Boden nach dem Kurora ab, in dem er Arghon versenkt hatte. Er entdeckte ihn nur wenige Meter von sich entfernt. Besonders weit hatte er es mit dem Schwert im Brustkorb ja nicht geschafft. Larciel lachte freudlos auf. Wie albern und falsch das klang. Kein Wesen sollte mit so einer Wunde überhaupt noch irgendetwas machen können, doch wäre Arghon nur ein normales Schwert hätte der Kurora es sich einfach aus der Brust gezogen und sich wieder auf ihn gestürzt. Die Vawek brachten mit ihren Spielchen an der Bevölkerung den natürlichen Lauf der Dinge durcheinander und Larciel war nicht bereit, das untätig zu beobachten, geschweige denn Anteil daran zu nehmen. Er stellte einen Fuß auf den leblosen Körper des Schattens, schloss seine Hand um Arghons Griff und riss es gewaltsam aus der Umklammerung der Leiche. Das klaffende Loch, welches diese Handlung im Körper des Kurora hinterließ, sah aus, als hätte sein Herz den vom dunklen Blut verseuchten Körper so sehr verlassen wollen, dass es sich selbst den Weg durch Knochen, Muskeln und Fleisch nach draußen geschlagen hatte. Larciel lächelte. Ihm gefiel dieser Vergleich. Er würde Rilead das Geschwür namens Vawek herausreißen, genau wie er es bei diesem Kurora getan hatte.


Zuletzt von Acton am Mo 28 Jan 2013, 15:29 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 14:30

Mit schnellen und eleganten Bewegungen bewegte sich Aeternum durch den Wald. Im Moment kam er ganz gut voran, auch wenn er nicht wusste was eigentlich sein Ziel war. Der Wald jedoch machte ihm etwas fertig, überall nahm er Bewegungen wahr und so wusste er nicht ob er verfolgt wurde oder nicht. Einerseits war es schön zu wissen das seine Fähigkeit die Umwelt wahr zu nehmen so stark war, andererseits nervte es ihm jede kleiner Bewegung in seiner Nähe wahr zu nehmen. So viele Bewegungen gab es im normal Fall in den Katakomben und Höhlen nicht und es würde wohl etwas dauern bis sich Aeternum an die neue Umgebung gewöhnt hatte.
Nach einer Weile blieb er auf einer Lichtung stehen und schien auf etwas zu warten. Langsam löste sich eine Dünne Kette aus scharfen Knochen von seinen linken Arm, bevor er sich drehte und seinen Arm so bewegte das die Knochenpeitsche auf einen der Bäume nieder ging und eine tiefe Einkerbung hinter ließ. Vielleicht spielten seine Sinne ihm doch einen Streich, denn für einen Moment dachte er das er verfolgt werden würde. Doch nun konnte er niemanden ausmachen, nur Bäume und andere Pflanzen so wie die Kerbe die er an dem Baum hinter lassen hatte.
Langsam begann er an seiner Entscheidung an die Oberwelt zu gehen zu zweifeln. Vielleicht war es gar nicht seine Bestimmung Rache an den Blutenden zu nehmen. Wäre er ein normales Wesen gewesen, hätte er wohl leicht mit den Kopf geschüttelt. Er durfte sich nicht von seiner Aufgabe abbringen lassen.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 19:33

Der Henker war ein großer Mann mit breiten Schultern, Beinen wie Baumstämmen und einem Nacken, der einem Bullen zur Ehre gereicht hätte, doch das war nicht der Grund, dass das Volk in den Gassen vor ihm furchtsam zurück wich und dem Mann eine weite Gasse bildete. Es war schlichtweg die Tatsache, dass man ihn nur schwer anblicken konnte. Manche junge Männer lebten in dem Glauben, Narben würden ihnen ein verwegenes Aussehen verpassen und brannten darauf, in der Schlacht gezeichnet zu werden. Was für Narren! Der Henker war der lebende Beweis dafür, dass Narben einen Mann lediglich verunstalten konnten. Er war nie ein ansehnlicher Mann gewesen mit seinem vierschrötigen, pockennarbigen Schädel, aber dass sie keine Schönheiten waren konnte man von vielen Männern in Alvae sagen. Was ihn wirklich verunstaltet hatte war der Schwerthieb, der ihn damals fast umgebracht hatte, der ihm das Kinn von der Kehle bis dicht unter die Nase gespaltet und den Kiefer zerschmettert hatte. Das mochte ein volles Jahrzehnt her sein, doch das Fleisch war schlecht verheilt und der Knochen nie wirklich. Die Narbe zog sich wulstig über die eingefallene Wange, nur dürftig von dem spärlichen Bart, den der Henker sich stehen ließ, kaschiert.
Der wirkliche Name des Henkers war Gerion Halbrek. Seinen Beinamen hatte er sich verdient, als er einem gefangenen Trollbullen mit einem einzigen Schlag den Kopf von den Schultern getrennt hatte. Vielleicht auch durch die unzähligen Diener des Schattenkönigs, denen er sein Großschwert durch den Hals geschlagen hatte. Bisher hatte er selten dabei versagt, mit nur einem Schlag den Schädel vom Rumpf zu trennen. Der Henker trug seine Klinge blank über der Schulter als er auf den Palast zu stapfte. Es sollte ruhig jeder sehen, dass er ein Krieger war. Und niemand sollte auf die Idee kommen, ihm zu nahe zu kommen! Wenn der offen zur Schau gestellte Stahl nicht abschreckte, den hielten die finsteren Blicke des Henkers auf Distanz. Je näher er dem Palast kam, desto dichter drängte sich die Menge jedoch und wich nur noch zögerlich vor dem Hünen zurück. Hätte er sie nicht allesamt derart überragt, sie hätten ihm wohl überhaupt keinen Platz gemacht. Wer beim König vorsprach, der kam in einer Kutsche oder zumindest zu Pferd, aber doch nicht fußläufig. Wenngleich der König nie in Erfahrung bringen würde, wie seine Gäste den Palast erreichten. Niemand hatte schließlich vor, in den Thronsaal einzureiten. Und was scherten Gerion die verwunderten Blicke der Menge und der Palastwachen? Als ob sie ihn nicht ohnehin seiner Narben wegen vorverurteilen würden! Als ob sie nicht alle nur einen hässlichen, ungehobelten Klotz in ihm sehen würden! Nun, sollten sie doch. Gerion hatte vieles in seinem Leben getan, worauf er nicht stolz war, doch wer waren sie, darüber zu urteilen? Und wer war er, sich um das Urteil Wildfremder zu scheren? Und sollte der König sich an seinen schmutzigen Stiefeln stören: nun, es war sein Schwert, dass er anbieten wollte, nicht seine Stiefel. Und die Klinge des Großschwerts war blank poliert und so scharf, dass man sich damit hätte rasieren können.
"Euer Name?", verlangte der Soldat an der Pforte zu wissen und hieß ihn mit gebieterisch entgegen gestreckter Hand inne zu halten. Das Missfallen in den Augen des Mannes war deutlich zu sehen. Gerion fragte sich, ob er diese formelle Anrede hätte erwarten dürfen, wenn er den selbst nicht klein gewachsenen Wachmann nicht um einen halben Kopf überragt hätte.
"Gerion Halbrek." Die Stimme des Henkers war rau und leise, kaum mehr als ein kratziges Flüstern. Er bewegte nur eine Seite des Mundes während er sprach, die Vernarbte verharrte starr wie aus Stein gemeißelt.
"Tretet ein", erwiderte der Soldat und winkte ihn unwirsch durch, ganz als sei es eine lästige Pflicht, mit Männern wie ihm zu tun zu haben. Dabei hätte Gerion schwören können, dass er hier war um sich als Freiwilliger für eine höchstwahrscheinlich tödliche Mission zu melden. Gemein hin bezeichnete man Männer mit dieser Aufopferungsbereitsschaft als 'Helden'. Nun, der Mann am Tor schien sich einen Helden wohl ganz klar anders vorzustellen. Immerhin nahm er Haltung an als er Gerion passieren ließ, doch das war wohl eher rigorosem Drill denn soetwas wie Respekt geschuldet. Der Henker überquerte den Vorhof ungehindert und hielt aufs Haupttor zu, wo er, wie es schien, bereits von einem Diener im Livree erwartet wurde. Der kleine, aber wieselflinke Mann mit der unangenehmen Falsettstimme bat ihn, ihm zu folgen und huschte voran durch Hallen und Gänge, eine hohe Treppe hinauf und durch mit Teppichen behangene Korridore. Vor einer hohen, eichernen Flügeltür blieb er stehen.
"Wartet hier bitte, bis Seine Majestät euch empfängt", bat er mit ausgesuchter Höflichkeit. Falls er ähnliche Abneigung wie der Mann am Tor verspürte wusste er diese gut zu kaschieren. Gerion gab lediglich ein unwilliges Grunzen von sich. Es war wohl das Privileg der Hochgeborenen, die, um deren Kommen sie gebeten hatte, auch noch warten zu lassen.
"Wenn ihr mir bitte eure Waffen aushändigen würdet...?", fuhr der Mann fort und reckte unsicher beide Hände zu Gerion hinauf, ganz so, als erwartete er, dass das Gewicht des Großschwerts ihn sonst zu Boden drücken würde.
"Warum?" Diesmal klang die leise, raue Stimme des Henkers gereizt. "Vertraut der König seinen eigenen Untertanen nicht? Ist seine Wache zu unfähig, ihn vor einem einzelnen Mann zu schützen?" Es war der blanke Hohn, der aus den Worten sprach. Mancher hätte es wohl als Hochverrat ausgelegt. Der kleine Mann wurde sichtlich bleich, doch er wagte es nicht zu antworten. "UNd wird der König nicht erwarten, dass ich auf die Klinge schwöre, die ich ihm anbiete? Wird er sie nicht wenigstens sehen wollen?"
"Nun... es... es tut mir leid, aber so... so sind nun einmal die Regeln!", beharrte der Mann spotternd und Gerion glaubte zu seiner Verwunderung, eine leichte Spur von Aufmüpfigkeit aus den Worten heraus zu hören. Das zollte ihm Respekt ab. Er hätte den kleinen Kerl weicher eingeschätzt.
"Mach dir nicht ins Hemd", erwiderte er und trotz der rüden Wortwahl schwang etwas joviales in seiner Stimme mit. Er nahm das Großschwert von der Schulter und reichte es dem Mann, anschließend löste er die Waffengurte mit Dolch und Messer von seiner Hüfte und zog zum Schluss sein Stiefelmesser um es dem Mann mit den übrigen Klingen zu reichen. Dem Diener gelang es derart beladen nur mit Mühe, eine Verbeugung anzudeuten ehe er davon huschte und Gerion ließ sich, sich auf einmal ungewohnt nackt fühlend, auf einer niedrigen Holzbank an der Wand nieder. Nun würde der König doch mit seinen dreckigen Stiefeln vorlieb nehmen müssen...

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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 20:08

Der Sturz des Saranen blieb nicht unbemerkt. Von der Palisade her kam ein Mann mit einem alten Schwert und einem behelfsmässigen Helm, der ein wenig wie ein Kochtopf aussah, angerannt. Das Dorf war in Alarmbereitschaft, seit Händler die Nachricht von Aufständen in der Hauptstadt mitgebracht hatten. Man hatte beschlossen, eine Palisade zu errichten und Wachen einzuteilen. Das war nun das Glück des Saranen. Er beugte sich über den Bewusstlosen, während sein Kollege, der gleich hinter ihm hergelaufen kam, versuchte, das Pferd zu beruhigen. Der erste Mann betrachtete den Verletzten mit einem unsicheren Blick, doch selbst er konnte feststellen, dass diese Wunden nicht gut aussahen.
"Wir sollten ihn zu der Alten bringen", sagte er zu dem anderen Menschen, dem es inzwischen gelungen war, das Pferd einigermassen unter Kontrolle zu bringen. "Das sieht ziemlich übel aus. Und wir müssen den Rat informieren!"
"Alles klar, ich hole ein paar andere mit einer Trage", entgegnete dieser und lief wieder ins Dorf zurück.

Die Kräuter waren trocken. Mathilda legte ihren Stock zur Seite und streckte sich ein wenig, um die hängenden Gewächse von der Stange zu pflücken. Ihr Rücken dankte es ihr nicht und sie gab eine Mischung aus Keuchen und Stöhnen von sich. Aber sie schaffte es, die Pflanzen wegzunehmen und legte sie in den Korb neben sich. Dann verschwand sie wieder im Haus, aber nicht, ohne die erwachenden Strahlen der Sonne ein wenig zu geniessen.
Im Inneren des Häuschens gab es nicht viel Platz. An der Wand stand ein grosses Bett, daneben ein verlassen aussehendes, dreifaches Hochbett, dessen unteresten Decken aber aufgeschüttelt waren. Ein grobe gezimmerter Tisch und Stühle und eine kleine Küche mit einer Feuerstelle vervorständigten das Bild. Überall standen Pflanzen und Gläser mit getrockneten Kräutern und Wurzeln. Ein herber Geruch erfüllt das Innere. Mathilda stützte sich auf ihren Stock und näherte sich keuchend dem Topf auf der Feuerstelle, in dem etwas brodelte. Sie legte verschiedene Kräuter in einen Mörser und verkleinerte sie. Zusammen mit einer Wurzel warf sie sie ebenfalls in das Gebräu. Dann rührte sie daran und schnupperte. Alles dabei. Sie blickte zu dem Hochbett hinüber und vergewisserte sich, dass die Binden und heisses Wasser bereitstanden. Sie nickte. Dann war alles für ihren Gast bereit.
In diesem Moment hörte man Lärm und das Wiehern eines Pferdes von draussen. Wieder durchquerte die alte Frau ihre Heimstatt und öffnete die Tür. Mehrere Dorfbewohner, zwei von ihnen trugen Suppentöpfe auf den Köpfen näherten sich über einen ausgelatschten Pfad ihrem Haus. In ihrer Mitte trugen sie eine Trage, auf dem jemand lag. Ein Pferd folgte ihnen, obwohl sich niemand darum kümmerte, ihm eine Leine oder ähnliches anzulegen.
"Mathilda!", rief einer der Männer, als sie aus ihrem Haus trat. "Der Mann hier ist ziemlich verletzt. Er ist vor dem Dorf zusammengebrochen, jemand muss sich um ihn kümmern!"
Wer würde wohl dieser Jemand sein? Wortlos winkte sie die Männer ins Innere, gab Anweisungen, den Mann auf das vorbereitete Bett zu legen und sorgte dafür, dass jemand das Pferd hinter dem Haus anband und ihm Wasser brachte. Dann humpelte sie wieder durch den Wohnraum zu der Kochstelle und füllte eine Kelle von dem Gebräu in eine Schale ab, die sie neben das Bett stellte. Mit ein paar harschen Worten jagte sie die Männer nach draussen und begann dann, die Wunden auszuwaschen und zu verbinden. Die Verbände waren mit einer Paste gegen Wundbrand bestrichen, doch das Ganze sah nicht sehr gut aus. Nachdem die Wunden verbunden waren, flösste Mathilda dem Mann noch etwas von dem Gebräu ein. Es sollte ihn ein wenig aufpäppeln und auch gegen Wundbrand helfen. Zufrieden mit ihrer Arbeit ging sie nach draussen und schickte die Wartenden nach Hause mit den Worten, dass es dem Mann bald besser gehen würde. Sie erinnerten sie noch daran, dass sie ihn würden befragen wollen, wenn es ihm wieder besser ging, dann verliessen sie Mathilda wieder über den Pfad. Die alte Frau kehrte ins Innere des Häuschens zurück und griff sich einen Korb und einige Schalen. Sie begann, die Kräuter darin zu sortieren, während sie ihren Patienten im Auge behielt.


Zuletzt von Vicati am Mo 28 Jan 2013, 20:56 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 20:38

Ich ließ meinen Streitkolben auf den nächstbesten Gegner hinabsausen und zerschmetterte ihm seinen Schädel. Wie auch immer diese Magie wirkte, nun hatte ich sie ihm ausgetrieben. Zusammen mit Gehirnmasse,Blut und Schädelteilen. Wo gehobelt wird da fallen bekanntlich auch Späne... vielleicht ein schlechter Vergleich. Aber unter diesen Umständen war mein Sinn für Philosophie nahezu gänzlich ausgeschaltet. Ich blockte einen Schlag von der Seite mit meinem Schild ab und rammte dem Angreifer selbigen in die Kehle, er ging röchelnd zu Boden.
Diese Menschen waren nicht normal, sie waren irgendwie verhext oder verseucht. Es war praktisch meine Pflicht sie zu reinigen. Aber ein anderes Mittel als meinen Streitkolben habe ich bisher nicht gefunden. Sie benahmen sich wie Irre, sie griffen wahllos und ohne erkennbare Taktik an. Nur diesem Umstand, und meiner Kettenrüstung war es zu verdanken dass ich bisher nur einige leichte Treffer einstecken musste. Aber wenn es so weiterging dann würde ich zu erschöpft sein um noch weiter zu kämpfen. Ich musste irgendwie aus der Stadt heraus, der Kampf war praktisch zwecklos. Die Wachen würden diesen Ansturm kaum noch lange aushalten und bevor ich nicht genügend Kenntnisse über das Übel habe dass von diesen Menschen Besitz ergriffen hat war ich keine besonders große Hilfe.
Ich suchte nach den nächsten Stallungen, immer wieder wurde ich angegriffen, durch meinen Schild und meine Rüstung war ich allerdings geschützt genug. Und meistens hatten sie sowieso keine Zeit einen Treffer zu landen. Aber auch hier zeigte sich etwas seltsames. Obwohl ich ihnen die Knochen zertrümmerte schienen sie kaum etwas davon zu spüren. Natürlich konnten sie entsprechende Körperteile dann nicht mehr bewegen, bei normalen Menschen hätten solche Schmerzen allerdings zur Ohnmacht geführt. Außerdem sahen sie merkwürdig aus, sie hatten sehr dunkle Augenringe, machten aber keinen müden Eindruck, eher besessen. Aber über so etwas kann ich mir den Kopf zerbrechen wenn ich erst einmal aus dieser Stadt heraus bin.
Als ich an den Stallungen ankam fiel mir etwas auf was ich mir auch vorher hätte denken können. Die Pferde waren weg. Entweder waren sie in Panik weggerannt oder jemand hatte sie zur Flucht benutzt. Nun gut, ich konnte es ihnen nicht verübeln. Also musste ich wohl auf die althergebrachte Art hier raus. Außerdem habe ich von Pferden nie viel gehalten. Als Kleriker war es eher unüblich zu Pferde zu reisen, man musste sich schließlich auf seine Füße verlassen können. Ich legte also meinen Schild an, schwang meinen Streitkolben und bewegte mich in Richtung eines kleineren Stadttores. Durch meinen Lederwams und das darüber liegende Kettenhemd war ich zwar nicht besonders schnell, aber ich konnte mir eine Bahn durch die Angreifer schlagen ohne selbst viel einzustecken. Es dauerte dann auch nicht lange bis ich es aus der Stadt geschafft hatte, die Angreifer waren am Nebentor nur spärlich vertreten, deswegen konnte ich praktisch ungehindert hindurch. Nachdem ich mich einige hundert Meter von der Stadt entfernt hatte sah ich zurück. Einige Häuser brannten, man hörte Schreie und das Klirren von Schwertern.
Ich drehte mich wieder um und ging den Pfad entlang. Ich musste Verbündete finden, und zwar solche die wussten was hier vorging. Ansonsten konnte ich meine Fähigkeiten in der Heilkunst zur Verfügung stellen, falls es noch andernorts Angriffe gab. Aber das wäre nur eine Verzögerung, von einem Sieg scheint das hier alles weit entfernt.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 20:46

Unheilschwangere Träume plagten ihn. Dunkelheit und Feuer, Flammen zischten und überall waren dunkle, träge Gestalten. Sie griffen mit knochigen Händen nach ihm, zerrten an seiner Kleidung. Sie trieben ihm glühende Klingen in den Leib, bis Blut aus unzähligen Wunden floss. Es wollte und wollte nicht aufhören zu bluten. Er verlor so viel Blut, dass Dorne bis zur Brust darin watete und kaum mehr fliehen konnte. Sie schnaubte ängstlich und Ashill war unfähig, ihr gut zuzusprechen. Er öffnete seinen Mund, doch statt Worten quoll ein Schwall dunklen Blutes hervor, ran ihm über das Kinn und tropfte auf den Widerrist seines Reittieres. Panisch griff er sich an den Hals, als wollte er die Worte irgendwie herauspressen. Es funktionierte nicht.
Auf einmal konnte er sich kaum mehr im Sattel halten. Alles war glitschig vom vielen Blut, Dorne konnte gerade noch den Kopf über der Oberfläche halten. Bald würde sie ertrinken.
Die irren Schemen waren weg. Trotzdem kämpfte Ashill weiter um sein Leben, wobei er vom Sattel rutschte und der See aus Blut ihn in die Tiefe riss.
Irgendwo wieherte ein Pferd ... dann hatte er auf einmal einen seltsamen Geschmack auf der Zunge. Erst süsslich, doch dann immer bitterer, bis er am liebsten ausgespuckt hätte.
Erst dann schlug er die Augen auf und erwachte so aus diesem furchtbaren Traum. Erst starrten seine grünen Augen desorientiert die Decke an. Langsam wanderte sein Blick von der Decke zur gegenüberliegenden Wand, wobei er zu begreifen versuchte, wo er war. Dieser Ort hier sagte ihm absolut nichts. Überall diese Pflanzen und der Geruch. Der Geruch, so würzig, dass es ihm beinahe in der Nase stach.
Sein Blick blieb einen Moment beim Feuer hängen, ehe er sich vorsichtig aufsetzte. Dabei belastete er seinen verletzten Arm so wenig wie möglich, da das Pochen nach wie vor zu aufdringlich war, als dass er es hätte vergessen können.
Fahrig strich er sich ein paar lose Strähnen seines dunkelbraunen Haares zurück. Das Band, welches seine Haare normalerweise zusammenhielt, hatte sich offenbar gelockert, weswegen sie ihm nun nun nicht mehr alle Strähnen gebändigt waren.
Nun erst erblickte er die alte Frau, die ihn beobachtete. Dieser Umstand zauberte ihm ein halbes Lächeln auf die Lippen. Er war nicht alleine.

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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 21:53

Eine ganze Weile hatte man mich in einem kleinen Vorraum warten lassen, in dem eine kleine Holzbank stand, die nicht wirklich danach aussah, als würde sie überhaupt das Gewicht eines Mannes halten, und erst recht nicht bequem sein, oder gut für dieses Kleid. Wahrscheinlich würde ich mir eher einen Splitter zuziehen oder mir das das Kleid an dem Holz kaputt reißen. Na das wäre ja einmal eine schöne Vorstellung vor dem König, immerhin, ich würde einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In einem ohnehin schon für meinen Geschmack zu freizügigen Kleid vor den König zu treten, wenn das Kleid auch noch kaputt ist, so gewann man garantiert nicht die Gunst des Königs und schon gar keine ehrvolle Aufgabe.
Für einen Moment starrte ich die Bank versucht an, wenn ich mich jetzt hinsetzte, dann konnte ich einfach hier bleiben, bei meinen Eltern, doch für wie lange? Wer sagte mir denn, dass sie mich nicht gleich morgen wieder wegschicken würden, auf eine noch gefährlichere Mission, obwohl fraglich war, dass diese nicht schon ein reines Selbstmordkommando sein würde.
„Florera Fin?“, ein junger Faejh in weiten violetten Pluderhosen lächelte mich schüchtern an.
„Ja?“, ich straffte meine Schultern, wie man es mir förmlich eingeprügelt hatte.
„Der König wird euch jetzt empfangen, folgt mir!“, der junge Faejh hüpfte leicht vor mir her und ich musste mir ein Lachen verkneifen, diese Mode am Hof war doch wirklich gewöhnungsbedürftig, so weite Hosen, die um des Volumen Willen auch noch mit dünnen Holzzweigen verstärkt wurden waren der letzte Schrei, dabei konnte darin niemand mehr laufen. Da blieben nur zwei Strategien, entweder o-beinig laufen, oder hüpfen.
Ich hingegen musste nur aufpassen, dass ich nicht über mein weißes Kleid stolperte.
In meinem Kopf ratterte das Protokoll herunter, dass man uns hatte auswendig lernen lassen, das Protokoll, dass man jederzeit aufsagen können musste, das Protokoll, wegen dem ich mir eine Menge Prügelstrafen eingehandelt hatte.
Eine Flügeltür wurde geöffnet, wahrscheinlich durch Magie und der Botenjunge trippelte nach vorne und verkündete meinen Namen. Ich zwang mich dazu, geradeaus zu schauen, den grasgrünen Teppich entlang, auf halber Höhe machte ich einen höflichen Knicks, wobei ich mich davon nicht wieder erhob, stattdessen blieb ich mit gesenktem Haupt und gebeugten Knien stehen.
Mehrere Sekunden vergingen, meine Beine waren an diese Position gewöhnt, ich hatte bereits mehrere Stunden am Stück in dieser Position verharren müssen, da machten mir diese paar Sekunden auch nichts mehr aus.
„Erhebt euch, Florera!“, eine sanfte Stimme erklang. Betont langsam erhob ich mich. Es war unhöflich, sich schnell zu erheben, wenn es einem erlaubt war, respektlos.
Langsam hob ich meinen Kopf und schritt weiter über den grünen Teppich, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Kurz vor den Stufen, die zum Thron heraus führten, blieb ich stehen.
„Hebe deinen Blick!“
Ich tat wir mir geheißen und konnte so zum allerersten Mal in meinem Leben den Thronsaal betrachten, der König interessierte mich dabei vergleichsweise wenig, doch der Saal. Fast wäre mir die Kinnlade heruntergefallen. Hastig riss ich mich zusammen, wandte meinen Blick von dem komplett aus weißem und hellgrauem Marmor gestalteten Raum zu dem König. Dem Herrscher der Faejh und dem Betreiber der verhassten Akademie.
Ehrfürchtig sah ich zu ihm auf, er war hoch gewachsen, seine Haare hatten sich bereits grau verfärbt, doch trotz seines offensichtlichen Alters wirkte er jung. Seine Haltung war die eines Kriegers, aufrecht stehend, den Blick erhoben, die silberne Krone zierte sein Haupt und unterstrich die Aura von Autorität, die ihn umgab. Sein Gesicht wurde ebenso von Runen geziert, wie auch meins, auch er wurde entstellt. Doch er war stolz auf diese Zeichen. Jeder im Land wusste, dass sogar die Mundhöhle dieses Königs von weißlich schimmernden Runen bedeckt wurde. Viele behaupteten, dass er der König war, der die Faejh endgültig zum Sieg führen würde, der Stärkste Faejh, der jemals geboren worden war. Ich sollte stolz sein, ihn kennenlernen zu dürfen, diese Ehre wurde bei weitem nicht jedem zu Teil, doch ich empfand nichts für diesen Mann, Respekt vielleicht, aber keine übermäßige Ehrfurcht. Mir ging es nicht aus dem Sinn, dass ich in einer seiner Schulen gequält worden war, meine „Ausbildung“ hatte über mich ergehen lassen müssen, obwohl ich dies nie gewollt hatte. Hatte man mich einmal gefragt? Nein. Es war wie es war, der König brauchte Krieger, die seinen Krieg führten, den Krieg unserer Vorfahren, den Krieg unseres Volkes. Da blieb wenig Platz für persönliche Wünsche und schon gar nicht für Rebellion gegen die Traditionen.
„Florera Fin“, der König sprach meinen Namen langsam aus und musterte mich dann prüfend. Überrascht weiteten sich seine Augen, als er mein entstelltes Gesicht betrachtete.
„Wie kommt es, dass ihr euch bewerbt, um nach Alvae zu reisen?“
In meinem Kopf tauchten weitere Protokolle auf. Ich schwieg einen Moment, bis ich das passende für diese Situation parat hatte.
„Eure Majestät, es wäre mir eine Ehre für dieses Land und für eure Krone zu kämpfen und durch meine Arbeit das Überleben meines Volkes zu sichern.“
Eine Standardantwort, die ich schon vor Jahren auswendig gelernt hatte, doch der König lächelte zufrieden, genau das hatte er hören wollen.
„Mir wurde eine Abschlussurkunde übermittelt, von meiner Akademie der Krieger, du verfügst somit über sehr gute Qualifikationen. Ich denke, dass du geeignet bist, die Reise nach Rilead anzutreten. Doch sei gewarnt, diese Reise ist äußerst gefährlich, die Gruppe an Faejh wird äußerst klein sein, damit ihr nicht auffallt und eure Gegner sind bei weitem in der Überzahl!“
Ich nickte: „Diese Risiken sind mir sehr wohl bewusst, eure Majestät, doch für mein Volk und mein Heimatland bin ich bereit sie einzugehen!“ Eigentlich hätte es eher heißen müssen, ich bin bereit dieses Risiko einzugehen, weil es immer noch besser ist zu sterben, während ich für mein freies Leben kämpfe, als auf ewig die Marionette meiner Eltern zu sein.
„Setz dich dort drüben hin, du wirst ab jetzt zusehen, nach welchen Kriterien ich die anderen Freiwilligen auswähle!“
Ich knickste höflich und entfernte mich langsam, bevor ich mich auf einen Marmorstuhl nieder sinken ließ, der Stein war kühl und beruhigte mich, während ich gespannt darauf wartete, wen der König wohl noch auswählen würde und ob er wen er aussiebte.
Für gewöhnlich meldeten sich stets eine große Masse an Leuten, die sich bereit erklären, für den König auf die noch so gefährlichen Reisen zu gehen, obwohl die meisten dabei starben. Und jetzt bist du selbst ein Teil davon, dachte ich bitter, meine Eltern würden platzen vor Stolz.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 21:58

Leer, genau wie all die anderen davor. Irgendwas machte er sicher falsch mit seinen Fallen. Fluchend richtete Garl sich auf und sah sich hilflos um. Das war eigentlich keine große Überraschung, aber das änderte nichts daran, dass er jetzt mit leerem Magen würde aufbrechen müssen, und als er zurück zu der Lichtung kam, die er am letzten Abend als Rastplatz ausgewählt hatte, beneidete er das gestohlene Pferd, das genüsslich den Boden abweidete. Er würde sich in Richtung der Stadt aufmachen. Zwar konnte er sich dort eigentlich nicht mehr blicken lassen - die Wahrscheinlichkeit, dass die Wachen ihn nicht wiedererkannten, war ziemlich gering - aber in ihrer Umgebung gab es immer etwas zu essen. Er würde ja schließlich nicht winkend auf den nächstbesten Trupp Soldaten zulaufen. Außerdem gab es dort so viele Menschen, und als kleiner Taschendieb war er ja nicht jedem bekannt. Eigentlich sogar recht wenigen Leuten. Und im schlimmsten Fall: Wer zweimal aus ein und demselben Gefängnis entkommt, schafft es auch ein drittes Mal.
Seine Gedanken schweiften ab, während das Pferd den Wald verließ und über die Felder trottete. Hin und wieder zog er an einem der Zügel, die er, ebenso wie dieses Pferd, ganz sicher nicht gekauft hatte. Wenn ich zum nächsten Wirtshaus komme, dachte er und verzog das Gesicht, lasse ich auch einen Sattel mitgehen. Und etwas zu essen. Das zuerst.
Er erreichte den ersten Hof seit langem, und sah sich, dadurch aus seinen Tagträumen gerissen, überrascht um. Er war weiter gekommen, als er gedacht hatte, in einiger Entfernung konnte er sogar schon die Mauern der Hauptstadt erkennen.
Er richtete sich auf dem Pferderücken auf. Ein seltsames Gefühl beschlich ihn, so etwas wie ... Einsamkeit? Dann erst fiel es ihm auf: Da war niemand auf den Feldern. Sehr faule Bauern, dachte er halbherzig. Doch natürlich wusste er es besser; Bauern konnten es sich nicht leisten, faul zu sein. Und schon garnicht alle auf einmal. Unsicher ritt er weiter und hatte das unbestimmte Gefühl, sich in die falsche Richtung zu bewegen. Er seufzte. Das kam vom Hunger. Es würde nicht besser werden, wenn er jetzt nicht die kahlen Felder hinter sich ließ und ein paar Obstbäume auftrieb. Oder einen Reisenden, der nicht gut genug auf seinen Proviant aufpasste.
Je näher die Stadt kam, desto stärker wurde das Gefühl, und er meinte, in seinem Kopf Geräusche zu hören. Essen, dachte er zum hundertsten Mal. Er hätte gestern nicht das Frühstück auslassen dürfen. Und das Abendessen. Und heute das Frühstück. Auch, wenn er seiner Meinung nach natürlich nichts dafür konnte.
Die Schreie in seinem Kopf wurden lauter, ein klingendes Geräusch kam hinzu, und als er den Kopf hob, war da ein dunkler Fleck in seinem Blickfeld. Er blinzelte. Der Fleck blieb, hing wabernd über der Stadt. Und plötzlich kamen ihm die Geräusche klarer und lauter vor und ihm wurde klar, dass die Stimmen und das Klirren nicht aus seinem Kopf kamen. Es kam aus der Stadt. Unwillkürlich hielt er das Pferd an und starrte auf den Rauch, der sich langsam über die Mauern schob und von einem schwachen Wind verteilt wurde. Die Stadt wurde angegriffen. Die Stadt wurde angegriffen. Mehmals dachte er das, bis er es begriff. Eine Schlacht in der Hauptstadt! Er machte Anstalten, sein Pferd zu wenden, wollte zurückreiten, weg von jeder möglichen Gefahr. Nur die Neugier hielt ihn zurück. Was ist da los, dachte er, und bemerkte in diesem Moment einen Mann, der aus einiger Entfernung den Pfad entlang auf ihn zukam. Ein kurzer Gedanke an Proviant durchzuckte ihn, wurde jedoch sofort wieder von seiner Neugier verdrängt. Seine Finger klammerten sich um den Zügel, als er fast wider Willen sein Pferd vorantrieb und langsam auf den Fremden zuritt.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Mo 28 Jan 2013, 22:50

Mit Mühe stemmte Mathilda sich mit Hilfe des Tisches hoch, als sich der junge Mann zu regen begann. Mit ihrem Stock, den sie an einen anderen Stuhl angelehnt hatte, ging sie ächzend zum Topf hinüber. Das Feuer war inzwischen hinuntergebrannt, doch die Glut spendete immer noch genug Hitze, um das Gebräu im Topf warmzuhalten. Mit der Kehle schöpfte sie ein weiteres mal davon ab und füllt eine Schale, die sie vorsichtig zu dem Saranen hinübertrug.
"Du solltest dich nicht bewegen, dein Körper hat noch mit dem Wundbrand zu kämpfen", sagte sie. Ihre Stimme war leise und hatte einen krächzenden Unterton. Sie setzte die Schale an seinen Mund und hob sie vorsichtig, damit die Flüssigkeit in seinen Mund rann. "Trink. Es wird dir helfen. Ich weiss, dass es nicht besonders gut schmeckt, aber Medizin muss bitter sein, damit sie wirkt."
Nachdem die Schale leer war, stellte sie sie in die andere und zog einen Schemmel, der neben dem Hochbett stand, heran. Sie setzte sich darauf, wobei sie leise ächzte und legte sich ihren Stock auf den Schoss. Ihr Finger fuhren unablässig über die Rinde, die das Holz überzog, fuhr die Linien darin nach und ruhte kurz auf den kleinen Löchern. Der Blick ihrer grünen Augen ruhte auf dem jungen Mann und ihr lippenloser Mund war zu einem winzigen Lächeln verzogen, das ihre Augen aber nicht wirklich erreichte.
"Wie fühlst du dich? Wie kommt es, dass ein junger Mann wie du mit solchen Wunden direkt vor diesem Dorf auftauchte?", fragte sie schliesslich.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 01:05

Mit einem lauten Knall schlug die aus den Angeln getretene Tür auf der Straße auf. Larciel trat aus dem Haus und knurrte wütend. Auch in dieser Wohnung war niemand mehr am Leben gewesen außer zwei Angehörigen der infizierten Brut, kaum mehr als Kinder, doch genauso gewalttätig und wild wie jeder andere Schatten. Während er Arghons Klinge mit dem Tischtuch, welches er sich beim Durchqueren der Küche gegriffen hatte, von dem Blut reinigte, verfluchte er wohl zum hundersten Mal an diesem Tag den Rest seines Volkes. Es gehörte schon erstaunlich viel dazu, sich hinter diesen Marionetten zu verstecken und sie die ganze Drecksarbeit erledigen zu lassen. Mit einem hasserfüllten Zischen spuckte er auf die ohnehin schon von Blut und dem alltäglichen Schmutz verdreckte Straße. Für ihn war jeder, der seine Kämpfe nicht alleine ausfechten konnte, die Luft zum Atmen nicht wert.
Larciel ließ seinen Blick die Straße entlangwandern. Hier würde er nichts mehr ausrichten können, keiner der Einwohner war mehr am Leben und jeder einzelne Kurora in der näheren Umgebung war vernichtet. Trotzdem war Larciel nicht zufrieden. Der Großteil dieser wahnsinnigen Meute war immer noch am Leben und befand sich auf dem Weg zum Palast, doch er war nicht dumm genug, um ihnen dorthin zu folgen. Gegen eine solche Übermacht konnte er alleine nichts ausrichten. Das Klügste wäre es jetzt, die Stadt zu verlassen, bevor die Flut der Infizierten sich auf das Umland auszubreiten begann. Erst dann, wenn sie sich aufteilten, konnte er einzelne Gruppen von ihnen angreifen und so die Masse der Bedrohung für Rilead ausdünnen. Er verstaute Arghon in seiner Schwertscheide und wandte sich nach links, dorthin, wo er auf dem Weg hierher an einem Stall vorbeigekommen war. Vielleicht fand sich darin noch das ein oder andere Pferd, mit dem die Flucht aus der Stadt schneller vonstatten gehen würde. Während Larciel die Straßen entlangschritt, brütete er über der Frage, wie die Vawek es geschafft hatten, den Fluch des dunklen Blutes bis nach Samaru hinein zu tragen. Eigentlich sollten die Bewohner der Hauptstadt doch um die Bedrohung der Schatten wissen, und auch, wie man jemanden als solchen identifiziert. Während er dies dachte, griff er mit der linken Hand unbewusst nach hinten und strich über sein rechtes Schulterblatt, der Ort, an dem er selbst sein eigenes Mal trug. Wie hatte er dieses Zeichen früher gehasst! Jahrelang hatte es ihn angewidert, dieses Symbol seines schwachen und feigen Volkes zu tragen, für immer als Teil der Vawek, die ihre Kriege nicht alleine führten und sich einen Dreck um den natürlichen Lauf der Natur scherten, gebranntmarkt zu sein. Doch irgendwann hatte er erkannt, dass das Mal nicht nur ein Fluch, sondern auch eine Gabe sein konnte. Seitdem hatte er es als Geschenk akzeptiert und war stolz darauf, dass es inzwischen die Farbe von getrocknetem Blut angenommen hatte, die Farbe der Sünder. Für jeden Angehörigen seines Volkes, den ein Vawek tötete, nahm sein Mal immer mehr das Aussehen einer blutigen Wunde an. Ein Zeichen der Götter, die die Verräter an ihrem Volk bestraften. Nichts hasste ein wahrer Vawek so sehr wie einen anderen Schatten, der ein solches Mal trug. Larciel musste unwillkürlich lachen. Was kümmerten ihn die Götter oder sein Ansehen bei seinem Volk! Er hatte sich in den finsteren und kalten Festungen Vaweks nie zuhause gefühlt. Natürlich, er liebte die Dunkelheit, doch war es die warme Nacht Rileads, in der er bleiben wollte, nicht das eiskalte Etwas, was man in Vawek als solche bezeichnete. Sogar die Sonne hatte dort einen unwirklichen und frostigen Schein, wenn sie überhaupt mal die immerwährenden schwarzen Wolken über dem Schattenreich durchbrach. Nein, das war nie etwas für ihn gewesen.
Larciel tauchte aus seinen Gedanken und Erinnerungen auf, als er die Ställe erreichte. Kurz vergewisserte er sich, dass keine übrig gebliebenen Kurora in der Nähe waren, bevor er das Tor öffnete und in das Zwielicht des Gebäudes trat. Nach wenigen Augenblicken der Suche war ihm klar, dass er hier kein Pferd finden würde. Wahrscheinlich hatten sich schon andere Einwohner, die nicht von der Seuche infiziert wurden, hier bedient und waren auf berittenem Wege aus der Stadt geflohen. Naja, macht auch nichts, dachte Larciel sich schulterzuckend. Er würde auch zu Fuß sehr schnell unterwegs sein. Trotzdem hätte er gerne ein Pferd dabei gehabt. Pferde waren immer nützlich. Sie konnten das tragen, womit man sich selber nicht belasten wollte, und wenn die Not es gebot, konnte man sie für einen guten Preis verkaufen. Oder wenigstens für etwas Essbares eintauschen.
Er wandte sich zum Gehen und wollte den Stall gerade wieder durch das Tor verlassen, als er von der anderen Seite des Gebäudes ein Klirren und ein aufgebrachtes Wiehern hörte. Stirnrunzelnd trat er auf die Hintertür zu, die wohl auf den Hof der Stallungen führte. Doch er hatte noch keine zwei Schritte getan, als genau diese Tür ihm auch schon mit einem lauten Krachen entgegen geflogen kam. Erschrocken sprang Larciel zur Seite und starrte auf das Stück Holz, welches bis vor wenigen Momenten noch eine normale Tür gewesen war. Und was noch verwirrender war: Es war nicht nur das Holzbrett, was da vor ihm lag. Auf der zerborstenen Tür lag ein Kurora mit einer gewaltigen Delle im Brustkorb. Ein Hufabdruck deutete an, was diese Verletzung verursacht haben konnte. Ungläubig hob Larciel den Blick und richtete ihn auf das Loch in der Wand. Dahinter stand ein gewaltiges, nachtschwarzes Pferd, welches sich gerade umdrehte und dabei schnaubend mit den Hufen aufstampfte. Die Muskeln, deren Spiel man durch das dunkle Fell gut betrachten konnte, schienen fast zu enorm für ein normales Pferd zu sein, selbst bei einem von dieser Größe.
Larciel wurde von einem Ächzen aus seiner Sprachlosigkeit gerissen, als sich der Schatten, der ganz offensichtlich bereits Bekanntschaft mit der Kraft dieser Bestie gemacht hatte, unter einigen Mühen aufgrund seines deformierten Brustkorbs aufrichtete. Wilde Wut spiegelte sich in seinem Blick, als er aufbrüllte und begann, auf das Tier zuzurennen, welches ihn gerade gut fünf Meter weit getreten hatte. Doch Larciel war schneller. In einer einzigen, flüssigen Bewegung zog er Arghon aus seiner Scheide, überbrückte die Entfernung zu dem Kurora und durchtrennte seinen Körper ungefähr auf Brusthöhe. Spaßeshalber hatte er genau auf die Stelle gezielt, die der Huftritt des Pferdes bereits verletzt hatte. Während der Schatten (oder eher die zwei Teile, die einmal der Schatten waren), zu Boden ging, hatte Larciel sich schon dem Tier zugewandt, welches das Spektakel interessiert von draußen beobachtet zu haben schien. Lange starrten die beiden sich einfach nur an.
Dann trat Larciel vorsichtig auf das Pferd zu und verstaute dabei Arghon in seinem Gürtel. Das dunkle Tier tänzelte auf der Stelle, doch verließ seinen Platz nicht. Immer noch fixierte es Larciel mit seinen schwarzen Augen, während in regelmäßigen Abständen Dampf aus seinen Nüstern stieß. Noch drei Schritte, dann stand er vor ihm. Noch zwei. Immer noch hatte Larciel seine Sprache nicht wiedergefunden. Noch einer. Ein Pferd mit so einem Kampfgeist und Verhalten war ihm noch nie untergekommen. Dann trennte Larciel nur noch eine Armeslänge von dem Tier. Langsam hob er die Hand und berührte die Schläfe des Pferdes. Es zuckte kurz zurück, doch dann schien es Gefallen an der Berührung zu finden und ließ sie über sich ergehen. Ohne den Blick von Larciel zu nehmen, sog es seinen Geruch ein und schien zufrieden zu sein. Ein kleines Lächeln breitete sich über Larciels Gesicht aus, als er dem Tier sanft über die Nüstern strich. Nicht viele Tiere fühlten sich in der Gegenwart eines Schattens wohl.
„Sleipnir.“, flüsterte er und benutzte dabei den Namen des Rosses, auf dem der Kriegsgott der Vawek in die Schlacht ritt. Mit einem tiefen Wiehern warf das Tier den Kopf zurück und baute sich zu seiner vollen Größe auf. Grinsend griff Larciel sich einen Sattel und Zaumzeug von der Wand des Stalls und legte Sleipnir beides an, was sich als gar nicht so einfach erwies. Nicht etwa, weil dieser sich sträubte, sondern weil er unruhig hin und her trabte, als konnte er es nicht erwarten, diesen Ort zu verlassen und seinem neuen Herrn zu zeigen, zu was er in der Lage war. Nachdem Larciel die letzten Gurte festgezurrt hatte, führte er Sleipnir auf die Straße, schwang sich auf seinen Rücken und ließ ihn selber seinen Weg aus der Stadt finden. Wahrlich, dachte er noch zufrieden bei sich, während die beiden durch das Stadttor stürmten und in die Nacht hinein verschwanden, es war eine verdammt gute Idee gewesen nach Samaru zu kommen.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 12:53

Das war eine gute Frage. Eine Frage, die er im ersten Augenblick gar nicht recht beantworten konnte.
Langsam liess er sich zurücksinken und starrte wieder an die Decke, während er sich zu erinnern versuchte, was genau passiert war. Er wusste nicht mehr recht, was Traum und was Realität gewesen war.
Schritt für Schritt ging er die letzten paar Stunden durch. Erst hatte er noch gegessen und dann in den Stallungen seinen Sattel und das Zaumzeug mit Öl eingerieben. Er hatte Dorne ausgiebig geputzt und ihr nach saranischer Art dünne Bänder und Perlen in Mähne und Schweif geflochten. Er besass ja schliesslich selber vier dünne Zöpfchen an deren Ende blaue und schwarze Perlen eingeflochten waren.
Und dann... dann war da der erste Angriff. Er erinnerte sich kaum noch, wie es passiert war, alles war so schnell gegangen. Er hatte sich nicht sofort auf Dorne gesetzt, nein... er hatte versucht dem Tumult auszuweichen, in dem er den anderen Stallausgang genommen hatte. Dort war es ruhiger gewesen. Erst, als er sich der Masse gezwungenermassen hatte stellen müssen, hatte er sich in den Sattel geschwungen und war rausgeritten. Doch irgendwas war da doch noch. Irgendwas war passiert.
Angestrengt runzelte Ashill die Stirn. Es war alles so verworren und die Erinnerungen verblassten allmählich immer mehr.
Ein Gedankenblitz durchfuhr ihn. Ein Brief, ein Brief mit dem königlichen Siegel. In der Hand eines toten jungen Mannes.
Beinahe hastig fasste er an die Tasche in seinem Wams und hörte es knistern. Der Brief war wohl noch da. Der Brief... Langsam zog er ihn hervor und zeigte ihn der alten Frau.
"Samaru ist gefallen", murmelte er dabei.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 20:50

Das Tempo seiner Reise hatte sich etwas verlangsamt während er versuchte seine Sinne unter Kontrolle zu bekommen. Einige Mal hatte er noch mit seiner Knochenpeitsche zu geschlagen und so einige Kerben im Wald hinter lassen. Doch mit jeden Moment den er an der Oberfläche verbesserte sich seine Kontrolle und damit verschwand auch langsam das Gefühl verfolgt zu werden. Nun konnte er sich auch wieder darauf konzentrieren seine Ziele zu finden und damit seiner Rache und seinen Antworten näher zu kommen. Das war zumindest das was Aeternum antrieb.
Der Mortuis näherte sich langsam dem Rand des Waldes und in dessen nähe schien ein Gebäude zu stehen. Als er den Waldrand erreicht hatte blieb er dort für einige Zeit stehen und betrachtete seine Umgebung. Das Gebäude schien sein bester Weg zu sein um heraus zu finden wo er war und wo er diese verfluchten Blutenden fand, die sein Volk überfallen wollten.
Mit eher langsamen Schritten ging Aeternum zu eben besagten Haus, während sich seine Knochenpeitsche wieder von seinen Arm löste und über den Boden schliff. Er war sich nicht sicher ob diese Blutenden nicht ebenso waren wie die die kamen um sein Volk aus zu löschen. Zwar glaubte er nicht daran ohne Vorwarnung einfach anzugreifen, doch er ging lieber auf Nummer sicher als der ruhigen Umgebung blind zu vertrauen.
Als er endlich vor dem Haus stand strich er mit seiner Hand über die Wand und anschließend über die Tür, wobei seine spitzen Finger leichte Kratzer hinter ließen. Er war sich nicht sicher wie es bei den sterblichen Völkern war, doch am Ende beschloss er auf sich aufmerksam zu machen und klopfte gegen die Tür. Noch war sich Aeternum nicht einmal sicher was oder wie er die Leute in diesen Gebäude fragen sollte, da er sich nicht absolut sicher war was er suchte. Doch er würde versuchen es ihnen zu erklären und vielleicht konnten sie ihm weiter helfen oder im schlimmsten Fall gehörten die Leute hier zu eben jenen die er suchte.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 21:52

Samaru war gefallen? Gegen wen? Waren die Aufstände, von denen sie von den Dorfbewohnern gehört hatte, erfolgreich gewesen? Aber wer waren diese Aufständischen? Es gab eigentlich keinen Grund, zu rebellieren. Rilead ging es gut, die Steuern waren niedrig und die Beamten liessen sogar mit sich reden. Vor fünfzig Jahren war das ein wenig anders gewesen, aber der momentane König machte eigentlich eine gute Arbeit. Also griff Mathilda nach dem Brief, den der Saran ihr hinstreckte und strich über das Siegel. Das königliche Siegel. Sie kannte es von den Steuerbriefen, obwohl es da in billiges, farbloses Wachs gepresst war. Mit dem gebührenden Respekt wollte sie gerade das Siegel brechen, als jemand an der Tür klopfte. Mathilda runzelte die Stirn, was aufgrund der vielen Falten, die ihr Gesicht von zierte, nicht gross auffiel. Waren das schon wieder die Dorfbewohner? Hatten sie noch einen Verletzten gefunden? Das wäre nicht praktisch, die oberen Betten würde sie nicht für Patienten gebrauchen können und irgendwo musste sie ja noch selbst schlafen. Die alte Frau schob ihren Stock vom Schoss und stemmte sich damit unter Ächzlauten hoch. Es war schon eine Weile her, seit sie in so kurzer Zeit so oft in quer durch ihr Haus gelaufen war. Seit die Kinder weg waren, war es ruhig geworden.
Schliesslich an der Tür angekommen, zog sie diese auf. Der Anblick, der sie erwartete, liess sie aufschreien. Vor ihrer Tür stand eine Art Skelett mit Kristallen verziert und einer Peitsche in der Hand. Mit mehr Kraft, als man es ihr zugetraut hätte, knallte sie die Tür wieder zu, trat einige Schritte zurück und umklammerte ihren Stock, während sie das Holz anstarrte. Was war das gewesen?
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 22:18

Ashill sprang beinahe aus dem Bett, als er die Alte schreien hörte. Es war ja nicht so, als wäre er besonders schreckhaft gewesen. Doch Schreie waren selten gut. Deshalb sprang er auf, ächzte wegen seines Armes und kriegte dann nur noch mit, wie die Alte die Tür zuschlug.
Was hatte sie wohl so erschreckt?, fragte er sich, sprach die Worte aber nicht aus, sondern griff nach dem Brief, der auf dem Boden lag und steckte ihn wieder ein. Er war sich nicht sicher, ob es gut war, ihn zu öffnen.
"Was ist?", fragte er nun, wobei er sich mit der gesunden Hand den Arm hielt. "Was habt Ihr gesehen, alte Frau?"
Waren die Irren bereits hier? Konnte das möglich sein? Waren sie ihm gefolgt? Wenn ja, wie viele? Waren sie schon ins Dorf eingefallen?
Er bis sich auf die Lippen. Hatte er den Tod hierher geführt?
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 22:40

Die Reaktion war doch etwas überraschend gewesen, das musste sich Aeternum eingestehen. Vielleicht lag es an der Form seines Aussehens? Wahrscheinlich war sie den Anblick eines Mortuis in einer Skeletthülle nicht gewohnt, doch er würde auch seine Form nicht aufgeben. Auch wusste er nicht ob seine reine Kristallform viel besser war.
Auch würde Aeternum die Tür vor ihm nicht aufbrechen, er wollte schließlich nicht den falschen Eindruck erwecken oder eben besagten nicht noch vertiefen. So blieb er stehen und konzentrierte sich ob er eine Verbindung zu eben jener aufbauen konnte. Er war sich nicht sicher ob er zwei Präsenzen hinter der Tür spürte oder ob es doch nur eine war. „Verzeiht, ich wollte euch nicht erschrecken“, begann Aeternum und projizierte diese Worte in die Präsenzen die er spürte, wenn die Wesen innerhalb des Gebäude seine Worte empfangen würden, würden sie sie hören als würden sie von überall aus ihrer nähe kommen, „Ich suche bloß die Wesen aus Fleisch und Blut die in ihren Wahnsinn meine Heimat angegriffen haben. Ich will wissen warum ihr Volk das meine Angriff und ihnen ebensolches Leid zu fügen.“ Er würde seine Absichten nicht verschleiern, auch hätte er mit so was keine Erfahrung denn noch nie hatte er seine Absichten verschleiern müssen oder lügen müssen.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 22:56

Als ich den Pfad aus der Stadt weiter entlang ging fiel mir in einiger Entfernung ein Reiter auf. Er ritt auf mich und die Stadt zu. Keine sehr weise Entscheidung im Moment. Ihm sollten die Rauchschwaden aufgefallen sein, aber auch er wird kaum helfen können. Falls er wirklich helfen möchte sollte ich ihn warnen, denn ich glaube kaum dass er einen großen Einfluss auf den Verlauf der Schlacht haben wird.
Als ich ihm schon ziemlich nahe war überprüfte ich mein Aussehen. Mein blutbefleckten Schild hatte ich wieder auf meinen Rücken gebunden, mein Streitkolben hing an meinem Waffengurt. Der Waffenrock den ich über Kettenhemd und Wams trug war blutverschmiert und an einigen Stellen gerissen. Selbst das Wappen meines Ordens, ein roter Adler, war kaum noch zu erkennen. Nun gut, sicher war ich kein erhebender Anblick, aber mir ging es nun auch nicht gerade blendend.
Nachdem der Reiter nun schon sehr nahe war blieb ich stehen und winkte ihn zu mir. „ Heda, ich an ihrer Stelle würde umkehren, außer ihr wolltet schon immer einen Kampf auf Leben und Tod austragen. Wobei es hier auf Tod hinausläuft.“ Diese Worte waren zwar sehr direkt, aber angesichts der Lage durchaus angemessen. Dass er überhaupt so weit geritten ist war merkwürdig, denn die umliegenden Höfe mussten längst verlassen sein. Der Brand war nun einmal nicht unbemerkt geblieben.
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BeitragThema: Re: Das Licht in der Dunkelheit [MSG]   Di 29 Jan 2013, 23:59

Gerion hasste es zu knien. Knien, dass hieß einer Person wegen ihres Namens, ihres Ranges oder ihrer Zeichnungen Respekt zu zollen. Aber womit hatten sie diesen Respekt verdient? Es gab nur eines, dem Gerion Respekt zu zollen bereit war: Taten. Wer sich als guter Mann erwies, dem erwies der Henker auch Achtung. Wer Respekt einforderte, ohne etwas geleistet zu haben, für den hatte er jedoch nichts als Verachtung übrig. Der Henker war in seinem Leben nicht vielen begegnet, vor denen er bereitwillig das Knie gebeugt hätte. Dem König von Alvae konnte er diese Geste der Ehrerbietung dennoch nicht verweigern.
Man merkte dem Hünen an, dass er sich eher in Heerlagern denn an Höfen herum trieb, als er in den Thronsaal gerufen wurde und den langen Teppich, an dessen Ende sich auf einem Podium der Thron erhob, entlang schritt. Doch es war auch nicht der unsichere, zaghafte Tritt des Bauern, der sich aus Furcht, gegen die ihm fremden Etikette zu verstoßen, kaum einen Fuß vor den anderen zu setzen traute, mit dem er sich dem König näherte. Der Henker war ein Mann, der es gewohnt war, alles und jedem entschlossen entgegen zu treten und mit entsprechend langen Schritten durchmaß er den Raum. Selbst als er sich auf Geheiß des Zeremonienmeisters, der mit einem schlanken Szepter in den spinnengleichen Fingern hinter des Königs Sitz Aufstellung genommen hatte, auf die Knie warf steckte die Geste wollter Schwung und Ungestüm. Die Haltung - das Knie im rechten Winkel, die Faust vor die Brust geführt, den Blick zu Boden gerichtet - saß dennoch. So sehr er es auch verabscheute zu knien: man konnte nicht behaupten, dass nicht genügend Männer versucht hatten, Gerion Halbrek Benehmen und Demut einzuprügeln.
Es dauerte quälend lange, bis das "Erhebt euch!" des Königs Gerion aus der verhassten Pose erlösten, ganz als wollte der Herrscher den forschen Auftritt damit ausbremsen. Oder sich an seinem Unbehagen weiden. Viele Männer hatten Gerion Halbrek knien lassen, nur weil sie es konnten. Sah man ihm an, wie unwohl er sich dabei fühlte? Oder nahm der König sich nur Zeit, den Untertanen vor sich genau zu mustern, ehe er diesem das selbe erlaubte?
"Majestät", antwortete der Henker schlicht als er sich wieder zu voller Größe aufgerichtet hatte und neigte noch einmal leicht das Haupt. König Pheanel war ein großer Mann, kaum kleiner als Gerion selbst und von seinem Podium hätte er auf wohl jeden Mann im Reich mühelos herab blicken können. Trotz seines Alters war ihm der Krieger anzusehen. In seiner Jugend - so sagte man zumindest - hatte der König selbst eine formidable Klinge geführt und auch jetzt, wo seine Tage des Kampfes gezählt waren, galt er als gerecht und aufrichtig. Vermutlich gab es schlechtere Männer, vor denen man knien konnte.
"Man hat mir euren Namen gemeldet, Gerion Halbrek, doch wenig von euren Taten." Die Stimme des Königs war ruhig und freundlich, doch nicht ohne Stärke. Eine Stimme, die ebenso loben wie drohen konnte. "Was macht euch für dieses Vorhaben, von dem so viel für unser Volk abhängt, geeignet?"
"Majestät, ich habe seit ich alt genug war um eine Klinge zu tragen für Alvae gekämpft, mehr als zwei Jahrzehnte lang..." Der König hatte nicht laut gesprochen, doch seine Worte hatten trotz der Ausmaße des Thronsaals bis in dessen Ecken getragen. Gerions raues Wispern hingegen schaffte es kaum die Stufen zum Thron hinauf. "Ich habe unter einem halben Dutzend guter Hauptleute und auch einer Handvoll schlechter gedient und habe ebenso viele fallen sehen. Seit ich meine Klinge trage ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht nach Vawek geritten wäre. Wir haben die Schatten erschlagen wo immer wir sie fanden und ihre Dörfer und Außenposten dem Erdboden gleich gemacht." Wir haben ihre Weiber geschändet, ihre wehrlosen Greise dem Schwert und ihre frisch geborenen Welpen den Flammen übergeben, fügte er in Gedanken hinzu, Ich bin nicht stolz darauf, aber ich bereue nichts! Dem König gegenüber konnte er dies freilich nicht äußern.
"Wie viele habt ihr selbst erschlagen?", verlangte der Zeremonienmeister des Königs zu wissen. Der Anflug eines Lächelns huschte über die heile Seite von Gerions Gesicht.
"Mein erster Schild trug vierzehn Kerben als er mir zerhauen wurde. Ich habe seitdem nicht mehr gezählt."
"Und was erhofft ein Mann wie ihr auf einer Queste wie dieser zu finden?" Diesmal war es der König, der wieder das Wort ergriff.
"Blut, Majestät", antwortete der Henker wahrheitsgemäß. Das Wort klang hart, scharf, wie der Knall einer Peitsche zerriss es die Stille des hohen Saals. "Meines oder das der Schatten. Ich folge meiner Bestimmung." Er griff mit der Linken an den Kragen seines Wamses und zog es herab, sodass die hellen Runenmuster auf seiner Haut zu erkennen waren, wo sie mit dem Narbengewebe an seiner Kehle verwuchsen. "Ich kämpfe für das Andenken des Weißen Königs. Schickt mich gegen die Schatten und ich bin euer Mann!
Es war unzweifelhaft gegen die Protokolle des Hofes, sich seinem König gegenüber derart offen zu äußern, doch die Worte schienen Eindruck gemacht zu haben. Für einige Herzschläge herrschte Stille, eine Stille so dicht und angespannt, dass man sie schier hätte greifen können. Dann ließ der König sich langsam auf seinen Thron nieder. "Wir werden Männer mit eurer Erfahrung und Entschlossenheit auf dieser Mission gebrauchen können, Gerion Halbrek", verkündete er schließlich, "Wenn es euer Wunsch ist zu kämpfen, so soll er euch nicht versagt werden." Es ist eher der Wunsch zu töten, denn der zu kämpfen, dachte Gerion im Stillen, doch anstatt es sich anmerken zu lassen neigte er lediglich in einer Geste der Dankbarkeit den Kopf. Der König hatte die ganze Dauer ihrer Unterredung den Blick nicht vom Gesicht des Henkers abgewandt und sich - im Gegensatz zu seinem Zeremonienmeister - mit nichts anmerken lassen, dass ihm dessen Anblick unangenehm gewesen wäre. Es gab schlechtere Männer, vor denen man knien konnte...

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